Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), die vielfältige Symptome verursachen kann. Viele Menschen mit MS bemerken im Laufe ihrer Erkrankung, dass die Blase oder der Darm nicht mehr richtig funktioniert. Nerven im zentralen Nervensystem (ZNS) und Muskeln müssen korrekt zusammenarbeiten, um Körperfunktionen zu steuern. Werden bei MS entsprechende Nervenzellen in den Zentren des ZNS angegriffen oder zerstört, können neurogene Blasenfunktionsstörungen oder Störungen im Darm entstehen.
Blasen- und Darmstörungen sind ein häufiges und oft tabuisiertes Problem bei MS. Rund zwei Drittel aller Menschen mit MS haben mindestens Episoden mit einer gestörten Blasen- und Darmfunktion. Auslöser sind Entzündungen, die die Reizweiterleitung vom Gehirn über das Rückenmark zu Blase und Darm behindern.
Ursachen von Blasen- und Darmstörungen bei MS
Blasenstörungen bei MS entstehen, weil die geschädigten Nervenleitbahnen ungeordneter, seltener oder häufiger die Impulse zu den Ausscheidungsorganen transportieren.
Darmprobleme bei MS können z. B. als Verstopfung auftreten. Dann ist der Darm weniger angeregt, er transportiert den Stuhl langsamer weiter und der Stuhl dickt ein. Auch kann über diesen Vorgang eine MS Blähungen verursachen. Ist durch die Multiple Sklerose der Darm zu stark angeregt, bewegt er sich schneller, der Stuhl wird zügiger weitertransportiert und Durchfall kann entstehen.
Die Hinweise mehren sich, dass zwischen MS und Darmbakterien ein Zusammenhang bestehen kann. Die Bakterien-Mischung im Darm heißt Mikrobiom oder Darmflora. Dass Darmflora und Immunsystem generell zusammenhängen, gilt als sehr wahrscheinlich. Allerdings befindet sich die Forschung speziell bei der Frage vom Verhältnis Mikrobiom - Multiple Sklerose noch sehr am Anfang.
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Blasenfunktionsstörungen
Am häufigsten zeigt sich die „überaktive“ Blase (30 bis 90 %). Normalerweise verspürt ein Mensch erst ab einer Füllmenge von 200 ml den Drang, die Blase zu entleeren. Eine Beeinträchtigung der Nerven kann dazu führen, dass die Blase sich bereits bei kleinsten Urinmengen übermäßig anspannt und verkrampft. Bereits durch eine geringe Menge Urin wird so ein sehr starker Harndrang ausgelöst. Betroffene müssen dann häufiger nachts zur Toilette, scheiden jedoch immer nur kleine Mengen Urin aus. Ist der Blasenschließmuskel betroffen, entleert sich die Blase unwillkürlich.
Eine gestörte Blasenentleerung ist seltener (5 bis 20 %). Durch eine verminderte Kontraktion der Blase kann es dabei zu einer verzögerten und inkompletten Entleerung der Blase kommen. Wird die Blase schließlich zu voll, kann sie „überlaufen“. Bereits ein leichter Husten verursacht dann möglicherweise einen unkontrollierten Urinverlust (Inkontinenz). Durch die ständige Überdehnung der Blase nehmen Harndrang, Inkontinenz oder Harnverhalt immer weiter zu. Durch die Entleerungsstörung der Blase bei MS bleibt unter Umständen Restharn zurück.
Bei der Blase kommt es mit abnehmender Häufigkeit zu einer überaktiven Blase, einem geringen Harndrang oder einer inaktiven Blase.
- Die überaktive Blase kann den Urin nur schlecht halten, da der Blasenmuskel krampft. Die Folge sind häufige Toilettenbesuche bis hin zum Einnässen. Dieses Symptom tritt am meisten auf.
- Wenn der Harndrang nur gering ist, funktioniert die Entleerung der Blase nicht richtig. Der Urinstrahl beginnt langsam und stoppt vorzeitig. Die weiterhin recht volle Blase kann zu einer Beckenbodenspastik führen.
- Eine inaktive Blase tritt am seltensten auf. Hier fehlt der Harndrang gänzlich, da der Blasenmuskel schlaff ist und nicht mehr funktioniert. Viel zu selten wird die Toilette aufgesucht. Die Blase ist übervoll und bei Husten, Niesen, Lachen oder anderweitigem Druck läuft die Blase über.
Darmfunktionsstörungen
Von Darmfunktionsstörungen sind geschätzt 40-70 Prozent aller Menschen mit MS im Laufe der Erkrankung betroffen. Im Rahmen der Darmstörungen steht die Verstopfung ganz klar an erster Stelle.
Deutlich seltener kommt es zu einem unkontrollierten Stuhlverlust, einer Darminkontinenz. Prinzipiell ist es auch möglich beide Probleme im Wechsel zu haben. Das ist aber eher der Fall, wenn die Symptome lange nicht behandelt wurden und über die Zeit schlimmer geworden sind.
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Symptombeschreibung: Obstipation (Verstopfung) und Darminkontinenz (unkontrollierter Abgang des Darminhalts) sind Symptome der neurogenen Darmfunktionsstörung. Oft treten beide Symptome gemeinsam auf, fast immer gehen sie mit einer Blasenfunktionsstörung einher. Geschätzt 40-70 % der MS-Erkrankten leiden unter neurogenen Darmfunktionsstörungen.
Ursache für die Verstopfung oder sie verstärkend sind neben der Störung des vegetativen Nervensystems Bewegungsmangel sowie einige Medikamente (u.a. Anticholinerika, Opioide).
Sowohl chronische Verstopfung wie auch Darminkontinenz können weitere Schäden wie Hämorrhoidenblutung, Diverkulitis, Rektozele und Schmerzen zur Folge haben. Neurogene Darmfunktionsstörungen können wie auch neurogene Blasenfunktionsstörungen die Lebensqualität in erheblichem Umfang einschränken.
Gastroparese
Bei einer Gastroparese, einer Magenlähmung, entleert sich der Magen nicht richtig, die Nahrungsaufnahme stockt. Symptome sind zum Beispiel Übelkeit und Gewichtsverlust. So lange unsere Verdauung so funktioniert, wie sie soll, merken wir in der Regel nicht viel davon. Sie ist ein fein aufeinander abgestimmter Prozess, von der Nahrungsaufnahme bis zur Entsorgung der Reste in der Toilette. Eine entscheidende Rolle bei diesem Prozess spielt die sogenannte Peristaltik, die Bewegung von Speiseröhre, Magen und Darm, die die Nahrung weitertransportieren. Kommt die Peristaltik an einer Stelle ins Stocken, geht es nicht weiter. Bei einer Magenlähmung bleibt den Betroffenen buchstäblich das Essen im Halse stecken. Die Verdauung beginnt im Magen, hier wird die Nahrung zersetzt. Die Bewegungen der Magenwand mischen den Mageninhalt, damit die Magensäure die Nahrungsbestandteile aufspalten kann, und befördern ihn langsam weiter in den Darm.
Im ersten Schritt wird bei einem Verdacht auf eine Gastroparese eine Magenspiegelung (Gastroskopie) durchgeführt, um andere Ursachen für die Beschwerden, zum Beispiel ein Magengeschwür, auszuschließen. Anschließend wird die Magenentleerung mithilfe sogenannter 13C-Atemtests gemessen. Der 13C-Oktansäure-Atemtest misst die Magenentleerung fester Substanzen. Dafür nehmen die Patientinnen und Patienten zunächst ein Testfrühstück zu sich, das mit 13C-Oktansäure angereichert wurde. Diese Fettsäure wird vom Körper aufgenommen, sobald sie den Magen verlässt und zu 13C-Kohlendioxid verstoffwechselt, das sich in der Atemluft messen lässt. Der 13C-Acetat-Atemtest misst dagegen, wie lange Flüssigkeiten im Magen verbleiben. Dieser Test kann wichtige Zusatzinformationen liefern. Für den Test wird zunächst eine Testlösung getrunken, die geringe Mengen von 13C-Acetat enthält. Dieses Salz der Essigsäure wird vom Körper aufgenommen, sobald sie den Magen verlässt und ebenfalls zu 13C-Kohlendioxid verstoffwechselt, welches abgeatmet wird. Der Verlauf des 13C-Kohlendioxids in der Atemluft zeigt, wie lange die Entleerung der 13C-Acetat-Lösung aus dem Magen gedauert hat.
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Je nach Ursache der Magenlähmung gibt es verschiedene Behandlungsansätze: Grundlage der Therapie bei allen Magenentleerungsstörungen ist eine Ernährungsumstellung. Gesetzlich Versicherte haben Anspruch auf eine Beteiligung ihrer Krankenkasse an einer ärztlich verordneten Ernährungsberatung durch qualifiziertes Personal. Um den Anspruch geltend zu machen, benötigen sie eine Notwendigkeitsbescheinigung von ihrer Ärztin oder ihrem Arzt. Spricht die Gastroparese auf keine medikamentöse Therapie an, können Betroffene von einem sogenannte Magenschrittmacher profitieren, der unter die Bauchwand eingepflanzt wird und ähnlich wie ein Herzschrittmacher elektrische Impulse an die Magenwand abgibt, die die Magenfunktionen regulieren.
Auswirkungen auf die Lebensqualität
Störungen der Funktion von Blase und Darm bei MS sind für viele Betroffene nicht nur ein hygienisches Problem, sondern auch mit starken Schamgefühlen verbunden. Über Inkontinenz redet man nicht gerne. Weder mit dem Partner noch mit einem Freund, einer Freundin oder Ärzten. Lieber geht man in die Isolation und versucht selbst, das Problem zu lösen. Besonders die Inkontinenz beeinträchtigt die Lebensqualität erheblich. Schamgefühl, Isolation und Depression sind oft die Folge.
Diagnostik
Eine frühzeitige Behandlung von Darmfunktionsstörungen soll Folgeschäden vermeiden und die Lebensqualität verbessern. Deshalb sprechen Sie Darmfunktionsstörungen unbedingt bei Ihrem behandeln Art an, damit eine gezielte Diagnostik und Therapie der Darmfunktionsstörungen erfolgen kann.
Führen Sie ein Tagebuch darüber, wann und wie oft Sie zur Toilette müssen und welche Symptome auftreten.
Bei einer akuten Durchfallerkrankung, die kürzer als zwei Wochen andauert, ist häufig eine Infektion der Auslöser. Hier sind Stuhl- und Laboruntersuchungen sowie manchmal auch eine Spiegelung des Magen-Darm-Kanals zur Abklärung erforderlich.
Bei einer chronischen Durchfallerkrankung, die länger als vier Wochen andauert, untersuchen wir über eine Spiegelung den Dickdarm und gegebenenfalls auch den Dünndarm oder Zwölffingerdarm. Ab dem 50. Lebensjahr oder bei Alarmsymptomen, wie Blutausscheidung oder Gewichtsabnahme, sollte frühzeitig eine Magenspiegelung durchgeführt werden. So können wir Krebserkrankungen schon in frühen Stadien erkennen und rechtzeitig behandeln. In besonderen Fällen kann während der Magenspiegelung zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung von innen erfolgen. Hier hilft die Magnetresonanztomografie, die genaue Ursache Ihrer Erkrankung zu finden. Diese Untersuchung kann auf Wunsch mit beruhigenden Mitteln oder in einer Kurznarkose erfolgen und ist dann völlig beschwerdefrei. Außerdem empfehlen wir eine Dickdarmspiegelung. Wir untersuchen Ihren Darm sorgfältig und entnehmen gegebenenfalls feine Gewebeproben. Auch wenn Ihre Gelenke oder Ihr Bindegewebe entzündet sind, kann dahinter eine Darmerkrankung stecken. Ob dies der Fall ist, überprüfen wir ebenfalls ganz ausführlich.
Urologische Diagnostik
Bei Verdacht auf eine Blasenfunktionsstörung erfolgt eine urologische Abklärung. Diese umfasst in der Regel:
- Anamnese und körperliche Untersuchung
- Urinuntersuchung
- Miktionsprotokoll (Dokumentation der Trink- und Urinmengen)
- Urodynamische Untersuchung (Messung der Blasenfunktion)
Therapieansätze
Wer Probleme mit der Blasenentleerung oder der Darmfunktion bei sich entdeckt, sollte sich daher vertrauensvoll an einen Arzt oder seine MS-Schwester wenden. Mit der MS-Schwester können Patienten nicht nur über ihre Gedanken und Sorgen im Umgang mit diesen schambesetzten Themen sprechen. Eine qualifizierte Beratung und Behandlung durch Experten auf diesem Gebiet unterstützen dabei, die Lebensqualität und Selbstständigkeit zu erhalten. Hier ist es notwendig, dass möglichst unterschiedliche Fachrichtungen miteinander arbeiten. Der Urologe wird nach der Diagnose eine symptomatische Therapie einleiten, welche die Symptome lindern oder gar beseitigen kann.
Ziel der Therapie: Regelmäßige Stuhlentleerung ohne große Anstrengung/Schmerzen, Darmkontinenz, Vermeidung von Komplikationen, Steigerung der Lebensqualität.
Du kannst mit Deinem Verhalten viel dazu beitragen, Blase und Darm in ihrer Tätigkeit zu unterstützen. Alle folgenden Tipps beziehen sich nur auf die MS.
Allgemeine Maßnahmen
Viele Menschen versuchen ihrem Problem damit zu begegnen, dass sie nur noch sehr wenig trinken. Genau das Gegenteil wäre jedoch richtig! Wenn Sie zu wenig trinken, können sich Blasen- und Nierensteine entwickeln. Wenn Sie unter Verstopfung leiden, hilft es, wenn Sie mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit pro Tag zu sich nehmen und sich ballaststoffreich ernähren, beispielsweise mit Vollkornprodukten, Obst und Gemüse.
- Trink ausreichend Wasser oder Tee, am besten ungesüßt und nicht zu stark, damit Dein Körper wirklich viel Flüssigkeit davon erhält. Kaffee oder andere intensive koffeinhaltige Getränke bitte nur in Maßen genießen.
- Reduziere möglichst Deinen Alkoholgenuss. Alkohol betäubt eher die Sinne und auch den Körper und ist bei MS besser nur selten und in geringen Mengen zu genießen.
- Iss möglichst ballaststoffreich und ausgewogen. Also viel Gemüse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Obst. Fermentierte Speisen sind ebenfalls gut für eine gesunde Darmflora und einen aktiven Darm. Dazu gehören Joghurt, Buttermilch, Essig für den frischen Salat oder Sauerkraut. Fleisch und Wurst nur in geringen Mengen. Eher salzarm, und Fett nur in Maßen. Generell tut Abwechslung auf dem Teller gut. Dann erhältst Du alle Inhaltsstoffe, die Dein Körper braucht.
- Falls Du Probleme mit Restharn hast, sind Cranberrysaft oder Preiselbeersaft gut, um das Bakterienwachstum in Deiner Blase zu hemmen.
- Unterdrücke Deinen Harndrang nicht, indem Du die Beine übereinanderschlägst. Was in seltenen Fällen vielleicht mal nötig ist, kann auf Dauer eine bestehende Spastik weiter verstärken. Gehe lieber vorbeugend oder in regelmäßigen Abständen auf Toilette. Versuche, das richtige Maß zu finden, indem Du Deine Blase nicht auf immer geringere Füllmengen trainierst, aber auch nicht verkrampfst.
- Tägliche Beckenbodenübungen helfen Deinen Muskeln wieder stark zu werden und der Symptomatik entgegenzuwirken. Es gibt jede Menge davon. Yoga hält viel bereit, spezielle Beckenbodenkurse, Aquagymnastik, einfaches Anspannen und Entspannen. Für Frauen gibt es gerade nach der Geburt gezielte Beckenbodenübungen, aber auch für Männer. Treppensteigen trainiert den Beckenboden und eine besonders charmante Art ist übrigens Sex. Also nicht als Mittel zum Zweck, aber eben als netter Effekt nebenbei. Joggen hingegen oder andere Übungen, bei denen viel auf und ab gehüpft wird, wie Trampolin springen, sind kontraproduktiv bei einem geschwächten Beckenboden.
- Bewege Dich regelmäßig und versuche eine gute Mischung aus Dehnung, Kraft und Ausdauer in Dein Sportprogramm einzubauen. Das hilft Dir vor allem bei Darmproblemen, ist aber für Dein generelles körperliches Wohlbefinden und eventuelle andere Symptome ebenfalls sehr gut.
- Wenn Du Dir nicht sicher bist, ob Du zu viel Restharn in der Blase hast, kannst Du Deine Trinkmenge und den Urinabgang auch in einem Tagebuch festhalten. Das bedeutet natürlich, dass Du messen musst, wie viel du gepullert hast mit einer Art Messbecher. Oder Du wendest Dich an Fachpersonal, die mittels Ultraschall oder anderer Verfahren ebenfalls dazu Auskunft geben können.
- Bei stärkeren Problemen mit Verstopfung kann eine Dickdarmmassage, auch Kolonmassage genannt, sehr angenehm sein. Wenn Du sie nur selten benötigst, kann sie ein Physiotherapeut durchführen.
- Vielleicht musst Du öfter aufs Klo, wenn Du emotional angespannt bist. Es kann sein, dass Antispastika oder andere Medikamente Deine Darmstörungen intensivieren. Frag am besten Deinen Neurologen danach und wägt gemeinsam ab, wie sich die Vorteile zu den Nebenwirkungen verhalten, bevor ihr etwas anpasst.
Generell gilt, dass Du die geschädigten Nerven mit den genannten Maßnahmen zwar nicht reparieren kannst, aber Deinem Körper dabei hilfst, alle anderen Einflussfaktoren auf Blase und Darm zu optimieren.
Nicht-medikamentöse Therapie bei Opstipation: Ausreichende Flüssigkeitszufuhr (1,5-2 Liter/Tag), ballaststoffreiche Mischkost, möglichst viel Bewegung, Physiotherapie, Stehtraining, Beckenbodentraining, Kolon-Massage, Abführen
Nicht-medikamentöse Therapie bei Darminkontinenz: Ernährungsumstellung (keine blähende oder den Darm anregende Nahrung), regelmäßiges, gezieltes Abführen (z. B. Klistier oder sogenannte „transanale Irrigation (TAI)“. Dabei wird Wasser in den Darm eingebracht, um nach einer bestimmten Einwirkzeit eine vollständige Darmentleerung auszulösen. Der dazu verwendete Rektalkatheter hat einen Ballon, der das Wasser sicher im Darm hält. TAI kann nach Einweisung selbst angewandt werden. Beckenbodentraining, Hilfsmittel
Medikamentöse Therapie
Medikamente können bei Harnwegsinfekten, Blasenentleerungsstörungen und auch Verstopfung helfen.
Es gibt Medikamente, die das spastische Zusammenziehen der Blase abmildern, andere wirken sich entspannend auf den Schließmuskel aus.
Wenn Du nachts nicht mehr durchschlafen kannst, ist es möglich, die Urinproduktion zeitweise zu verringern oder aber den Muskel, der für den Blasendrang verantwortlich ist, den Austreibermuskel, gezielt abzuschwächen.
Falls die Blasenprobleme bei Dir zu einem akuten Harnwegsinfekt führt, helfen Antibiotika.
Für den Darm werden wasserspeichernde Abführmittel genutzt. Mittels Osmose ziehen sie Wasser in den Dickdarm zurück, damit Dein Stuhlgang nicht hart wird, sondern schön weich bleibt und dadurch einfacher ausgeschieden werden kann. Außerdem regt eine größere Stuhlmenge, durch das mehr an Wasser, die Darmtätigkeit besser an.
Darüber hinaus gibt es Medikamente, die den Transport anregen.
Falls der äußere Schließmuskel massiv von einer Spastik betroffen ist und Schmerzen verursacht, kann eine Injektion für Abhilfe sorgen.
Und falls das entgegengesetzte Problem auftritt, also ungewollter Stuhlgang kannst Du medizinische Kohletabletten nutzen.
Medikamentöse Therapie bei Opstipation: Osmotisch wirkende Abführmittel (Laxantien) wie Lactulose oder Macrogol, Glycerin-Zäpfchen, Klistiere. Bei sehr schmerzhaftem, spastischem Schließmuskel kann ein individueller Therapieversuch mit der Injektion von Botulinumtoxin in den äußeren Schließmuskel unternommen werden.
Medikamentöse Therapie bei Darminkontinenz: Anticholinerika
Wirkweise: Osmotisch wirkende Laxantien ziehen Wasser in den Dickdarm. Macrogol hält Wasser im Darm zurück. Beide Substanzen machen den Stuhl weicher und regen so die Darmtätigkeit an. Domperidon fördert die Transportbewegungen in Magen und Darm. Glycerin erweicht den Stuhl, erhöht seine Gleitfähigkeit und fördert die Darmaktivität. Medizinische Kohle bindet in Flüssigkeiten gebundene Stoffe. Wichtig: Medizinische Kohle kann die Wirkung anderer Medikamente - auch der Anti-Baby-Pille - verringern.
Weitere Therapieoptionen
Zur Behandlung von Inkontinenz und zur Vermeidung von Harnwegsinfekten ist die regelmäßige oder dauerhafte Harnableitung über einen Katheter eine wirksame Methode. Sich selbst einen Blasenkatheter zu setzen ist sicherlich nicht einfach oder angenehm. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt.
In schweren Fällen von Verstopfung helfen Abführmittel oder ein Einlauf (Klistier). Bei Inkontinenz des Darms können MS-Erkrankte Analtampons nutzen.
Falls Du Probleme mit dem Entleeren Deiner Blase hast, kannst Du lernen, Dich selbst zu katheterisieren. Dafür brauchst Du allerdings eine gute Feinmotorik, um Dich nicht versehentlich zu verletzen.
Eine Stufe weiter gibt es die Dauerharnableitung oder einen Blasenschrittmacher.
Für die Darmentleerung gibt es Klistiere und andere Hilfsmittel, die kontrolliert den Darm spülen, um ihn anschließend zu entleeren. Bitte unternimm hier keine Selbstversuche, sondern lass Dir die Technik und Gerätschaften von einer Fachkraft erklären. Sprich Deinen Neurologen an. Dir kann mit Sicherheit geholfen werden.
Hilfsmittel und Unterstützung
Es gibt ein großes Portfolio an Hilfsmitteln, die Dir dabei helfen möglichst entspannt am normalen Leben teilzunehmen ohne Rücksicht auf Deine MS-Symptome nehmen zu müssen.
Dazu zählen Inkontinenzhilfen, die Urin und Kot auffangen. Für Frauen sind es spezielle Einlagen und Tampons und für Männer eine Art Kondom.
Beim Darm ist es für beide Geschlechter eine Art Tampon. Selbst Schwimmen ist damit weiter möglich.
Und Schwimmen oder Aquasport zählt zu den Sportarten, die bei MS besonders gut sind.
Du solltest außerdem den Euro-WC-Schlüssel beim CBF Darmstadt beantragen, wenn Du Dich innerhalb Deutschlands oder Europas bewegst. Er verschafft Dir Zugang zu über 12.000 öffentliche Behinderten-WCs an. Das kann eine enorme Erleichterung beim Reisen sein. Denn oft sind die Schlangen fürs WC an Bahnhöfen oder in Innenstädten lang. Du benötigst dafür nur eine Bestätigung von Deinem Neurologen, dass Du eine Inkontinenz hast.
Konsequente MS-Behandlung
MS konsequent behandeln - von Anfang anUm die Krankheitsaktivität bei Multipler Sklerose von Anfang an so gering wie möglich zu halten und das Gehirn zu schützen, ist es wichtig, frühzeitig auf sichtbare, aber auch unsichtbare MS-Symptome zu reagieren. Je früher die Multiple Sklerose behandelt wird, desto länger können MS-Erkrankte ohne wesentliche Beeinträchtigungen leben.