Spezialisierung auf Epilepsie in der Veterinärmedizin: Ein umfassender Überblick

Die Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen bei Tieren, insbesondere bei Hunden und Katzen. Die Diagnose und Behandlung dieser komplexen Erkrankung erfordert spezialisiertes Wissen und Erfahrung. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Spezialisierung auf Epilepsie in der Veterinärmedizin, einschließlich der Ursachen, Diagnose, Behandlung und des Managements von Epilepsie bei Haustieren.

Die Neurologie in der Tiermedizin

Die Tierneurologie befasst sich mit Erkrankungen des Nervensystems, das vom zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) über das periphere Nervensystem bis hin zu den blutversorgenden Gefäßen reicht. Neurologische Erkrankungen können sich auf vielfältige Weise äußern, oft durch unspezifische Symptome. Krampfanfälle, Lähmungen, unerklärliche Schwächen oder der Verlust von Seh- oder Hörvermögens können Anzeichen einer neurologischen Störung sein.

Die Diagnose beginnt mit einer klinischen Untersuchung, einem ausführlichen Gespräch mit dem Tierhalter und standardisierten Tests der Reflexe und Reaktionen. Je nach Krankheitsbild können zudem Blutuntersuchungen, CT, Röntgen oder die Entnahme von Rückenmarksflüssigkeit zum Einsatz kommen. Ein besonders wichtiges Diagnoseinstrument ist die Magnetresonanztomographie (MRT), die detaillierte dreidimensionale Informationen ohne Strahlenbelastung liefert.

Epilepsie: Eine Erkrankung des Gehirns

Epilepsie ist eine Erkrankung des Gehirns, bei der sich Nervenzellen unkontrolliert entladen. An einem sogenannten "epileptischen Fokus" entwickelt sich eine unkontrollierte, hochfrequente Entladung von Nervenzellen, die sich über weite Teile des Gehirns ausbreiten kann. Die Anfälle eines Patienten breiten sich immer über die gleichen Bahnen und neuronalen Netzwerke aus und treten langfristig leichter auf.

Anfallsformen und Symptome

Bei Haustieren werden verschiedene Anfallsformen unterschiedlicher Intensität unterschieden. Allen gemeinsam ist eine Bewusstseinstrübung, meist auch Speichelfluss. Oft werden die Anfälle von Harn- oder Kotabsatz, Ruderbewegungen und emotionalen Ausbrüchen begleitet. Angst oder Anhänglichkeit können auftreten, wenn das Bewusstsein während des Anfalls nicht vollständig verloren geht. Serielle Anfälle bestehen aus mehr als einem Anfall in 24 Stunden.

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Ein epileptischer Anfall folgt meistens einer gewissen Dramaturgie. Vor der massiven Entladung der Nervenzellen kann es zu Störungen der normalen Hirnfunktion kommen, die sich in Nervosität, dem Bedürfnis nach Nähe, Ängstlichkeit oder Verhaltensänderungen äußern können. Nach einem Anfall kann es zu Desorientiertheit, Abwesenheit, Blindheit oder gelähmten Gliedmaßen kommen.

Ursachen von Epilepsie

Ein epileptischer Anfall entsteht, wenn das Gleichgewicht zwischen elektrischer Erregung und Eindämmung dieser Erregung verschoben wird. Dieses Ungleichgewicht kann durch Ursachen im Gehirn oder außerhalb des Gehirns verursacht werden.

Innere Ursachen: Erkrankungen anderer Organe, die zu Stoffwechselstörungen führen, wie Lebererkrankungen (z.B. portosystemischer Shunt), Nieren- oder Nebennierenerkrankungen sowie Erkrankungen der Nebenschilddrüse.

Äußere Ursachen: Gifte in der Umwelt, wie Insektenvernichtungsmittel, Schneckenkorn oder Frostschutzmittel.

Strukturelle Ursachen: Veränderungen der normalen Struktur des Gehirns, wie Missbildungen, Virusinfektionen, Gehirnentzündungen (z.B. immunvermittelte Enzephalitiden), Blutungen oder Hirninfarkte.

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Wenn alle Ursachen für eine sekundäre oder reaktive Epilepsie ausgeschlossen sind, wird die Diagnose "primäre" oder "idiopathische Epilepsie" gestellt. In diesem Fall wird von einer Schädigung einzelner Nervenzellen ausgegangen, die nicht auf die normalen Signale zur Eindämmung der elektrischen Aktivität reagieren oder selbstständig aktiv sind. Mehr als die Hälfte der epileptischen Patienten haben eine genetische Veranlagung, sodass von einer erblichen Form der Epilepsie gesprochen wird.

Diagnose von Epilepsie

Da es keinen spezifischen Test zum Nachweis von Epilepsie gibt, müssen andere mögliche Ursachen für die Anfälle schrittweise ausgeschlossen werden. Die Diagnose beginnt mit einer gründlichen Anamnese, in der die klinische Darstellung der Anfälle, ihre Häufigkeit, Dauer und mögliche Auslöser erfasst werden. Es muss sichergestellt werden, dass es sich tatsächlich um einen epileptischen Anfall handelt und nicht um eine andere Erkrankung wie eine Gleichgewichtsstörung oder eine Herzerkrankung.

Eine neurologische Untersuchung kann Hinweise auf Schädigungen anderer Bereiche des Nervensystems liefern. Eine Blutuntersuchung kann Hinweise auf Organschäden und Stoffwechselstörungen liefern. Bei Verdacht auf eine sekundäre Epilepsie muss die zugrunde liegende Ursache behandelt werden.

Behandlung von Epilepsie

Ziel der Behandlung ist es, die Anfallshäufigkeit zu reduzieren und die Lebensqualität des Tieres zu verbessern. Bei sekundären Epilepsien muss die Grunderkrankung behandelt werden. Bei primärer Epilepsie werden Medikamente eingesetzt, die die elektrische Aktivität im Gehirn dämpfen. Diese müssen in der Regel lebenslang eingenommen werden und dürfen nicht eigenständig abgesetzt werden.

In der Veterinärmedizin gibt es drei zugelassene Wirkstoffe zur Dauertherapie: Imepitoin, Phenobarbital und Kaliumbromid. Phenobarbital und Kaliumbromid erfordern Serumkontrollen zur Einstellung und können Nebenwirkungen wie Gangunsicherheiten, Müdigkeit, Hunger und Durst verursachen. Bei unzureichender Anfallskontrolle können Antiepileptika auch kombiniert werden. In schwierigen Fällen können weitere Substanzen aus der Humanmedizin eingesetzt werden.

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Rund 75 % der Tiere sprechen gut auf ein Antiepileptikum an und können ein relativ normales Leben führen. Bei etwa 25 % der Tiere ist die Anfallskontrolle jedoch unzureichend. In einem geringen Prozentsatz der Fälle kann es zu einer Therapieresistenz kommen.

Studien zum therapeutischen Nutzen einer Nahrungsumstellung lassen hoffen, dass mittelkettige Triglyzeride, insbesondere die Caprinsäure, sich günstig auf die Anfallskontrolle auswirken können. Vereinzelt wird auch vom Einsatz der Akupunktur berichtet.

Notfallmaßnahmen bei einem Anfall ("Status epilepticus")

Unter einem "Status epilepticus" versteht man Anfallsaktivität, die nicht wie üblich von selbst aufhört. Ohne tierärztliche Hilfe ist dies ein lebensbedrohlicher Zustand. Die ständige Muskelkontraktion führt zu einer Überbelastung des Körpers. Die Abfallprodukte des Muskelstoffwechsels können die Niere schädigen. Ein massiver Ausstoß von Adrenalin steigert zunächst den Blutdruck und führt zu erhöhter Herzaktivität, was schließlich in einem Überlastungs-Herzstillstand münden kann.

Epilepsie-Management nach Dr. Benjamin Berk

Dr. Benjamin Andreas Berk betreibt seit 2016 klinische, nicht-invasive Wissenschaft im Überschneidungsgebiet von Veterinärneurologie und Diätetik am Royal Veterinary College der Universität in London. Im Rahmen einer multizentrischen Studie in Europa untersucht er die Wirksamkeit von mittelkettigen Fettsäuren (MCT) als Futterergänzungsmittel auf die idiopathische Epilepsie und Komorbiditäten des Hundes.

Dr. Berk betont die Notwendigkeit eines 5-Säulen-Therapiemanagements (Notfallmedikation, Dauermedikation, Ernährung, Verhaltens- und Umweltmanagement, VETducation), um das Tier vor Hirnschäden, Verhaltensbegleiterkrankungen und einem verkürzten Leben zu schützen. Um die Epilepsie eines Patienten im Zusammenhang mit Medikation, Fütterung und Alltag beurteilen zu können, setzt er bewertbare Werkzeuge und Stellschrauben nach einem Prinzip ein. Dazu gehören Wirkstoffe, Wirkstoffkombinationen, Dosierungen, Notfallmaßnahmen, Anfallstagebücher, Fragebögen, Besitzererfahrungen und die Ernährung.

Dementsprechend verändert er umstandsabhängig immer nur einen Parameter für einen mit dem Patientenhalter abgestimmten Zeitraum (zumeist 4 bis 12 Wochen je nach Werkzeug). Die Anfallsdaten werden dann anschließend vor und nach der Veränderung verglichen und im Nutzen für den Patienten bewertet. In der Therapie setzt er auf eine Phasenplanung für den Besitzer und Patienten mit der Ausrichtung “medikamentös” oder “nutritiv”. Ziel ist es, einen "roten Faden" für Tierarzt, Besitzer und Patient zu entwickeln, der die Epilepsie besser verstehen und kontrollieren lässt. Medikamente und Ernährungsweisen sollen sich in diesem Prozess ergänzen und verschiedene Aspekte der Anfallskontrolle und Lebensqualität aufgreifen. Zum Schutze der Patienten bleibt die medikamentöse Behandlung an erster Stelle der Epilepsiekontrolle. Wichtig ist ihm, die Patientenhalter aufzuklären.

Spezialisierte Tierärzte für Epilepsie

Für die Diagnose und Behandlung von Epilepsie ist die Expertise eines spezialisierten Tierarztes unerlässlich. Diese Tierärzte haben eine zusätzliche Ausbildung in Neurologie absolviert und verfügen über umfassende Kenntnisse in der Diagnose und Behandlung von neurologischen Erkrankungen, einschließlich Epilepsie.

Ein Beispiel ist Frau Dr., die von 2012 bis 2014 als Doktorandin im Service Neurologie der Medizinischen Kleintierklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München arbeitete und 2018 promovierte. Nach einem spezialisierten Internship im Bereich Notfallmedizin und Anästhesie war sie bis 2018 als Notdiensttierärztin an der gleichen Klinik tätig. Anschließend sammelte sie ein Jahr lang Erfahrung als Produktmanagerin in einer pharmakologischen Firma, bevor sie ihre Residency im Bereich Neurologie an der Medizinischen Kleintierklinik absolvierte. Ihre Schwerpunkte liegen in der Epilepsieberatung, -abklärung und Therapie, einschließlich der EEG-Diagnostik (Gehirnstrommessung) und Elektrodiagnostik.

Die Klinik bietet Beratungen zu allen neurologischen Erkrankungen an, die bei Assistenztieren auftreten, und ist insbesondere auf Erkrankungen von Hunden und Katzen spezialisiert. Sie diagnostizieren und behandeln Notfälle wie Lähmungen, Gleichgewichtsstörungen und Krämpfe sowie die langfristige Behandlung chronischer Krankheiten wie idiopathische Epilepsie, Enzephalitis, Myositis und Polyneuropathie. Aufgrund der einzigartigen Spezialisierung der Klinik beraten sie Patienten aus der Ferne, aus anderen Städten oder Ländern.

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