Migräne: Ein Vergleich der Häufigkeit bei Männern und Frauen

Migräne ist eine weitverbreitete neurologische Erkrankung, die oft mit starken Kopfschmerzen einhergeht. In Deutschland sind fast 15 Prozent der Frauen und sechs Prozent der Männer betroffen. Obwohl oft als "Frauenkrankheit" bezeichnet, betrifft Migräne auch Männer, wenn auch möglicherweise in anderer Form. Dieser Artikel beleuchtet die Unterschiede in der Häufigkeit, Symptomatik und Behandlung von Migräne bei Männern und Frauen.

Unterschiede in der Häufigkeit

Frauen leiden deutlich häufiger an Migräne als Männer. Das geht aus einer aktuellen Auswertung des BARMER Instituts für Gesundheitssystemforschung (bifg) hervor. Demnach erhielten im Jahr 2022 in Deutschland rund 55 Frauen je 1.000 Einwohnerinnen und 16 Männer je 1.000 Einwohner eine entsprechende Diagnose. Ein Jahr zuvor waren es rund 56 je 1.000 Einwohnerinnen und 16 je 1.000 Einwohner. Eine weitere Analyse des Gesundheitsreports 2019 der Techniker Krankenkasse (TK) zeigt, dass im Jahr 2018 fast fünfmal so viele Frauen spezifische Medikamente gegen Migräne und Kopfschmerzen (Triptane) verschrieben bekamen wie Männer. Im Schnitt wurden 25 Frauen je 1.000 Versicherte Präparate gegen Migräne verordnet, während es bei den Männern fünf je 1.000 Versicherte waren.

Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass Migräne bei Männern unterdiagnostiziert sein könnte. Eine aktuelle Untersuchung legt nahe, dass Migräne bei Männern häufig nicht diagnostiziert wird, da sie noch immer als reine Frauenkrankheit gilt und Männer seltener dahingehend untersucht werden. Zudem suchen Männer seltener ärztlichen Rat und halten die Migräne lieber aus, da viele die Diagnose als Stigma empfinden, das ihre Männlichkeit in Frage stellt. Statistisch betrachtet bekommen 48 von 100 Frauen im Laufe ihres Lebens eine Migräne. Bei Männern sind es 18, heißt es von der Deutschen Hirnstiftung.

Altersbedingte Unterschiede

Die aktuellen Daten des TK-Gesundheitsreports zeigen, dass Frauen im mittleren Alter zwischen 45 und 54 Jahren besonders häufig betroffen sind. Hier kommen im Schnitt 32 Migränepatientinnen mit Triptane-Verordnung auf 1.000 Versicherte, verglichen mit sechs je 1.000 bei den Männern. Bei den über Sechzigjährigen ist der Anteil der Versicherten mit Triptane-Verordnung geringer. So erhielten durchschnittlich 19 Frauen und vier Männer pro 1.000 Versicherte zwischen 60 und 64 Jahren Kopfschmerz- und Migränemedikamente. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den 15- bis 19-Jährigen, wo im Schnitt rund 20 Frauen und fünf Männern je 1.000 Versicherten Migränemedikamente verschrieben wurden. Die Erkrankung tritt in allen Berufsgruppen auf und kommt vor allem im mittleren Alter von 50 bis 59 Jahren vor.

Regionale Unterschiede

Migräne wird nach der BARMER-Auswertung besonders häufig in Thüringen diagnostiziert. Dort leiden rund 40 je 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner an Migräne, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern mit etwa 39 je 1.000 Personen und Sachsen-Anhalt mit etwa 38 je 1.000 Personen. Auf Ebene der Landkreise und kreisfreien Städten sind Hildburghausen in Thüringen und Speyer in Rheinland-Pfalz Hotspots der Erkrankung. Am geringsten betroffen sind der Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt mit 2,5 Prozent und Eichstätt in Bayern mit 2,7 Prozent, die deutlich unter dem Bundesschnitt von 3,6 Prozent liegen. „Rein medizinisch sind die regionalen Unterschiede bei der Häufigkeit von Migräne nicht erklärbar. Eventuell spielen unterschiedliche Altersstrukturen, oder verschiedene Versorgungsmuster eine Rolle. Um den regionalen Besonderheiten auf den Grund zu gehen, sind weitere Untersuchungen erforderlich“, sagt BARMER-Chef Straub.

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Unterschiede in den Symptomen

Männer mit Migräne erleben häufiger Aura-Symptome als Frauen. Teil einer Aura können Sehstörungen wie Lichtblitze, Gesichtsfeldausfälle oder das Wahrnehmen greller Farben sein. Zudem kann es zu Störungen von Motorik, Sinnen, Sprache und Bewusstsein kommen - beispielsweise wollen einem Worte nicht einfallen oder ein Taubheitsgefühl wandert durch Hände oder Wangen. Möglich sind auch Störungen von Motorik, Sinnen, Sprache und Bewusstsein. Hinzukommen können Koordinationsstörungen, Schwindel und Gefühlsstörungen bis hin zu einseitigen Lähmungen und Wahrnehmungsverzerrungen der Umwelt oder des eigenen Körpers.

Leitsymptom der Migräne ist ein pulsierender, einseitiger Kopfschmerz, der sich bei Bewegung verschlimmert - oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit. Bei Männern sind diese charakteristischen Symptome oftmals nicht voll oder anders ausgeprägt. Dann ist es schwierig, die richtige Diagnose zu stellen. Im Alter geht eine Migräne bei Männern öfter mit beidseitigen Kopfschmerzen einher.

Mögliche Auslöser

Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Bekannt ist aber, dass genetische Faktoren eine große Rolle spielen. Neben genetischer Veranlagung können bestimmte chemische Entzündungsprozesse eine Migräneattacke auslösen. Bei den meisten Migränikern treten die Attacken in einem bestimmten Rhythmus auf. Außerdem können durch individuelle Auslöser, sogenannte Trigger, weitere Attacken entstehen.

Eine türkische Studie zeigte, dass bei Männern übermäßig viel Schlaf Migräneanfälle provoziert. Eine andere Untersuchung kam zu dem Schluss, dass bei Männern häufiger Alkohol, körperliche Betätigung und bestimmte Lebensmittel Migräneattacken auslösen als bei Frauen. Männer reagierten zudem nicht so schnell wie Frauen mit einem Anfall auf Auslöser. Haupt-Auslöser bei beiden Geschlechtern sind Stress und grelles Licht. Aber auch laute Geräusche, Fasten, Essen, Wetterwechsel, Schlafstörungen, Gerüche, Alkohol und bei Frauen die Menstruation können generell Anfälle nach sich ziehen.

Weitere Faktoren, die Kopfschmerzen begünstigen, sind beispielsweise: genetische Veranlagung, mangelnde Bewegung, unausgewogene Ernährung, ungünstige Körperhaltung und zu wenig Schlaf. Die Ursachen von Kopfschmerzen sind vielfältig und nicht endgültig erforscht. Sie variieren von Mensch zu Mensch, genauso wie das individuelle Schmerzempfinden.

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Diagnose

Die Diagnose basiert hauptsächlich auf der Anamnese - also der Befragung durch einen Arzt oder einer Ärztin - und der Beschreibung der Symptome. Um eine korrekte Diagnose zu stellen, ist es wichtig, dass Betroffene dem Arzt detaillierte Informationen liefern. Dazu gehören:

  • An wie vielen Tagen pro Monat haben Sie Kopfschmerzen?
  • Wo und wie tritt der Schmerz auf (einseitig oder beidseitig, klopfend, pochend, stechend oder dumpf-drückend)?
  • Zu welcher Tageszeit tritt der Schmerz auf?
  • Wie stark ist der Schmerz auf einer Skala von 1 bis 10 (1 = leicht, 10 = höchster vorstellbarer Schmerz)?
  • Seit wann haben Sie die Kopfschmerzen?
  • Haben sich die Schmerzen im Verlauf der Zeit geändert (sind sie beispielsweise intensiver geworden)?
  • Nehmen Sie Schmerzmittel ein? Wenn ja, welche und wie häufig?
  • Treten andere Beschwerden wie Übelkeit oder Schwindel im Vorfeld oder begleitend zum Schmerz auf?
  • Leiden sie vor den Schmerzattacken unter sogenannten Aura-Symptomen wie zum Beispiel Störungen von Motorik, Sinnen, Sprache und Bewusstsein, Koordinationsstörungen, Schwindel oder Gefühlsstörungen bis hin zu einseitigen Lähmungen?

Behandlungsmöglichkeiten

Zur Migränebehandlung stehen sowohl nicht-medikamentöse als auch medikamentöse Optionen zur Verfügung. Nicht-medikamentöse Ansätze umfassen Entspannungstechniken wie progressive Muskelrelaxation und regelmäßigen Ausdauersport. Hilfreich für ein Leben ohne Kopfschmerzen können etwa ein geregelter Tagesablauf, Entspannungstraining, kognitives Verhaltenstraining oder auch regelmäßige Pausen sein.

Bei akuten Migräneattacken werden Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Naproxen eingesetzt. Seit Anfang der 1990er Jahre gibt es auch spezielle Migränemedikamente, sogenannte Triptane. Sie wirken gefäßverengend und hemmen entzündliche Prozesse. Für Patienten, die Triptane nicht vertragen, bieten Medikamente wie Ditane eine Alternative. Zur Vorbeugung von Migräneanfällen können Betablocker, Antidepressiva und Antikonvulsiva eingesetzt werden. Eine neuere Entwicklung in der Migräneprophylaxe sind CGRP-Antikörper, die entzündliche Prozesse blockieren und besonders für Patienten mit häufigen Anfällen geeignet sind. Seit März dieses Jahres sind auch einige Vertreter der sogenannten Gepante in Europa zugelassen. Dabei handelt es sich um eine Klasse von Medikamenten, die Migräneanfällen nicht nur vorbeugen, sondern auch im Akutfall helfen sollen. Die Wirkstoffe setzen, ebenso wie die für die Prophylaxe eingesetzten Antikörper, an dem Botenstoff CGRP an.

Eine gerade erschienene Studie liefert Hinweise, dass ein Vertreter der Gepante, Ubrogepant, auch gegen Migräne-Vorboten wirken könnte. Von Symptomen wie Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und Gereiztheit sind ein Drittel aller Migräniker vor einer Attacke betroffen. In der neuen Studie berichteten Patienten über eine schnellere Linderung der Prodromalsymptome und eine verbesserte Funktionsfähigkeit im Alltag.

Vorbeugung

Menschen mit Migräne sollten sich vor der dauerhaften Einnahme von Schmerzmitteln unbedingt in der Arztpraxis beraten lassen. Insbesondere Maßnahmen wie Entspannungstraining, progressive Muskelentspannung nach Jacobson sowie Ausdauersport seien nach Einschätzung von Ärztinnen und Ärzten in vielen Fällen empfehlenswert. Vor der dauerhaften Einnahme von Schmerzmitteln sollten Betroffene unbedingt einen Arztbesuch wahrnehmen. Präventive Maßnahmen wie Entspannungstraining, progressive Muskelentspannung sowie Ausdauersport sind empfehlenswert. Zwar kann Prävention nicht den nächsten Migräneanfall verhindern, aber die Häufigkeit, Intensität und Dauer erheblich verringern.

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