Serotonin und Dopamin: Wirkung und Einfluss auf unser Wohlbefinden

Die komplexen Wechselwirkungen zwischen Serotonin und Dopamin, zwei essenziellen Neurotransmittern, beeinflussen maßgeblich unser emotionales Gleichgewicht, unsere Motivation und sogar unser moralisches Verhalten. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Funktionen dieser Botenstoffe und die Auswirkungen von Medikamenten, die in ihre Signalwege eingreifen.

Einführung in Serotonin und Dopamin

Serotonin und Dopamin sind Neurotransmitter, also chemische Botenstoffe, die Signale zwischen Nervenzellen im Gehirn und im ganzen Körper übertragen. Sie spielen eine entscheidende Rolle bei der Regulierung verschiedener Körperfunktionen, darunter Stimmung, Schlaf, Appetit, Motivation und soziale Interaktionen. Ein Ungleichgewicht dieser Neurotransmitter kann zu psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen und Suchtverhalten führen.

Die moralische Komponente: Eine Studie über Serotonin, Dopamin und Altruismus

Eine Studie aus dem Jahr 2015, veröffentlicht in Current Biology, untersuchte den Einfluss von Dopamin und Serotonin auf moralische Entscheidungen. Die Neurowissenschaftlerin Molly Crockett von der Universität Oxford führte ein Experiment durch, bei dem Probanden leichte Stromschläge erhielten und anschließend finanzielle Angebote, um entweder selbst mehr Stromschläge zu erleiden oder anderen unbekannten Personen diese zuzufügen.

Vor dem Experiment erhielten die Teilnehmer entweder Citalopram (ein SSRI, das die Serotoninkonzentration im Gehirn erhöht), L-Dopa (eine Dopamin-Vorstufe) oder ein Placebo. Die Ergebnisse zeigten, dass Citalopram den Hyperaltruismus verstärkte, d.h. die Bereitschaft, sich selbst eher Leid zuzufügen als anderen. L-Dopa hatte den gegenteiligen Effekt und reduzierte den Hyperaltruismus, wodurch die Probanden eher bereit waren, anderen Leid zuzufügen.

Es ist wichtig zu betonen, dass Crockett mit dieser Studie nicht zeigen wollte, dass SSRI die Moral von Menschen mit Depressionen verbessern oder dass Parkinson-Patienten durch die Gabe von L-Dopa tendenziell zu "Unmenschen" werden. Die Studie verdeutlicht lediglich, dass diese Neurotransmitter einen Einfluss auf unsere moralischen Entscheidungen haben können.

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Serotonin: Mehr als nur ein "Glückshormon"

Serotonin ist bekannt für seine stimmungsaufhellende Wirkung und wird oft als "Glückshormon" bezeichnet. Es beeinflusst jedoch weit mehr als nur unsere Stimmung.

  • Stimmungsregulation: Serotonin trägt wesentlich dazu bei, wie wir uns fühlen. Ein niedriger Serotoninspiegel wird häufig mit Depressionen in Verbindung gebracht.
  • Schlaf: Gemeinsam mit Dopamin hat Serotonin Einfluss auf die Qualität unseres Schlafes. Das Gehirn benötigt Serotonin für die Herstellung des Hormons Melatonin, das unseren Schlaf-Wach-Zyklus regelt.
  • Verdauung: Serotonin wirkt vor allem im Darm und sorgt hier für eine reibungslose Funktion.
  • Wundheilung: Im Blut unterstützt Serotonin die Wundheilung, indem es dafür sorgt, dass sich die Blutgefäße verengen und die Bildung von Blutgerinnseln unterstützt.
  • Knochengesundheit: Ein sehr hoher Serotoninspiegel kann zu einer Schwächung der Knochen führen, indem er die Aktivität der knochenbildenden Zellen (Osteoblasten) hemmt.
  • Sexualität: Serotonin beeinflusst, gemeinsam mit Dopamin, auch das sexuelle Verlangen.
  • Unterstützung der sozialen Interaktion: Serotonin spielt auch eine Rolle in unserem Sozialverhalten.

Beeinflussung des Serotoninspiegels

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Serotoninspiegel auf natürliche Weise zu beeinflussen:

  • Tryptophanhaltige Lebensmittel: Die Aminosäure Tryptophan ist ein wichtiger Baustein für die Serotoninproduktion. Sie kommt in vielen Lebensmitteln vor, etwa in Lachs, Eiern, Tofu, Käse und Nüssen.
  • Sonnenlicht: Genügend tägliches Sonnenlicht hilft, den Serotoninspiegel zu erhöhen - und auch der Vitamin-D-Spiegel profitiert.
  • Sport: Regelmäßige Bewegung ist dafür bekannt, die Stimmung zu verbessern, denn Sport beeinflusst den Serotoninspiegel im Gehirn.
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie Meditation, Achtsamkeitsübungen, Yoga, tiefes Atmen oder progressive Muskelentspannung können helfen, den Serotoninspiegel zu erhöhen.

Serotoninmangel und Serotonin-Syndrom

Ein zu niedriger oder zu hoher Serotoninspiegel kann körperliche und psychische Gesundheitsprobleme verursachen. Ein Serotoninmangel kann zu Depressionen, Angststörungen, Schlafstörungen und Verdauungsproblemen führen. Ein zu hoher Serotoninspiegel, das sogenannte Serotonin-Syndrom, wird fast ausschließlich durch die Einnahme von Medikamenten verursacht, insbesondere Antidepressiva aus den Gruppen der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) oder der Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI). Symptome des Serotonin-Syndroms können Zittern, starkes Schwitzen, Verwirrung, Unruhe, hoher Blutdruck, Muskelzuckungen, Durchfall, hohes Fieber, Krampfanfälle, Ohnmacht und Herzrhythmusstörungen sein.

Dopamin: Motivation, Belohnung und mehr

Dopamin ist ein weiterer zentraler Neurotransmitter, der eine entscheidende Rolle in unserem täglichen Leben spielt.

  • Motivation und Belohnung: Dopamin ist stark in die Prozesse involviert, die unsere Motivation und unser Verhalten steuern. Es wird in Momenten freigesetzt, in denen wir eine Belohnung erwarten oder erhalten, sei es durch Essen, soziale Interaktionen oder das Erreichen eines Ziels.
  • Antriebskraft: Ein gesunder Dopaminspiegel führt dazu, dass wir uns energiegeladen und motiviert fühlen.
  • Suchtverhalten: Dopamin ist auch stark mit Suchtverhalten verbunden. Da es das Belohnungssystem des Gehirns direkt beeinflusst, kann eine übermäßige Stimulierung dieses Systems durch bestimmte Verhaltensweisen oder Substanzen zu Abhängigkeiten führen.
  • Motorische Kontrolle: Dopamin spielt eine wichtige Rolle bei der Steuerung unserer Bewegungen. Ein Mangel an Dopamin im Gehirn ist eine der Hauptursachen für die Parkinson-Krankheit.

Dopamin im therapeutischen Einsatz

Dopamin selbst wird therapeutisch bei Schockzuständen eingesetzt, um die Durchblutung zu steigern. Bei neurologischen Indikationen wie Parkinson wird Dopamin nicht direkt eingesetzt, sondern Vorläufer oder Analoga davon, da diese im Unterschied zu Dopamin die Blut-Hirn-Schranke überwinden können. Bei schizophrenen oder sonstigen psychotischen Patienten, bei denen meist in bestimmten Hirnregionen die Dopamin-Konzentration erhöht ist, werden Hemmer des Botenstoffs (Dopamin-Antagonisten) eingesetzt. Sie zählen zu den Antipsychotika.

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Einfluss auf den Dopaminspiegel

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Dopaminspiegel auf natürliche Weise zu beeinflussen:

  • Ausgewogene Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Protein und essentiellen Nährstoffen kann die Dopaminproduktion unterstützen.
  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Dopaminausschüttung erhöhen.
  • Ausreichend Schlaf: Ausreichend Schlaf ist wichtig für die Regulation des Dopaminspiegels.
  • Stressmanagement: Chronischer Stress kann den Dopaminspiegel senken. Stressmanagement-Techniken wie Meditation oder Yoga können helfen, den Dopaminspiegel zu stabilisieren.
  • Erfolgreiche Zielerreichung: Das Erreichen von Zielen, egal wie klein sie sind, kann die Dopaminausschüttung erhöhen und zu einem Gefühl der Zufriedenheit führen.

Antidepressiva und ihre Wirkung auf Serotonin und Dopamin

Antidepressiva sind Medikamente, die zur Behandlung von Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen eingesetzt werden. Es gibt verschiedene Arten von Antidepressiva, die auf unterschiedliche Weise in den Neurotransmitter-Stoffwechsel eingreifen.

  • Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI): SSRI wirken selektiv inhibitorisch auf die Serotonin-Wiederaufnahme, wodurch die Konzentration an Serotonin im synaptischen Spalt erhöht wird. Sie sind gut verträglich und wirken antidepressiv, antriebssteigernd und anxyolytisch.
  • Selektive Noradrenalin-/Dopamin-Wiederaufnahmehemmer (SNDRI): SNDRI hemmen die Wiederaufnahme von Noradrenalin/Norepinephrin und Dopamin im synaptischen Spalt. Wirkstoffe dieser Gruppe werden hauptsächlich zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sowie zur Behandlung von Depressionen eingesetzt.
  • Selektive Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI): SNRI hemmen selektiv die Wiederaufnahme von Noradrenalin aus dem synaptischen Spalt. Der Wirkstoff wird zur Behandlung akuter depressiver Episoden eingesetzt.
  • Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI): SSNRI weisen ein duales Wirkprinzip auf und inhibieren die Rückaufnahme der Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin aus dem synaptischen Spalt. Alle SSNRI sind für die Behandlung einer Major Depression zugelassen.
  • Monoaminoxidase-Hemmer (MAO-Hemmer): MAO-Hemmer inhibieren die Monoaminoxidase-Enzyme, die Monoamine durch Desaminierung abbauen. Durch die Inhibition dieser Enzyme wird dann der Abbau von Serotonin, Noradrenalin und Dopamin gehemmt.

Es ist wichtig zu beachten, dass Antidepressiva keine "Glückspillen" sind, die die Stimmung künstlich pushen. Ihre Wirkung tritt erst nach einigen Tagen bis Wochen ein. Sie wirken, indem sie einen adäquaten Reiz setzen, um Kaskaden anzustoßen, die letztendlich zu einer Veränderung der Hirnaktivität und einer Verbesserung der Symptomatik führen.

Epigenetik: Neurotransmitter als genetische Schalter

Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Neurotransmitter wie Serotonin und Dopamin nicht nur Signale zwischen Nervenzellen übertragen, sondern auch die Aktivität von Genen kontrollieren können. Dieser Prozess, bekannt als Epigenetik, ermöglicht es, dass sich Spuren aus dem Leben der Eltern auf ihre Nachkommen übertragen.

Epigenetische Prozesse versehen die DNA mit Botschaften, ohne ihre Sequenz zu verändern. Marker, die wie molekulare Post-it-Notizen an den Histonen kleben, steuern, auf welche genetischen Anweisungen die Zelle Zugriff hat. Manche derartige Etiketten weisen bestimmte Proteine an, die DNA von einem Histon zu lösen. Andere signalisieren, dass dieser Bereich stillgelegt ist.

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Eine Studie aus dem Jahr 2019 zeigte, dass Serotonin als epigenetische Post-it-Notiz wirken kann, indem es sich an das Histon H3 bindet. So aktiviert es Gene, die menschliche Stammzellen in Serotonin ausschüttende Neurone umwandeln. Neuere Forschungsarbeiten zeigen, dass die Moleküle zudem als epigenetische Marker dienen können. Dazu binden sie sich im Zellkern an eine bestimmte Stelle des Histons H3. Das signalisiert der Zelle, dass das um die Histone gewickelte Gen mehr oder weniger abgelesen werden soll - die Herstellung des codierten Proteins steigt oder sinkt als Konsequenz. In der Summe können solche Veränderungen neuronale Schaltkreise umbauen und sogar unser Verhalten beeinflussen.

Die Entdeckung der Dopaminylierung, bei der Dopamin an das Histon H3 bindet, eröffnete neue Perspektiven für das Verständnis von Suchtverhalten. Studien zeigten, dass Kokainkonsum die Dopaminylierung von H3 in AVT-Neuronen (Area ventralis tegmentalis) im Mittelhirn beeinflusst. Die verstärkte Dopaminylierung reguliert womöglich Gene, die in den Belohnungskreislauf des Gehirns eingreifen und so das intensive Verlangen nach der Droge bedingen.

Diese Erkenntnisse könnten nicht nur zur Entwicklung neuer Therapien für Suchterkrankungen beitragen, sondern auch erklären, warum Antidepressiva so lange brauchen, bis sie anschlagen: Wenn die Medikamente wirken, indem sie einen epigenetischen Prozess aktivieren, kann es durchaus Tage oder Wochen dauern, bevor eine Besserung eintritt.

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