Die Spinalkanalstenose, oft auch Wirbelkanalstenose genannt, ist eine Verengung des Wirbelkanals, die vor allem bei Menschen über 60 Jahren auftritt. Sie bezeichnet eine Verengung des knöchernen Kanals, durch den Rückenmark und Nervenwurzeln verlaufen (ICD: M48.0). Man kann sich den Spinalkanal wie einen geschützten „Tunnel“ in der Wirbelsäule vorstellen, in dem die Nerven gebündelt nach unten ziehen. Im Lauf der Zeit können sich knöcherne Anlagerungen bilden, die den Wirbelkanal verengen. Diese Verengung kann in allen Abschnitten deiner Wirbelsäule auftreten - in der Hals-, Brust- oder Lendenwirbelsäule. Am häufigsten ist die Lendenwirbelsäule betroffen.
Einführung
Die Spinalkanalstenose ist eine häufige Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft. Durch die Verengung des Spinalkanals kommt es zu Druck auf das Rückenmark und die Nervenwurzeln, was zu Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und neurologischen Ausfällen führen kann. Eine Spinalkanalstenose muss nicht automatisch zu Beschwerden führen - viele Menschen haben trotz der Verengung keine Symptome.
Aufbau der Wirbelsäule und des Wirbelkanals
Bevor wir dir erklären, was bei einer Spinalkanalstenose genau passiert, zeigen wir dir zunächst den Aufbau deiner Wirbelsäule und der Wirbel. Die Wirbelkörper, Bandscheiben und Bänder bilden zusammen den Spinalkanal, der das Rückenmark und die Nervenwurzeln schützt. Normalerweise bietet dieser Kanal genügend Platz für Nervenbahnen und Blutgefäße. Zwischen den einzelnen Wirbelkörpern deiner Wirbelsäule befinden sich 23 Bandscheiben. Deine Bandscheiben bestehen aus einem äußeren Ring aus Faserknorpel und einem weichen Kern - ähnlich wie ein Gelkissen. So können sie Stöße abfangen und deine Wirbelsäule schonen. Stell dir dafür einen Schwamm vor: Wenn du ihn zusammendrückst, gibst du Flüssigkeit ab. Genauso passiert es bei deinen Bandscheiben - sie geben Abfallstoffe ab, wenn du sie durch Bewegung komprimierst. Damit dieser Prozess optimal funktioniert, solltest du dich möglichst vielseitig bewegen. Krümme und drehe deinen Rumpf in verschiedene Richtungen.
Betrachtest du einen freien Wirbel genauer, erkennst du seinen einzigartigen Aufbau: Er besteht aus einem knöchernen Wirbelkörper und den Wirbelbögen. Jeder Wirbel hat 4 Gelenkfortsätze - 2 oben und 2 unten. Besonders ist der Aufbau der Wirbelbögen: Sie formen an jedem deiner Wirbel ein Loch - das Wirbelloch. Alle diese Wirbellöcher ergeben zusammen deinen Wirbelkanal.
Über das Rückenmark läuft die gesamte Kommunikation zwischen deinem Körper und deinem Gehirn - in beide Richtungen. An deinem Rückenmark findest du vordere und hintere Nervenwurzeln. Diese vereinen sich zu Spinalnerven, die paarweise zwischen deinen Wirbeln verlaufen. Die Spinalnerven gehören zu deinem peripheren Nervensystem - also dem Teil außerhalb von Schädel und Wirbelkanal. Dein Rückenmark selbst besteht aus weißer und grauer Substanz und wird von 2 Häuten geschützt, einer harten äußeren und einer weichen inneren Rückenmarkshaut. In der grauen Substanz befinden sich die Nervenzellkörper, während die weiße Substanz aus Nervenfasern besteht. Interessant ist auch: Dein Rückenmark endet bereits etwa auf Höhe deines 1. oder 2. Lendenwirbels.
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Dein Rückenmark ist sehr empfindlich - deshalb verläuft es gut geschützt in deinem Spinalkanal. Manchmal kann sich dieser Kanal jedoch verengen. Mediziner sprechen dann von einer Spinalkanalstenose. Bandscheibenprotrusion: Deine Bandscheibe wölbt sich zwischen 2 Wirbelkörpern in den Wirbelkanal vor. All diese Erkrankungen haben etwas gemeinsam: Der verengte Raum führt dazu, dass dein Rückenmark und deine Spinalnerven eingeengt werden.
Ursachen der Spinalkanalstenose
Am häufigsten entsteht eine Spinalkanalstenose durch den natürlichen Alterungsprozess. Mit höherem Lebensalter verschleißt die Wirbelsäule stärker (Degeneration), je nach Veranlagung und Beanspruchung unterschiedlich schnell. Auch die Bandscheiben verlieren mit zunehmendem Alter an Flüssigkeit und schrumpfen sozusagen ein wenig in sich zusammen. Da die Bandscheiben als eine Art Puffer zwischen den Wirbelkörpern dienen, führt diese Verkleinerung dazu, dass auch die Bänder entlang der Wirbelsäule an Spannkraft verlieren. Die Wirbelsäule wird in Folge instabiler und die Wirbelkörper können sich gegeneinander verschieben können (sogenanntes Wirbelgleiten). Im Ganzen führt dies nicht nur zu einer stärkeren Belastung der Wirbelkörper, sondern vor allem der Wirbelgelenke beziehungsweise der dort schützenden Knorpelflächen. Der Körper reagiert auf Schädigungen der Knorpel mit Verbreiterungen der knöchernen Anteile: Der unter dem Knorpel gelegene Knochen wird verdichtet, sklerosiert.
Durch den Verschleiß werden deine Bandscheiben flacher. Das kann deine Wirbelkörper stärker belasten, wodurch sich knöcherne Anbauten (Osteophyten) bilden. Zudem können Gleitwirbel oder Wirbelgelenkarthrose auftreten. Meist kommen verschiedene Faktoren als Auslöser für eine spinale Stenose zusammen, daher ist eine ausführliche Diagnose unerlässlich. Einhergehen kann die Stenose der Wirbelsäule auch mit einer sogenannten neurofaminalen Enge.
Weitere Ursachen können sein:
- Angeborene Fehlbildungen des Wirbelkanals
- Verletzungen der Wirbelsäule
- Entzündliche Erkrankungen der Wirbelsäule (z.B. Rheuma, Morbus Bechterew)
- Tumoren im Wirbelkanal
Symptome der Spinalkanalstenose
Typische Beschwerden sind Schmerzen im Rücken, die in die Beine oder Arme ausstrahlen und schließlich die Beweglichkeit stark einschränken können (z.B. beim Gehen oder Treppensteigen). Die häufigsten Symptome sind Rücken- und Gesäßschmerzen sowie Schmerzen, die in die Beine ausstrahlen können. Typischerweise verspürst du Rücken- und Beinschmerzen und kannst keine weiten Strecken mehr gehen. Längere Spaziergänge sind kaum noch möglich, aber sobald du dich hinsetzt oder mit dem Oberkörper nach vorne beugst, werden die Beschwerden besser.
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Die Symptome einer Spinalkanalstenose können je nach Lokalisation und Ausprägung der Verengung variieren.
Lumbale Spinalkanalstenose (Lendenwirbelsäule):
- Schmerzen in den Beinen, die beim Gehen oder Stehen zunehmen
- Kribbeln oder Taubheitsgefühle in den Beinen
- Muskelschwäche in den Beinen
- Besserung der Beschwerden beim Sitzen oder Vorbeugen
Ähnlich der „Schaufensterkrankheit“ suchen Patienten mit Spinalkanalstenose beim Gehen typischerweise ständig nach einer Möglichkeit, sich hinsetzen zu können. Im Supermarkt freuen sie sich auf den erlösenden Einkaufswagen, über den sie sich lehnen und somit die Einengung reduzieren können. Die Medizin spricht in solchen Fällen von Claudicatio intermittens - also von verschiedenen Schmerzzuständen, die vorübergehend nachlassen (intermittierend). Die Spinalkanalstenose wird wegen des verengten Spinalkanals als Claudicatio intermittens spinalis bezeichnet.
Zervikale Spinalkanalstenose (Halswirbelsäule):
- Nackenschmerzen
- Schmerzen, Kribbeln oder Taubheitsgefühle in den Armen und Händen
- Muskelschwäche in den Armen und Händen
- Gangunsicherheit
- In schweren Fällen: Blasen- und Darmfunktionsstörungen, Lähmungserscheinungen
Die Betroffenen haben Probleme mit der Motorik. Ein typisches Symptom: Es fällt ihnen zum Beispiel schwer, Hemden zuzuknöpfen oder einen fallen gelassenen Kugelschreiber aufzuheben. Häufig ändert sich auch das Schriftbild. Der Grund für diese Problematik ist eine Kompression der Nervenfasern im Halsbereich, die Empfindungen der Arme ans Gehirn weiterleiten.
Diagnose der Spinalkanalstenose
Zur Diagnostik fertigt dein Arzt bei der Untersuchung in der Regel ein MRT- sowie ein Röntgenbild an. Ärzte entdecken eine Spinalkanalstenose bei älteren Menschen oft zufällig in bildgebenden Untersuchungen. Diese bildgebenden Verfahren zeigen die genaue Position und das Ausmaß der Verengung. Zusammen mit deiner Krankengeschichte (Anamnese) und dem Vorliegen der typischen Symptome kann so eine Diagnose gestellt werden. Aber: Nicht jede im MRT sichtbare Verengung muss Beschwerden verursachen. Experten-Tipp von Roland Liebscher-Bracht: Bring zu deinem Arztbesuch am besten ein Schmerztagebuch mit. Notiere dir, wann die Beschwerden auftreten, was sie verschlimmert und was sie verbessert.
Die Diagnose beginnt mit einer gründlichen Anamnese und körperlichen Untersuchung. Patienten schildern häufig Belastungsschmerzen in den Beinen, die sich durch Vorbeugen kurzfristig bessern. In unserer Klinik stehen moderne bildgebende Verfahren zur Verfügung, um die genaue Ursache und das Ausmaß der Verengung festzustellen. Eine Röntgenuntersuchung gibt Aufschluss über knöcherne Veränderungen oder Fehlstellungen der Wirbelsäule. Zur exakten Beurteilung von Nervenstrukturen, Bandscheiben und Weichteilen ist die Magnetresonanztomografie (MRT) das wichtigste Verfahren. Die Computertomografie (CT) wird in bestimmten Fällen ergänzend eingesetzt, um knöcherne Engstellen genauer darzustellen. Falls notwendig, kann zusätzlich eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit erfolgen, um festzustellen, ob bereits Nervenschädigungen vorliegen.
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Konservative Behandlungsmethoden
Die erste Behandlungsoption sind in der Regel konservative Maßnahmen wie gezielte Bewegungsübungen, Physiotherapie und bei Bedarf schmerzlindernde Medikamente. Erst wenn diese Behandlungsmöglichkeiten über längere Zeit nicht den gewünschten Erfolg bringen und deine Beschwerden weiter bestehen, kann eine Operation in Frage kommen. Die modernen Behandlungsansätze setzen verstärkt auf eine Kombination aus gezieltem Bewegungstraining und individuell angepassten Therapiemaßnahmen.
In frühen Stadien oder bei milden Beschwerden wird eine konservative Therapie bevorzugt. Ziel ist es, Schmerzen zu lindern und die Muskulatur zur Stabilisierung der Wirbelsäule zu stärken. Eine gezielte Physiotherapie verbessert die Beweglichkeit und kräftigt die Rücken- und Rumpfmuskulatur. Ergänzend dazu können neurophysiologische Übungen die Koordination verbessern und Stürzen vorbeugen. Entzündungshemmende Schmerzmittel helfen, akute Beschwerden zu lindern, während muskelentspannende Medikamente bei einer Schonhaltung durch Verspannungen eingesetzt werden. In unserer Klinik bieten wir gezielte Infiltrationstherapie an, um Schmerzen direkt an der betroffenen Stelle zu behandeln. Periradikuläre Injektionen unter Röntgen- oder MRT-Kontrolle reduzieren die Entzündung an der Nervenwurzel und lindern so gezielt Beschwerden. Facetteninfiltrationen helfen bei schmerzhaften Reizzuständen der kleinen Wirbelgelenke und tragen zur Verbesserung der Beweglichkeit bei.
Weitere konservative Behandlungsmethoden:
- Physiotherapie: Beim Krafttraining stärken Sie die tiefe Rücken- und Bauchmuskulatur, um Ihre Haltung zu verbessern und Ihre Wirbelsäule zu entlasten und zu stabilisieren. Sogenannte entlordosierende Übungen helfen dabei, den Wirbelkanal zu erweitern und den Druck der Wirbelkanalverengung zu verringern.
- Elektrotherapie: Gezielte elektrische Impulse helfen den Muskeln zu entspannen und lindern die Schmerzen.
- Medikamentöse Therapie: Schmerzmittel wie Ibuprofen lindern die Beschwerden schnell. Mit Physiotherapie lässt sich leider keine Heilung der Spinalkanalstenose erzielen, da die Verengung des Wirbelkanals bestehen bleibt. Dennoch helfen spezielle Übungen, die Schmerzen der Wirbelkanalverengung zu lindern, beweglicher zu werden und sich wohler in seiner Haut zu fühlen. Um einen langfristigen Effekt zu erzielen, ist es wichtig, die Übungen regelmäßig zu Hause durchzuführen.
- Wärmeanwendungen: Wärme tut dir bei deiner Spinalkanalstenose gut? Dann spricht natürlich nichts gegen eine regelmäßige Anwendung. Bedenke aber, dass sie den Schmerz meist nicht dauerhaft aufheben kann. Daher unser Vorschlag: Führe unsere Übungen mit Faszien-Rollmassage durch und entspanne dich danach bei einem warmen Bad oder mit einer Wärmflasche.
- Injektionen: Viele Betroffene mit Wirbelkanalstenose greifen häufig auf Schmerzmittel zurück. Diese können in der Klinik oder Praxis sogar durch eine Injektion direkt in den Spinalkanal verabreicht werden, was vorübergehend Linderung verschaffen kann.
Liebscher & Bracht Übungen®:
Unser Ansatz adressiert muskulär-fasziale Spannungen und Verhärtungen im Gewebe. Besprich aber bitte vorher mit einer Ärztin oder einem Arzt, ob sich die Übungen in deinem Fall von Spinalkanalstenose eignen. Unsere Übungen helfen dir dabei, einseitige Bewegungsmuster deines Alltags auszugleichen.
- Du dehnst dich bei unseren Übungen aktiv in den Schmerz hinein und hältst jede Position etwa 2 Minuten. So setzt du die nötigen Veränderungsreize für deine Muskeln und Faszien und gibst ihnen genügend Zeit, nachzugeben. Achte darauf, deinen persönlichen Wohlfühlschmerz nicht zu übersteigen.
- Faszien-Rollmassage: Beim Rollen mit der Faszien-Rolle drückst du das Fasziengewebe sozusagen aus, sodass es sich anschließend wieder mit frischer, nährstoffreicher Flüssigkeit vollsaugen kann. Dadurch können sich Verklebungen lösen und die Faszienschichten gleiten besser.
- Osteopressur: Mit unserem extra hierfür entwickelten Drücker drückst du für etwa 2 Minuten auf klar definierte Schmerz-Punkte. Diese Punkte liegen direkt an der Knochenhaut. Mit gezieltem Druck kannst du hier für eine Schmerzlinderung sorgen. Achte darauf, dass du beim Drücken keine starken Schmerzen und inneren Widerstand auslöst. Du solltest stets ruhig atmen können. Bei anhaltenden Schmerzen wendest du dich am besten an unsere Zertifizierten Liebscher & Bracht Therapeuten in deiner Nähe.
Beispiele für Liebscher & Bracht Übungen:
- Dehnung der Brustwirbelsäule:
- Platziere deine Hände zunächst unten an dein Gesäß. Schiebe nun deine Leisten langsam nach vorne, während du dich mit dem Oberkörper nach hinten lehnst. Halte deinen Kopf zunächst gerade.
- Nun fokussiere dich darauf, die Überstreckung deiner Brustwirbelsäule zu erreichen. Schiebe dein Brustbein nach vorne und ziehe die Schulterblätter sanft zusammen. Achte darauf, dein Kinn leicht nach hinten zu ziehen.
- Gehe jetzt einen Schritt weiter und überstrecke deinen Kopf, indem du ihn langsam und vorsichtig nach hinten fallen lässt. Dein Oberkörper sollte dabei einen gleichmäßigen Bogen bilden.
- Um die Dehnposition zu beenden, verlasse sie ganz langsam. Richte dich zuerst mit dem Kopf auf, gefolgt von der Brustwirbelsäule und zum Schluss der Lendenwirbelsäule.
- Jetzt nimmst du die entgegengesetzte Haltung ein: Mache ein Hohlkreuz und beuge dich nach vorne. Lasse deine Hände an deinen Oberschenkeln entlang nach unten gleiten, während du das Hohlkreuz so lange wie möglich beibehältst. Wenn das nicht mehr geht, lasse deine Wirbelsäule zunehmend runder werden und ziehe deinen Kopf vorsichtig nach vorne und unten.
- Seitliche Dehnung:
- Strecke deinen rechten Arm nach oben und beuge ihn nach links über deinen Kopf. Schiebe dabei deine rechte Hüfte so weit wie möglich nach rechts. Beuge gleichzeitig deinen Oberkörper nach links und gleite mit deiner linken Hand dein linkes Bein nach unten. Achte darauf, dass dein Oberkörper nicht nach vorne oder hinten fällt.
- Neige als Nächstes deinen Kopf zur Seite. Wichtig ist, dass du ihn gerade lässt und nach vorne schaust, sonst verdrehst du deine Halswirbelsäule.
- Hast du die endgültige Position erreicht, atme tief ein und aus und steigere deine Dehnung bei jeder Ausatmung.
- Im Anschluss dehnst du die andere Seite, beginnend mit dem linken Arm, den du über deinen Kopf nach rechts streckst.
- Rotation des Oberkörpers:
- Strecke zunächst deine Arme horizontal zur Seite aus. Bleibe mit der Hüfte gerade stehen und drehe deinen Bauchnabel nach links. Das Gleiche machst du mit deinem Brustbein.
- Jetzt nimmst du beide Arme so weit nach links, wie du kannst.
- Zum Schluss drehst du deinen Kopf ebenfalls immer weiter nach links und schaust mit deinen Augen in die gleiche Richtung.
- Faszien-Rollmassage für den Rücken:
- Zum Abschluss haben wir eine Faszien-Rollmassage für dich, mit der du deinen ganzen Rücken abrollst. Für die Durchführung empfehlen wir dir unsere Medi-Rolle. Mit ihr schonst du die Dornfortsätze an deiner Wirbelsäule, da sie eine umlaufende Rille mit Flankenintensivierung hat. Wichtig ist, dass du nicht hin und her rollst, sondern lediglich in eine Richtung (von unten nach oben, immer in Richtung Herz).
- Setze dich jetzt so auf die Rolle, dass sie auf der Höhe deines Steißbeins liegt. Rolle nun langsam nach oben. Dabei solltest du möglichst viel Gewicht auf die Rolle bringen.
- Um deine ganze Wirbelsäule zu versorgen, fehlt nur noch die Halswirbelsäule. Setze dich dafür aufrecht hin, nimm die Medi-Rolle in beide Hände und rolle über deinen Hals langsam nach unten. Beginne an der Stelle, an der dein Schädelknochen spürbar endet.
Bevor du mit den Übungen beginnst, besprich unbedingt mit deinem Arzt, ob sie für deinen Fall geeignet sind! Die korrekte Durchführung der Übungen aus dem Video haben wir dir unten ausführlich beschrieben. Zusätzlich findest du wichtige Hinweise und Tipps, die dir bei der Durchführung helfen können. Achte darauf, die Übungen in deinem eigenen Tempo und ohne Überanstrengung durchzuführen. Höre immer auf deinen Körper und vermeide es, über den Schmerzpunkt hinauszugehen.
Operative Behandlungsmethoden
Eine Operation wird erwogen, wenn starke Schmerzen trotz konservativer Therapie bestehen, Taubheitsgefühle oder Lähmungen auftreten oder das Gehen und Stehen stark eingeschränkt sind. In unserer Klinik setzen wir auf modernste minimalinvasive Verfahren, um den Eingriff so schonend wie möglich zu gestalten.
Die mikrochirurgische Dekompression ermöglicht eine gezielte Entlastung der Nerven, ohne die Stabilität der Wirbelsäule zu beeinträchtigen. Mithilfe eines hochmodernen Operationsmikroskops oder Endoskops kann eine einseitige Fensterung durchgeführt werden, um die Gegenseite mitzudekomprimieren, ohne dass eine zusätzliche Stabilisierung erforderlich ist. Diese Technik bietet sich insbesondere für Patienten mit begleitendem Wirbelgleiten (Listhese) an, da sie eine effektive Druckentlastung ermöglicht, ohne eine Fusion durchführen zu müssen. Das Mikroskop oder Endoskop ermöglichen eine präzise Darstellung der Strukturen und eine besonders schonende Präparation der Nerven. Dank dieser Technik ist der Eingriff für den Patienten weniger belastend, die Wundheilung verläuft schneller, und die Patienten können in den meisten Fällen bereits wenige Stunden nach der Operation aufstehen und mobilisiert werden.
Bei einer Spinalkanalstenose ist der Spinalkanal der Wirbelsäule verengt. Durch eine Operation soll wieder mehr Platz geschaffen werden, um die darin verlaufenden Nerven und Gefäße zu entlasten.
Eine Operation ist in folgenden Fällen sinnvoll:
- die Beschwerden so stark sind, dass sie den Alltag einschränken,
- sie über viele Monate oder länger anhalten,
- konservative Behandlungen keinen Erfolg hatten und
- eine bildgebende Untersuchung - meist eine Magnetresonanz-Tomografie (MRT) - Hinweise darauf liefert, dass eine Spinalkanalstenose die Beschwerden verursacht.
Vor der Entscheidung für eine Operation ist es wichtig, das Für und Wider sorgfältig abzuwägen. Dabei spielt auch die persönliche Situation eine Rolle, etwa gesundheitliche Voraussetzungen oder das Alter, das berufliche und private Umfeld, aber auch die eigenen Wünsche und Erwartungen an die Operation. Wer sich bei der Entscheidung unsicher ist, kann eine zweite ärztliche Meinung einholen.
Selten führt eine Spinalkanalstenose zu einem Notfall, bei dem die Nerven im Wirbelkanal so stark blockiert sind, dass Lähmungserscheinungen auftreten oder die Blase oder der Darm nicht mehr richtig funktionieren (Kauda-Syndrom).
Operationsverfahren:
- Knöcherne Dekompression: Die häufigste Operationstechnik bei einer Spinalkanalstenose ist die knöcherne Dekompression. Dabei werden Knochen und Bänder entfernt, die den Wirbelkanal verengen und dadurch auf Nerven und Gefäße drücken.
- Versteifung (Fusion oder Spondylodese): Wenn zusätzlich ein Wirbelgleiten besteht, kann die Dekompression mit einer Versteifung kombiniert werden. Von einem Wirbelgleiten spricht man, wenn sich die Wirbel gegeneinander verschieben und nicht ganz übereinanderstehen. Bei einer Versteifungs-Operation verbindet die Chirurgin oder der Chirurg die Wirbelkörper in diesem Bereich so miteinander, dass die Wirbel fest in ihrer Position bleiben, etwa mit Schrauben.
- Dynamische Stabilisierung und künstliche Platzhalter (interspinöse Spreizer): Andere Operationsverfahren wie eine sogenannte dynamische Stabilisierung und künstliche Platzhalter (interspinöse Spreizer) werden bei einer Spinalkanalstenose kaum eingesetzt.
Operationsmethoden:
- Offene Operation: Bei der offenen Operation blickt die Chirurgin oder der Chirurg durch den Hautschnitt direkt auf die Operationsstelle. Hierfür wird manchmal ein Operationsmikroskop zur Hilfe genommen (mikrochirurgische Dekompression). Wenn ohne Mikroskop operiert wird, ist ein etwas größerer Hautschnitt nötig. Ob mit oder ohne Mikroskop: Die Operation erfordert eine Vollnarkose und einen Krankenhausaufenthalt von einigen Tagen. Zu den Risiken des Eingriffs gehören Blutungen, Verletzungen von Nerven sowie Infektionen. Eine Vollnarkose kann zu Komplikationen wie Atem- oder Kreislaufstörungen führen.
- Endoskopische Operation: Bei einem endoskopischen Eingriff - auch Schlüssellochchirurgie genannt - ist nur ein kleiner Schnitt von bis zu einem Zentimeter Länge nötig. Durch ein Endoskop, das bis zur Operationsstelle vorgeschoben wird, werden besonders kleine Instrumente unter Röntgenkontrolle zur Operationsstelle geführt. Für diese Operation genügt eine örtliche Betäubung (Lokalanästhesie). Von der endoskopischen Operation verspricht man sich eine schnellere Genesung und die Vermeidung von Operationsnarben, die ihrerseits Beschwerden verursachen können.
Ergebnisse von Operationsstudien:
Nur wenige Studien haben untersucht, ob eine Operation Beschwerden besser lindert als eine konservative Behandlung. Die Studien zeigen widersprüchliche Ergebnisse - insgesamt aber keine Vorteile einer Operation. Es gibt mehrere aussagekräftige Studien zu der Frage, ob bei gleichzeitigem Wirbelgleiten eine zusätzliche Versteifung der Wirbel sinnvoll ist. Dabei zeigte sich kein Vorteil einer Dekompression mit Versteifung gegenüber einer einfachen Dekompression. Wenn zusätzlich Wirbel versteift werden, steigt jedoch das Risiko für Komplikationen. Dazu gehören ein starker Blutverlust während des Eingriffs, aber auch spätere Wundheilungsprobleme oder ein Herzinfarkt.
Nach einem minimalinvasiven Eingriff können Patienten die Klinik meist nach wenigen Tagen verlassen.
Rehabilitation und Nachsorge
Die anschließende Rehabilitation hat das Ziel, die Muskulatur gezielt zu kräftigen und die Stabilität der Wirbelsäule zu fördern. Durch physiotherapeutische Maßnahmen lassen sich Fehlhaltungen korrigieren und die Beweglichkeit verbessern. Die Schmerztherapie wird individuell angepasst, um eine rasche Rückkehr in den Alltag zu unterstützen. In den ersten zwei bis vier Wochen nach dem Eingriff sollte die Belastung der Wirbelsäule schrittweise gesteigert werden. Danach folgt ein individuell abgestimmtes Rehabilitationsprogramm, das darauf ausgerichtet ist, die Mobilität zu verbessern, die Muskulatur zu stärken und eine nachhaltige Schmerzfreiheit zu gewährleisten.
Vorbeugung
Das Motto: „Gut geschützt ist halb gewonnen“ zählt auch bei der Prävention der Spinalkanalstenose. Gesunde Ernährung, regelmäßig körperliche Bewegung und ein gezieltes Training der Rücken- und Rumpfmuskulatur sind die wirksamsten Mittel zur Vorbeugung. Tägliche Belastungen können auf Dauer vermieden werden, wenn jemand zum Beispiel beim Heben schwerer Gewichte in die Hocke geht und dabei den Rücken aufrecht hält.
Schonhaltung
Ein erstes Anzeichen tritt auf, wenn der Patient eine mit dem Oberkörper nach vorne gerichtete Körperposition einnimmt, um Schmerzen zu lindern. Mit dieser Schonhaltung werden die Schmerzsymptome kurzfristig, aber nicht effektiv vermindert.
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