Das Sulcus-ulnaris-Syndrom, auch bekannt als Kubitaltunnelsyndrom oder Ulnarisrinnensyndrom, ist eine häufige Erkrankung, die durch die Einengung des Ellennervs (Nervus ulnaris) im Bereich des Ellenbogens verursacht wird. Dies kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen, darunter Taubheitsgefühle, Kribbeln, Schmerzen und Muskelschwäche in Hand und Unterarm. Glücklicherweise gibt es eine Reihe von Selbsthilfe- und konservativen Maßnahmen, die Betroffenen helfen können, ihre Beschwerden zu lindern und ihre Lebensqualität zu verbessern.
Was ist das Sulcus-ulnaris-Syndrom?
Das Sulcus-ulnaris-Syndrom ist eine chronische Schädigung und Einengung des Ellennervs (Nervus ulnaris). Der Nervus ulnaris ist einer der drei Hauptnerven des Arms und gehört zum peripheren Nervensystem. Er entspringt aus dem Plexus brachialis, einem Nervengeflecht, das in der Halswirbelsäule beginnt (insbesondere aus den Nervenwurzeln C8 und Th1). Er verläuft an der Innenseite des Oberarms hin zum Ellenbogenhöcker bis zu den Fingern. Dabei passiert der Nerv einige Engstellen, unter anderem den Kubitaltunnel, der an der Innenseite des Ellenbogens liegt. Diese knöcherne Rinne (Sulcus ulnaris) kann durch Bindegewebe so straff abgedeckt sein, dass es zu einer Kompression des Nervens kommt.
Umgangssprachlich wird die empfindliche Stelle am Ellenbogengelenk als Musikantenknochen bezeichnet. Die Herkunft dieser Bezeichnung ist nicht eindeutig geklärt. Sie bezieht sich jedoch darauf, dass Stoßeinwirkungen auf diesen Bereich des Ellbogens ein unangenehm kribbelndes Gefühl im Unterarm und der Hand auslösen.
Etwa 25 von 100.000 Menschen sind vom Kubitaltunnelsyndrom betroffen. Männer leiden zweimal so häufig darunter wie Frauen.
Symptome des Sulcus-ulnaris-Syndroms
Die Symptome des Sulcus-ulnaris-Syndroms können je nach Schweregrad der Erkrankung variieren. Zu den typischen Symptomen gehören:
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- Kribbeln und Schmerzen bei Druck auf die Knochenrinne
- Herabgesetzte Empfindlichkeit des Kleinfingers, des halben Ringfingers und der Handkante
- Brennende Schmerzen im Unterarm
- Schwellung des Nervs
- Kraftlosigkeit in der Hand, etwa wenn Betroffene schreiben oder einen Schlüssel im Schloss drehen
- Im fortgeschrittenen Stadium kann sich die Muskulatur in der Hand zurückbilden. Außerdem kann eine Krallenhand entstehen.
- Sensibilitätsstörungen oder Taubheitsgefühle im Bereich des kleinen Fingers, der Seite des Ringfingers zum kleinen Finger hin und der Handseite neben dem kleinen Finger.
- Schwäche oder Lähmung der Handmuskulatur, insbesondere der Muskeln, die vom Ellenbogennerv versorgt werden.
- Beeinträchtigung der Feinmotorik, die sich durch eine hakenartige Verkrümmung der kleinen und Ringfinger äußern kann, auch bekannt als "Krallenhand".
- Muskelschwund in der Hand, was dazu führen kann, dass die Hand im Vergleich zur gesunden Hand etwas knochiger wirkt.
Ursachen des Sulcus-ulnaris-Syndroms
Das Ulnarisrinnensyndrom entsteht durch eine Einengung des Ellennervs. Die möglichen Ursachen dafür sind vielfältig:
- Arthrose
- Anatomische Varianten
- Verletzungen und Nervenschäden, etwa durch Knochenbrüche oder falsche Lagerung während einer OP
- Fehlstellung des Unterarms
- Häufige einseitige Belastung des Ellenbogengelenks
- Druck durch eine Gewebewucherung
- Mechanische Ursachen, wie Druck- oder Zugeinwirkung auf den Nerven, können zur Reizung führen. Dies kann beispielsweise infolge eines Bruches im Bereich des Ellenbogens entstehen, bei dem die Ulnarisrinne mitbetroffen ist und der Nerv dadurch eingeengt wird.
- Risikofaktoren für das Sulcus-ulnaris-Syndrom umfassen Diabetes mellitus, Übergewicht, Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises und vorausgegangene Verletzungen. Des Weiteren kann eine degenerative Veränderung des Gelenkes für die Druckerhöhung verantwortlich sein.
- Ständige Be- bzw. Überlastung des Ellenbogens
- Vorschädigungen, z. B. Knochenbrüche oder Arthrose
- Unfallbedingte Quetschungen
- Degenerative Prozesse wie Gelenkverschleiß
Nicht immer lässt sich eine konkrete Ursache ausmachen.
Diagnose des Sulcus-ulnaris-Syndroms
Um das Kubitaltunnelsyndrom zu diagnostizieren, sind ein ärztliches Gespräch sowie eine neurologische Untersuchung notwendig. Die Diagnose erfolgt in der Regel durch verschiedene Untersuchungsmethoden:
- Elektrophysiologische Untersuchung: Um die Diagnose zu sichern, führt ein Neurologe eine elektrophysiologische Untersuchung durch, bei der getestet wird, wie gut der Nerv die elektrischen Impulse noch leitet.
- Bildgebende Verfahren: Bei Verdacht auf degenerative Veränderungen des Gelenks, die für die Druckerhöhung verantwortlich sein könnten, kann eine Röntgenaufnahme oder ein Ultraschall durchgeführt werden.
- Nervenultraschall: Der Nervenultraschall erlaubt das Screening des Nervs über seinen gesamten Verlauf und erkennt die krankhaften Veränderungen zuverlässig.
Die genaue Position und das Ausmaß der Einengung können durch diese Untersuchungen ermittelt werden, was für die Behandlung des Syndroms entscheidend ist.
Konservative Behandlung des Sulcus-ulnaris-Syndroms: Selbsthilfemaßnahmen
Die Wahl der Therapie hängt von der Ausprägung der Beschwerden ab. Eine Behandlung ohne OP ist angezeigt, wenn die Symptome seit weniger als zwei Wochen oder wiederkehrend, aber nicht dauerhaft auftreten. Schreiten die Beschwerden weiter voran, ist eine OP sinnvoll. Gleiches gilt beim Auftreten von Kraftminderung oder verminderter Sinneswahrnehmung in der Hand oder den Fingern.
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Beim Ulnarisrinnensyndrom ist es wichtig, den Ellenbogen zu schonen. Daher sind folgende Maßnahmen empfehlenswert:
- Schonung: Konsequente Schonung des Ellenbogens. Vermeiden Sie Tätigkeiten, die die Symptome verschlimmern.
- Ellenbogen wenig beugen: Vermeiden Sie es, den Ellenbogen stark zu beugen, insbesondere nachts. Spezielle Schienen können helfen, den Ellenbogen in einer leicht gebeugten Position zu halten. Halten Sie den Arm möglichst gestreckt.
- Verbesserte Körperhaltung: Achten Sie auf eine korrekte Körperhaltung, um den Druck auf den Ellennerv zu minimieren. Physiotherapie kann helfen, die Körperhaltung zu verbessern.
- Ergonomische Anpassungen: Passen Sie Ihren Arbeitsplatz ergonomisch an, um wiederkehrende Belastungen des Ellenbogengelenks zu vermeiden. Vermeiden Sie Fehlhaltungen und Veränderungen im Bewegungsablauf.
- Vermeidung von Druck auf den Nerv: Vermeiden Sie es, den Ellenbogen auf harten Oberflächen abzustützen oder anzulehnen. Verwenden Sie spezielle Polster oder Schienen, um den Nerv zu entlasten.
- Regelmäßige Pausen und Dehnübungen: Machen Sie regelmäßige Pausen bei wiederholten Bewegungen und führen Sie Dehnübungen für den Ellenbogen durch.
- Nervenmobilisation (Nervengleitübungen): Der Arm wird seitlich ausgestreckt, und der Kopf wird langsam zur entgegengesetzten Seite geneigt, während die Handfläche nach oben zeigt. Es ist wichtig, dass diese Übungen regelmäßig durchgeführt werden, um die Mobilität zu verbessern und langfristig Beschwerden zu lindern.
- Schlafposition: Vermeiden Sie es, mit stark gebeugtem Ellenbogen zu schlafen.
- Kortison: Bei leichten Symptomen kann das Kubitaltunnelsyndrom zunächst mithilfe lokaler Infiltrationen (zum Beispiel mit Kortison) therapiert werden.
- Medikamente: Gegen die Schmerzen können Medikamente helfen, insbesondere die nicht-steroidalen Antirheumatika Ibuprofen und Diclofenac. Ohne ärztlichen Rat sollten sie nicht länger als ein paar Tage eingenommen werden, da sie das Herz-Kreislauf-System sowie den Verdauungstrakt belasten können. Eine schonende Alternative zu Schmerztabletten sind Gele, Salben oder Sprays mit den genannten Wirkstoffen. Entzündungshemmende Medikamente helfen, Schmerzen und Schwellungen zu lindern.
Eine regelmäßige Verlaufskontrolle in der ärztlichen Praxis ist wichtig.
Selbsttests bei Verdacht auf ein Kubitaltunnelsyndrom
Bei Verdacht auf ein Kubitaltunnelsyndrom können einfache Selbsttests erste Hinweise liefern:
- Ellenbogen-Beugetest: Beugen Sie den Arm vollständig und halten Sie die Position für 30-60 Sekunden. Wenn sich die Symptome (Kribbeln, Taubheit) verstärken, kann dies ein Hinweis auf das Syndrom sein.
- Tinel-Test: Klopfen Sie vorsichtig auf die Innenseite des Ellenbogens (über den Kubitaltunnel). Wenn dies ein Kribbeln oder einen elektrischen Schlag in den Fingern auslöst, kann dies ebenfalls auf das Syndrom hindeuten.
Bandagen und Schienen für den Nervus ulnaris
Es gibt spezielle Ellenbogenbandagen und Schienen, die entwickelt wurden, um den Ellenbogen in einer leicht gebeugten Position zu halten und so den Druck auf den Nervus ulnaris zu verringern. Diese Bandagen sind oft weich gepolstert und verhindern, dass der Ellenbogen während des Schlafens oder im Alltag übermäßig gebeugt wird.
Wann ist ein Arztbesuch ratsam?
Ein Besuch in einer Klinik ist sinnvoll, wenn die Beschwerden des Sulcus-Ulnaris-Syndrom trotz konservativer Maßnahmen weiterhin bestehen. In solchen Fällen sollten Betroffene frühzeitig ärztlichen Rat suchen, um schwerwiegende Komplikationen zu vermeiden. Ein Arztbesuch ist vor allem in folgenden Fällen ratsam:
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- Anhaltende Schmerzen
- Langanhaltendes Kribbeln oder Taubheitsgefühle im Ring- und Kleinfinger
- Schwäche oder Bewegungseinschränkungen
- Bei einer Verschlechterung der Beschwerden trotz konservativer Therapie
Operative Behandlung des Sulcus-ulnaris-Syndroms
Ist beim Kubitaltunnelsyndrom eine Operation notwendig, stehen dafür verschiedene Techniken zur Verfügung. Aus wissenschaftlicher Sicht sind alle gleich effektiv. Dieder behandelnde ÄrztinArzt wählt je nach individuellem Fall die geeignete Methode.
Im Falle einer fortgeschrittenen Erkrankung oder wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen, kann eine Operation notwendig sein. Mit der Operation wird die Einengung des Nervus ulnaris im Kubitaltunnel am Ellenbogengelenk beseitigt. Es gibt verschiedene Methoden der operativen Entlastung des Nervs, und in manchen Fällen muss der Nervus ulnaris verlagert und neu eingebettet werden.
Neben dem chirurgischen Verfahren hat sich seit einigen Jahren auch die endoskopisch (minimalinvasiv, „Schlüssellochchirurgie“) unterstütze Entlastung des Nervs etabliert. Die Operation kann über einen normal großen Hautschnitt („offen-chirurgisch“) erfolgen, der entlang der Innenseite des Ellenbogens verläuft. Der Nerv wird durch das Durchtrennen der Hauptengstelle über der Ulnarisrinne entlastet.
Nach dem Eingriff zur Behebung des Kubitaltunnelsyndroms wird der Ellenbogen per Verband oder Schiene etwa eine Woche lang ruhiggestellt. So kann er sich am besten wieder erholen. Während dieser Zeit sollen sie Ihre Finger möglichst viel bewegen, um die Genesung zu fördern.
Verlauf und Prognose beim Sulcus-ulnaris-Syndrom
Beim Sulcus-ulnaris-Syndrom hängt die Prognose von der Schädigung des Nervs zum Behandlungsbeginn ab. Eine vollständige Erholung ist möglich, kann aber mehrere Monate in Anspruch nehmen. Je nachdem, wie weit das Kubitaltunnelsyndrom fortgeschritten ist, können auch Schädigungen zurückbleiben.
Oft kommt es auch nach einer vorübergehenden Besserung durch eine OP erneut zu Beschwerden.
Prävention des Sulcus-ulnaris-Syndroms
Risikofaktoren für die Erkrankung sind Übergewicht sowie eine übermäßige Belastung des Ellenbogengelenks. Diese zu vermeiden, trägt zur Prävention bei. Auch die Behandlung eventueller Vorerkrankungen wie Diabetes und Rheuma ist wichtig.
Um das Gelenk zu entlasten, sollten sich häufig wiederholende Bewegungen vermieden werden. Eine gute Körperhaltung und die Vermeidung von übermäßigem Beugen des Ellenbogens können ebenfalls dazu beitragen, das Risiko einer Nervenkompression zu verringern.
Ergonomische Anpassungen zur Prävention
- Arbeitsplatzanpassungen zur Entlastung des Ellenbogens.
- Richtige Haltung: Vermeidung belastender Bewegungen und bewusste Schonung.
- Regelmäßige Kontrolle: Ärztliche Nachuntersuchungen zur Vermeidung bleibender Nervenschäden.
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