Taubheitsgefühl nach Darmspiegelung: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Eine Darmspiegelung (Koloskopie) ist eine wichtige Untersuchung zur Früherkennung und Behandlung von Darmkrebs und anderen Erkrankungen des Dickdarms. Obwohl es sich um ein risikoarmes Verfahren handelt, können in seltenen Fällen Nebenwirkungen auftreten, darunter auch Sensibilitätsstörungen wie Taubheitsgefühle. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für Taubheitsgefühle nach einer Darmspiegelung und gibt einen Überblick über Behandlungsansätze.

Was ist eine Darmspiegelung?

Bei einer Darmspiegelung führt der Arzt einen flexiblen Schlauch mit einer Kamera (Koloskop) durch den After in den Dickdarm ein. Dies ermöglicht die Beurteilung der Darmschleimhaut und die Entdeckung von Polypen, Tumoren, Entzündungen oder Blutungen. Während der Untersuchung können Gewebeproben entnommen oder Polypen entfernt werden.

Mögliche Ursachen für Taubheitsgefühle nach einer Darmspiegelung

Taubheitsgefühle nach einer Darmspiegelung können verschiedene Ursachen haben:

1. Paralytischer Ileus (Darmlähmung)

Ein paralytischer Ileus ist eine Lähmung der Darmmuskulatur, die den Weitertransport des Darminhalts behindert. Dies führt zu einer Ansammlung von Speisebrei, Gasen und Flüssigkeit im Darm, was wiederum zu einer Dehnung der Darmwand und Symptomen wie Bauchschmerzen, Blähungen, Übelkeit, Erbrechen und Verstopfung führen kann.

Ursachen für einen paralytischen Ileus:

  • Operationen: Insbesondere Operationen im Bauchraum können die Darmfunktion beeinträchtigen.
  • Medikamente: Einige Medikamente, wie starke Schmerzmittel (Opioide), Antidepressiva oder Narkosemittel, können eine Darmlähmung auslösen.
  • Erkrankungen: Erkrankungen des Nervensystems (z.B. Parkinson, Alzheimer, Multiple Sklerose), Stoffwechselstörungen (z.B. Diabetes mellitus, Leber- oder Nierenerkrankungen) oder Krebserkrankungen können ebenfalls einen paralytischen Ileus verursachen.
  • Elektrolytstörungen: Ein Mangel an Mineralien wie Kalium, Kalzium oder Magnesium kann die Darmfunktion beeinträchtigen.
  • Verletzungen: Schwere Verletzungen, beispielsweise von Becken oder Wirbelsäule, können zu einer Darmlähmung führen.

Vorbeugung und Behandlung:

  • Frühzeitige Bewegung und Nahrungsaufnahme nach dem Eingriff können die Darmtätigkeit anregen.
  • Kaugummikauen kann ebenfalls vorbeugend wirken.
  • Die Behandlung eines paralytischen Ileus zielt darauf ab, den Darm zu entleeren und die Darmbewegungen wieder anzuregen. Dies kann durch vorübergehende Nahrungskarenz, Infusionen, eine Magensonde zur Ableitung von Magen- und Dünndarminhalt, Einläufe oder Medikamente zur Anregung der Darmbewegung erreicht werden.

2. Appendizitis

In seltenen Fällen kann eine Darmspiegelung eine Entzündung des Blinddarms (Appendizitis) auslösen. Eine Studie hat gezeigt, dass das Risiko für eine Appendizitis in der ersten Woche nach einer Darmspiegelung erhöht ist. Bei anhaltenden Schmerzen im rechten Unterbauch nach einer Koloskopie sollte daher an eine mögliche Appendizitis gedacht werden.

Lesen Sie auch: Was tun bei Taubheitsgefühl im Schienbein?

3. Polyneuropathie

Polyneuropathie ist eine Erkrankung der peripheren Nerven, die sich durch Kribbelmissempfindungen, Taubheitsgefühle, Schmerzen oder Muskelschwäche äußern kann. Sie beginnt meist an den Füßen und breitet sich dann strumpfförmig nach oben aus.

Ursachen für Polyneuropathie:

  • Grunderkrankungen: Polyneuropathie kann als Folge von Diabetes mellitus, Autoimmunerkrankungen, Tumorerkrankungen, Stoffwechselstörungen, Infektionen (z.B. Hepatitis B und C) oder Vitaminmangel auftreten.
  • Medikamente: Einige Medikamente, insbesondere Chemotherapeutika, können Nervenschäden verursachen.
  • Alkoholmissbrauch: Übermäßiger Alkoholkonsum kann ebenfalls zu einer Polyneuropathie führen.
  • Idiopathische Polyneuropathie: In einigen Fällen bleibt die Ursache der Polyneuropathie unklar.
  • Hereditäre Polyneuropathie: Seltenere, erblich bedingte Nervenerkrankungen können ebenfalls eine Polyneuropathie verursachen.

Behandlung:

Die Behandlung der Polyneuropathie richtet sich nach der Ursache. Wenn eine Grunderkrankung vorliegt, sollte diese behandelt werden. Bei medikamenteninduzierter Polyneuropathie kann eine Dosisreduktion oder ein Absetzen des Medikaments in Erwägung gezogen werden. Zusätzlich können Medikamente zur Linderung der Symptome eingesetzt werden. Physiotherapie, Ergotherapie und Elektrotherapie können ebenfalls hilfreich sein.

4. Chemotherapie-induzierte periphere Neuropathie (CIPN)

Bei Krebspatienten kann eine Chemotherapie zu einer Schädigung der peripheren Nerven führen, was als Chemotherapie-induzierte periphere Neuropathie (CIPN) bezeichnet wird. Symptome sind Kribbeln, Brennen, Taubheitsgefühle, Muskelschwäche oder Schmerzen in Händen und Füßen.

Ursachen:

Chemotherapeutika können Nervenenden, Nervenzellen oder die isolierende Hülle um die Nervenzellfortsätze herum zerstören und so den Stoff- und Informationsaustausch zwischen Nervenzellen und Gewebe behindern.

Behandlung:

  • Dosisanpassung: In einigen Fällen kann eine Verringerung der Dosis des nervenschädigenden Medikaments helfen, die Beschwerden zu lindern.
  • Bewegungstraining: Regelmäßiges Bewegungstraining, insbesondere der Finger- und Zehenfunktionen, kann die Nervenfunktion verbessern.
  • Physiotherapie, Ergotherapie und Elektrotherapie: Diese Therapieformen können helfen, die Symptome zu lindern und dieFunktion der betroffenen Gliedmaßen zu verbessern.
  • Medikamentöse Behandlung: Medikamente können zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen eingesetzt werden.
  • Vorkehrungen treffen: Patient*innen, die mit Probleme mit Kältereizen haben, sollten sich nicht zu lange in kalten Räumen oder bei kaltem Wetter draußen aufhalten, ohne sich entsprechend zu schützen. Um sich sicher fortzubewegen, sollten Vorkehrungen wie festes Schuhwerk oder eine Gehhilfe getroffen werden. Verletzungen, wie Schnittwunden oder Verbrennungen an Händen und Füßen werden später oder gar nicht wahrgenommen, wenn das Empfinden an diesen Stellen stark eingeschränkt ist. Wer bei lauten Geräuschen an Tinnitus leidet, sollte laute Umgebungen meiden.

5. Lagerungsschäden und Nervenreizungen

Während der Darmspiegelung liegt der Patient in Seitenlage. In seltenen Fällen kann es durch die Lagerung oder durch Injektionen (z.B. bei der Verabreichung von Beruhigungsmitteln) zu Nervenreizungen oder Druckschäden kommen, die Taubheitsgefühle verursachen können. Diese Beschwerden verschwinden in der Regel nach einiger Zeit von selbst oder sind gut behandelbar.

Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Taubheitsgefühl in den Füßen

6. Lokale Betäubung

Bei der Magenspiegelung wird oft eine örtliche Betäubung des Rachens durchgeführt. Nach der Untersuchung kann es dadurch zu Heiserkeit und einem tauben Gefühl im Mund kommen. Dieses Taubheitsgefühl klingt jedoch nach kurzer Zeit von allein wieder ab.

7. Psychische Faktoren

Viele Krebspatienten kennen Gefühle wie innere Unruhe, Nervosität und Angst. Abgeschlagenheit, körperliche Verspannungen sowie Anspannung während und nach einer Krebstherapie sind belastend. Entspannungstechniken können Krebspatienten helfen, Verspannungen und Verkrampfungen zu lösen, Ängste zu mildern und die eigenen Kräfte zu stärken.

Diagnose von Sensibilitätsstörungen

Zur Diagnose von Sensibilitätsstörungen nach einer Darmspiegelung wird der Arzt zunächst eine ausführliche Anamnese erheben und eine körperliche Untersuchung durchführen. Dabei werden die Beschwerden genau erfragt und die Sensibilität, Motorik und Reflexe überprüft.

Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen erforderlich sein, wie z.B.:

  • Blutuntersuchungen: zur Abklärung von Stoffwechselstörungen, Entzündungen oder Infektionen
  • Neurologische Untersuchungen: zur Messung der Nervenleitgeschwindigkeit und zur Beurteilung der Nervenfunktion
  • Bildgebende Verfahren: wie Röntgen, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT), um andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Nach einer Darmspiegelung sollte man umgehend einen Arzt aufsuchen, wenn folgende Symptome auftreten:

Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Knieprellung und Taubheitsgefühl

  • Starke Bauchschmerzen
  • Fieber
  • Schweißausbrüche
  • Blutabgang über den Darmausgang
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Neu auftretende oder sich verschlimmernde Taubheitsgefühle oder andere Sensibilitätsstörungen

tags: #taubheitsgefuhl #nach #darmspiegelung