Mit zunehmendem Alter verändert sich unser Körper, und auch das Gehirn ist davon betroffen. Ab etwa dem 40. Lebensjahr beginnt das Gehirn, langsam an Volumen zu verlieren. Dieser Prozess, bekannt als Hirnatrophie oder Gehirnschrumpfung, ist ein natürlicher Bestandteil des Alterns, kann aber auch durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden. In diesem Artikel werden die Ursachen, Risikofaktoren und möglichen Präventionsmaßnahmen für die Gehirnschrumpfung ab 40 untersucht.
Natürliche Alterungsprozesse und Gehirnschrumpfung
Das Gehirn durchläuft im Laufe des Lebens verschiedene Entwicklungsphasen. Die graue Hirnsubstanz, die aus Zellkörpern und Synapsen besteht, nimmt bis zum etwa zwölften Lebensjahr zu, bevor sie sich allmählich wieder ausdünnt. Betroffen von diesem Verlust sind vor allem der präfrontale Cortex und der Hippocampus, die für exekutive Funktionen und das Langzeitgedächtnis unerlässlich sind. Die weiße Hirnsubstanz, die aus Nervenfasern besteht, die einzelne Hirnregionen miteinander verbinden, gewinnt etwa bis zum Alter von 40 bis 50 Jahren an Volumen. Dann schrumpft auch sie wieder.
Ursachen für den altersbedingten Schwund an Hirnmasse sind vermutlich die Veränderung von Nervenzellen, die Schrumpfung von Nervenfortsätzen sowie der Verlust von synaptischen Verbindungen. Mit zunehmendem Alter finden sich auch vermehrt Ansammlungen von Tau-Proteinen, die möglicherweise für das Absterben von Nervenzellen verantwortlich sind. Zudem nimmt die Menge der mit Myelin umhüllten Nervenfasern ab, was die Kommunikation zwischen verschiedenen Hirnarealen beeinträchtigen kann.
Die Forschung zeigt, dass das Gesamtvolumen des durchschnittlichen Gehirns nach dem 40. Lebensjahr um etwa 5 % pro Jahrzehnt schrumpft. Ab dem 70. Lebensjahr nimmt diese Tendenz sogar noch zu. Durch diese Veränderungen im Gehirn werden wir im Alter zunehmend anfälliger für kognitive Störungen wie Gedächtnisschwund, beeinträchtigtes Denken und Demenz.
Alzheimer-Krankheit und Gehirnschrumpfung
Die Alzheimer-Krankheit ist eine degenerative neurologische Erkrankung, die durch einen fortschreitenden Verlust von Nervenzellen und Hirngewebe gekennzeichnet ist. Im Gehirn von Alzheimer-Patienten sterben nach und nach Nervenzellen und ihre Verbindungen untereinander ab. Dadurch schrumpft das Gehirn (Hirnatrophie) und die Hirnkammern (Ventrikel) erweitern sich. Der Untergang der Nervenzellen beginnt in den Schläfenlappen des Gehirns und einer zentralen Gedächtnisregion (Hippocampus). Er greift dann auf Hirnregionen über, die für das Gedächtnis zuständig sind. Irgendwann umfasst der Untergang der Nervenzellen das gesamte Gehirn.
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In den betroffenen Hirnregionen finden sich zwei verschiedene Arten von Eiweißablagerungen, welche die Nervenzellen töten: Beta-Amyloid und Tau-Protein. Zwischen den Nervenzellen und in manchen Blutgefäßen bilden sich harte, unauflösliche Plaques aus Beta-Amyloid. Außerdem bilden sich bei Alzheimer-Patienten in den Nervenzellen des Gehirns abnormale Tau-Fibrillen - unauflösliche, gedrehte Fasern aus dem sogenannten Tau-Protein. Sie stören die Stabilisierungs- und Transportprozesse in den Gehirnzellen, sodass diese absterben.
Hauptrisikofaktor für Alzheimer ist das Alter. Insgesamt können folgende Faktoren eine Alzheimer-Erkrankung begünstigen:
- Alter
- genetische Ursachen
- Bluthochdruck
- erhöhter Cholesterinspiegel
- erhöhter Homocysteinwert im Blut
- Gefäßverkalkung (Arteriosklerose)
- schlecht eingestellter Blutzucker bei Diabetes
Weitere Ursachen und Risikofaktoren für Gehirnschrumpfung
Neben dem natürlichen Alterungsprozess und der Alzheimer-Krankheit gibt es weitere Faktoren, die zu einer Gehirnschrumpfung beitragen können:
- Mangelernährung: Eine Mangelernährung über längere Zeit kann sich negativ auf die Gehirnstruktur auswirken. Studien haben gezeigt, dass beispielsweise bei magersüchtigen Patienten eine Hirnatrophie auftreten kann, die sich jedoch im Therapieverlauf mit Gewichtszunahme wieder teilweise erholt.
- Vaskuläre Demenz: Durchblutungsstörungen im Gehirn, wie sie bei der vaskulären Demenz auftreten, können ebenfalls zu einem Verlust von Hirnmasse führen.
- Frontotemporale Demenz: Bei der frontotemporalen Demenz sterben Nervenzellen im Stirn- und Schläfenlappen des Gehirns ab, was zu Veränderungen im Verhalten, den Emotionen, der Sprache und dem sozialen Miteinander führt.
- Chronisch traumatische Enzephalopathie: Häufige Kopfverletzungen, wie sie beispielsweise bei Boxern auftreten können, können zu einer chronisch traumatischen Enzephalopathie führen, die mit kognitiven und motorischen Störungen sowie Verhaltens- und Wesensveränderungen einhergeht.
- Weitere Risikofaktoren: Wissenschaftliche Studien zeigen, dass weltweit bis zu 45 Prozent aller Demenzerkrankungen verhindert oder zumindest hinausgezögert werden könnten, wenn veränderbare Risikofaktoren frühzeitig erkannt und reduziert würden. Zu diesen Risikofaktoren zählen unter anderem geringe Bildung, Hörminderung, erhöhter Cholesterinspiegel, Depression, häufige Kopfverletzungen, Bewegungsmangel, Diabetes Typ 2, Rauchen, Bluthochdruck, starkes Übergewicht, übermäßiger Alkoholkonsum und soziale Isolation.
Präventionsmaßnahmen und Strategien zur Förderung der Hirngesundheit
Auch wenn die Gehirnschrumpfung ein natürlicher Bestandteil des Alterns ist, gibt es eine Reihe von Maßnahmen, die man ergreifen kann, um die Hirngesundheit zu fördern und den kognitiven Abbau zu verlangsamen:
- Körperliche Aktivität: Regelmäßige Bewegung verbessert die Durchblutung des Gehirns und die Sauerstoffversorgung, was die kognitive Funktion verbessern kann. Aerobes Training wie Radfahren oder Joggen kann dazu beitragen, das Schrumpfen des Hippocampus zu verlangsamen.
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung, insbesondere eine mediterrane Ernährung oder die MIND-Diät, kann die Gehirnfunktion unterstützen und das Risiko für Demenz reduzieren. Diese Ernährungsformen sind reich an Vollkornprodukten, Gemüse, Nüssen, Beeren, Geflügel, Fisch und Olivenöl und arm an rotem Fleisch, verarbeiteten Lebensmitteln, Salz, Käse, Butter und Zucker.
- Geistige Aktivität: Geistige Anregung stärkt das Gehirn und kann dazu beitragen, die kognitive Reserve zu erhöhen. Das Erlernen neuer Fähigkeiten, das Spielen von Musikinstrumenten, das Lesen, das Lösen von Rätseln und andere geistig fordernde Tätigkeiten können die Gehirnfunktion verbessern.
- Soziale Interaktion: Ein gesundes Sozialleben ist wichtig für ein gesundes Gehirn. Regelmäßige Gespräche und soziale Kontakte helfen, das Stressniveau zu senken und das Gehirn aktiv und leistungsfähig zu halten.
- Stressmanagement: Chronischer Stress kann sich negativ auf die Gehirnstruktur und -funktion auswirken. Entspannungstechniken wie Meditation, Yoga oder Atemübungen können helfen, Stress abzubauen und die Hirngesundheit zu fördern.
- Vermeidung von Risikofaktoren: Es ist wichtig, Risikofaktoren wie Rauchen, übermäßigen Alkoholkonsum, Bluthochdruck, Diabetes und Übergewicht zu vermeiden oder zu kontrollieren, da diese das Risiko für Gehirnschrumpfung und kognitiven Abbau erhöhen können.
- Frühe Diagnose und Behandlung: Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung von Erkrankungen wie Depressionen, Hörminderung oder Schlafstörungen kann ebenfalls dazu beitragen, die Hirngesundheit zu erhalten.
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