Tauber Nerv Großer Zeh Anatomie: Ursachen, Diagnose und Behandlungsansätze

Ein Taubheitsgefühl im großen Zeh kann viele Ursachen haben und tritt oft einseitig auf. Dieses Symptom ist meist das Ergebnis von Störungen im Nervensystem oder Durchblutungsproblemen. Es ist wichtig, die genaue Ursache für die Taubheit zu identifizieren, um geeignete Therapiemaßnahmen einzuleiten. Im Folgenden werden die häufigsten Ursachen für einen tauben großen Zeh sowie mögliche Behandlungsansätze beleuchtet.

Anatomie des Fußes und der Nervenversorgung

Um die Ursachen für ein Taubheitsgefühl im großen Zeh zu verstehen, ist ein Blick auf die Anatomie des Fußes und die zugehörigen Nervenbahnen hilfreich.

Aufbau des Fußes

Der Fuß ist ein komplexes Gebilde aus zahlreichen Knochen, Muskeln, Sehnen und Nerven. Er besteht aus:

  • Mittelfuß: Der Mittelfuß besteht aus fünf Mittelfußknochen. Der Mittelfuß selbst besteht aus den Mittelfußknochen. Die Mittelfußknochenköpfchen sind mit einem Band, dem Ligamentum intermetatarsale, verbunden.
  • Zehen (Vorfuß): Der Fuß hat fünf Zehen, wobei die große Zehe als erste und die Kleinzehe als fünfte Zehe bezeichnet wird. Insgesamt bestehen unsere Füße aus jeweils 28 Knochen inklusive zwei Sesambeinen (kleine Knochen, die in eine Sehne eingebettet sind).
  • Fußsohle: Die Fußsohle ist die Unterseite des Fußes und gleichzeitig ein Fettpolster, das Stöße dämpfen kann. Zwischen den Muskeln und der Haut spannt sich eine Sehnenplatte aus Bindegewebe - die Plantaraponeurose (auch Plantarfaszie). Plantar bedeutet so viel wie „zur Fußsohle gehörend“. Die Sehnenplatte stabilisiert unter anderem das Längsgewölbe im Fuß. Außerdem ist sie mit der Haut der Fußsohle verwachsen und damit nicht verschiebbar. Das ermöglicht einen sicheren Stand.
  • Fußrücken: Die Oberseite des Mittelfußes wird als Fußrücken (auch Spann/Rist) bezeichnet.
  • Fußgewölbe: Jeder Fuß hat außerdem ein Längsgewölbe (von vorne nach hinten) und ein Quergewölbe (quer zum Längsgewölbe auf Höhe der Mittelfußknochen). Gebildet werden die Fußgewölbe von Sehnen, Bändern und Muskeln, die an den Fußknochen ansetzen.

Nervenversorgung des Fußes

Die Nerven, die die Zehen anregen, sitzen als Spinalnerven in der Lenden- und Sakralregionen der Wirbelsäule (Lendenwirbelsäule und Kreuzbein). Die Mittelfußnerven werden auch als Interdigitalnerven (Nervi digitales plantares communes) bezeichnet. Genau genommen handelt es sich dabei um Nervenäste, die zwischen den Mittelfußknochen an der Fußsohle bis in die Zehen und die Zehenzwischenräume verlaufen. Auf Höhe der Mittelfußknochen teilen sich diese beiden Nerven in die Interdigitalnerven auf. Verschiedene Nerven versorgen die Fußsohle. Sie ist die einzige Kontaktstelle zum Boden beim aufrechten Gang. Die Gefühlswahrnehmung ist sehr wichtig für die Steuerung des Gleichgewichts.

Ursachen für einen tauben großen Zeh

Ein tauber großer Zeh kann verschiedene Ursachen haben. Diese lassen sich grob in folgende Kategorien einteilen:

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Neurologische Ursachen

  • Polyneuropathie: Als Polyneuropathien werden verschiedene Erkrankungen bezeichnet, die das periphere Nervensystem betreffen. Das periphere Nervensystem umfasst jenes Nervensystem außerhalb des Gehirns und Rückenmarks. Wie der Name schon sagt, sind bei der Polyneuropathie gleich mehrere (griechisch: “poly” wie “viele”) periphere Nerven erkrankt, dementsprechend variieren auch die Symptome. Eine häufige Ursache für Polyneuropathie ist Diabetes mellitus.
  • Bandscheibenvorfall: Ein Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule (LWS) kann auf Nervenwurzeln drücken und so zu Taubheitsgefühlen im Bein und im großen Zeh führen. Taube Zehen können auf Spinalkanalstenosen und auch auf Bandscheibenvorfälle hindeuten, die außerdem auch gleichzeitig vorliegen können. Bei einem Bandscheibenvorfall, bei dem eine einseitige Symptomatik vorliegt, kann der sogenannte Radikulärschmerz (Radikulopathie) rechts oder links auch ins Bein ausstrahlen. Ein radikulärer, also ausstrahlender Schmerz tritt in dem Bereich auf, in dem der Nerv die Haut versorgt und bringt auch Taubheitsgefühle mit sich.
  • Tarsaltunnelsyndrom: Beim Tarsaltunnelsyndrom handelt es sich - ähnlich wie beim Karpaltunnelsyndrom am Handgelenk - um eine Nerveneinklemmung, die durch erhöhten Druck verursacht wird. Betroffen ist in diesem Fall der Nervus tibialis (Schienbeinnerv), der durch den Tarsaltunnel im Bereich des Innenknöchels verläuft und die Fußsohle versorgt. Ursächlich sind meist Fußfehlstellungen wie der Knick-Senkfuß oder Verletzungen.
  • Morton Neurom: Das Morton Neurom (auch Morton-Neuralgie oder Morton-Metatarsalgie) ist die Verdickung einer Nervenhülle im Mittelfuß. Sie tritt meistens zwischen der 3. und 4. Zehe auf und ist schmerzhaft, weil sie Druck auf den Nerv ausübt. Die Morton-Neuralgie ist eine Reaktion auf eine permanente Reizung der Nerven, weil diese dauerhaft zusammengedrückt werden (Kompression).
  • Nervenkompression: Mechanische Ursachen, wie Nervenkompression durch enge Schuhe oder Engpass-Syndrome (z.B. Morton Neurom), können ebenfalls zu Taubheitsgefühlen im Fuß führen.

Durchblutungsstörungen

  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK): Die PAVK ist eine Durchblutungsstörung der Arterien in den Beinen, die zu einer Minderversorgung der Nerven und Muskeln führen kann.
  • Weitere Durchblutungsstörungen: Durchblutungsstörungen zählen zu den häufigsten Ursachen für Taubheit im Fuß und betreffen vor allem Personen ab 50 Jahren. In Deutschland leiden etwa vier Millionen Menschen an Arteriosklerose, der Hauptursache für solche Störungen. Eine gesunde Lebensweise, einschließlich regelmäßigem Sport und der Vermeidung von zu engen Schuhen, kann das Risiko von Durchblutungsstörungen und damit verbundenen Taubheitsgefühlen erheblich senken.

Mechanische und strukturelle Ursachen

  • Falsches Schuhwerk: Taube Zehen oder ein Taubheitsgefühl im Fuß zum Beispiel auf der Oberseite wiederum können auch durch zu enges Schuhwerk oder das ständige Tragen von High-Heels begünstigt werden. Hochhackige oder enge, hohe Schuhe wie Wander- und Skischuhe können die Schmerzen beim Tarsaltunnelsyndrom auslösen oder sogar verstärken.
  • Fußfehlstellungen: Sind Knick-Senkfüße die Ursache für das Tarsaltunnelsyndrom, können auch Schuheinlagen helfen. Langfristig nach Abklingen der akuten Beschwerden sollte durch ein spezifisches Training der Fuß- und Beinmuskulatur die Fußfehlstellung reduziert werden. Je nach Ursache muss der Knick-Senkfuß operiert werden.

Systemische Erkrankungen

  • Diabetes mellitus: Diabetes ist ein wesentlicher Risikofaktor für Polyneuropathie, da unausgeglichene Blutzuckerwerte die Nerven schädigen können. Dauerhaft hohe Blutzuckerwerte können die Nerven schädigen und sich durch Symptome wie Kribbeln oder Taubheit äußern. Eine gute Kontrolle der Grunderkrankung ist entscheidend für Ihre Fußgesundheit.
  • Schilddrüsenunterfunktion: Systemische Erkrankungen, darunter Diabetes und Schilddrüsenunterfunktion, können ebenfalls zu Taubheitsgefühlen führen.

Weitere mögliche Ursachen

  • Vitaminmangel: Auch ein Mangel an Vitamin B12 kann taubheitsähnliche Symptome hervorrufen. Eine gesunde, ausgewogene Ernährung trägt zur Vorbeugung bei.
  • Entzündliche Erkrankungen: Entzündliche Erkrankungen wie Arthritis, Rheuma und rheumatoide Arthritis führen ebenfalls zu Schwellungen und Beschwerden im Bereich des Tarsaltunnels.

Symptome und Diagnose

Symptome

Die Symptome bei einem tauben großen Zeh können vielfältig sein und hängen von der zugrunde liegenden Ursache ab. Mögliche Symptome sind:

  • Taubheitsgefühl: Das Berührungsempfinden der Haut ist herabgesetzt. Betroffene haben das Gefühl, dass ein bestimmter Bereich der Haut (zum Beispiel die Hand) teilweise oder gänzlich ohne Empfinden ist.
  • Kribbeln: Viele Patienten berichten von einem Taubheitsgefühl oder Ameisenlaufen (Parästhesien) in der Fußsohle. Kribbeln oder Taubheit der Fußsohle - zum Teil bis in die Zehen - sind möglich. Manche haben auch das Gefühl, das ihr Fuß "einschläft".
  • Schmerzen: Patienten spüren unterschiedlich intensive, wechselnde Beschwerden. Zum Teil treten die Fußschmerzen als Nachtschmerzen mit Ausstrahlung in Ferse und Unterschenkel auf. Häufig nehmen die Schmerzen im Verlauf des Tages zu. Vor allem aber sind sie in der Nacht und in Ruhe zu spüren. Eine Zunahme der Schmerzen bei Belastung, insbesondere bei einem Trainingsstart nach langer Ruhephase, ist kennzeichnend.
  • Missempfindungen: Kribbeln, Ameisenlaufen und Taubheitsgefühl werden von den Betroffenen oft mit einem Gefühl des eingeschlafenen Fußes verglichen.

Diagnose

Für eine präzise Diagnose werden verschiedene Untersuchungsmethoden eingesetzt. Der Arzt wird eine umfassende körperliche Untersuchung durchführen, gefolgt von neurologischen Tests und bildgebenden Verfahren, um die genaue Ursache der Taubheitsgefühle zu ermitteln.

  • Anamnese: Der Orthopäde stellt eine Verdachtsdiagnose durch intensive Patientenbefragung. Dies ist der wichtigste Schritt: Bereits die Schilderung der Schmerzen durch den Patienten mit Brennen und Gefühlsstörungen an den Füßen weisen den Spezialisten eindeutig auf ein Tarsaltunnelsyndrom hin.
  • Körperliche Untersuchung: Im Bereich des Mittelfußes findest du eventuell besonders empfindliche Stellen. Durch Druck mit dem Daumen untersucht der Fußspezialist die im Tarsaltunnel verlaufenden Beugesehnen. Sowohl die Beugesehnen der Zehen als auch der Großzehen sind hier tastbar. Auch die Tibialis-posterior-Sehne (Sehne des vorderen Schienbeinmuskels) kann hier untersucht werden. Zudem verlaufen im Tarsaltunnel Blutgefäße und der Schienbeinnerv (Nervus tibialis). Druckschmerzen an einer typischen Stelle über dem Nervenverlauf des Nervus tibialis bestätigen den Verdacht während der klinischen Untersuchung durch den Fußspezialisten. Der untersuchende Arzt kann durch Beklopfen des Nerven bei der klinischen Untersuchung ein elektrisierendes, in die Fußsohle ausstrahlendes Gefühl auslösen (Tinel-Zeichen). Teilweise verstärken sich dabei die Schmerzen bei plötzlicher Bewegung des Fußes in Richtung Schienbein.
  • Neurologische Untersuchung: Wie die Taubheitsgefühle bzw. Sensibilitätsstörungen bewertet werden, wird im Rahmen der klinischen Untersuchung betrachtet. Ein Neurologe kann dabei zusätzlich zur klinischen Untersuchung auch Nervenmessungen durchführen.
  • Bildgebende Verfahren: Manchmal geben Röntgenbilder, Ultraschall, Kernspintomographie oder MRT (Magnetresonaztomographie) im Rahmen der Diagnostik in der Orthopädie näheren Aufschluss. Allerdings sind auch sie nicht eindeutig.
  • Weitere Diagnose-Verfahren: Ein weiteres Diagnose-Verfahren ist die Betäubung (Lokalanästhesie) des schmerzenden Bereichs mit einer Spritze.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung eines tauben großen Zehs richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Es ist wichtig, frühzeitig einen Arzt aufzusuchen, um eine genaue Diagnose zu erhalten und eine geeignete Therapie zu beginnen.

Konservative Behandlungen

  • Physiotherapie: Bei Nervenschäden oder mechanischen Problemen kann Physiotherapie helfen, die Nerven zu entlasten und die Durchblutung zu fördern. Spezielle Übungen kräftigen die Muskulatur in Fuß und Schienbein. Folgende Übungen dienen einer schmerzfreien sanften Mobilisation des Sprunggelenks und verbessern die Körperwahrnehmung.
  • Einlegesohlen: Spezielle orthopädische Einlagen sollen die Nerven im Mittel- und Vorfuß entlasten. Kurzfristig kann das die Schmerzen lindern.
  • Schuhwerk: Viele Betroffene bekommen den Tipp, geeignete Schuhe zu tragen oder auf hohe Absätze zu verzichten.
  • Medikamente: Bei Diabetes oder Durchblutungsstörungen können Medikamente zur Blutzucker- oder Blutdruckregulierung zum Einsatz kommen. Bei starken Entzündungen als Auslöser des Tarsaltunnelsyndroms sind schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente erforderlich. Bei schweren Entzündungen und Schwellung des Nerven ist zudem eine Kortisoninjektion möglich.
  • Injektionstherapie: Der Arzt therapiert die schmerzhafte Nervenveränderung am Tarsaltunnel primär durch Einspritzungen von lokalen Betäubungsmitteln. Oft werden bei dieser Methode entzündungshemmende Mittel wie Kortison gespritzt, die dafür sorgen sollen, dass der Nervenknoten abschwillt.

Operative Behandlungen

  • Dekompression: Eine Möglichkeit besteht in der operativen Beseitigung aller einengenden Strukturen (Dekompression) und Freilegung des Nervs (Neurolyse).
  • Neurektomie: Eine zweite Möglichkeit ist es, den Nerv zu durchtrennen (Neurektomie) und gezielt Nervengewebe abzutragen. Diese Methode gilt als letzter Ausweg: Sie ist sehr wirksam gegen Schmerzen; sie führt jedoch auch zu einem dauerhaften Verlust des Empfindungsvermögens im betroffenen Hautbereich.

Selbsthilfemaßnahmen

  • Fußpflege: Diabetiker sollten ihre Füße regelmäßig kontrollieren und pflegen, um Schäden an den Nerven frühzeitig zu erkennen und Komplikationen vorzubeugen.
  • Gewichtsreduktion: Gegebenenfalls kann eine Gewichtsreduktion hilfreich sein.
  • Vermeidung enger Kleidung: Vermeiden Sie das Tragen enger Hosen. Vermeiden Sie Streckbewegungen im Hüftgelenk.

Prävention

Um einem tauben großen Zeh vorzubeugen, sollten einige Maßnahmen ergriffen werden. Dazu zählen eine gesunde Lebensweise, die Kontrolle von Blutzucker und Blutdruck, das Tragen von gut sitzendem Schuhwerk und die regelmäßige Bewegung.

Komplikationen

Allgemeine Komplikationen

Kleine Blutergüsse und Schwellungszustände nach der operativen Beseitigung der Morton-Metatarsalgie klingen in der Regel spontan ab. Bei stärkerer Schwellung sollten neben einer Lockerung des Verbandes zusätzlich mehrmals täglich Eispackungen angewendet werden. Die Wunde darf hierbei nicht feucht werden.

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Infektionen

Die Entzündungshäufigkeit (Infektionsrate) bei unseren Patienten nach einer mikrochirurgischen Behandlung der Morton-Metatarsalgie ist sehr niedrig. Bei Anzeichen einer Infektion, d.h. Schwellung, pochenden Schmerzen im Operationsbereich, Rötung oder gar Entleerung von Eiter aus der Wunde muss sofort ein Arzt aufgesucht werden, um eine gezielte Behandlung einzuleiten. Am günstigsten ist die umgehende Vorstellung in unserer Klinik.

Taubheitsgefühl

Häufig besteht bereits vor der Operation ein Taubheitsgefühl der Zehen bedingt durch die Morton-Metatarsalgie.

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