Die toxische Polyneuropathie ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, die durch schädigende Einflüsse von Toxinen verursacht wird. Diese Toxine können vielfältiger Natur sein, wie beispielsweise Alkohol, bestimmte Medikamente oder Chemikalien. Die Erkrankung äußert sich durch eine gestörte Reizweiterleitung der Nervenfasern, was zu Empfindungsstörungen, Schmerzen und Muskelschwäche führen kann. Neben der medizinischen Behandlung spielt die Ernährung eine wichtige Rolle bei der Linderung der Symptome und der Verlangsamung des Krankheitsverlaufs.
Ursachen und Symptome der Polyneuropathie
Die Polyneuropathie kann verschiedene Ursachen haben, wobei toxische Einflüsse eine bedeutende Rolle spielen. Zu den häufigsten Ursachen gehören:
- Alkohol: Chronischer Alkoholkonsum ist eine häufige Ursache der alkohol-assoziierten Polyneuropathie.
- Medikamente: Immuncheckpointinhibitoren und Zytostatika (Chemotherapie-induzierte Neuropathie (CIN)/Chemotherapie-induzierte Polyneuropathie (CIPN)) wie Doxorubicin (A), Etoposid (A), Gemcitabin (A), Ifosfamid (A), Platin(derivate) (A), Cisplatin, Vincristin, Vincaalkaloide (A), Taxane (A; z.B. Paclitaxel, Docetaxel).
- Weitere Ursachen: Infektionskrankheiten, Autoimmunerkrankungen, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, Vitamin-B12-Mangel und chronische Niereninsuffizienz.
Die Symptome einer Polyneuropathie können vielfältig sein und sich je nach betroffenem Nerventyp unterscheiden. Häufige Symptome sind:
- Taubheitsgefühl in Füßen und Händen, oft beginnend in den Zehen.
- Unsicherer Gang, Gefühl "wie auf Watte gehen".
- Neuropathische Schmerzen (brennend, stechend).
- Vermindertes Empfinden von Kälte und Wärme.
- Muskelschwäche bis hin zu Lähmungen.
Ernährungstherapie bei Polyneuropathie
Um die Beschwerden einer Polyneuropathie dauerhaft zu lindern, werden häufig ganzheitliche Behandlungsmethoden angewendet. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung stellt eine solche Maßnahme dar. Die Ernährungstherapie zielt darauf ab, die Nervenfunktion zu unterstützen, Entzündungen zu reduzieren und den Körper mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen. Eine sinnvolle Ernährungsstrategie kann die Beschwerden positiv beeinflussen. Besonderer Schwerpunkt liegt auf antioxidativen und entzündungshemmenden Lebensmitteln sowie einer ausreichenden Zufuhr von B-Vitaminen.
Wichtige Nährstoffe und Lebensmittel
- B-Vitamine: Insbesondere die Vitamine B1, B6 und B12 sind essentiell für gesunde Nerven und deren Regeneration. Gute Quellen sind Hülsenfrüchte, Vollkornbrot, Weizenkeime, Rindfleisch und Hühnchen. Bei einer alkoholbedingten Polyneuropathie kommt es häufig zu einer Mangelernährung, bei der es an B-Vitaminen und anderen Vitaminen mangelt. Diese Mangelernährung kann die Beschwerden verstärken und das Fortschreiten der Polyneuropathie begünstigen. Auch bei einer diabetischen Polyneuropathie kommt es darauf an, genügend B-Vitamine aufzunehmen. B-Vitamine sind in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Spinat und anderem Gemüse enthalten. Reich an Vitamin B12 sind Fisch, Fleisch, Eier und Milch. Menschen, die sich vegan ernähren, leiden häufig unter einem Mangel an Vitamin B12 und können dieses Vitamin als Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen. In geringen Mengen kommt dieses B-Vitamin in Hülsenfrüchten vor. Bei einer diabetischen Polyneuropathie wählen Sie magere Milchprodukte wie mageren Frischkäse, Quark oder mageren Joghurt. Mageres Fleisch wie Geflügel ist wertvoller als Schweinefleisch und andere fettreiche Fleisch- oder Wurstsorten.
- Antioxidantien: Vitamin C und E, Alpha-Liponsäure, Zink und sekundäre Pflanzenstoffe (Polyphenole, Beta-Carotin) reduzieren oxidativen Stress, wirken protektiv und entzündungshemmend. Enthalten in Karotten, Tomaten, Spinat, Brokkoli, Vollkorngetreide, Hafer und fermentierten Lebensmitteln. Alpha-Liponsäure ist als schwefelhaltige Fettsäure in jeder Körperzelle enthalten. Sie liefert Energie und ist ein Antioxidans. Alpha-Liponsäure wird häufig zur Behandlung einer peripheren Nervendegeneration verwendet. Sie ist in Brokkoli, Spinat und Tomaten enthalten.
- Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Alpha-Linolensäure unterstützen eine gesunde Nervenfunktion und wirken entzündungshemmend. Gute Quellen sind fetter Fisch (Lachs, Makrele), Nüsse, Lein- und Rapsöl sowie Avocado. Gesunde Fettsäuren mit entzündungshemmender Wirkung sind Omega-3-Fettsäuren. Sie dienen als Nahrung für das Nervensystem und können helfen, Nervensignale besser zu übertragen. Sie sind in fetten Fischen wie Heringen, Makrelen und Lachs, aber auch in Chia- und Leinsamen enthalten.
- Ballaststoffe: Bei einer diabetischen Polyneuropathie ist eine ballaststoffreiche Ernährung von Bedeutung. Ihr Energiebedarf sollte etwa zur Hälfte mit Kohlenhydraten gedeckt werden, doch kommt es darauf an, dass die Kohlenhydrate einen niedrigen glykämischen Index haben. Der glykämische Index informiert darüber, wie schnell und wie stark ein Lebensmittel zum Anstieg des Blutzuckerspiegels beiträgt. Ballaststoffe haben einen niedrigen glykämischen Index und sorgen dafür, dass Kohlenhydrate langsamer ins Blut gehen. Reich an Ballaststoffen sind Vollkornprodukte, Nüsse, Obst und Gemüse. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, täglich mindestens 30 Gramm Ballaststoffe aufzunehmen. Bei einer diabetischen Polyneuropathie werden sogar 40 Gramm Ballaststoffe täglich empfohlen.
Zu vermeidende Lebensmittel
Verschiedene Lebensmittel können die Beschwerden bei einer Polyneuropathie verstärken und das Fortschreiten der Erkrankung begünstigen. Unabhängig davon, ob es sich um eine diabetische Polyneuropathie oder eine andere Form der Polyneuropathie handelt, stellen zuckerhaltige Getränke wie Cola und Limonaden eine Gefahr für einen steigenden Blutzuckerspiegel dar. Stattdessen greifen Sie zu Mineral- oder Leitungswasser, ungesüßten Früchte- oder Kräutertees oder Saftschorlen. Auch Weißmehlprodukte und Fertiggerichte wirken sich negativ auf die Erkrankung aus. In Fertiggerichten sind versteckte Fette und Zucker enthalten. Auch Geschmacksverstärker, die in Fertigprodukten enthalten sind, schaden der Gesundheit. Handelt es sich um eine alkoholtoxische Polyneuropathie, ist Alkohol für Sie tabu. Auch bei anderen Formen der Polyneuropathie ist Alkohol schädlich.
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- Alkohol und Tabak: Diese Substanzen fördern das Voranschreiten der Nervenschädigung.
- Zucker und Weißmehl: Diese Produkte können Entzündungen fördern und den Blutzuckerspiegel negativ beeinflussen. Die Reduktion von Zucker- und Weißmehlprodukten ist leider sehr wichtig für die Linderung der Polyneuropathie Symptome. Die gute Nachricht: Unsere Geschmacksknospen gewöhnen sich recht schnell an einen zuckerreduzierten Genuss.
- Verarbeitete Lebensmittel: Fertiggerichte enthalten oft versteckte Fette, Zucker und Geschmacksverstärker, die schädlich sein können.
Ernährungsempfehlungen für Diabetiker mit Polyneuropathie
Da circa 20-30 % aller Diabetiker langfristig an einer Polyneuropathie erkranken, sollte ein besonderes Augenmerk auf den Zuckerkonsum gelegt werden. Hauptziel ist es, den Diabetes und Langzeit-Blutzuckerwert optimal einzustellen, um die Entstehung von Folgeerkrankungen zu vermeiden. Mittlerweile ist bekannt, dass die Einnahme von Metformin einen Vitamin-B12-Mangel begünstigen kann. Um einer Polyneuropathie vorzubeugen, sollte deshalb auf eine Vitamin-B-reiche Ernährung geachtet werden.
Sind Sie Diabetiker, können Sie mit der geeigneten Ernährung nicht nur die Beschwerden der Polyneuropathie besser in den Griff bekommen, sondern auch zur Regulierung des Blutzuckerspiegels beitragen. Achten Sie auf eine geeignete Ernährung, benötigen Sie häufig weniger Schmerzmittel, die durch starke Nebenwirkungen gekennzeichnet sind.
- Blutzuckerkontrolle: Ein stabiler Blutzuckerspiegel ist entscheidend. Vermeiden Sie starke Blutzuckerschwankungen durch den Konsum von Lebensmitteln mit niedrigem glykämischen Index.
- Ballaststoffreiche Ernährung: Fördert eine langsame und gleichmäßige Aufnahme von Kohlenhydraten.
- Gesunde Fette: Pflanzliche Fette (Olivenöl, Rapsöl, Sonnenblumenöl) sind tierischen Fetten vorzuziehen. Besonders gesund sind kaltgepresste Öle, beispielsweise kaltgepresstes Olivenöl. Mit diesen Ölen sparen Sie Kohlenhydrate ein, was sich positiv auf den Blutzuckerspiegel auswirkt.
Allgemeine Ernährungstipps
- Ernährungsgewohnheiten regelmäßig überdenken: Passen Sie Ihre Ernährung nach jeder ärztlichen Kontrolle an.
- Tierische Produkte reduzieren: Betrachten Sie Fleisch und Milchprodukte als Delikatessen, die man nur hin und wieder genießt. Tierische Eiweiße in Form von Fleisch und Milchprodukten fördern (in zu großen Mengen) die Bildung von Entzündungen. Bei vielen Polyneuropathie Arten beteiligen sich entzündliche Prozesse an der Schädigung der Nerven. Daher gibt es Hinweise darauf, dass die Schwere der Polyneuropathie Symptome teils davon abhängt, ob man Entzündungen durch die Ernährung eher begünstigt oder hemmt.
- Frühstück: Unsere Mägen mögen es warm.
- Natürliche Fette: Nach neusten Erkenntnissen sind natürliche Fette, trotz der Kalorien, absolut gesund. Sie können sogar helfen Kohlenhydrate einzusparen, wenn ihr Anteil an der Energieversorgung hoch genug ist. Industriell gehärtete Transfette wiederum sind gesundheitsschädlich, fördern die Entstehung von Entzündungen und gehören nicht auf unseren Speiseplan. Kaltgepresste Öle wie Leinöl, Rapsöl oder Hanföl tuen dem Körper gut. Selbst kleine Mengen an Butter oder Sahne sind gesund.
- Kohlenhydrate: Man sollte grundsätzlich mit allen Arten von Kohlenhydraten begrenzt umgehen. Sowohl „gesundes“ Vollkorn als auch „ungesunde“ Zuckerprodukte belasten in großen Mengen den Stoffwechsel und das Immunsystem. Vollkornprodukte erfüllen immerhin andere wichtige Aufgaben, dennoch sollte die Zufuhr von Kohlenhydraten von Produkten abgelöst werden, die nicht zu einer großen Schleim-Bildung neigen.
- Langsam essen: Dadurch funktioniert die Verdauung besser, man merkt eher das Sättigungsgefühl und es schmeckt besser.
- Nicht zu spät die letzte Mahlzeit einnehmen: Verdauungsorgane arbeiten nachts viel langsamer, daher liegt unsere Nahrung bei spätem Essen zu lange im Darm.
- Keinesfalls Stress durch Essen abbauen: Wer Stress hat, kurz mal inne gehen.
- Übersäuerung vermeiden: Übersäuerung ist Ursprung vieler Krankheiten. Schon der Medizinnobelpreisträger Dr. Es gibt viele gute Methoden gegen Übersäuerung. 1 TL Zeolith micronisiert in 225 ml Wasser am Tag ist eine davon.
Weitere unterstützende Maßnahmen
Neben der Ernährung können weitere Maßnahmen helfen, die Symptome der Polyneuropathie zu lindern:
- Bewegungstherapie: Regelmäßige Bewegung und spezielle Übungen verbessern das Gleichgewicht und die Gangsicherheit. Sensomotorisches Training ist besonders empfehlenswert. Nicht zu unterschätzen ist zudem eine ausreichende Bewegung im Alltag und spezielle kräftigende Übungen, um die Symptome einer Polyneuropathie zu lindern. Sensomotorisches Training verbessert das Gleichgewicht sowie die Gangsicherheit.
- Physiotherapie und Ergotherapie: Sind wesentliche Bestandteile der Behandlung von Polyneuropathie und des Guillain-Barré-Syndroms (GBS). Sie sollen die Mobilität erhalten beziehungsweise wiederherstellen, die Muskelkraft verbessern und die Koordination fördern.
- Schmerzmanagement: Medikamente wie Antikonvulsiva, Antidepressiva oder spezielle Schmerzmittel können helfen, die Schmerzen zu lindern. Viele Patient:innen mit Polyneuropathie leiden unter Schmerzen. Das Schmerzmanagement kann Medikamente wie Antikonvulsiva, Antidepressiva oder spezielle Schmerzmittel umfassen, die die Schmerzen lindern. Unsere Fachkräfte bei Asklepios sind darauf spezialisiert, einen umfassenden Behandlungsplan zu erstellen, der alle Aspekte der Erkrankung berücksichtigt.
- Kühlen der Hände und Füße während der Chemotherapie: Gemäß einer Studie konnten die Symptome einer CIPN bei Mammakarzinom-Patienten (Brustkrebspatienten) durch Kühlen der Hände und Füße 30 Minuten vor, während und 30 bis 60 Minuten nach der Chemotherapie mithilfe eines Gerätes verringert bzw.
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