Aktuelle Behandlungsansätze für Migräne: Ein umfassender Überblick

Migräne ist weit mehr als nur Kopfschmerz - sie ist eine neurologische Erkrankung mit einer Vielzahl von Symptomen. Neben dem Schmerz treten oft Licht- und Lärmempfindlichkeit, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, kognitive Störungen oder sogar Sprach- und Sensibilitätsprobleme auf. Manche erleben auch eine Aura mit Sehstörungen, Taubheitsgefühlen oder Lähmungen vor der Schmerzphase. Die Behandlung von Migräne hat sich in den letzten Jahren erheblich weiterentwickelt. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über aktuelle Therapieansätze, von Akutbehandlungen bis hin zu präventiven Maßnahmen und neuen Entwicklungen.

Was ist Migräne?

Migräne äußert sich in wiederkehrenden Kopfschmerzattacken, die in der Regel zwischen 4 und 72 Stunden andauern können. Der Schmerz wird oft als pulsierend-pochend und von mittlerer bis starker Intensität beschrieben, der sich unter körperlicher Anstrengung verschlimmert. Häufig treten Begleitsymptome wie Übelkeit bis hin zu Erbrechen sowie Geräusch- und Lichtempfindlichkeit auf. Viele Patienten leiden während der Episoden, teilweise auch davor und danach, unter starker Müdigkeit und Erschöpfung.

Einige Patienten entwickeln zudem Migräneauren. Darunter versteht man verschiedene neurologische Symptome, insbesondere Sehstörungen, die mit einem Teil der Migräneepisoden auftreten. Dazu zählen visuelle Phänomene wie Lichtblitze, Zick-Zack-Linien oder Einschränkungen des Sichtfelds. Seltener können auch Sensibilitätsstörungen in Form von Kribbeln oder Taubheitsgefühlen in Armen, Beinen oder dem Gesicht auftreten, ebenso Sprachstörungen und in Ausnahmefällen auch Lähmungserscheinungen.

Da Migräne familiär gehäuft auftritt, wissen die Betroffenen meist schon sehr früh, dass es sich bei Ihren Kopfschmerzattacken um Migräne handelt. Die genauen Ursachen der Migräne sind noch immer nicht eindeutig geklärt. Ging man früher von Entzündungsreaktionen an den Blutgefäßen des Gehirns aus, so vermutet man inzwischen eine Fehlsteuerung im Zentralnervensystem als Hauptursache. Auch Veränderungen an den Gefäßen werden aber weiter diskutiert. Fest steht: Migräneattacken können durch verschiedene Trigger ausgelöst werden, die individuell unterschiedlich sein können. Als häufige Auslöser gelten z.B.

Wichtig zu verstehen ist, dass Migräne keine psychosomatische Erkrankung oder irrelevante Befindlichkeitsstörung ist. Vielmehr hat die Migräne eine genetische Grundlage - meist gibt es auch andere Betroffene in der Familie. Andere körperliche Faktoren wie hormonelle Einflüsse spielen dann ebenso wie muskulo-skelettale Faktoren (z.B. Muskelverspannungen) hinsichtlich des Verlaufs eine Rolle. Auch psychosoziale Faktoren oder Belastungen können den Verlauf beeinflussen.

Lesen Sie auch: Einblicke in die Arbeit von Thorsten Warnecke

Migräne ist eine Filterfunktionsstörung: Das Gehirn reagiert überempfindlich auf Reize wie Licht, Geräusche oder Gerüche. In Kombination mit typischen Schmerzen oder Schwindel ist die Diagnose meist klar.

Diagnose und Abgrenzung

Viele Menschen leben jahrelang mit Migräne, ohne es zu wissen. In Hausarztpraxen fehlt oft das nötige Wissen oder die Erfahrung. Die Diagnose von Migräne basiert hauptsächlich auf der Anamnese und der Beschreibung der Symptome durch den Patienten. Es gibt keine spezifischen Tests, die Migräne eindeutig bestätigen können. Die Diagnose wird in der Regel gestellt, wenn der Patient wiederkehrende Kopfschmerzattacken hat, die bestimmte Kriterien erfüllen, wie z.B.:

  • Mindestens fünf Attacken, die die Kriterien für Migräne erfüllen.
  • Kopfschmerzen, die 4-72 Stunden andauern (unbehandelt oder erfolglos behandelt).
  • Kopfschmerzen mit mindestens zwei der folgenden Merkmale:
    • Einseitige Lokalisation
    • Pulsierender Charakter
    • Mittlere oder starke Intensität
    • Verschlimmerung durch körperliche Aktivität
  • Während des Kopfschmerzes mindestens eines der folgenden Symptome:
    • Übelkeit und/oder Erbrechen
    • Licht- und/oder Lärmempfindlichkeit

Es ist wichtig, andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen, insbesondere wenn neue oder ungewöhnliche Symptome auftreten. In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns erforderlich sein, um andere Erkrankungen auszuschließen.

Akutbehandlung von Migräne

Die Akutbehandlung zielt darauf ab, die Symptome einer Migräneattacke so schnell wie möglich zu lindern. Es gibt verschiedene medikamentöse und nicht-medikamentöse Optionen:

  • Triptane: Triptane sind gut verträglich, allseits verfügbar und wirksam - vorausgesetzt, sie werden richtig angewendet. Gerade bei langen Attacken sind sie sehr hilfreich. Triptane lindern schnell die akuten Symptome, ihre Wirkung kann aber nachlassen.
  • Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR): Ergänzt man sie mit einem langwirksamen Schmerzmittel wie Naproxen, lassen sich Wiederkehrkopfschmerzen verhindern. Die Kombination aus Triptan und NSAR ist daher ein durchdachter Ansatz. Viele empfehlen, Triptan zu Beginn, NSAR ein bis zwei Stunden später einzunehmen, doch das ist in der Praxis oft umständlich. Eine Fixkombination wie Sumatriptan plus Naproxen vereinfacht die Anwendung, verbessert die Therapietreue und wirkt länger.
  • Andere Schmerzmittel: Bei leichteren Attacken können auch einfache Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen ausreichend sein.
  • Antiemetika: Gegen Übelkeit und Erbrechen können Antiemetika wie Metoclopramid oder Domperidon eingesetzt werden.

Prophylaktische Behandlung von Migräne

Die prophylaktische Behandlung zielt darauf ab, die Häufigkeit, Dauer und Intensität von Migräneattacken zu reduzieren. Sie kommt in Frage, wenn die Attacken sehr häufig auftreten oder die Akutbehandlung nicht ausreichend wirksam ist. Es gibt verschiedene medikamentöse und nicht-medikamentöse Optionen:

Lesen Sie auch: Überblick: Thorsten Schulte, Neurologe

  • Betablocker: Betablocker wie Propranolol oder Metoprolol werden häufig zur Migräneprophylaxe eingesetzt.
  • Antidepressiva: Einige Antidepressiva wie Amitriptylin oder Venlafaxin können ebenfalls zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden.
  • Antiepileptika: Antiepileptika wie Topiramat oder Valproinsäure können ebenfalls zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden.
  • Monoklonale Antikörper: Noch recht neu sind Therapien mit monoklonalen Antikörpern, mit denen erstmals eine sehr spezifisch wirkende Migräneprophylaxe entwickelt wurde.
  • Nicht-medikamentöse Maßnahmen: Insbesondere zur vorbeugenden Therapie spielen auch nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Entspannungsverfahren, regelmäßiger Ausdauersport, die Einhaltung eines regelhaften Lebensrhythmus und Behandlungsansätze aus der psychologischen Schmerztherapie eine sehr wichtige Rolle.

Neue Entwicklungen in der Migränebehandlung

Die Forschung im Bereich der Migränebehandlung hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Einige vielversprechende neue Entwicklungen sind:

  • CGRP-Inhibitoren: CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) ist ein Botenstoff, der bei der Entstehung von Migräne eine wichtige Rolle spielt. CGRP-Inhibitoren sind eine neue Klasse von Medikamenten, die diesen Botenstoff blockieren und so Migräneattacken verhindern können.
  • Botulinumtoxin (Botox): Falten wegspritzen - dafür ist Botox bisher bekannt. Maihöfner setzt es schon seit Langem erfolgreich gegen Migräne ein. Der Wirkstoff macht gerade einen echten Imagewechsel durch. Bisher kannten ihn die meisten als Lifestyle-Mittel gegen Falten und denken an aufgetakelte Hollywood-Stars, wenn von Botox die Rede ist. Das Nervengift lähmt Muskeln und glättet so auch Lach-, Schmunzel- oder Zornesfalten, die mit dem Alter immer tiefer werden.

Der Patient im Mittelpunkt: Individuelle Therapieansätze

Wir setzen stark auf Aufklärung. In unserer Klinik begleiten wir Patienten eng, geben ihnen verschiedene Medikamente zum Testen mit und helfen, den Umgang individuell zu erlernen. Es geht darum, dass Betroffene ihre Erkrankung verstehen und sich selbst helfen können. Deshalb betreiben wir auch einen Instagram-Kanal wo wir Wissen niedrigschwellig vermitteln und den Austausch fördern. Viele Menschen haben Angst vor Medikamenten, vor allem vor Nebenwirkungen. Diese Ängste müssen wir ernst nehmen, aber auch relativieren, denn viele Befürchtungen bewahrheiten sich gar nicht.

Je nach Intensität und Ausprägung gibt es verschiedene langjährig bewährte medikamentöse Therapien - sowohl für akute Attacken, als auch zur vorbeugenden Therapie, d.h. zur Reduktion der Häufigkeit von Attacken.

Unser Fachzentrum hält individuelle Therapie-Angebote für Patientinnen und Patienten mit psychischen und psychosomatischen Erkrankungen bereit. Unser Behandlungsteam aus Medizinerinnen und Medizinern, Psychologinnen und Psychologen sowie Therapeutinnen und Therapeuten begegnet Ihnen mit hoher Fachkompetenz und persönlicher Wertschätzung. Unser Behandlungsansatz ist vorwiegend verhaltensmedizinisch ausgerichtet. In unserer Klinik lernen Sie, Ihre psychosomatische Erkrankung zu erkennen und zu verstehen. Gleich zu Beginn Ihres Aufenthalts in unserer Klinik werden Sie einer Bezugstherapeutin oder einem Bezugstherapeuten zugeteilt. Unter Supervision der ärztlichen und therapeutischen Leitung entwickelt die Bezugstherapeutin oder der Bezugstherapeut gemeinsam mit Ihnen einen individuellen Behandlungsplan, der neben den psychotherapeutischen Einzel- und Gruppentherapien (zum Beispiel Problemlösegruppe, Gruppentherapie soziale Kompetenz, Indikativgruppe zu verschiedenen Störungsbildern, Achtsamkeitsgruppe) auch Entspannungstechniken, nonverbale Therapien (Gestaltungs- oder Körpertherapie), Biofeedback, Sporttherapie sowie bei medizinischer Indikation physikalische Therapien umfassen kann.

Alternative und ergänzende Behandlungen

Neben den konventionellen medizinischen Behandlungen gibt es auch eine Reihe von alternativen und ergänzenden Therapien, die bei Migräne helfen können. Dazu gehören:

Lesen Sie auch: Umfassender Überblick: Thorsten Kelter, Neurologe

  • Akupunktur: Einige Studien haben gezeigt, dass Akupunktur die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken reduzieren kann.
  • Biofeedback: Biofeedback ist eine Technik, bei der Patienten lernen, ihre Körperfunktionen wie Herzfrequenz und Muskelspannung zu kontrollieren. Dies kann helfen, Stress abzubauen und Migräneattacken vorzubeugen.
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Yoga können helfen, Stress abzubauen und Migräneattacken vorzubeugen.
  • Ernährung: Einige Menschen mit Migräne stellen fest, dass bestimmte Nahrungsmittel oder Getränke ihre Attacken auslösen. Es kann hilfreich sein, ein Ernährungstagebuch zu führen, um mögliche Auslöser zu identifizieren und zu vermeiden.

Wichtige Aspekte im Umgang mit Migräne

  • Frühzeitige Behandlung: Je früher eine Migräneattacke behandelt wird, desto besser sind die Chancen, die Symptome schnell zu lindern.
  • Regelmäßigkeit: Ein regelmäßiger Tagesablauf mit ausreichend Schlaf, regelmäßigen Mahlzeiten und regelmäßiger Bewegung kann helfen, Migräneattacken vorzubeugen.
  • Stressmanagement: Stress ist ein häufiger Auslöser von Migräneattacken. Es ist wichtig, Stress abzubauen und Entspannungstechniken zu erlernen.
  • Selbsthilfe: Betroffene sollten sich über ihre Erkrankung informieren und lernen, wie sie sich selbst helfen können. Es gibt viele Selbsthilfegruppen und Online-Foren, in denen sich Betroffene austauschen und Unterstützung finden können.

tags: #thorsten #weiss #migrane