Adrenalin und seine Wirkung auf das sympathische Nervensystem

Das vegetative Nervensystem (VNS) ist ein komplexes Netzwerk, das lebenswichtige Körperfunktionen steuert, ohne dass wir bewusst darüber nachdenken müssen. Es besteht im Wesentlichen aus zwei Hauptkomponenten: dem Sympathikus, der den Körper eher aktiviert, und dem Parasympathikus, der ihn eher hemmt. Diese beiden Systeme werden über verschiedene Gehirnregionen gesteuert und arbeiten in einem dynamischen Gleichgewicht zusammen, um den Körper an unterschiedliche Situationen anzupassen.

Das vegetative Nervensystem: Ein Überblick

Das vegetative Nervensystem (VNS) ist teilautonom, was bedeutet, dass die meisten Erfolgsorgane über direkte Nerven mit dem Sympathikus und Parasympathikus verbunden sind. Die Steuerung erfolgt präganglionär über Acetylcholin und postganglionär über Noradrenalin. Während die HPA-Achse mittels Neurotransmittern und Hormonen (endokrin) angesteuert wird, wird das vegetative Nervensystem neuronal (elektrisch) angesteuert.

Sympathikus und Parasympathikus: Gegenspieler oder Partner?

Sympathikus und Parasympathikus werden oft als Gegenspieler bezeichnet, doch in Wirklichkeit ergänzen sie sich in vielen Funktionen. Das sympathische Nervensystem reguliert die Organfunktionen in Stresssituationen oder bei Aktivität, während das parasympathische Nervensystem in Entspannungsphasen aktiv ist. Es geht darum, dass immer diejenigen Körperfunktionen Vorrang erhalten, deren Aktivität in einer jeweiligen Situation am sinnvollsten ist.

Die Rolle des Sympathikus und Adrenalins

Der Sympathikus, oft als "Stressnerv" bezeichnet, versetzt den Körper in einen Zustand der Alarmbereitschaft, bekannt als "Kampf oder Flucht"-Reaktion. Sobald das Gehirn eine potenzielle Bedrohung wahrnimmt, aktiviert der Sympathikus eine Reihe von Reaktionen, um den Körper leistungsfähiger zu machen.

Adrenalin: Der kurzzeitige Aktivator

Adrenalin ist ein Hormon und Neurotransmitter, das schnell mit Stress assoziiert wird. Es wird bei kurzfristigem Stress ausgeschüttet und aktiviert den Körper, indem es alle Reserven mobilisiert. Adrenalin sorgt dafür, dass man wach und konzentriert ist, und bereitet den Körper auf Kampf oder Flucht vor.

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Noradrenalin: Der Neurotransmitter im Gehirn

Der zweite wichtige Akteur ist Noradrenalin, der eigentliche Neurotransmitter, der im zentralen Nervensystem gebildet wird und im Gehirn die Reaktionskette auslöst. Noradrenalin aktiviert den Sympathikus und sorgt dafür, dass Atmung und Puls anziehen, der Blutdruck steigt und das Herz schneller schlägt. Dadurch wird die Sauerstoffversorgung verbessert, was besonders wichtig für das Gehirn ist.

Die Nebenniere: Schaltzentrale der Adrenalinausschüttung

Durch die Aktivierung des Sympathikus wird das Mark der Nebennieren aktiviert, was zur Freisetzung von Adrenalin führt. Dieser Prozess geschieht in kürzester Zeit, wenn das Gehirn Stress signalisiert.

Die Auswirkungen von Adrenalin auf den Körper

Adrenalin wirkt sich auf verschiedene Systeme im Körper aus:

  • Herz-Kreislauf-System: Erhöht Herzfrequenz und Blutdruck.
  • Atmung: Beschleunigt die Atmung.
  • Muskulatur: Sorgt für eine größere Spannung der Muskeln und eine bessere Durchblutung.
  • Stoffwechsel: Bewirkt, dass mehr Blutzucker freigesetzt wird und Fett abgebaut wird, um Energie bereitzustellen.

Die positiven Seiten von Adrenalin

Adrenalin hat zahlreiche positive Effekte:

  • Leistungsfähigkeit: Macht leistungsfähig, wach und aktiv.
  • Gedächtnis: Kann die Gedächtnisleistung erhöhen.
  • Gefühlskick: Sorgt für einen positiven Gefühlskick, da nach der Bewältigung einer herausfordernden Situation Dopamin ausgeschüttet wird.

Cortisol: Das langfristige Stresshormon

Neben Adrenalin und Noradrenalin spielt auch Cortisol eine wichtige Rolle bei Stress. Cortisol wird ausgeschüttet, wenn die Anforderungen an die Leistungsfähigkeit nicht nachlassen und der Stress längerfristig anhält. Es sorgt dafür, dass der Körper über einen längeren Zeitraum leistungsfähig bleibt und Energie zur Verfügung steht.

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Die negativen Auswirkungen von Cortisol

Chronischer Stress und ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel können negative Auswirkungen haben:

  • Immunsystem: Schwächt das Immunsystem.
  • Gehirn: Kann bestimmte Areale des Hippocampus schädigen, der für Erinnerungs- und Lernprozesse zuständig ist.
  • Schlaf: Hemmt die Produktion von Melatonin und kann Schlafprobleme verursachen.

Stress: Nicht immer negativ

Stress ist nicht per se negativ. Ein gewisses Maß an anregenden Herausforderungen und persönlichen Anstrengungen ist wichtig, um sich wohl und gesund zu fühlen. Positiv erlebte Herausforderungen (Eustress) machen Spaß und lassen den Körper und die eigene Belastbarkeit erleben. Negativ erlebter Stress (Disstress) hingegen kann schädlich sein.

Akuter vs. chronischer Stress

Es ist wichtig, zwischen akutem und chronischem Stress zu unterscheiden. Akuter Stress ist kurzfristig und kann durch die Stresshormone ausgelöste Reaktionen wie einen beschleunigten Herzschlag nützlich sein. Chronischer Stress hingegen kann gesundheitsschädlich sein und zu Abnutzungserscheinungen des Stresssystems führen.

Symptome von chronischem Stress

Typische Symptome bei einer vermehrten Belastung des vegetativen Nervensystems und des Hormonsystems durch Stress können sein:

  • Gewichtszunahme
  • Wiederkehrende Entzündungen
  • Müdigkeit
  • Schlafschwierigkeiten
  • Gereiztheit
  • Lustlosigkeit
  • Häufige oder anhaltende Erkältungen
  • Bluthochdruck
  • Atembeschwerden
  • Nacken-, Rücken- oder Gelenkschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Nächtliches Knirschen oder Beißen
  • Entzündungen der Magenschleimhaut
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Wundheilungsstörungen
  • Sehschwierigkeiten

Was tun bei Stress?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Stress zu reduzieren und das vegetative Nervensystem wieder ins Gleichgewicht zu bringen:

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  • Bewusstes Atmen: Ruhiges und gleichmäßiges Atmen kann den Sympathikus herunterfahren.
  • Bewegung: Sanfte Bewegungen wie Yoga oder Qigong helfen, Stresshormone abzubauen.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung unterstützt das Gleichgewicht von Sympathikus und Parasympathikus.
  • Schlaf: Ausreichend Schlaf ist wichtig, da Schlafmangel ein starker Trigger für einen überaktiven Sympathikus ist.
  • Meditation und Achtsamkeit: Diese Techniken können das Nervensystem langfristig beruhigen.
  • Osteopathie: Osteopathische Behandlungen können das vegetative Nervensystem und das Hormonsystem spezifisch behandeln und dem Körper helfen, wieder zu einem Gleichgewicht zu finden.

Adrenalin und ADHS

Die Befunde zum Sympathikus bei ADHS sind uneinheitlich. Bei ADHS sind die Adrenalinwerte verringert und der Parasympathikus überhöht und unflexibel. Eine Metastudie von 55 Untersuchungen zum VNS bei ADHS fand bei knapp der Hälfte der Untersuchungen keinen Einfluss des VNS auf ADHS. Die Adrenalinausschüttung der sympathetischen Nebenniere ist bei Kindern mit Aggressivität, motorischer Unruhe und Konzentrationsschwierigkeiten unter Stressbelastung wie ohne Stressbelastung signifikant verringert. Hyperaktive Jungen weisen unter Stress wie außerhalb Stressbelastung eine signifikant geringere Adrenalinausschüttung auf als Nichtbetroffene. Eine Studie an Jugendliche mit ADHS fand eine verringerte Aktivität des Sympathikus und des Parasympathikus im Verglich zu Nichtbetroffenen. Eine Studie an Kindern mit und ohne ADHS fand keine durchschlagenden Unterschiede der Ruheaktivität oder Reaktivität der kardialen Präejektionsperiode (PEP). Eine weitere Studie fand dagegen eine erhöhte Sympathikus-Reaktion bei Kindern mit ADHS.

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