Die Alzheimer-Krankheit, oft als eine größere Bedrohung als Herz-Kreislauf- oder Krebserkrankungen wahrgenommen, stellt Patienten und Angehörige vor große Herausforderungen. Eine genaue Diagnose ist daher unerlässlich, um die Erkrankung von anderen, behandelbaren Ursachen abzugrenzen. Die Single-Photonen-Emissions-Computer-Tomographie (SPECT) spielt hierbei eine wichtige Rolle, insbesondere in unklaren Fällen und Frühstadien der Demenz. Dieser Artikel beleuchtet die SPECT-Untersuchung im Kontext der Alzheimer-Diagnostik, ihre Anwendungsbereiche, Vorteile und Grenzen.
Grundlagen der SPECT-Untersuchung
Die SPECT (Single-Photonen-Emissions-Computer-Tomographie) ist ein nuklearmedizinisches Verfahren, das krankheitsbedingte Stoffwechselveränderungen in Organen wie Gehirn, Herz, Lunge und Knochen sichtbar macht. Im Gegensatz zur reinen Szintigraphie, die zweidimensionale Bilder liefert, ermöglicht die SPECT eine dreidimensionale Darstellung der untersuchten Gewebe. Dies wird durch die Verwendung einer Gammakamera erreicht, die Schnittbilder des Körpers erfasst.
Funktionsweise der SPECT
Für eine SPECT-Untersuchung wird dem Patienten eine geringe Menge einer radioaktiv markierten Substanz (Radiopharmakon oder Tracer) in eine Vene injiziert. Diese Substanz verteilt sich im Körper und reichert sich in bestimmten Organen oder Geweben an, je nach ihrer spezifischen Affinität. Die Gammakamera detektiert die von dem Tracer ausgesendete Strahlung und wandelt sie in ein Bild um. Dieses Bild zeigt die Verteilung des Tracers im Körper und ermöglicht Rückschlüsse auf die Funktion und den Stoffwechsel der untersuchten Organe.
SPECT/CT: Die Kombination von Funktion und Anatomie
Eine Weiterentwicklung der SPECT ist die SPECT/CT, bei der die SPECT-Technologie mit der Computertomographie (CT) kombiniert wird. Die CT liefert detaillierte anatomische Bilder, die mit den funktionellen Informationen der SPECT überlagert werden können. Dies ermöglicht eine präzisere Lokalisierung von Krankheitsherden und eine bessere Beurteilung des Ausmaßes der Erkrankung.
Die Rolle der SPECT in der Alzheimer-Diagnostik
Die Alzheimer-Krankheit ist durch den Verlust von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet, der sich in der Regel schleichend entwickelt. Zu Beginn der Erkrankung kann das Gehirn den Verlust der Nervenzellen oft noch kompensieren, sodass die ersten Symptome erst spät bemerkt werden. Die SPECT-Untersuchung kann jedoch bereits in frühen Stadien krankheitstypische Veränderungen im Gehirn nachweisen oder ausschließen und somit zu einer besseren Diagnostik beitragen.
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Nachweis von Amyloid-Plaques mit der Amyloid-PET
Ein Kernmerkmal der Alzheimer-Erkrankung sind Ablagerungen des Beta-Amyloid-Eiweißes zwischen den Nervenzellen, sogenannte senile Plaques. Für den Nachweis dieser Plaques wird bereits sehr erfolgreich die Amyloid-PET eingesetzt. Dieses Verfahren ist besonders sinnvoll, wenn bei Verdacht auf Alzheimer die Diagnose aufgrund atypischer Symptome nicht hinreichend sicher ist oder wenn die Patienten unter 65 Jahre alt sind.
Untersuchung des Dopamintransporters (DAT-SPECT)
Obwohl die DAT-SPECT primär zur Abklärung von Parkinson-Syndromen eingesetzt wird, kann sie auch bei der Differenzialdiagnose von Demenzerkrankungen hilfreich sein. Insbesondere bei der Lewy-Körperchen-Demenz, die neben kognitiven Einschränkungen auch Symptome wie Halluzinationen und Bewegungsstörungen aufweisen kann, kann die DAT-SPECT zur Unterscheidung von anderen Demenzformen beitragen.
Durchblutungsuntersuchungen des Gehirns
Mit der SPECT kann der regionale Blutfluss im Gehirn untersucht werden. Hierzu wird das Mittel 99mTc-ECD SPECT verwendet. Die Untersuchung kann unter Ruhebedingung und unter pharmakologischer Stimulation (z.B. mit Diamox®) durchgeführt werden, um die Perfusionsreserve zu bestimmen. Veränderungen durch Arteriosklerose vermindern die Erweiterungsfähigkeit der Blutgefäße und können zu einem Durchblutungsdefizit führen. Durchblutungsuntersuchungen ermöglichen es, das Risiko des Auftretens schwerwiegender Ereignisse wie eines Hirninfarkts einzuschätzen und vaskuläre Demenzen frühzeitig zu erkennen.
Vorteile der SPECT-Untersuchung bei Alzheimer
- Frühe Erkennung: Die SPECT kann Veränderungen im Gehirn bereits in frühen Stadien der Alzheimer-Erkrankung nachweisen, bevor strukturelle Veränderungen im MRT sichtbar sind.
- Differenzialdiagnose: Die SPECT kann helfen, die Alzheimer-Krankheit von anderen Demenzformen und nicht-neurodegenerativen Erkrankungen wie Durchblutungsstörungen, Stoffwechselstörungen, Infektionen oder Depressionen zu unterscheiden.
- Objektive Messung: Die SPECT liefert objektive Messwerte, die unabhängig von der subjektiven Einschätzung des Patienten oder des Arztes sind.
- Minimalinvasiv: Die SPECT ist ein minimalinvasives Verfahren, das in der Regel gut vertragen wird.
Grenzen der SPECT-Untersuchung bei Alzheimer
- Strahlenbelastung: Wie alle nuklearmedizinischen Verfahren ist die SPECT mit einer geringen Strahlenbelastung verbunden.
- Kosten: Die SPECT-Untersuchung ist ein relativ teures Verfahren.
- Nicht spezifisch für Alzheimer: Einige der Veränderungen, die in der SPECT bei Alzheimer-Patienten beobachtet werden, können auch bei anderen Erkrankungen auftreten.
- Abhängigkeit von der Expertise des Untersuchers: Die Interpretation der SPECT-Bilder erfordert Erfahrung und Expertise.
Ablauf einer SPECT-Untersuchung
- Patientenaufklärung: Vor der Untersuchung erfolgt eine ausführliche Aufklärung des Patienten über den Ablauf, die Risiken und den Nutzen der SPECT.
- Vorbereitung: Der Patient muss in der Regel nicht nüchtern sein. Es ist wichtig, dass der Patient den Arzt über alle Medikamente informiert, die er einnimmt, da einige Medikamente die Untersuchung beeinflussen können.
- Injektion des Tracers: Dem Patienten wird eine geringe Menge des radioaktiven Tracers in eine Vene injiziert.
- Wartezeit: Nach der Injektion muss der Patient eine gewisse Zeit warten, damit sich der Tracer im Körper verteilen kann.
- Aufnahme: Die eigentliche SPECT-Aufnahme dauert in der Regel etwa 30 Minuten. Während der Aufnahme liegt der Patient ruhig auf einer Liege, während die Gammakamera um seinen Kopf kreist.
- Befundung: Nach der Aufnahme werden die Bilder von einem erfahrenen Nuklearmediziner ausgewertet. Der Befund wird an den überweisenden Arzt weitergeleitet.
Die Zukunft der SPECT in der Demenzdiagnostik
Die Forschung im Bereich der Demenzdiagnostik ist weiterhin sehr aktiv. Ein wichtiges Ziel ist es, Demenzerkrankungen wie Alzheimer noch früher und eindeutiger zu erkennen. Vielversprechende PET-Tracer für Ablagerungen des Tau-Eiweißes in den Nervenzellen sind derzeit in Entwicklung. Diese könnten in Zukunft eine noch genauere Diagnose der Alzheimer-Krankheit ermöglichen.
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