Epileptische Anfälle können beängstigend sein, aber mit dem richtigen Wissen und der richtigen Unterstützung können Betroffene ein erfülltes Leben führen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Nervenkrankheiten mit Krampfanfällen, insbesondere Epilepsie, und beleuchtet Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsoptionen.
Was ist Epilepsie?
Epilepsie umfasst eine Vielzahl von chronischen Erkrankungen des zentralen Nervensystems, die aufgrund einer Überaktivität der Nervenzellen im Gehirn auftreten. Sie wurde früher oft Fallsucht genannt. Dieser Ausdruck beschreibt ziemlich genau, was diese Krankheit ausmacht. Der Betroffene wird von einer anfallsartigen Ohnmacht befallen. Die Ursache der Krankheit liegt im Gehirn, allerdings sind viele Abläufe bis heute noch völlig unklar. Die Internationale Liga für Epilepsie hat festgelegt, wann eine Fallsucht vorliegt. Nicht jede kurzzeitige Bewusstseinseintrübung ist ein epileptischer Anfall. Die zweite Form heißt dann „provozierter epileptischer Anfall“. Die Krankheit liegt vor, wenn entweder mindestens zwei Anfälle im Abstand von mehr als 24 Stunden auftreten oder nach einem Anfall die Wahrscheinlichkeit für ein weiteres Ereignis bei 60 Prozent oder höher liegt. Diagnostiziert der Arzt ein Epilepsiesyndrom ist kein weiterer Anfall notwendig.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursachen der Epilepsie sind noch nicht vollständig geklärt. In vielen Fällen ist eine Form der Epilepsie schon früher in der Familie aufgetreten, was für eine erbliche Veranlagung spricht. In einigen Fällen kann man Veränderungen im Erbmaterial (Genmutation) erkennen. Manche Anfälle können sich in Folge von Unfällen (posttraumatisch) oder als Reflexantwort ereignen. Bei anderen Anfällen können Veränderungen in der Gehirnstruktur (z. B. eine fokale kortikale Dysplasie) ursächlich sein.
Das Erkrankungsrisiko ist bei Kindern und bei Menschen ab einem Alter von 50 bis 60 Jahren am höchsten. Das Risiko selbst eine Epilepsie im Laufe des Lebens zu entwickeln, liegt lediglich bei drei bis vier Prozent. Auch Kinder und Jugendliche können von einer Epilepsie betroffen sein. Die Epilepsie gehört zu den häufigsten Erkrankungen des zentralen Nervensystems in dieser Altersgruppe. Die epileptischen Anfälle kann man mit Medikamenteneinnahme verhindern und ist bei Kindern meist gut behandelbar. Die Epilepsie beeinträchtigt in keinem Fall die Entwicklung des Kindes.
Es gibt verschiedene Auslöser und Trigger, die eine Epilepsie auslösen können. Oftmals hängen die Ursachen auch vom Alter ab und kann prinzipiell jeden Menschen treffen. Meist sind mehrere Auslöser für den Anfall verantwortlich.
Lesen Sie auch: Nervenkrankheiten im Detail
Auslöser (Trigger) von epileptischen Anfällen
Epileptische Anfälle können aus heiterem Himmel auftreten. In vielen Fällen sind aber auch bestimmte Trigger eines Anfalls bekannt. Die Auslöser können sich im individuellen Fall unterscheiden. Zu den häufigsten Triggern von epileptischen Anfällen gehören unter anderem:
- Schlafmangel
- unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus
- starke körperliche oder seelische Belastung (Stress)
- hohes Fieber
- Alkohol und Alkoholentzug
- Drogen oder Schlafmittelentzug
- eher selten flackerndes Licht (Computerspiele, Stroboskopbeleuchtung in Clubs)
Symptome eines epileptischen Anfalls
Die Symptome eines epileptischen Anfalls können vielfältig sein und hängen von der Art des Anfalls und der betroffenen Hirnregion ab.
Einem epileptischen Anfall kann eine sogenannte Aura vorausgehen. Bei der Aura können Wahrnehmungsstörungen, Halluzinationen und Schwindelgefühle auftreten. Allgemeine Symptome bei epileptischen Anfällen können sein:
- Bewusstseinsveränderungen, geistige Abwesenheit (Absence), Bewusstseinsverlust
- Wahrnehmungsstörungen: Sehstörungen, Geschmacks- und Geruchshalluzinationen
- Schwindelgefühle
- Übelkeit und Unwohlsein
- Kribbeln in den betroffenen Körperteilen
- ungewöhnliche Muskelaktivität, Muskelzuckungen und Krämpfe im Sinne tonisch-klonischer Entäußerungen
- unwillkürliche Laute
Je nach Art des Anfalls sind die Betroffenen in der Regel zwischen den Anfällen beschwerdefrei und weisen keine neurologischen Symptome auf.
Klassifikation epileptischer Anfälle
Es gibt verschiedene Formen epileptischer Anfälle. Um diese zu ordnen, hat die Internationale Liga gegen Epilepsie (ILAE) im Jahr 2017 ein System entwickelt, bei dem die Anfallsformen nach ihren Merkmalen klassifiziert werden. Im ersten Schritt der Anfallsklassifikation unterscheidet man nach dem Beginn eines Anfalls:
Lesen Sie auch: Erste Hilfe bei Krampfanfällen
- Ein fokaler Beginn, findet in einer Hirnhälfte statt.
- Ein generalisierter Beginn, geht von beiden Hirnhälften aus.
- Bei einem unbekannten Beginn ist nicht bekannt, wie der Anfall angefangen hat.
Klassifikation von Anfällen mit fokalem Beginn
Anfälle mit fokalem Beginn werden darin unterschieden, ob der*die Betroffene sie bewusst oder nicht bewusst erlebt. Sie werden anschließend nach ihrem anfänglichen Erscheinungsbild klassifiziert. Hierbei unterscheidet man einen motorischen Beginn von einem nicht-motorischen Beginn.
Motorischer Beginn
Unter dem Begriff „motorisch“ fasst man Muskelaktivitäten, wie beispielsweise Muskelzuckungen oder -krämpfe aber auch eine Muskelerschlaffung (Atonie, atonisch) zusammen. Die verschiedenen motorischen Symptome bei einem epileptischen Anfall werden mit spezifischen Fachbegriffen beschrieben. Beispiele hierfür sind:
- klonisch: symmetrische oder asymmetrische Zuckungen, die rhythmisch sind und identische Muskelgruppen betreffen
- myoklonisch: plötzliche, sehr kurze, einzelne oder mehrfache unrhythmische Muskelzuckungen, die weniger regelmäßig sind und kürzer andauern als klonische Zuckungen
- tonisch: eine zunehmende Muskelanspannung (Kontraktion), die einige Sekunden bis Minuten anhält
- epileptische Spasmen: plötzliche Muskelaktivität, die anfallsweise häufig wiederholt werden kann (Cluster); beispielsweise Beugen oder Strecken der Arme, Beugen der Rumpfmuskulatur, Grimassen, Nicken oder subtile Augenbewegungen
- Automatismus: Bewegungen, die aussehen wie alltägliche koordinierte Handlungen, die die Betroffenen jedoch nicht willentlich steuern, beispielsweise Laufbewegungen oder Nicken. In manchen Fällen setzen die Betroffenen eine Handlung fort, die sie vor Beginn des Anfalls ausführten.
- Hyperkinetisch: die Betroffenen bewegen sich sehr stark, sie strampeln beispielsweise.
Nicht-motorischer Beginn
Hierunter fallen beispielsweise Symptome während eines Anfalls wie
- Innehalten: Aktivitätspause, Erstarren, Bewegungslosigkeit
- kognitive Einschränkungen: z. B. Sprach- und Sprechstörungen (Aphasie, Apraxie), Wahrnehmungsstörungen oder Halluzinationen
- emotionales Verhalten: z. B. Angst, Furcht, Wut sowie Lachanfälle oder Weinen
- autonome Reaktionen: z. B. Erröten, Blässe, Gänsehaut, Erektion, Veränderungen des Herzschlags oder der Atmung, Übelkeit
- sensible/sensorische Störungen (Sinnesstörungen): z. B. Störungen des Hör-, Geschmacks- oder Geruchssinns, Gleichgewichtsstörungen oder Sehstörungen
Anfälle mit fokalem Beginn können auf eine Hirnhälfte begrenzt bleiben, sie können aber auch auf die andere Hirnhälfte übergreifen und dann beidseitig (bilateral) eine tonisch-klonische Aktivität hervorrufen.
Klassifikation von Anfällen mit generalisiertem Beginn
Ein generalisierter Anfallsbeginn wird von den Betroffenen niemals bewusst erlebt. Man beschreibt diese Anfälle nach ihren motorischen und nicht-motorischen Symptomen.
Lesen Sie auch: Überblick: Krampfanfall ohne Krämpfe
Motorische Symptome bei generalisiertem Beginn
Neben den tonischen, klonischen und myoklonischen Muskelaktivitäten, der Atonie und den epileptischen Spasmen, die man auch bei fokalen Anfällen beobachten kann, können bei einem Anfall mit generalisiertem Beginn Kombinationen dieser Symptome auftreten:
- tonisch-klonisch
- myoklonisch-tonisch-klonisch
- myoklonisch-atonisch
Nicht-motorische Symptome bei generalisiertem Beginn
Anfälle mit generalisiertem Beginn und nicht-motorischen Symptomen können auch als Absencen bezeichnet werden. Absencen treten typischerweise eher bei Kindern auf als bei Erwachsenen. Man unterscheidet:
- typische Absence-Anfälle
- atypische Absence-Anfälle (mit langsamem Beginn oder Ende oder bei signifikanter Veränderung der Muskelspannung)
- myoklonische Krampfanfälle (kurze, vereinzelte und plötzlich auftretende Muskelzuckungen, hauptsächlich in Schultern und Armen)
- Augenlid-Myoklonie (Lidzuckungen, Drehen der Augäpfel)
Anfälle mit unbekanntem Beginn
Der Beginn eines Anfalls ist unbekannt, wenn derdie Betroffene ihn nicht bewusst erlebt hat und es auch keine Zeuginnen gibt, die den Anfallsbeginn genau beschreiben können.
Altersbedingte Unterschiede in der Anfallssymptomatik
Die Symptome und das Erscheinungsbild von epileptischen Anfällen können je nach Alter variieren.
- Kinder und Jugendliche: Bei Kindern treten häufig Absencen auf, die sich als kurze Bewusstseinspausen äußern. Myoklonische Anfälle mit plötzlichen Muskelzuckungen sind ebenfalls typisch.
- Erwachsene: Bei Erwachsenen sind fokale Anfälle häufiger, die sich durch unterschiedliche Symptome wie Zuckungen, sensorische Störungen oder psychische Veränderungen äußern können.
- Senioren: Im Alter kann sich eine Epilepsie durch unspezifische Symptome wie Verwirrtheit, Stürze oder kurzzeitige Abwesenheitszustände äußern, was die Diagnose erschweren kann.
Differenzialdiagnose: Abgrenzung von anderen Anfallsleiden
Es ist wichtig, epileptische Anfälle von anderen Anfallsleiden abzugrenzen, die ähnliche Symptome verursachen können. Dazu gehören unter anderem:
- Synkopen: Kurzzeitige Ohnmachten aufgrund von mangelnder Hirndurchblutung.
- Panikattacken: Plötzliche Angstanfälle mit körperlichen Symptomen wie Herzrasen, Atemnot und Schwindel.
- Migräne mit Aura: Kopfschmerzen, die von neurologischen Symptomen wie Sehstörungen begleitet werden.
- Psychogene nicht-epileptische Anfälle (PNES): Anfälle, die psychisch bedingt sind und keine epileptische Aktivität im Gehirn zeigen.
Diagnose von Epilepsie
Um eine Epilepsie zu diagnostizieren, ist eine sorgfältige Anamnese und körperliche Untersuchung erforderlich. Der Arzt wird sich ausführlich über die Anfälle, mögliche Auslöser und Begleiterkrankungen informieren.
Anamnese und körperliche Untersuchung
Der erste Schritt auf dem Weg zur Diagnose "Epilepsie" ist die Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese): Dazu unterhält sich der Arzt ausführlich mit dem Patienten (falls alt genug) und Begleitpersonen (wie Eltern, Partner). Dabei lässt er sich den epileptischen Anfall genau schildern. Hierbei ist es von Vorteil, wenn Menschen beim Gespräch dabei sind, die den Krampfanfall beobachtet haben. Der Betroffene selbst erinnert sich nämlich oft nicht gut daran. Anhand der Schilderungen beurteilt der Arzt das Anfallsbild (Anfallsanamnese).
Manchmal gibt es Fotos oder Videoaufzeichnungen des epileptischen Anfalls. Sie sind für den Arzt oft sehr hilfreich, besonders wenn dabei auf das Gesicht des Patienten fokussiert wird. Das Aussehen der Augen gibt nämlich wichtige Hinweise auf Anfallssymptome und hilft, einen epileptischen Anfall von anderen Anfällen zu unterscheiden.
Im Rahmen des Gesprächs fragt der Arzt unter anderem nach möglichen Auslösern des Anfalls (wie flackerndes Licht), eventuellen Grunderkrankungen und bekannten Fällen von Epilepsie in der Verwandtschaft.
Technische Untersuchungen
- Elektroenzephalogramm (EEG): Das EEG misst die Hirnströme und kann epileptische Aktivität aufzeichnen.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Das MRT ermöglicht eine detaillierte Darstellung des Gehirns und kann strukturelle Veränderungen aufdecken, die für die Anfälle verantwortlich sein könnten.
- Computertomogramm (CT): Das CT kann ebenfalls zur Darstellung des Gehirns eingesetzt werden, ist aber weniger sensitiv als das MRT.
- Blutuntersuchungen: Blutuntersuchungen können Stoffwechselstörungen oder Entzündungen aufdecken, die Anfälle auslösen könnten.
- Lumbalpunktion: Bei Verdacht auf eine Gehirnentzündung oder Hirnhautentzündung kann eine Lumbalpunktion durchgeführt werden, um die Hirn-Rückenmarksflüssigkeit zu untersuchen.
Behandlung von Epilepsie
Die Behandlung von Epilepsie zielt darauf ab, die Anfälle zu kontrollieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Therapie mit Antiepileptika ist die häufigste Behandlungsform bei Epilepsie. Antiepileptika hemmen die übermäßige Aktivität von Nervenzellen im Gehirn und senken so das Risiko für Krampfanfälle.
Es stehen verschiedene Antiepileptika zur Verfügung, die sich in ihrer Wirkweise und ihren Nebenwirkungen unterscheiden. Der Arzt wird das am besten geeignete Medikament für den jeweiligen Patienten auswählen.
Die Medikamente werden in der Regel als Tablette, Kapsel oder Saft eingenommen. In wenigen Fällen verabreicht man das Medikament auch per Spritze, Infusion oder Zäpfchen. Der betreuende Arzt entscheidet, welcher Wirkstoff bei dem Patienten besser wirkt. Daher ist die genaue Bestimmung der Art des Anfalls und die Form der Epilepsie enorm wichtig. Auch die möglichen Nebenwirkungen beeinflussen die Dosierung des Medikaments. Es kann durchaus sein, dass mehrere Medikamente ausprobiert werden müssen, bis die gewünschte Wirkung gefunden ist. Das Antiepileptikum wird in der Regel als Monotherapie eingesetzt. Nur wenige Patienten bekommen zwei oder mehr Antiepileptika verschrieben. Die Medikamente werden in der Regel mehrere Jahre eingenommen und können, falls über einen längeren Zeitraum keine epileptischen Anfälle mehr aufgetreten sind, möglicherweise abgesetzt werden. Dies muss unbedingt mit einem Arzt besprochen werden und das Medikament darf keineswegs abrupt und auf eigene Faust abgesetzt werden, sondern sollte langsam mit abnehmender Dosierung verringert werden. Wird das Medikament ohne ärztliche Entscheidung abgesetzt, kann dies lebensgefährlich enden. Es kann durchaus sein, dass die epileptischen Anfälle zurückkehren. In diesem Fall müssen die Medikamente wieder eingenommen werden.
Chirurgische Therapie
In manchen Fällen reicht eine medikamentöse Therapie nicht aus und eine Epilepsiechirurgie könnte hilfreich sein, um zukünftige Anfälle zu verhindern. Die gängigste Operation ist die Resektion, also die Entfernung von einem Teil des Gehirns. Vor allem Betroffene, deren epileptische Anfälle im Schläfenlappen des Gehirns entstehen, können von dieser Operation profitieren. Diese wird aber nur durchgeführt, wenn das Herausschneiden dieser Hirnregion auch wirklich ohne Gefahren möglich ist.
In seltenen Fällen werden auch noch weitere chirurgische Eingriffe durchgeführt. Leiden Patienten beispielsweise an schweren Sturzanfällen, sprich Anfälle, bei denen sie plötzlich stürzen und sich womöglich verletzen, kann eine Balkendurchtrennung, auch Kallosotomie genannt, in Betracht gezogen werden. Dabei wird der Balken im Gehirn durchtrennt, welcher die rechte und die linke Hirnhälfte verbindet.
Stimulationsverfahren
Neben einer Operation kommen sogenannte Stimulationsverfahren infrage, wenn Medikamente bei Epilepsie nicht ausreichend wirken. Dabei werden bestimmte Strukturen im Gehirn oder solche, die dorthin führen (Vagusnerv), mit niedriger Stromstärke stimuliert. Das wirkt epileptischen Anfällen zum Teil entgegen.
Zur Anwendung bei Epilepsie kommen verschiedene Verfahren. Am weitesten verbreitet ist die Vagusnerv-Stimulation (VNS): Dabei pflanzt der Chirurg dem Betroffenen ein kleines, batteriebetriebenes Gerät unterhalb des linken Schlüsselbeins unter die Haut. Es handelt sich um eine Art Schrittmacher, der über ein Kabel, das ebenfalls unter der Haut verläuft, mit dem linken Vagusnerv am Hals verbunden wird.
In Intervallen (zum Beispiel alle fünf Minuten für 30 Sekunden) gibt es leichte Stromstöße an den Nerv ab. Dadurch lässt sich die Häufigkeit epileptischer Anfälle deutlich reduzieren. Bei manchen Patienten dauert es allerdings einige Monate, bis dieser Effekt einsetzt.
Ein anderes Stimulationsverfahren ist die tiefe Hirnstimulation: Dabei werden dem Patienten kleine Elektroden an bestimmten Stellen im Gehirn implantiert, zum Beispiel am Thalamus oder Hippocampus. Sie stimulieren das Nervengewebe mit elektrischen Impulsen. In der Folge sinkt bei vielen Betroffenen die Zahl der Anfälle.
Akutbehandlung eines epileptischen Anfalls
Wenn man Zeug*in eines epileptischen Anfalls bei einer anderen Person wird, ist es sehr wichtig, ruhig und besonnen zu bleiben. Vor allem sollte man überlegen, wie man die Person vor Verletzungen schützt. Alles andere hängt von der Stärke und der Art der Anfälle ab.
- Leichte epileptische Anfälle mit wenigen Symptomen: Bei kurzen Absencen oder Muskelzuckungen besteht keine unmittelbare Gefahr. Danach können sich die Betroffenen unsicher fühlen und Unterstützung benötigen.
- Anfälle mit eingeschränktem Bewusstsein oder Verhaltensänderungen: Wenn Menschen mit einem epileptischen Anfall verwirrt wirken, ist es wichtig, sie vor Gefahren zu schützen (z. B. im Straßenverkehr). Gehen Sie dabei mit der Person ruhig um und fassen Sie sie nicht hart an. Hektik, Zwang oder Gewalt können zu starken Gegenreaktionen führen. Versuchen Sie dem oder der Betroffenen Halt und Nähe zu vermitteln.
- Große generalisierte epileptische Anfälle: Bei einem großen generalisierten Anfall verkrampft der ganze Körper und die Person verliert das Bewusstsein. In diesen Fällen sollten Sie Folgendes tun:
- Ein epileptischer Anfall kann verschiedene Ursachen haben und das Symptom eines lebensbedrohlichen Notfalls sein. Wählen Sie daher immer den Notruf 112 und rufen Sie professionelle Hilfe.
- Sorgen Sie für Sicherheit, indem Sie z. B. gefährliche Gegenstände beiseite räumen.
- Polstern Sie den Kopf des*r Betroffenen ab.
- Nehmen Sie seine/ihre Brille ab.
- Lockern Sie enge Kleidung am Hals, um die Atmung zu erleichtern.
- Bitten Sie Menschen, die in der Situation nicht helfen können, weiterzugehen.
- Viele Epileptikerinnen haben eine „Notfalltablette“ dabei, die einen längeren Anfall beenden kann. Diese Tablette sollte demr Betroffenen jedoch von geschulten Hilfspersonen verabreicht werden. Wenn Sie selbst nicht darin geschult sind, warten Sie bis professionelle Hilfe angekommen ist.
- Bleiben Sie nach dem Anfall bei der Person und bieten Sie Ihre Unterstützung an. Wenn die Person nach dem Anfall erschöpft ist und einschläft, bringen Sie sie in die stabile Seitenlage.
Das sollten Sie in keinem Fall tun:
- Dieden Betroffenen festhalten oder zu Boden drücken
- der betroffenen Person etwas in den Mund schieben - auch wenn sie sich in die Zunge beißt
Behandlung bei Status epilepticus
Wenn jemand einen Status epilepticus erleidet, ist es wichtig, sofort den Notarzt zu rufen - es besteht Lebensgefahr!
Der Patient erhält als erstes ein Beruhigungsmittel (Benzodiazepin). Trägt der Epileptiker das Notfallmedikament bei sich, lässt es sich auch von medizinischen Laien verabreichen: Es wird entweder in eine Wange gelegt (Buccaltablette) oder als Creme über eine kleine Tube in den After des Patienten eingeführt.
Der eingetroffene Notarzt verabreicht das Beruhigungsmittel gegebenenfalls auch als Spritze in eine Vene. Dann bringt er den Patienten rasch in ein Krankenhaus. Dort wird die Behandlung fortgesetzt.
Lässt sich der Status epilepticus nach 30 bis 60 Minuten immer noch nicht beenden, bekommen viele Patienten eine Narkose und werden künstlich beatmet.
Verlauf und Prognose
Epilepsien können unterschiedlich verlaufen. Es gibt Menschen, die nur wenige Anfälle in ihrem Leben erleiden. Die Krankheit hat in diesen Fällen kaum Einfluss auf die Lebensplanung und -qualität der Betroffenen. Unter Umständen können diese Personen nach einigen Jahren Anfallsfreiheit ihre Epilepsie-Medikamente unter regelmäßiger ärztlicher Kontrolle sehr langsam ausschleichen. Wenn die Medikamente dazu führen, dass die Betroffenen anfallsfrei sind oder deutlich weniger Anfälle erleiden, können diese ein weitgehend normales Leben führen. Solange das Risiko von Anfällen besteht, dürfen die Betroffenen jedoch kein Kraftfahrzeug fahren.
Etwa 30-40 Prozent der Patient*innen werden durch die medikamentöse Therapie nicht vollständig anfallsfrei.
- Wenn zwei sorgfältig ausgewählte Medikamente in ausreichender Dosierung versagen, gilt eine Epilepsie als pharmakoresistent, d.h. sie spricht nicht ausreichend gut auf medikamentöse Therapien an. Wenn eine Stelle im Gehirn (Fokus) zu erkennen ist, von der die Anfälle ausgehen, kann eine Operation Patient*innen mit einer pharmakoresistenten Epilepsie unter Umständen helfen. Um festzustellen, ob solch ein Fokus vorliegt und auch operiert werden kann, müssen verschiedene Untersuchungen, darunter spezielle EEG- und Bildgebungsverfahren, durchgeführt werden.
Folgen einer Epilepsie
Die gute Nachricht ist: Epileptische Anfälle führen in der Regel nicht zu bleibenden Schäden im Gehirn und auch nicht zu geistigen Behinderungen. Bei einem Status epilepticus kann es jedoch zu bleibenden Schäden kommen.
Die unmittelbaren Folgen nach einem epileptischen Anfall sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich und hängen von der Stärke des Anfalls ab. Es gibt Menschen, die sich schnell von einem Anfall erholen und die Tätigkeit gleich wiederaufnehmen können.
Verletzungen infolge eines epileptischen Anfalls kommen immer wieder vor. Besonders hoch ist das Verletzungsrisiko bei einem generalisierten Anfall. Neben Sturzverletzungen und Prellungen kann es vorkommen, dass sich die Betroffenen in die Zunge beißen.
Nach schweren Anfällen können die Betroffenen verwirrt sein. Sie brauchen Zeit, um wieder zu sich zu kommen. In den Stunden danach können vorübergehend auch Niedergeschlagenheit, Vergesslichkeit, Sprachstörungen oder Lähmungen auftreten. Einige Menschen sind nach einem Anfall völlig erschöpft und schlafen viel.
Die Angst vor einem Anfall kann Betroffene psychisch belasten. Darüber hinaus ist das Risiko für eine Depression bei Menschen mit Epilepsie erhöht.
Ein schwerer Anfall, der mehr als 5 Minuten dauert (Status epilepticus) ist eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung und sollte umgehend intensivmedizinisch/neurologisch behandelt werden.
Menschen mit einer idiopathischen Epilepsie haben eine ähnlich hohe Lebenserwartung wie Menschen ohne die Erkrankung.
Leben mit Epilepsie
Eine Epilepsie-Diagnose kann das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen stark beeinflussen. Es ist wichtig, sich umfassend über die Erkrankung zu informieren und sich Unterstützung zu suchen.
Tipps für den Alltag
- Führen Sie ein regelmäßiges Leben mit ausreichend Schlaf und gesunder Ernährung.
- Vermeiden Sie bekannte Auslöser von Anfällen.
- Nehmen Sie Ihre Medikamente regelmäßig ein.
- Informieren Sie Ihre Familie, Freunde und Kollegen über Ihre Erkrankung.
- Tragen Sie einen Notfallausweis bei sich.
- Suchen Sie sich eine Selbsthilfegruppe oder einen Therapeuten.
Rechtliche Aspekte
- Fahrtauglichkeit: Menschen mit Epilepsie dürfen unter bestimmten Voraussetzungen kein Kraftfahrzeug führen.
- Berufswahl: Einige Berufe sind für Menschen mit Epilepsie nicht geeignet.
- Versicherungen: Eine Epilepsie-Diagnose kann sich auf den Abschluss bestimmter Versicherungen auswirken.
tags: #nervenkrankheiten #mit #krampfanfall