Ein eingeklemmter Nerv kann bei Meerschweinchen verschiedene Ursachen haben und sich durch unterschiedliche Symptome äußern. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über mögliche Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsansätze, um Meerschweinchenhaltern zu helfen, diese Erkrankung besser zu verstehen und ihren Tieren die bestmögliche Versorgung zu bieten.
Anatomische Grundlagen
Die Wirbelsäule des Meerschweinchens besteht aus knöchernen Wirbeln, zwischen denen sich Bandscheiben befinden. Diese Bandscheiben fungieren als Stoßdämpfer und ermöglichen gleichzeitig eine eingeschränkte Beweglichkeit der Wirbelsäule. Jede Bandscheibe besteht aus einem festen äußeren Ring und einer gallertartigen Masse im Inneren.
Ursachen eines eingeklemmten Nervs
Ein eingeklemmter Nerv entsteht, wenn Druck auf einen Nerv ausgeübt wird. Dies kann verschiedene Ursachen haben:
- Bandscheibenvorfall: Ein Bandscheibenvorfall tritt auf, wenn die gallertartige Masse im Inneren der Bandscheibe durch den äußeren Ring dringt. Dadurch werden die in dem entsprechenden Gebiet verlaufenden Nerven eingeklemmt.
- Arthrose und Spondylose: Arthrose (Gelenkverschleiß) und Spondylose (Wirbelsäulen-Arthrose) können zu Knochenwucherungen führen, die die Nerven behindern.
- Tumore und Abszesse: Tumore oder Abszesse im Bereich der Wirbelsäule oder der Nerven können Druck auf die Nerven ausüben.
- Verletzungen: Prellungen, Stauchungen oder Brüche der Wirbelsäule können ebenfalls zu einem eingeklemmten Nerv führen.
- Übergewicht: Ein erhöhtes Körpergewicht kann die Wirbelsäule und die Gelenke zusätzlich belasten und somit das Risiko eines eingeklemmten Nervs erhöhen.
- Fehlstellungen: Angeborene oder erworbene Fehlstellungen der Gelenke oder Gliedmaßen können zu einem erhöhten Verschleiß und somit zu Nervenproblemen führen.
- Vitamin-D-Mangel: Ein Mangel an Vitamin D kann zu Knochen- und Gelenkproblemen führen, die indirekt Nerven einklemmen können.
- E. Cuniculi: Diese parasitäre Erkrankung des zentralen Nervensystems kann ebenfalls Lähmungen und andere neurologische Symptome verursachen.
Symptome eines eingeklemmten Nervs
Die Symptome eines eingeklemmten Nervs können vielfältig sein und hängen davon ab, welcher Nerv betroffen ist und wie stark der Druck auf den Nerv ist. Häufige Symptome sind:
- Lähmungen: Besonders häufig sind gelähmte Hinterbeine, die nachgezogen werden. Anders als bei einer vollständigen Lähmung sind die Reflexe im Fuß jedoch oft noch vorhanden. Auch andere Lähmungserscheinungen, wie z.B. eine Lähmung einer Gesichtshälfte, sind möglich.
- Schmerzen: Die Tiere zeigen oft einen gekrümmten Rücken, sind berührungsempfindlich und schnappen möglicherweise. Die Muskulatur ist oft verspannt.
- Bewegungseinschränkungen: Die Meerschweinchen haben Schwierigkeiten beim Laufen, Springen oder Aufstehen. Sie vermeiden möglicherweise Sprünge über Hürden oder auf erhöhte Gegenstände.
- Inkontinenz: In schweren Fällen kann es zu unwillkürlichem Urin- und/oder Kotverlust kommen. Dies ist ein Notfall, der sofortige tierärztliche Behandlung erfordert!
- Verhaltensänderungen: Die Tiere putzen ihr Hinterteil und die Hinterläufe möglicherweise unzureichend und setzen sich oft in den eigenen Kot.
- Koordinationsprobleme: Ein wackeliges Rückgrat oder gelegentliches Umknicken/seitliches Wegkippen kann beobachtet werden.
- Zittern: Zittern der Hinterbeine beim Hochheben kann auftreten.
- Sensibilitätsstörungen: Sensibilitätsstörungen und damit verbundene Lähmungserscheinungen können auftreten.
- Kopfschiefhaltung: In manchen Fällen kann ein eingeklemmter Nerv auch zu einer Kopfschiefhaltung führen.
- Gleichgewichtsprobleme: Augenzittern und ein verzögerter Pupillenreflex können auftreten.
- Anfälle: In seltenen Fällen kann es zu Anfällen kommen.
Diagnose
Eine genaue Diagnose ist entscheidend, um die richtige Behandlung einzuleiten. Folgende Schritte sind in der Regel notwendig:
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- Allgemeine Untersuchung: Der Tierarzt wird das Meerschweinchen gründlich untersuchen, um andere mögliche Ursachen für die Symptome auszuschließen.
- Neurologische Untersuchung: Eine neurologische Untersuchung kann helfen, die Lokalisation des Problems zu bestimmen.
- Röntgenaufnahmen: Röntgenaufnahmen der Wirbelsäule können helfen, Frakturen, Bandscheibenvorfälle, Arthrose, Spondylose oder Tumore zu erkennen.
- Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT): In einigen Fällen kann eine CT oder MRT erforderlich sein, um eine genauere Diagnose zu stellen.
- Blutuntersuchung: Eine Blutuntersuchung kann helfen, andere Erkrankungen wie z.B. E. Cuniculi oder Stoffwechselstörungen auszuschließen. Ein Blutcheck sollte erstellt werden (EC-Titer, Nierenwerte, CK (Trauma), Pseudolinksverschiebung (Entzündung)). Ein positiver Titer zeigt, dass das Meerschweinchen den Erreger trägt, trotzdem kann die Erkrankung durch etwas Anderes bedingt sein.
- Differenzialdiagnosen: Es ist wichtig, andere mögliche Ursachen für die Symptome auszuschließen, wie z.B. Osteodystrophie, Lymphozytäre Choriomeningitis, Vitamin-C-Mangel, Meerschweinchenlähme, Arthrose/Spondylose/HD, Knochenbrüche, Wirbelsäulenschäden, Hirnhautentzündung (Meningitis), Gehirnschäden, Krankheit des Zentralennervensystems, Hypokaliämie oder Hyperkaliämie (Kaliummangel/zu hoher Kaliumwert), Hypermagnesiämie (erhöhter Magnesiumgehalt), Abszesse oder Tumore (die auf die Nerven drücken), Schilddrüsenüberfunktion, Wirbelentzündung, Herzerkrankungen, Kokzidiose, Lungenentzündungen, Erkrankungen die mit Schmerzen an der Wirbelsäule oder an den Beinen einhergehen (z.B. Abszesse) und weitere Krankheiten.
Behandlung
Die Behandlung eines eingeklemmten Nervs zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern, die Entzündung zu reduzieren und die Nervenfunktion wiederherzustellen. Die Behandlungsmöglichkeiten hängen von der Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung ab.
- Schmerzmittel: Schmerzmittel wie Meloxicam (Metacam, Melosus, Meloxidyl) oder Metamizol (Novalgin) können helfen, die Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu verbessern. Meloxicam wird in der Regel absolut problemlos auch als Langzeit-Therapie vertragen, kann jedoch organische Erkrankungen verursachen oder verstärken (Magen-Darm-Trakt, Leber, Nieren…), deshalb wird empfohlen, es als Anfangs-Medikament einzusetzen und sobald durch andere Mittel Schmerzfreiheit erreicht ist, das Meloxicam so weit es geht zu reduzieren oder abzusetzen und nur in akuten Schüben ggf. wieder anzusetzen. Außerdem sollte begleitend bei chronisch kranken Meerschweinchen, die es als Langzeittherapie bekommen, ein Magenschutz gegeben werden (z.B. Sucrabest).
- Entzündungshemmer: In einigen Fällen können Entzündungshemmer wie Kortikosteroide eingesetzt werden, um die Entzündung zu reduzieren. Allerdings sollte Cortison nur mit Vorsicht eingesetzt werden, da es bei E. Cuniculi kontraproduktiv sein kann.
- Physiotherapie: Massagen und passive Bewegungsübungen können helfen, die Muskulatur zu entspannen und die Beweglichkeit zu verbessern. Hin und wieder kann man die Beinchen massieren und sie ein wenig bewegen, hat die Tierärztin gesagt. Man sollte aber kein gutes Gefühl mit diesen Bewegungsübungen haben … denn wenn Lotte könnte, würde sie doch bestimmt die Beine benutzen … vor allem, wenn man sie rausnehmen will, dann will sie doch so schnell wie möglich flüchten und würde die Beine benutzen!
- Chinesische Kräutertherapie: Chinesische Kräuterformeln wie Backmotion (bei Bandscheibenvorfällen im hinteren Rückenbereich) und Frontmotion (bei Bandscheibenvorfällen im Nackenbereich) können unterstützend eingesetzt werden. Backmotion und Frontmotion enthalten keine Chemikalien und Hormone und verursachen keine Nebenwirkungen. Zusammensetzung Backmotion: Rehmannia glutinosa, Lycium barbarum, Glycyrrhiza uralensis, Angelica chinensis, Drynaria baronii, Dipsacus asper, Angelica pubescens, Gentiana macrophylla, Asarum sieboldii, Ledebouriella divaricata, Acantopanax gracilistylus, Achyranthes bidentata, Cinnamomum cassia, Astralagus membranaceus, Codonopsis pilosula, Poria cocos. Pflanzlicher Zusatz: Sunflower, Leucin. Zusammensetzung Frontmotion: Pueraria lobata, Paeonia lactiflora, Millettia dielsiana, Cinnamomum cassia, Angelica chinensis, Ligustrum wallichii, Chaenomeles speciosa, Glycyrrhiza uralensis, Notopterygium incisium. Pflanzlicher Zusatz: Sunflower, Leucin. Dosierung: Wir empfehlen, in den ersten 14 Tagen die doppelte Dosis zu verabreichen. Wenn Sie dies für erforderlich halten, können Sie die doppelte Dosis auch über einen längeren Zeitraum verabreichen. ab dem 15. ab dem 15. Nagetiere sind Herbivoren (Pflanzenfresser) und haben ein anderes Verdauungssystem als Carnivoren (Fleischfresser). ab dem 15. Erhaltungsdosis oder vorbeugende Dosis Backmotion und Frontmotion ist 50% der Dosierung ab dem 15.
- Homöopathie: Homöopathische Mittel wie Traumeel und Zeel können bei Arthrose und Gelenkbeschwerden eingesetzt werden. In akuten Schüben ist außerdem Discus comp. möglich. Bevorzugt werden die Ampullen verwendet (wenn als Ampullen auf dem Markt), da sie zuckerfrei sind.
- Ingwer: Ingwer ist erfahrungsgemäß das wirksamste Mittel gegen Gelenkserkrankungen. Er kann geraspelt problemlos in Cavia Complete oder einem anderen leckeren Futter verabreicht werden, manche fressen ihn auch pur. Um die Meerschweinchen an den Ingwer zu gewöhnen, wird zunächst ganz wenig Ingwer in viel Futter versteckt und die Menge langsam gesteigert. Eine Alternative ist Ingwersaft (ohne Zitrone! Sonst mögen sie ihn nicht), dieser kann (verdünnt mit etwas Leckeren) in den Mund (ca. 0,2-0,5ml/kg Körpergewicht) eingegeben werden.
- CBD-Öl: Einige Meerschweinchen sprechen auch sehr gut auf CBD-Öl als Schmerzmittel an.
- Operation: In schweren Fällen, insbesondere bei Bandscheibenvorfällen oder Tumoren, kann eine Operation erforderlich sein, um den Druck auf den Nerv zu entlasten. Dies ist ein Notfall: der Hund muss sofort operiert werden!
- Behandlung von E. Cuniculi: Bei Verdacht auf E. Cuniculi sollte eine Behandlung mit Panacur (Fenbendazol) erfolgen. Zusätzlich können Antibiotika zur Bekämpfung von Sekundärinfektionen und Vitamin B zur Unterstützung der Nervenregeneration eingesetzt werden.
Unterstützende Maßnahmen
Neben der medikamentösen Behandlung können folgende unterstützende Maßnahmen helfen, die Lebensqualität des Meerschweinchens zu verbessern:
- Gewichtsmanagement: Übergewichtige Meerschweinchen sollten abnehmen, um die Wirbelsäule und die Gelenke zu entlasten.
- Angepasste Haltung: Der Käfig sollte so eingerichtet sein, dass er den Bedürfnissen des Meerschweinchens entspricht. Rampen und Geländer an erhöhten Plätzen verhindern hohe Sprünge. Als Untergrund eignet sich gut federnde Einstreu.
- Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige, weniger belastende Bewegung beugt Gelenkserkrankungen vor. Spaziergängen sollten unterlassen werden. Nach dem akuten Stadium entlastet schwimmen den Rücken und stärkt die Muskulatur.
- Stressreduktion: Stress sollte vermieden werden, da er die Symptome verschlimmern kann.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel frischem Gemüse und Heu ist wichtig für die Gesundheit des Meerschweinchens. Einige Futtermittel sind bei diesen Erkrankungen besonders wertvoll, da sie entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken können, durch die Gabe kann meist das Schmerzmittel langfristig etwas reduziert werden.
- Sonnenlicht: Ausreichend Sonnenlicht oder Vitamin-D-Supplementierung kann bei Vitamin-D-Mangel helfen.
E. Cuniculi im Detail
E. Cuniculi ist eine oft unterschätzte Krankheit, die für sehr viele Krankheiten verantwortlich ist. Infizierte Meerschweinchen mit einem normalen Immunsystem halten den Erreger so gut unter Kontrolle, dass er keine klinischen Symptome verursacht. Sollte jedoch eine Immunschwäche auftreten, kann sich der Erreger stark vermehren und es kommt zu Krankheitszeichen. Besonders gefährdet sind Meerschweinchen in Stresssituationen (Vergesellschaftungen, Verlust des Artgenossen, Unwetter, Einzelhaltung oder schlechte Haltungsbedingungen…), wenn sie andere Erkrankungen haben oder bei der Verabreichung von Cortison. Dann kann es passieren, dass kurz danach oder erst Tage später, der Erreger sich vermehrt und durch Schäden im Zentralen Nervensystem oder an den Organen, Symptome verursacht.
Hauptsächlich wird E. Cuniculi über den Urin übertragen. Infizierte Tiere scheiden immer wieder Sporen aus, auch wenn sie klinisch gesund sind. Häufig stecken sich Meerschweinchen bei Kaninchen an.Durch Fellpflege und verunreinigtes Futter nehmen die Meerschweinchen Sporen auf, die über den Darm das Meerschweinchen infizieren. Ebenso ist eine Ansteckung im Mutterleib über die Plazenta möglich, oder auch durch die Einatmung von infizierten Tröpfchen oder Staubpartikeln.
Die Ansteckungsgefahr ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht größer als die Jahre zuvor. Eine Trennung ist deshalb sinnfrei. Zudem braucht das kranke Meerschweinchen unbedingt seine Sozialpartner um gesund zu werden. Eine Separierung wird deshalb keinesfalls empfohlen. Wichtig! Leider werden immer noch viel zu viele erkrankte Meerschweinchen von ihren Artgenossen getrennt.
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Symptome von E. Cuniculi
E. Cuniculi ist eine komplexe Erkrankung, die sich recht vielseitig auswirken kann. Am verbreitetsten ist eine Symptomatik des Zentralen Nervensystems, der Augen und der Nieren. Betroffene Meerschweinchen haben fast immer nur eines der möglichen Symptome (z.B. Kopfschiefhaltung.
Diagnose von E. Cuniculi
Es sollte grundsätzlich ein Blutcheck erstellt werden (EC-Titer, Nierenwerte, CK (Trauma), Pseudolinksverschiebung (Entzündung)) um Differenzialdiagnosen auszuschließen und die Nierenwerte zu prüfen. Ein positiver Titer zeigt, dass das Meerschweinchen den Erreger trägt, trotzdem kann die Erkrankung durch etwas Anderes bedingt sein. Deshalb müssen alle möglichen Diagnosen ausgeschlossen werden!
E. Cuniculi führt zu keinen Veränderungen im Blutbild, auch nicht zu einer Entzündungsreaktion (Pseudolinksverschiebung…)! Erst wenn das Tier länger darunter leidet, kann es zu einer milden Anämie oder auch einem veränderten Harnstoffwert kommen. Der CK-Wert kann bei extremen Fällen durch Gegenlaufen und Umkippen erhöht sein, ansonsten spricht er eher für eine Differenzialdiagnose (Trauma). Alle anderen Blutbildveränderungen treten meist auf, wenn eine andere Erkrankung die Symptome hervorgerufen hat.
Behandlung von E. Cuniculi
Bei der Behandlung eines akuten Ausbruches von E. Cuniculi zählt jede Minute. Panacur (vier Wochen lang täglich und konsequent verabreichen, ggf. länger wenn das Meerschweinchen zu diesem Zeitpunkt noch in der Akutphase ist), der Wirkstoff Fenbendazol ist vermutlich gehirngängig/liquorgängig (= Medikamente, die die Blut-Gehirn-Schranke überwinden) und verhindert eine Neuproduktion von Sporen. Oxfendazol und Albendazol wirken ebenfalls, sind aber schlechter verträglich als Fenbendazol. Gemischt mit Haferschmelzflocken oder Babygläschen der Geschmacksrichtung Banane-Apfel-Hafer oder in geraspelten Apfel wird Panacur oft selbständig gefressen.
Antibiotikum um Sekundärinfektionen zu bekämpfen (Oxytetrazyklin, Chloramphenicol, Gyrasehemmer). Das Antibiotikum wird gegeben um Sekundärinfektionen vorzubeugen (z.B. Niereninfektionen, die damit häufig einher gehen), also Erkrankungen, die durch E. Cunculi in Folge entstehen. Normalerweise wird es min. 14 Tage lang gegeben, bei guter Verträglichkeit ggf. auch länger, bei schlechter Verträglichkeit evtl. kürzer. Je nach Ausprägungsform der Krankheit kann teilweise auf das Antibiotikum verzichtet werden. Um Stress zu reduzieren und die Verdauung stabil zu halten, kann es sinnvoll sein sich zeigen zu lassen, wie man das Antibiotikum in die Haut spritzen kann.
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Cortison ist nicht nötig und schadet, sofern es sich wirklich um e. Cuniculi handelt, es hat nämlich keinen Effekt bzw. wirkt nicht dagegen. Es kann zudem dazu führen, dass sich der Erreger extrem ausbreitet.
Hoch dosiertes Vitamin B12 oder Vitamin-B-Komplex (Apotheke, Internet) um die Nerven zu regenerieren (solange geben, bis Anfälle/Kopfschiefhaltung/Lähmungen vollständig weg sind, meist regenerieren sich die Symptome sogar noch nach Wochen Stück für Stück), am Anfang am besten hochdosiert gespritzt, später auch als Tropfen, z.B. mit dem Panacur-Brei verabreichen. Wenn Infusionen verabreicht werden, kann das Vitamin B in die Infusion gespritzt werden, so dass nur ein Einstich nötig ist und die Einstichstelle nicht brennt.
Infusionen. Fast immer sind bei einem akuten Ausbruch auch die Nieren betroffen, durch Infusionen lässt sich verhindern, dass sie versagen oder Schaden nehmen bzw. dass später als Folge Nierenerkrankungen auftreten. Bei Nahrungsverweigerung sollten unbedingt täglich Infusionen gegeben werden! Allerdings ist immer abzuwägen, ob der tägliche Tierarztstress mehr schadet als die Infusionen bringen. Nach Möglichkeit kann man Infusionen auch selbst zu Hause setzen, wenn es der Tierarzt zuvor zeigt. Die Eingabe oder das Angebot von verdünnten Gemüse- und Obstsaft (reiner Saft aus 100% Obst/Gemüse, kein Nektar) kann die Flüssigkeitszufuhr ebenfalls etwas erhöhen. Zum Beispiel eine Schale mit Karottensaft.
Homöopathisch Cerebrum comp. Bei epileptischen Anfällen und Krämpfen sollte neben Panacur und Bärenklau auf jeden Fall Vitamin B 12 gespritzt werden, zusätzlich werden oft Benzodiazepine (z.B.
Nierenschäden können mit täglichen Infusionen, dem Angebot von Säften und einer frischfutterreichen Ernährung therapiert werden. In den Sommermonaten sollten die betroffenen Meerschweinchen rein mit frischen Wildkräutern, Baumblättern und Gräsern ernährt werden. Besonders wertvoll sind dabei harntreibende Kräuter wie z.B. Löwenzahn, Liebstöckel, Birke, Petersilie, Dill, Ampfer, Brennnessel, Giersch usw.
Zudem ist SUC (S = Solidago compositum, U = Ubichinon compositum, C = Coenzym compositum von Heel) als Therapie zu empfehlen. Auch frischer Nieren- und Blasentee kann angeboten werden.
Pflege bei E. Cuniculi
Kein Stress, denn dieser kann E. Cuniculi sehr stark beeinflussen und das Krankheitsbild rapide verschlechtern. Medikamente sollten zuhause verabreicht werden, häufige Tierarztbesuche führen oft zu einer Verschlechterung. Nach dem Ausmisten sollte alles wie vorher hingestellt werden, der Untergrund bzw. die Einstreu dürfen nicht stark verändert werden und ausmisten sollte man nur, wenn es nötig ist (täglich Futterreste und grobe Verschmutzungen entfernen, am besten immer nur ein Stück des Bereiches misten und nicht alles auf einmal). Bei der Einstreu-Wahl unbedingt auf die Verletzungsgefahr der Augen beim „purzeln“ achten.
Die Medikamente müssen konsequent verabreicht werden.
Das Meerschweinchen muss gepflegt werden, damit keine anderen Krankheiten entstehen (z.B. ggf. den Popo mit Babytüchern sauber machen, wenn es sich voll macht). Da meist eine Inkontinenz besteht, sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass es immer einen trockenen Untergrund hat, sonst bekommt es schnell Harnwegsinfekte.
Das Handling von e. Cuniculi Meerschweinchen ist nicht einfach, da sie schnell die Orientierung verlieren, sollten sie nicht hochgehoben, umgesetzt oder getragen werden. Deshalb ist es sinnvoll, eine Transportbox oder Kiste im Gehege anzubieten, muss man es zum Tierarzt transportieren, kann es damit hochgenommen werden. Ein Tuch über der Kiste/Box wirkt beruhigend. Das vermittelt ihm auch die Sicherheit des gewohnten Umfeldes. Medikamente werden verabreicht, ohne das Meerschweinchen hochzunehmen. Sollte das Hochnehmen unumgänglich sein (z.B. um den Popo von Kot und Urin zu reinigen), so nehmen Sie das Meerschweinchen am besten ruhig aber bestimmt hoch und legen Sie vorher unbedingt eine Hand oder ein Tuch über die Augen, um es zu beruhigen.
Wann sollte man ein Meerschweinchen erlösen?
Solange das Meerschweinchen selber gegen die Krankheit ankämpft, also Futter aufnimmt, wenn man es vor die Schnauze hält oder in der Spritze an der Schnauze anbietet, kämpft bitte mit eurem Tier zusammen und unterstützt es! E. Cuniculi ist schlimm mit anzusehen und auch schlimm auszuhalten, die Gedanken an eine „Erlösung“ bleiben da nie aus. Doch bei richtiger Medikation, der richtigen Pflege und wenig Stress (sehr wichtig bei e. Cuniculi!) schaffen es die meisten Meerschweinchen.
Sollte die Therapie nicht mehr anschlagen und der Verlauf sehr stark fortgeschritten sein, sollte irgendwann über eine Einschläferung nachgedacht werden, denn starke Schmerzen oder wenn das Meerschweinchen nicht mehr hoch kommt, bieten keine ausreichende Lebensqualität.
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