Ultraschalluntersuchung des Sehnervs: Eine umfassende Betrachtung

Die Ultraschalluntersuchung des Sehnervs ist ein wichtiges diagnostisches Verfahren in der Augenheilkunde und Neurologie. Sie ermöglicht die Beurteilung des Sehnervs und der umliegenden Strukturen, insbesondere bei unklaren Beschwerden, erhöhtem Hirndruck oder zur Operationsvorbereitung. Trotz hochentwickelter bildgebender Verfahren wie CT und MRT spielt die Ultraschalluntersuchung aufgrund ihrer Schnelligkeit, Unkompliziertheit, Schmerzfreiheit und fehlenden Strahlenbelastung eine entscheidende Rolle.

Grundlagen der Ultraschalluntersuchung am Auge

Das Prinzip der Ultraschalluntersuchung am Auge ist dasselbe wie bei anderen Körperregionen. Ein Schallkopf sendet Schallwellen aus, die vom Gewebe reflektiert werden. In der Augenheilkunde wird der Schallkopf nach dem Auftragen eines Gels meist auf das geschlossene Augenlid aufgesetzt. Bei einer Längenvermessung des Auges muss der Schallkopf direkt auf das Auge aufgesetzt werden. Der Arzt kann mithilfe der Ultraschalluntersuchung das Innenleben des Auges und einen Teil der Augenhöhle mit Muskeln und Sehnerv erkennen.

Anwendungsbereiche der Ultraschalluntersuchung des Sehnervs

Die Ultraschalluntersuchung des Sehnervs findet in verschiedenen Situationen Anwendung:

  • Unklare Schmerzen hinter dem Auge: Bei unklaren Schmerzen hinter dem Auge kann eine Ultraschalluntersuchung (B-Bild) eingesetzt werden.
  • Erhöhter Hirndruck: Die Optikusnervenscheiden-Sonografie (ONSD) ermöglicht die schnelle und schonende Erkennung eines erhöhten Hirndrucks ohne Strahlenbelastung. Dies ist besonders wichtig nach Kopfverletzungen oder bei anderen Hirnerkrankungen.
  • Vorbereitung auf Operationen: Zur Vorbereitung auf die Operation des Grauen Stars wird die Ultraschalluntersuchung eingesetzt.
  • Erkrankungen des Sehnervs: Die Ultraschalluntersuchung erlaubt die Lokalisation und Größenausdehnung eines krankhaften Prozesses am Sehnerven.
  • Raumforderungen und Tumore: Die Ultraschalluntersuchung erlaubt die Messung der Größe und gibt Aussagen über die Beschaffenheit des Tumors.
  • Morbus Basedow: Bei einem Morbus Basedow (endokrine Orbitopathie) können die einzelnen Strukturen hinter dem Auge wie Muskeln, Tränendrüse und Sehnerv gemessen werden.
  • Netzhautablösung: Die Ultraschalluntersuchung gibt Auskunft über die Beschaffenheit einer Netzhautablösung und grenzt diese gegen ähnlich aussehende Krankheitsbilder ab.
  • Fremdkörper: Der Ultraschall erlaubt häufig eine Darstellung und Lokalisation des Fremdkörpers im Auge.

Die Optikusnervenscheiden-Sonografie (ONSD)

Die ONSD ist eine spezielle Form der Ultraschalluntersuchung des Sehnervs, die zur Beurteilung des Hirndrucks eingesetzt wird. Dabei wird ein Schallkopf sanft auf das geschlossene Augenlid aufgesetzt. Die Untersuchung macht sich zunutze, dass sich Veränderungen in der Regel an der Hülle des Sehnervs zeigen, wenn der Druck im Schädelinneren steigt. Normalerweise ist die Sehnervenscheide an der Messstelle zwischen fünf und sechs Millimeter weit.

Vorteile der ONSD

  • Keine Strahlenbelastung: Im Gegensatz zu CT oder MRT ist die ONSD strahlenfrei.
  • Schmerzfrei und nicht-invasiv: Die Untersuchung ist schmerzfrei und erfordert keinen Eingriff.
  • Schnelle Verfügbarkeit: Die ONSD kann schnell und am Patientenbett durchgeführt werden.
  • Verlaufskontrolle: Die Untersuchung kann mehrfach wiederholt werden und eignet sich gut für Verlaufskontrollen.

Anwendung der ONSD

Die ONSD findet Anwendung bei:

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  • Schädel-Hirn-Trauma: Nach Schädel-Hirn-Verletzungen kann der Hirndruck ansteigen. Die ONSD kann helfen, aufwendige computertomografische Kontrolluntersuchungen zu vermeiden.
  • Hirnhautentzündungen, Hirnblutungen und -tumoren: Auch bei diesen Erkrankungen muss der Druck stetig gemessen werden.
  • Pseudotumor cerebri: Bei Patienten mit Pseudotumor cerebri ist der Hirndruck ohne erkennbare Ursache erhöht.
  • Verminderter Hirndruck: Auch bei Menschen mit vermindertem Hirndruck kann die ONSD eingesetzt werden.

Qualitätssicherung und Ausbildung

Internationale Fachgruppen haben einheitliche Mess- und Qualitätsstandards für die ONSD-Sonografie definiert. Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) bietet Aus- und Weiterbildungskurse für Ärzte an, in denen die Untersuchung praktisch erlernt werden kann.

Ultraschall bei Glaukom-Früherkennung

Die Ultraschalluntersuchung kann auch bei der Glaukom-Früherkennung eine Rolle spielen. Beim Glaukom, auch grüner Star genannt, stirbt der Sehnerv nach und nach ab. Eine frühzeitige Erkennung und Behandlung kann das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen oder aufhalten.

Methoden zur Untersuchung des Sehnervs bei Glaukom

  • Ophthalmoskopie: Dabei wird die Pupille erweitert, um eine klare Sicht auf den Sehnervenkopf zu ermöglichen.
  • Optische Kohärenztomographie (OCT): Die OCT erstellt hochauflösende Querschnittsbilder des Auges und gibt präzise Auskunft darüber, ob und in welchem Umfang Schädigungen bestehen.

OCT zur Glaukom-Früherkennung

Die OCT ist eine relativ junge Untersuchungsmethode, die Strukturen bis in drei Millimeter Tiefe darstellen kann. Sie ähnelt der Ultraschall-Untersuchung, arbeitet aber mit Licht anstelle von Schallwellen. Mit OCT-Geräten können feinste Strukturen in einem Bereich von Tausendstel Millimeter betrachtet werden.

Bewertung der OCT zur Glaukom-Früherkennung

Die Bewertung der OCT zur Glaukom-Früherkennung ist umstritten. Der IGeL-Monitor bewertet die OCT zur Früherkennung eines Glaukoms mit „tendenziell negativ“, da es keine Studien gibt, die den Nutzen belegen. Es gibt auch keine Hinweise auf Schäden, aber es ist plausibel anzunehmen, dass indirekte Schäden wie Fehlalarme oder unnötige Behandlungen entstehen können.

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