Schlangen, Spinnen, Kegelschnecken und giftige Frösche sind seit jeher Quellen der Faszination - und der Gefahr. Doch was uns einerseits bedroht, kann uns andererseits auch heilen. Die Erforschung von Tiergiften hat in den letzten Jahrzehnten zu bahnbrechenden Fortschritten in der Medizin geführt, insbesondere bei der Behandlung neurologischer Erkrankungen wie Parkinson, Alzheimer und Schlaganfall.
Die Bedrohung und das Potenzial: Tiergifte im Fokus der Forschung
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass jährlich über fünf Millionen Menschen von Schlangen gebissen werden, was zu bis zu 137.000 Todesfällen und dreimal so vielen Amputationen oder bleibenden Behinderungen führt. Im Vergleich dazu gab es im Jahr 2023 weltweit nur 69 registrierte Haiangriffe. Diese Zahlen verdeutlichen die Relevanz der Erforschung von Gegengiften.
Seit der Erforschung der Schlangengifte wird aber auch versucht, die Gifte medizinisch zu nutzen. In den 1970er-Jahren gelang auf diesem Gebiet ein Durchbruch. Aus den Schlangengiften konnten Peptide gewonnen werden, die medizinisch nutzbar sind. Das bekannteste Beispiel ist Captopril, ein Medikament zur Blutdrucksenkung, das aus dem Gift der Jararaca-Lanzenotter gewonnen wird. Das Gift dieser Grubenotter enthält Teprotide. Dieses Gift bewirkt, dass der Blutkreislauf des Opfers zusammenbricht und die Schlange so an ihr Opfer herankommt. Zum einen gelang es, ein Gegengift zu entwickeln, um Menschen nach einem Biss vor größeren Schäden zu bewahren. Captopril hemmt die Aktivität des Angiotensin-Converting-Enzyms (ACE). Diese Hemmung führt zu einer Erweiterung der Blutgefäße und damit zu einer Senkung des Blutdrucks. Das Medikament ist seit den 1980er-Jahren auf dem Markt.
Auch Spinnengifte bergen ein enormes Potenzial. Weltweit gibt es etwa 51.000 bisher entdeckte Spinnenarten, und jedes Jahr kommen etwa 500 bis 700 neue Arten hinzu. Fast alle Spinnen sind giftig, ihre Gifte setzen sich aus mehreren tausend Toxinen zusammen, im Vergleich zu Schlangengiften, die nur einige hundert Toxine enthalten. Spinnengifte sind in erster Linie Nervengifte, die auf das zentrale Nervensystem wirken. Das zentrale Nervensystem ist auch für das menschliche Schmerzempfinden verantwortlich. Die Lösung könnte in einem der Millionen Spinnengifte liegen. Tim Lüddecke ist Biochemiker, Zoologe und Leiter der Arbeitsgruppe Tiergifte am Fraunhofer-Institut in Gießen. "Ein kleines Zahlenbeispiel. In den 51.000 bisher entdeckten Spinnenarten gibt es etwa 10 Millionen Gifte.
Fortschritte durch Technologie: Tiergifte im Fokus
Die technischen Entwicklungen der letzten Jahre, Robotik, Systembiologie, Biotechnologie und künstliche Intelligenz, haben die Erforschung von Tiergiften auf ein ganz neues Niveau gehoben. Kleinste Tiere wie millimetergroße Spinnen oder Mücken können so (besser) untersucht werden. Mit Hilfe dieser Technologien können die Gifte dieser Tiere erforscht werden. "Wir können die Gifte darin ausfindig machen. Und wenn wir sie ausfindig gemacht haben, können wir die Gene, die eben dieses Gift produzieren, in Bakterienzellen einbauen und so diese Gifte im Labormaßstab produzieren und testen.
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Beispiele für medizinische Anwendungen von Tiergiften
Hi1a: Schutz vor Schlaganfallfolgen: Ein Toxin der Fraser Island Trichternetzspinne, Hi1a, könnte vor Folgeschäden von Schlaganfällen schützen. Bei einem Schlaganfall kommt es zu einer Durchblutungsstörung im Gehirn. Die Gehirnzellen erhalten keinen Sauerstoff mehr und sterben ab. Hi1a blockiert bestimmte Ionenkanäle und schützt so die Zellen bei einem Schlaganfall vor dem Absterben. Ein weiterer großer Vorteil von Hi1a ist, dass es nicht blutverdünnend wirkt. Das ist für die Behandlung eines Schlaganfalls entscheidend. Ein wesentlicher Vorteil des Hi1a-Toxins besteht darin, dass es unmittelbar nach der Diagnose eines Schlaganfalls, unabhängig von der Art des Schlaganfalls, eingesetzt werden kann. Das Peptid Hi1a könnte daher ein neuer Durchbruch in der Medizin sein.
Ziconotid: Schmerzlinderung durch Kegelschneckengift: Aus dem Gift der Kegelschnecke wurde das Schmerzmittel Ziconotid entwickelt. Es wird bei starken chronischen Schmerzen eingesetzt. Vor allem dann, wenn andere Medikamente nicht mehr helfen. Das Gift ist sehr stark, tausendmal stärker als Morphium. Im Gegensatz zu Morphium dockt es aber nicht an die Nikotinrezeptoren an. Es macht also nicht abhängig. Der Nachteil des Schmerzmittels ist allerdings, dass man Ziconotid nicht einfach oral, z.B. als Tablette, einnehmen kann. Es muss mit einer Spritze direkt in das Rückenmark gespritzt werden.
Forschung an der Blut-Hirn-Schranke: Ein Forschungsteam der Universität Wien und des Austrian Institute of Technology untersucht, wie sich bestimmte Peptide aus Tiergiften in Transportvehikel verwandeln lassen. Im Labor simulieren die Wissenschaftler eine künstliche Blut-Hirn-Schranke. Sie soll zeigen, welche Substanzen diese Barriere passieren können. Nur wenige Bestandteile der Gifte kommen dafür infrage - doch einige, wie das Skorpiongift-Chlorotoxin oder ein Peptid eines australischen Froschs, zeigen bereits vielversprechende Ergebnisse. Diese Substanzen könnten künftig als eine Art Shuttle fungieren, die das Medikament sicher und gezielt ins Gehirn transportiert. Besonders größere Wirkstoffe wie therapeutische Antikörper - bisher meist zu groß oder zu wasserlöslich - könnten mit diesen Shuttles direkt ins Gehirn gelangen. Das würde gezieltere Behandlungen erlauben und potenzielle Nebenwirkungen verringern. Statt einzelne Medikamente speziell anzupassen, könnte ein solches Transportmittel flexibel für verschiedene Therapien genutzt werden.
Tiergifte und Parkinson: Ein vielversprechendes Forschungsfeld
Die Zahl der Parkinson-Erkrankungen nimmt zu. Obwohl die Krankheit nicht heilbar ist, können moderne Therapien und Technologien den Verlauf gut verlangsamen. Dank seiner antioxidativen und zellschützenden Eigenschaften wird Silymarin auch im Zusammenhang mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer intensiv erforscht.
Ethische Aspekte und Herausforderungen
Die Erforschung von Tiergiften birgt auch ethische Herausforderungen. "Um das festzustellen, müsste man die Giftigkeit am Menschen experimentell testen… das ist menschenrechtlich schwierig", erklärt Tim Lüddecke. Tatsächlich ist die Beantwortung dieser Frage nicht so einfach. Man müsste sich zuerst einmal fragen. Für wen giftig? "Die meisten Spinnen sind für Fliegen giftig aber für den Menschen harmlos", erklärt er weiter. Um wissenschaftlich fundiert sagen zu können, welche Tiere für den Menschen am giftigsten sind, müsste man das an Menschen testen. Natürlich gibt es Tiere, die eine hohe Toxizität in sich tragen. Dazu gehört die Seewespe (eine Art der Würfelquallen), aber auch die bereits erwähnte Kegelschnecke. Doch welches dieser Tiere ist für den Menschen giftiger? "Ab einer bestimmten Toxizität spielt das keine Rolle mehr", sagt Lüddecke. Die Seewespe und die Kegelschnecke seien die giftigsten Tiere für den Menschen. Aber beide sind so giftig, dass es letztlich keine Rolle spielt.
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Alternative Therapieansätze und ihre Bedeutung
Neben der konventionellen Medizin gibt es auch alternative Therapieansätze, die bei neurologischen Erkrankungen wie Parkinson eingesetzt werden. Dazu gehören:
Cranio-Sacral-Therapie: Diese Therapieform basiert auf der Annahme, dass die Schädelknochen beweglich sind und dass Blockierungen im Cranio-Sacral-System Beschwerden verursachen können. Durch sanfte Berührungen und Bewegungen sollen diese Blockierungen gelöst werden. Unser Schädel ist aus ca. 20 einzelnen Knochen zusammengesetzt. Der amerikanische Arzt Dr. William Sutherland entdeckte Anfang des letzten Jahrhunderts, dass die Schädelnähte (=bindegewebige Verbindungen zwischen diesen Knochen) nicht verknöchern, sondern in geringem Umfang beweglich bleiben. John Upledger (amerikanischer Chirurg, Prof. für Biomechanik) wies in den 70er Jahren mit einem interdisziplinären Team den Cranio-Sacral-Rhythmus wissenschaftlich nach und erweiterte die Therapie um den Bereich des SOMATO-EMOTIONAL RELEASE (SER). Er stieß auf das Phänomen des Gewebegedächtnisses, was besagt, dass Gewalt, die auf den Körper einwirkt, als „Energiezyste“ gespeichert werden kann. Dies kann langfristig zu Veränderungen der Körperstatik und zu diversen Erkrankungen führen.
Pflanzenheilkunde: Die Pflanzenheilkunde ist eine der ältesten Therapieformen und wird auch heute noch in der Schulmedizin und der Komplementärmedizin eingesetzt. Die Heilkräfte der Pflanzen können direkt (z.B. als Tee oder Salbe) oder als Fertigarzneimittel verabreicht werden. In der Schulmedizin werden bevorzugt Einzelwirkstoffe von Pflanzen verwendet. Die Pflanzenheilkunde ist wohl die älteste bekannte Therapieform und sie ist auch heute noch in der Schulmedizin, genauso wie in der Komplementärmedizin stark vertreten. Die Heilkräfte der Pflanzen können dabei ganz direkt genutzt werden, z.B. in Form von Tee, Tinkturen oder Salben, oder als Fertigarzneimittel verabreicht werden. In der Schulmedizin werden bevorzugt Einzelwirkstoffe von Pflanzen verwendet (z.B. aus Extrakten oder synthetisch reproduziert) und nicht die ganze Pflanze. Der Vorteil gegenüber selbst gebrauten Tees ist der standardisierte Wirkstoffgehalt und somit eine exakte Dosierbarkeit.
Homöopathie: Die Homöopathie arbeitet nach dem Prinzip "Ähnliches heilt Ähnliches". Dabei werden Stoffe, die bei gesunden Menschen bestimmte Symptome auslösen, in potenzierter Form zur Behandlung von Kranken eingesetzt. Je genauer das Arzneimittelbild mit der Gesamtheit der Symptome des Patienten übereinstimmt, desto größer ist die Chance, dass das Mittel anschlägt. So wurde für jede Pflanze, jedes Mineral, etc. ein ganz spezifisches „Arzneimittelbild“ gefunden. Je genauer das Arzneimittelbild mit der Gesamtheit der Symptome des Patienten übereinstimmt, desto größer ist die Chance, dass das Mittel anschlägt. „Potenzierung“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Ausgangssubstanz in mehreren, aufeinander folgenden Schritten immer wieder verdünnt und verschüttelt oder verrieben wird. Erst durch diese spezielle Zubereitung wird die heilende „Information“ des Mittels für den Menschen verwertbar, entsteht die homöopathische Wirkung. Ohne Potenzierung wäre es Pflanzenheilkunde, Edelsteintherapie etc.. In der Komplexmittelhomöopathie werden mehrere synergistisch wirkende homöopathische Mittel kombiniert.
Spagyrik: Die Spagyrik ist ein alchemistisches Heilsystem, das auf den Lehren von Paracelsus basiert. Ziel der spagyrischen Arzneimittelherstellung ist es, die Wirkkraft der Pflanze durch verschiedene Prozesse (Gärung, Destillation, Veraschung) zu erhöhen. Der Begriff Spagyrik findet seine erste literarische Erwähnung bei Paracelsus, dem großen Heilkundigen, der die abendländische Medizin vor 500 Jahren so entscheidend geprägt hat. Er bezeichnet damit jenen Teil der Alchemie, welcher der Heilkunst gewidmet ist. Das Ziel und damit das Besondere an der spagyrischen Arzneimittelherstellung ist nun, die eigentliche Wirkkraft, das Essentielle, das Wesen, das „Geistartige“ der Pflanze, des Minerals oder des Metalls aufzuschließen und hierdurch die Heilkraft des Mittels zu erhöhen, zu veredeln, zu „läutern“. Dies geschieht durch verschiedene Prozesse in der Herstellung (klassisch: Gärung, Destillation, Veraschung, evtl. auch Extraktion und Filtration), wodurch die drei Wesensglieder der Arznei (Sal, Sulfur, Mercurius) in möglichst reiner Form dargestellt werden. Anschließend werden die verschiedenen Anteile wieder zusammengefügt.
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PEP (Prozess- und Embodimentfokussierte Psychologie): PEP ist eine Kombination aus psychodynamischen, systemischen und hypnotherapeutischen Strategien, die darauf abzielt, emotionale Blockaden zu lösen und das Selbstbewusstsein zu stärken. PEP® (nach Dr. PEP®(nach Dr. M. Es ist zum einen den bifokal-multisensorischen Interventionstechniken (also gleichzeitig Klopfen, Zählen, Sätze sprechen…) wie EMDR, EMI oder Brainspotting zuzurechnen. Darüber hinaus ist PEP eine Kombination von psychodynamischen, systemischen und hypnotherapeutischen Strategien. Besonders elegant finde ich bei PEP, dass das zu bearbeitende Thema nicht erst ausführlich vom Patienten dargestellt werden muss, sondern dass ein kurzes Benennen (z.B. „ich habe schreckliche Angst einen Vortrag zu halten“) genügt, um gleich mit der Bearbeitung der auftauchenden Emotionen und zugehörigen parafunktionalen Gedanken zu beginnen.
Familienstellen: Beim Familienstellen werden die Beziehungen innerhalb einer Familie oder eines Systems aufgestellt, um unbewusste Dynamiken und Verstrickungen sichtbar zu machen und Lösungen zu finden. Bewegende, kraftvolle Lösungen kristallisieren sich beim Familienstellen heraus, ohne dass die „alten Geschichten“ detailliert dargestellt werden müssen. Es ist jedoch hierzu wichtig, einige Fakten aus der Familie zu kennen (z.B. wieviele Personen gehören zur Familie? Gibt es „schwarze Schafe“? Ist jemand früh gestorben?
Astromedizin: Die Astromedizin verknüpft Astrologie und Heilkunst. Sie geht davon aus, dass die Planetenkräfte Auswirkungen auf den Menschen haben und dass anhand des Geburtshoroskops individuelle Behandlungsstrategien entwickelt werden können. In der Astromedizin werden Astrologie und Heilkunst verknüpft. Sie bietet erstaunliche diagnostische und therapeutische Möglichkeiten über die Methoden der gängigen Naturheilverfahren und Schulmedizin hinaus. Über ein komplexes Analogiesystem können den einzelnen Planeten, Häusern und Tierkreiszeichen sowohl Krankheitsdispositionen, als auch Heilmittel und Therapieverfahren zugeordnet werden.
Kunsttherapie: Die Kunsttherapie nutzt kreative Prozesse, um die Selbstwahrnehmung und den Ausdruck von Gefühlen zu fördern. Durch das Gestalten können unbewusste Inhalte sichtbar gemacht und bearbeitet werden. Im Gestalten kann sich Unbewusstes auf dem Weg der Symbolisierung zeigen. Sonst Unzugängliches wird sichtbar und im Gestaltungsprozess bearbeitet und verwandelt. So ist das entstandene Bild oder die Skulptur nicht nur Ausdruck, sondern auch Eindruck und wirkt auf den Gestaltenden zurück. Das ermöglicht, unbekannte oder abgespaltene Anteil wieder in die Persönlichkeit zu integrieren, die Seele ganz werden zu lassen. Die Hauptinitiative liegt hier beim Patienten/ Klienten, der Therapeut ist v.a. Begleiter. Dies drückt sich auch in der Klientenkompetenz aus, die besagt, dass zunächst nur der Klient sein Werk interpretiert. Es gibt keine festgelegte Symbolsprache, wie z.B. in der Psychoanalyse oder Traumdeutung. Schwarz ist z.B.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Wirksamkeit dieser alternativen Therapieansätze wissenschaftlich umstritten ist und dass sie nicht als Ersatz für eine konventionelle medizinische Behandlung angesehen werden sollten.
Umweltgifte und neurologische Erkrankungen
Es gibt Hinweise darauf, dass Umweltgifte eine Rolle bei der Entstehung neurologischer Erkrankungen spielen könnten. So werden beispielsweise Amalgamfüllungen, Pestizide und andere Chemikalien mit einem erhöhten Risiko für Alzheimer, Parkinson und andere Erkrankungen in Verbindung gebracht.
Die Rolle von Silymarin
Silymarin, einExtrakt aus der Mariendistel, wird ebenfalls im Zusammenhang mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer intensiv erforscht. Silymarin ist laut Studien:
- antioxidativ
- entzündungshemmend (antiinflammatorisch)
- galletreibend (choleretisch)
- regenerationsfördernd
- leberschützend (hepatoprotektiv)
- narbenhemmend (antifibrotisch)
- Abwehrkräfte-stärkend (immunmodulatorisch)
Dank seiner antioxidativen und zellschützenden Eigenschaften wird Silymarin auch im Zusammenhang mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer intensiv erforscht.