Serotonin und Dopamin sind zwei der bekanntesten und wichtigsten Neurotransmitter im menschlichen Gehirn. Beide spielen eine entscheidende Rolle bei der Regulierung verschiedener physiologischer und psychologischer Prozesse, von Stimmung und Emotionen bis hin zu Verhalten und Kognition. Obwohl sie oft zusammen genannt werden, haben Serotonin und Dopamin unterschiedliche Funktionen und Wirkungsmechanismen. Dieser Artikel beleuchtet die Unterschiede zwischen diesen beiden Molekülen und untersucht ihre individuellen Rollen im Gehirn und Körper.
Einführung in Neurotransmitter
Neurotransmitter sind chemische Botenstoffe, die von Nervenzellen (Neuronen) verwendet werden, um miteinander zu kommunizieren. Das Gehirn besteht aus etwa 100 Milliarden Neuronen, die über Synapsen miteinander verbunden sind. An diesen Kontaktstellen findet die Übertragung von Informationen statt. Neurotransmitter werden im Gehirn produziert und freigesetzt, um Signale von einer Nervenzelle zur nächsten zu übertragen.
Die Funktionsweise der meisten Synapsen beruht auf dieser biochemischen Signalübertragung. Neurotransmitter werden präsynaptisch ausgeschüttet und binden postsynaptisch an spezifische Rezeptoren anderer Neuronen, wo sie erregend oder hemmend wirken können. Jeder Neurotransmitter definiert ein System - eine spezifische Maschinerie, die für Synthese, Ausschüttung, Wirkung, Wiederaufnahme und Abbau des Transmitters zuständig ist.
Serotonin: Der Stimmungsregulator
Serotonin, auch bekannt als 5-Hydroxytryptamin (5-HT), ist ein Monoamin-Neurotransmitter, der eine Vielzahl von Funktionen im zentralen Nervensystem (ZNS) und im peripheren Nervensystem erfüllt. Es ist an der Regulierung von Stimmung, Schlaf, Appetit, Schmerzempfinden und anderen wichtigen Prozessen beteiligt.
Serotonin und Stimmung
Serotonin wird oft als "Glückshormon" bezeichnet, da es eine wichtige Rolle bei der Stimmungsregulation spielt. Ein Mangel an Serotonin wird mit Depressionen, Angstzuständen und anderen psychischen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) sind eine häufig verschriebene Medikamentenklasse zur Behandlung von Depressionen. Sie wirken, indem sie die Wiederaufnahme von Serotonin im Gehirn hemmen, wodurch die verfügbare Menge an Serotonin erhöht wird.
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Es dauert allerdings einen Monat oder mehr, bis solche Antidepressiva wirken. Womöglich erklärt der Zusammenhang sogar, warum Antidepressiva so lange brauchen, bis sie anschlagen: Wenn die Medikamente wirken, indem sie einen epigenetischen Prozess aktivieren, kann es durchaus Tage oder Wochen dauern, bevor eine Besserung eintritt.
Serotonin und Schlaf
Serotonin spielt auch eine Rolle bei der Regulierung des Schlaf-Wach-Zyklus. Es ist ein Vorläufer von Melatonin, einem Hormon, das für die Steuerung des Schlafs verantwortlich ist. Serotonin wird am Abend in Melatonin umgewandelt, das menschliche Schlafhormon, gebildet. Dieses sorgt dafür, dass du müde wirst und schließlich einschläfst.
Serotonin und andere Funktionen
Neben Stimmung und Schlaf ist Serotonin auch an einer Vielzahl anderer Funktionen beteiligt, darunter:
- Appetitregulierung: Serotonin kann den Appetit beeinflussen und zur Sättigung beitragen.
- Schmerzempfinden: Serotonin kann die Schmerzwahrnehmung modulieren.
- Gastrointestinale Funktion: Serotonin spielt eine Rolle bei der Regulierung der Darmbewegung.
- Blutdruckregulierung: Serotonin kann die Spannung der Blutgefäße beeinflussen.
Serotoninrezeptoren
Bislang sind 7 Hauptgruppen von Serotoninrezeptoren bekannt, 5-HT-1 bis 5-HT-7. Diese unterteilen sich wiederum in Untergruppen. Serotonin bewirkt an 5-HT2A eine Hemmung des Dopaminausstoßes. Serotonin unterstützt die exitatorischen Wirkungen von Glutamat im Nucleus motorius nervi facialis, der motorische Abläufe und die Gesichtsmimik steuert. 5-HT2A wie 5-HT2C-Rezeptoren scheinen bei chronischer Aktivierung leicht eine Downregulation vorzunehmen, bei einer chronischen Unteraktivierung jedoch keiner Upregulation zu unterliegen. 5-HT2A-Aktivierung erhöht die NMDA-Rezeptor-vermittelten Ströme in Pyramidenneuronen des PFC.
Dopamin: Der Belohnungsbote
Dopamin ist ein weiterer wichtiger Monoamin-Neurotransmitter, der eine zentrale Rolle im Belohnungssystem des Gehirns spielt. Es ist auch an der Steuerung von Bewegung, Motivation, Gedächtnis und anderen kognitiven Funktionen beteiligt.
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Dopamin und das Belohnungssystem
Dopamin wird oft als "Belohnungshormon" bezeichnet, da es ein Gefühl von Freude und Befriedigung vermittelt, wenn wir positive Erfahrungen machen. Fast alle süchtig machenden Substanzen erhöhen den Dopaminspiegel in bestimmten Gehirnregionen. Das steigert seinerseits wieder das Verlangen nach der Droge.
Das dopaminerge System wird aktiviert, wenn wir etwas tun, das für unser Überleben oder unsere Fortpflanzung wichtig ist, wie z. B. Essen, Trinken oder Sex. Es wird auch aktiviert, wenn wir Ziele erreichen oder Anerkennung erhalten.
Dopamin und Bewegung
Dopamin spielt auch eine wichtige Rolle bei der Steuerung von Bewegung. Ein Mangel an Dopamin kann zu Bewegungsstörungen wie der Parkinson-Krankheit führen. Bei Patienten mit Parkinson ist ein Absterben von Nervenzellen, die Dopamin herstellen (dopaminergen Neuronen), verantwortlich. Das kann zur Bewegungsarmut oder sogar Bewegungslosigkeit führen. Um dem entgegenzuwirken, werden Dopamin-Medikamente eingesetzt.
Dopamin und andere Funktionen
Neben Belohnung und Bewegung ist Dopamin auch an einer Vielzahl anderer Funktionen beteiligt, darunter:
- Motivation: Dopamin ist wichtig für die Motivation und das Streben nach Zielen.
- Gedächtnis: Dopamin spielt eine Rolle bei der Gedächtnisbildung und -abrufung.
- Aufmerksamkeit: Dopamin ist wichtig für die Aufmerksamkeitssteuerung.
- Entscheidungsfindung: Dopamin kann die Entscheidungsfindung beeinflussen.
Dopamin-Kontrollsystem
Dopamin muss zukunftsgerichtet gezähmt werden, wenn der Mensch über das pure Verlangen hinaus etwas planen und mit hoher Beharrlichkeit umsetzen können möchte.
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Dopamin und Epigenetik
Interessanterweise legen die Ergebnisse auch eine Antwort darauf nahe, warum viele Antidepressiva erst nach wochenlanger Einnahme wirken. Laut den Studiendaten könnten epigenetische Veränderungen das intensive Verlangen nach Drogen wie Alkohol und Kokain verursachen, indem sie der Sucht zu Grunde liegende Schaltkreise im Gehirn beeinflussen.
In der »Science«-Studie zeigten die Forscher, dass dasselbe Enzym, das Serotonin an H3 anheftet, auch die Bindung von Dopamin an H3 anregen kann. Die Wissenschaftler tauften den Prozess Dopaminylierung. Das Team um Maze machte sich natürlich gleich daran, die neue Funktion zu erforschen. Zunächst untersuchte es Hirngewebe von verstorbenen Kokainkonsumenten. In einem Cluster von Dopamin ausschüttenden Neuronen in der Area ventralis tegmentalis (AVT) im Mittelhirn fanden die Wissenschaftler eine verminderte Dopaminylierung von H3. Diese Hirnregion spielt bei Sucht eine wichtige Rolle.
Unterschiede zwischen Serotonin und Dopamin
Obwohl Serotonin und Dopamin beide wichtige Neurotransmitter sind, gibt es einige wichtige Unterschiede zwischen ihnen:
- Funktion: Serotonin ist hauptsächlich an der Regulierung von Stimmung, Schlaf und Appetit beteiligt, während Dopamin hauptsächlich an Belohnung, Motivation und Bewegung beteiligt ist.
- Wirkungsort: Serotonin wirkt in vielen verschiedenen Bereichen des Gehirns und Körpers, während Dopamin hauptsächlich in bestimmten Bereichen des Gehirns wirkt, wie z. B. dem Belohnungssystem.
- Rezeptoren: Serotonin und Dopamin binden an unterschiedliche Arten von Rezeptoren. Bislang sind 7 Hauptgruppen von Serotoninrezeptoren bekannt, 5-HT-1 bis 5-HT-7. Diese unterteilen sich wiederum in Untergruppen.
Das Gleichgewicht der Neurotransmitter
Solange im Gehirn ein Gleichgewicht unter den Neurotransmittern besteht, ist alles gut. Ein Ungleichgewicht zwischen Serotonin und Dopamin kann zu verschiedenen psychischen und neurologischen Problemen führen. Ein Serotoninmangel kann zu Depressionen, Angstzuständen und Schlafstörungen führen, während ein Dopaminmangel zu Antriebslosigkeit, Müdigkeit und Bewegungsstörungen führen kann.
Faktoren, die das Neurotransmitter-Gleichgewicht beeinflussen
Hektik, Stress, Überforderung - der heutige Lifestyle ist nicht gerade eine Wellnesskur für unsere Nervenzellen. Und ehe man sich versieht, machen sich die ersten Anzeichen einer Dysbalance bemerkbar. Hinzu kommen noch eine ungesunde Ernährung, wenig Schlaf, womöglich noch Alkohol und Nikotin und Umweltgifte, denen wir uns kaum entziehen können.
Wie das Gleichgewicht der Neurotransmitter aussehen soll, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Es gibt keine Norm, an der du dich orientieren kannst. Doch solltest du Veränderungen an dir feststellen, an deinem Wesen, an deiner Laune oder einen Hang zur Sucht, solltest du dir Gedanken über deinen Neurotransmitter-Haushalt machen.
Möglichkeiten zur Wiederherstellung des Gleichgewichts
- Ernährung: Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist die Basis, um Körper und Geist zu optimieren. Macht sich dennoch ein Serotonin-Mangel bemerkbar, sind Lebensmittel wichtig, die L-Tryptophan enthalten. Um Dopamin zu verstärken, bietet sich beispielsweise der Verzehr von Avocados, grünem Blattgemüse, Äpfeln, Nüssen, Samen, Haferflocken und dunkler Schokolade an. Einen Acetylcholin-Mangel kannst du durch gesunde Fette ausgleichen. Fetthaltiger Fisch, Fleisch, Geflügel, Eier und fetthaltige Milchprodukte sind reich an Cholin, der Vorstufe von Acetylcholin. GABA steigt hingegen an, wenn du beispielsweise Bananen, Brokkoli, Zitrusfrüchte, Linsen, braunen Reis, Fisch, Nüsse, Haferflocken, Spinat, probiotischen Joghurt, Kefir oder Sauerkraut auf deinen Speiseplan setzt.
- Supplements: Natürlich kannst du deine Gehirnleistung auch über Supplements fördern. 5-HTP ist der Vorläufer von Serotonin, sollte jedoch nicht langfristig eingenommen werden.
- Änderung des Lifestyles: Regelmäßiger Sport, ausreichend Schlaf, frische Luft und Sonnenschein sorgen für die Ausschüttung von Serotonin und Dopamin. Wer den ganzen Tag im Büro sitzt und von einem Meeting zum nächsten rennt, sollte dringend für Ausgleich sorgen. Meditation und ähnliche Entspannungsmethoden sind dafür sehr empfehlenswert. Ein gutes Training für die Dopamin-Ausschüttung sind außerdem immer neue Ziele, die du erreichen willst. Dabei fängst du am besten mit Kleinigkeiten an, auf die du deine Energie fokussierst. So erreichst du schneller deine Ziele und kommst in den Genuss des Dopamin-Benefits.