Taube Füße und Migräne: Ursachen und Zusammenhänge

Eine Migräne ist mehr als nur ein einfacher Kopfschmerz. Es handelt sich um eine komplexe neurologische Erkrankung, die oft mit einer Vielzahl von Symptomen einhergeht. Neben den typischen, meist einseitigen, pochenden oder stechenden Kopfschmerzen können auch Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit auftreten. In manchen Fällen können auch Gefühlsstörungen wie Taubheitsgefühle in den Füßen oder anderen Körperteilen auftreten.

Die verschiedenen Phasen einer Migräneattacke

Eine Migräneattacke lässt sich meist in drei bis vier Phasen einteilen:

  1. Prodrom (Vorbotenphase): Viele Patienten berichten über Anzeichen, die schon einen Tag zuvor die nächste Migräneattacke ankündigen können. Dem Schmerz gehen dann Hochstimmungen oder das Gefühl einer besonderen Leistungsfähigkeit voraus. Andere leiden unter einer vermehrten Gereiztheit oder unter depressiven Verstimmungen. Diese Phase kann unterschiedlich lange dauern, maximal jedoch 2 Tage, manchmal aber auch nur wenige Stunden vor dem Migräneanfall. Typisch ist, dass die Frühphase bei Migräne ohne Aura vor dem Beginn der Schmerzen einsetzt.
  2. Aura: Bei ca. 10 bis 15% der Patienten geht der Kopfschmerzphase eine so genannte Aura voraus. Als Aura werden Zeichen bezeichnet, die dem Kopfschmerz direkt vorausgehen. Die Aura besteht häufig aus Sehstörungen, die sehr unterschiedlich sein können. Manche Patienten sehen Lichtblitze oder Farben - am häufigsten flimmernde Zickzack-Linien, die in der Mitte des Sehens beginnen und sich langsam über das Gesichtsfeld ausbreiten. Bei anderen Patienten kommt es zu blinden Flecken im Sehfeld, die sich langsam ausbreiten. Manche Patienten berichten über Schwäche, Taubheit oder ein Kribbeln im Gesicht, an der Hand oder an den Beinen einer Seite. Es kann auch zu Störungen beim Sprechen kommen. Aura-Anzeichen entwickeln sich meist über einen Zeitraum von 5 bis 10 Minuten (max. 20 Min.) und halten typischerweise etwa 15 bis 30 Minuten (max. 60 Min.) an. Meistens setzt der Kopfschmerz erst nach dem Ende der Aura ein. Manchmal überlappen sich Aura und Kopfschmerz jedoch. Teilweise kommt es auch nur zu einer Aura ohne nachfolgenden Schmerz. Wenn Sie spüren, dass die Auraphase beginnt, sollten Sie sich nach Möglichkeit in ein abgedunkeltes Zimmer zurückziehen.
  3. Kopfschmerzphase: Der meist mittlere bis starke Kopfschmerz wird als pulsierend, pochend oder stechend empfunden. Er beginnt in der Regel auf einer Seite und breitet sich auf Stirn, Schläfe und Augenbereich aus. Er kann sich später auf die andere Kopfseite ausdehnen. Etwa jeder fünfte Patient hat Kopfschmerzen auf beiden Seiten. Die Schmerzen treten nicht immer auf der gleichen Seite auf, vielmehr kann die Schmerzseite von Attacke zu Attacke wechseln. Eine Migräneattacke dauert zwischen 4 bis 72 Stunden an. Typischerweise treten bei einer Migräne neben den Kopfschmerzen, fast immer Appetitlosigkeit sowie in vielen Fällen Übelkeit (80%) Erbrechen (40 bis 50%), Lichtempfindlichkeit (60%), Lärmempfindlichkeit (50%) bzw. Empfindlichkeiten gegen Gerüche (10%) auf.
  4. Postdrom (Erholungsphase): Am Ende der Kopfschmerzphase ändert sich der pulsierende Charakter oft zu einem gleichbleibenden Schmerz. Es folgt häufig eine Schlafphase, mit der die Migräneattacke abklingt. Das Schlimmste ist überstanden. Die Symptome sind zwar noch da, werden aber weniger intensiv. Die Kopfschmerzen sind nicht mehr pulsierend, sondern eher gleichbleibend. Patienten sind oft sehr müde. Die Übelkeit und die Empfindlichkeit z.B. gegen Licht werden weniger, sind aber noch nicht verschwunden. Diese Phase beginnt in der Regel 3 Tage nach Beginn der Attacke und geht in die Erholungsphase über. Die Patienten sind angeschlagen und fühlen sich wie nach einem Kater. Die Symptome ähneln denen der Prodromalphase.

Nicht jeder Patient durchläuft alle diese Phasen. Deshalb ist es schwierig, eine genaue Angabe über die Migräne-Dauer zu geben. Meist halten die Beschwerden der Migräne mehrere Tage an. Von den Vorboten bis zur Erholungsphase kann die Migräne-Dauer eine Woche betragen. Die eigentliche Attacke dauert meist zwischen vier und 72 Stunden.

Migräneformen

Man unterscheidet zwei Formen der Migräne:

  • Klassische Migräne mit Aura: Sie klagen über Sehstörungen wie helle Flecke, Lichtblitze und manchmal kurzzeitigen Sehkraftverslust. Weitere Symptome sind Kribbeln bzw. Manche Patienten haben außerdem Gleichgewichtsstörungen und Sprachprobleme (zum Beispiel Schwierigkeiten, die richtigen Wort zu finden). Sollte Ihnen Ihr Arzt ein Triptan verschrieben haben, so sollten Sie dieses erst nach der Aura-Phase einnehmen.
  • Migräne ohne Aura: Migräne-Formen ohne Aura beginnen häufig langsamer als die Migräne mit Aura, sie dauern länger an und beeinträchtigen die Patienten mehr als eine Migräne mit Aura.

Ursachen von Migräne

Obwohl die genaue Ursache von Migräne noch nicht vollständig bekannt ist, scheinen genetische und Umweltfaktoren eine Rolle zu spielen. Eine Migräne kann durch eine Reihe von Auslösern ausgelöst werden. Bestimmte innere und äußere Faktoren können eine Migräne begünstigen („triggern“), sind jedoch nicht ursächlich dafür verantwortlich. Die Bandbreite dieser individuellen Migräne-Auslöser reicht von unregelmäßigem Schlaf, über Hormonveränderungen, bis hin zu bestimmten Nahrungsmitteln oder Alkohol und Wettereinflüssen.

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Taube Füße als Symptom der Migräne

Insbesondere bei einer Migräne mit Aura können Gefühlsstörungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle frühe Anzeichen einer beginnenden Attacke sein. Die Missempfindungen treten häufig im Gesicht oder den Extremitäten auf und gehören zur sogenannten Aura-Phase, die der eigentlichen Kopfschmerzphase vorausgeht.

Die Taubheitsgefühle breiten sich häufig allmählich in die Arme oder Beine aus, sodass Patienten beispielsweise nicht mehr in der Lage sind, zu laufen oder zu stehen. Auf beiden Seiten gleichzeitig auftretendes Taubheitsgefühl (simultane bilaterale Parästhesie) zum Beispiel der Arme.

Es ist wichtig zu beachten, dass Taubheitsgefühle in den Füßen auch andere Ursachen haben können, wie z.B. Polyneuropathie, Multiple Sklerose, Bandscheibenvorfall oder Durchblutungsstörungen. Daher ist es wichtig, einen Arzt aufzusuchen, um die Ursache der Taubheitsgefühle abzuklären.

Migräne mit Hirnstammaura

Eine besondere Form der Migräne mit Aura ist die Migräne mit Hirnstammaura. Früher wurde diese Form als Basilarismigräne bezeichnet. Bei dieser Form der Migräne treten die Durchblutungsstörungen im Hirnstamm auf. Daher betreffen die Beschwerden auch die Bereiche, die im Hirnstamm gesteuert werden, zum Beispiel die Motorik.

Typische Symptome der Migräne mit Hirnstammaura sind:

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  • Doppeltsehen
  • Sprachstörung
  • Schwindel (vestibuläre Migräne)
  • Tinnitus (Ohrgeräusche)
  • Hörminderung
  • beidseitige Sehstörung
  • Ataxie (Koordinationsstörung)
  • Störung des Bewusstseins
  • auf beiden Seiten gleichzeitig auftretendes Taubheitsgefühl (simultane bilaterale Parästhesie) zum Beispiel der Arme

Kopfschmerzen stehen bei einer Migräne mit Hirnstammaura nicht im Mittelpunkt - viele Betroffene entwickeln auch gar keine. Für die Patienten ist eine Migräne mit Hirnstammaura belastend: Viele berichten, dass sie nach einer Attacke müde und erschöpft sind und manchmal noch tagelang wackelige Beine haben. Noch dazu sind die Symptome beängstigend, da sie Parallelen zu einem Schlaganfall aufweisen.

Diagnose der Migräne mit Hirnstammaura

Für die Diagnosestellung wird von der International Headache Society (IHS) als Kriterium angegeben, dass mindestens zwei der oben genannten Symptome auftreten, sie wieder vollständig verschwinden und keine motorische Schwäche (zum Beispiel Lähmung der Arme oder Beine) vorkommt - erst dann kann von einer Migräne mit Hirnstammaura ausgegangen werden. Taubheitsgefühle zählen zu den sensiblen Störungen und fallen somit nicht unter motorische Symptome.

Ein intensives Arztgespräch, bei dem die Patienten ihre Symptome genau schildern, steht am Anfang der Diagnosestellung. Hilfreich ist es, sich schon vorher Gedanken zu machen und diese am besten schriftlich festzuhalten. Dazu empfiehlt sich das Ausfüllen eines Migränetagebuchs über einige Zeit.

Therapie der Migräne mit Hirnstammaura

Triptane, Schmerzmittel, die speziell zur Behandlung von Migräne entwickelt wurden, sind bei der Migräne mit Hirnstammaura allerdings nicht empfohlen. Der Grund: Die Medikamente bewirken eine Verengung der Arterien im Gehirn. Da nach derzeitigem Wissensstand eine eingeschränkte Blutzufuhr die Ursache für eine Migräne mit Hirnstammaura ist, wird befürchtet, dass eine zusätzliche Verengung durch Arzneimittel die Beschwerden noch mehr verstärkt.

Ein weiterer wichtiger Baustein der Therapie einer Migräne mit Hirnstammaura sind prophylaktische Maßnahmen. Diese haben sich besonders bewährt:

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  • regelmäßiger Ausdauersport
  • Erlernen von Stressbewältigungs- und Entspannungstechniken
  • Biofeedback (gezieltes Entspannen von Muskeln)

In einer Ergotherapie kannst du zudem lernen, wie du mit den Beschwerden am besten umgehst.

Allgemeine Behandlung von Migräne

Die Behandlung einer Migräneattacke zielt darauf ab, die Symptome so schnell wie möglich zu lindern. Schmerzmittel, wie zum Beispiel Ibuprofen, können helfen, den Schmerz zu reduzieren. Antiemetika können gegen Übelkeit und Erbrechen helfen. Spezielle Migränemedikamente, wie Triptane oder Ergotamine, können ebenfalls eingesetzt werden. Allerdings sollten alle Medikamente unter Aufsicht eines Arztes eingenommen werden.

Wenn eine Migräne stärker ausgeprägt ist oder mehr als 3 Attacken pro Monat auftreten, können bestimmte Medikamente vorbeugend verschrieben werden. Dazu zählen Betablocker, krampflösende Wirkstoffe, bestimmte Antidepressiva wie Amitriptylin, Botox (bei schwerer chronischer Migräne) oder monoklonale Antikörper. Auch eine fertige Kombination von Magnesium, Vitamin B2 und Coenzym Q10 wird als Migräneprophylaxe empfohlen.

Was Sie selbst tun können

Mit einem gesunden Lebensstil können Sie selbst dazu beitragen, dass die Migräne möglichst selten auftritt. Dazu zählt bei vielen mehr Regelmäßigkeit im Alltag, zum Beispiel bei den Essens- und Schlafenszeiten. Ebenso wichtig ist ausreichend Bewegung und Entspannung einzuplanen. Entspannungsmethoden wie autogenes Training oder Yoga können die Schmerzen deutlich reduzieren. Manche Betroffene haben mit Akupunktur gute Erfahrungen gemacht. Auch eine ausgewogene Ernährung kann einen positiven Einfluss auf die Migräne haben.

Ein Migränetagebuch kann Ihnen außerdem helfen, Ihre Auslöser (Trigger-Faktoren) zu finden. Notieren Sie, in welchen Situationen und wie lange die Schmerzen auftreten, wo der Schmerz sitzt, wie er sich anfühlt und ob Sie weitere Beschwerden haben. Oder haben Sie etwas Spezielles gegessen oder getrunken, bevor die Kopfschmerzen begannen?

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