Sterilisation beim Mann: Risiken, Polyneuropathie und Alternativen

Die Sterilisation des Mannes (Vasektomie) ist eine der sichersten Verhütungsmethoden, aber es ist wichtig, sich der potenziellen Risiken und Komplikationen bewusst zu sein. Dieser Artikel beleuchtet die Risiken im Zusammenhang mit Polyneuropathie, mögliche Alternativen zur Sterilisation und weitere Aspekte der männlichen Gesundheit.

Einleitung

Die Familienplanung ist ein wichtiger Aspekt im Leben vieler Menschen. Während Frauen eine Vielzahl von Verhütungsmethoden zur Verfügung stehen, haben Männer traditionell weniger Optionen. Kondome und die Vasektomie sind die gängigsten Methoden. Die Vasektomie ist ein sicherer und effektiver Eingriff zur dauerhaften Verhütung, dennoch sollten mögliche Risiken und Alternativen sorgfältig abgewogen werden.

Vasektomie: Durchführung und Sicherheit

Die Sterilisation des Mannes, auch Vasektomie genannt, ist ein in der Regel ambulanter Eingriff, der unter örtlicher Betäubung durchgeführt wird. Dabei wird der Samenleiter entweder chirurgisch durchtrennt oder durch Hitze oder Strom verödet, so dass er nicht mehr durchgängig ist. Dadurch können keine Spermien mehr aus dem Hoden in das Ejakulat gelangen.

  • Ablauf: Bei einer Vaso-Vasostomie werden die Samenleiter über zwei kleine Schnitte in der Hodenhaut freigelegt und präpariert. Anschließend werden die Samenleiter mit sehr feinen Nähten und einer speziellen, mehrschichtigen Nahttechnik wieder aneinandergeführt. Schon während des Eingriffs wird die Durchgängigkeit der Samenleiter überprüft. Finden sich unter dem Mikroskop aus dem vom Hoden kommenden Samenleiterende keine Spermien oder Spermienfragmente, hat der Arzt die Möglichkeit, die Nebenhodenkanälchen direkt mit dem oberen zur Harnröhre verlaufenden Ende des Samenleiters zu verbinden.

  • Sicherheit: Die Vasektomie ist eine sehr sichere Verhütungsmethode. Der Pearl-Index beträgt 0,15, was bedeutet, dass weniger als 0,15 von 100 Männern, deren Partnerinnen mit dieser Methode verhüten, innerhalb eines Jahres eine Schwangerschaft verursachen.

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  • Wirkung: Direkt nach dem Eingriff besteht noch kein sicherer Empfängnisschutz. Dieser liegt erst vor, wenn sich im Ejakulat sicher keine Spermien mehr befinden. Das ist frühestens acht Wochen nach der Vasektomie der Fall. Regelmäßige Ejakulationen können den Zeitraum bis zur Azoospermie verkürzen.

Risiken und Komplikationen der Vasektomie

Obwohl die Vasektomie ein relativ sicherer Eingriff ist, gibt es einige potenzielle Risiken und Komplikationen, über die sich Männer vor der Entscheidung für den Eingriff informieren sollten:

  • Schmerzen: Nach dem Eingriff können Schmerzen und Beschwerden im Hodenbereich auftreten. Diese sind in der Regel mild und können mit Schmerzmitteln behandelt werden.

  • Infektionen: Wie bei jedem chirurgischen Eingriff besteht ein geringes Risiko für Infektionen.

  • Blutungen: Blutungen im Operationsgebiet können zu einem Hämatom (Bluterguss) führen.

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  • Spermagranulom: Ein Spermagranulom ist eine kleine, schmerzhafte Verhärtung, die sich an der Stelle der Durchtrennung des Samenleiters bilden kann.

  • Chronische Schmerzen: In seltenen Fällen können chronische Schmerzen im Hodenbereich auftreten.

  • Reue: Etwa 6 % der Männer bereuen die Vasektomie. Dies ist besonders häufig, wenn sich die Lebensumstände ändern, z. B. durch eine neue Partnerschaft mit Kinderwunsch.

Polyneuropathie und Kompressionstherapie: Mögliche Zusammenhänge

Polyneuropathie ist eine Erkrankung, die die peripheren Nerven schädigt. Die peripheren Nerven versorgen von Gehirn und Rückenmark ausgehend die inneren Organe sowie die Gliedmaßen und das Gesicht. Auslöser der Polyneuropathie ist in der Regel eine nervenschädigende Grunderkrankung wie zum Beispiel Diabetes, Krebs, eine Infektionskrankheit oder auch Alkoholmissbrauch. Die Symptome können vielfältig sein, darunter Taubheit, Kribbeln, Schmerzen oder Schwäche in den Extremitäten.

Im Kontext der Vasektomie ist Polyneuropathie insofern relevant, als dass bei Patienten mit fortgeschrittener peripherer Neuropathie eine sachgerecht angelegte Kompressionstherapie grundsätzlich möglich ist. Allerdings führt die Neuropathie dazu, dass Patienten eine zu kräftige Kompression bzw. zu enge oder schlechtsitzende Materialien nicht spüren. So kann es durch die fehlende Rückmeldung über Schmerzen bei diesen Patienten bei nicht korrekter Anlage gehäuft zu Druckstellen oder Schnürfurchen kommen.

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Alternativen zur Vasektomie

Für Männer, die eine dauerhafte Verhütungsmethode suchen, aber Bedenken hinsichtlich der Vasektomie haben, gibt es einige Alternativen:

  • Kondome: Kondome sind eine einfache und effektive Verhütungsmethode, die auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützt.

  • Pille für den Mann: Forscher arbeiten an einer Pille für den Mann. In einer neuen Studie wurde ein nicht hormonelles Verhütungsmittel speziell für Männer getestet - mit vielversprechenden Ergebnissen. Der getestete Wirkstoff trägt den Namen YCT-529. Er greift gezielt dort ein, wo im Körper Spermien entstehen - in den Hoden. Dabei wird ein bestimmter Rezeptor blockiert, der für die Bildung von Samenzellen notwendig ist. Anders als bei hormonellen Methoden bleibt der restliche Hormonhaushalt unbeeinflusst.

Erektionsstörungen und Polyneuropathie

Erektile Dysfunktion (ED), auch bekannt als Impotenz, ist die Unfähigkeit, eine für den Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion zu erreichen oder aufrechtzuerhalten. ED kann verschiedene Ursachen haben, darunter:

  • Organische Ursachen: Dazu gehören Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Arteriosklerose, Polyneuropathie, Bluthochdruck, Verletzungen oder Operationen im Beckenbereich.

  • Psychische Ursachen: Stress, Angstzustände, Depressionen oder Beziehungsprobleme können ebenfalls zu ED führen.

  • Medikamente: Einige Medikamente können als Nebenwirkung ED verursachen.

Die Polyneuropathie kann die Nerven schädigen, die für die Erektion verantwortlich sind, was zu ED führen kann.

Behandlung von Erektionsstörungen

Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten für ED, darunter:

  • Medikamente: Sildenafil (Viagra), Tadalafil (Cialis) und Vardenafil (Levitra) sind PDE-5-Hemmer, die die Durchblutung des Penis fördern und so eine Erektion ermöglichen.

  • Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT): Dabei wird ein Medikament direkt in den Schwellkörper des Penis injiziert, um eine Erektion zu erzeugen.

  • Vakuumpumpe: Eine Vakuumpumpe wird über den Penis gestülpt, um ein Vakuum zu erzeugen, das Blut in den Penis zieht und so eine Erektion ermöglicht.

  • Penisprothese: In schweren Fällen von ED kann eine Penisprothese implantiert werden. Dabei werden die Schwellkörper durch halbsteife oder hydraulische Prothesen ersetzt.

Gutartige Prostatavergrößerung (BPH)

Die gutartige Prostatavergrößerung (BPH) ist eine häufige Erkrankung bei Männern im höheren Alter. Etwa 85 Prozent der Männer über 60 Jahre sind in Deutschland von einer BPH betroffen. Ist die Prostata deutlich vergrößert, drückt sie auf die Blase und die Harnröhre. Eine Vergrößerung der Prostata ist bei Männern die häufigste Ursache für eine Abschwächung des Harnstrahls, Harnverhalt, aber auch Harndrang sowie häufiges nächtliches Wasserlassen.

Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung

Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten für BPH, darunter:

  • Medikamente: Alpha-Blocker und 5-Alpha-Reduktase-Hemmer können die Symptome der BPH lindern.

  • Minimalinvasive Verfahren: Die Prostata-Arterien-Embolisation (PAE) ist eine neue Therapieoption, die ohne Operation durchgeführt werden kann.

  • Operation: In schweren Fällen von BPH kann eine Operation erforderlich sein, um die Prostata zu verkleinern.

Hodenkrebs

Hodenkrebs ist eine relativ seltene Krebserkrankung, die vor allem junge Männer betrifft. Die Heilungschancen sind jedoch sehr gut, insbesondere wenn der Krebs frühzeitig erkannt wird. Regelmäßiges Abtasten der Hoden ist wichtig, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Refertilisierung nach Vasektomie

Sollte nach einer vorangegangenen Sterilisation der Wunsch bestehen, die Zeugungsfähigkeit wiederherzustellen (Refertilisierung), so werden - nach Vorlage aller Untersuchungsergebnisse - zunächst die Erfolgsaussichten in einem beratenden Gespräch eingehend besprochen. Die Erfolgsaussichten hängen von unterschiedlichen Faktoren ab. Insbesondere spielt der Zeitpunkt der Sterilisation eine wichtige Rolle: Je länger der Eingriff zurückliegt, umso kleiner ist die Erfolgsaussicht der Refertilisierung.

Die roboterassistierte da Vinci®-Technik bietet gegenüber der konventionellen mikroskopischen Operation große Vorteile: Dank dreidimensionaler Sicht und zehnfacher Vergrößerung des Operationsgebietes lassen sich die Samenleiter optimal darstellen. Die Erfolgsaussichten, eine Durchgängigkeit wiederherzustellen bewegen sich zwischen 50 und 70 Prozent.

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