Die Trigeminusneuralgie ist eine Erkrankung, die durch heftige, attackenartige Gesichtsschmerzen gekennzeichnet ist. Obwohl die genauen Ursachen nicht immer bekannt sind, können verschiedene Faktoren eine Rolle spielen, darunter auch Erkältungen. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Zusammenhänge zwischen Erkältungen und Trigeminusneuralgie, die verschiedenen Ursachen der Erkrankung, ihre Symptome und die verfügbaren Behandlungsoptionen.
Was ist Trigeminusneuralgie?
Die Trigeminusneuralgie ist eine Erkrankung des fünften Hirnnervs, des Nervus trigeminus, der für die Gefühlswahrnehmung im Gesicht verantwortlich ist. Betroffene leiden unter plötzlichen, einschießenden Schmerzen, die sich wie Stromschläge anfühlen können. Die Schmerzen treten meist einseitig auf und können durch alltägliche Aktivitäten wie Sprechen, Kauen oder Berühren des Gesichts ausgelöst werden.
Einteilung der Trigeminusneuralgie
Mediziner unterscheiden verschiedene Formen der Trigeminusneuralgie:
- Klassische Trigeminusneuralgie: Hierbei wird der Nerv durch ein benachbartes Blutgefäß komprimiert.
- Symptomatische Trigeminusneuralgie: Diese Form wird durch andere Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Raumforderungen verursacht.
- Idiopathische Trigeminusneuralgie: In diesen Fällen lässt sich keine eindeutige Ursache feststellen.
Mögliche Ursachen einer Trigeminusneuralgie nach Erkältung
Obwohl eine direkte Verbindung zwischen Erkältung und Trigeminusneuralgie nicht eindeutig belegt ist, gibt es mehrere mögliche Mechanismen, wie eine Erkältung die Erkrankung beeinflussen könnte:
- Entzündung der Nasennebenhöhlen (Rhinosinusitis): Eine Erkältung kann zu einer Entzündung der Nasennebenhöhlen führen. Da die Nasennebenhöhlen in enger räumlicher Beziehung zum Trigeminusnerv stehen, könnte eine Entzündung in diesem Bereich den Nerv reizen und eine Neuralgie auslösen.
- Geschwächtes Immunsystem: Nach einer Erkältung ist der Körper oft geschwächt und das Immunsystem beansprucht. Dies könnte die Anfälligkeit für verschiedene Symptome erhöhen, einschließlich Schmerzen im Bereich des Trigeminusnervs.
- Herpesviren: In einigen Fällen können Herpesviren, die sich in Nervenzellen festsetzen, durch eine Erkältung reaktiviert werden und eine Entzündung des Trigeminusnervs verursachen.
Rhinosinusitis als möglicher Auslöser
Eine Rhinosinusitis, die oft im Zusammenhang mit einer Erkältung auftritt, kann eine Trigeminusneuralgie begünstigen. Die Nasennebenhöhlen umfassen:
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- Kieferhöhlen: Unter den Augen (N. trigeminus)
- Siebbeinzellen: Zwischen den Augen (Schädelbasis)
- Stirnhöhle
- Keilbeinhöhlen: "Versteckt", von extern nicht palpabel/zugänglich
Eine Entzündung dieser Bereiche kann den Trigeminusnerv reizen und zu den typischen Schmerzattacken führen.
Weitere Ursachen der Trigeminusneuralgie
Neben Erkältungen und Rhinosinusitis gibt es weitere mögliche Ursachen für eine Trigeminusneuralgie:
- Gefäßkompression: Bei der klassischen Trigeminusneuralgie drückt ein Blutgefäß auf den Trigeminusnerv, was zu einer Schädigung der Myelinscheide führen kann.
- Multiple Sklerose: Diese Autoimmunerkrankung kann die Myelinscheiden der Nerven im Gehirn und Rückenmark schädigen, einschließlich des Trigeminusnervs.
- Tumoren: In seltenen Fällen können Tumoren auf den Trigeminusnerv drücken und eine Neuralgie verursachen.
- Zahnprobleme: Infektionen oder Entzündungen im Zahnbereich können sich auf den Trigeminusnerv ausbreiten und Schmerzen verursachen.
Symptome der Trigeminusneuralgie
Die Trigeminusneuralgie zeichnet sich durch folgende Symptome aus:
- Einschießende, einseitige Gesichtsschmerzen: Die Schmerzen treten plötzlich und heftig auf, meist auf einer Seite des Gesichts.
- Attackenartig, kurz anhaltend: Die Schmerzattacken dauern in der Regel nur wenige Sekunden bis maximal zwei Minuten.
- Häufiges Auftreten: Die Attacken können mehrmals täglich auftreten.
- Triggerfaktoren: Auslöser können lokale Reizungen wie Sprechen, Kälte, Kauen oder Berührung sein.
- Mögliche Begleitsymptome: In einigen Fällen können zusätzliche Symptome wie Hautrötung, Augentränen oder Muskelkrämpfe auftreten.
Diagnose der Trigeminusneuralgie
Die Diagnose der Trigeminusneuralgie basiert in erster Linie auf der Anamnese und der Beschreibung der Symptome durch den Patienten. Der Arzt wird Fragen zu Art, Dauer, Häufigkeit und Auslösern der Schmerzen stellen.
Neurologische Untersuchung
Eine neurologische Untersuchung dient dazu, andere Ursachen für die Gesichtsschmerzen auszuschließen. Dabei wird das Empfindungsvermögen im Gesichtsbereich getestet und auf neurologische Defizite geachtet.
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Bildgebende Verfahren
- Magnetresonanztomographie (MRT): Ein MRT wird durchgeführt, um andere Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Tumoren oder Gefäßmissbildungen auszuschließen.
- Computertomographie (CT): Eine CT kann zur Beurteilung der knöchernen Strukturen des Schädels eingesetzt werden.
- Magnetresonanzangiographie (MRA): Eine MRA dient der Darstellung der Blutgefäße im Schädelbereich, um Gefäßmissbildungen zu erkennen.
Elektrophysiologische Untersuchungen
Elektrophysiologische Untersuchungen wie das Trigeminus-SEP können die Funktionsfähigkeit der sensiblen Nervenbahnen überprüfen.
Behandlung der Trigeminusneuralgie
Die Behandlung der Trigeminusneuralgie zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die je nach Ursache und Schweregrad der Erkrankung eingesetzt werden können.
Medikamentöse Therapie
- Carbamazepin: Carbamazepin ist ein Antiepileptikum und das Mittel der ersten Wahl zur Behandlung der Trigeminusneuralgie. Es reduziert die Anzahl der Schmerzepisoden und lindert die Schmerzen.
- Oxcarbazepin: Oxcarbazepin ist ein weiteres Antiepileptikum, das ähnlich wie Carbamazepin wirkt und oft gut vertragen wird.
- Andere Antiepileptika: In einigen Fällen können auch andere Antiepileptika wie Gabapentin oder Pregabalin eingesetzt werden.
- Lidocain Nasenspray: Bei akuten Exazerbationen kann Lidocain Nasenspray zur schnellen Schmerzlinderung eingesetzt werden.
- Phenytoin i.v.: Bei schweren Exazerbationen oder fehlender Wirkung von Carbamazepin kann Phenytoin intravenös verabreicht werden.
Operative Therapie
Eine Operation wird in Betracht gezogen, wenn die medikamentöse Therapie nicht ausreichend wirksam ist oder zu starken Nebenwirkungen führt. Es gibt verschiedene operative Verfahren:
- Mikrovaskuläre Dekompression: Bei diesem Eingriff wird der Kontakt zwischen dem Blutgefäß und dem Trigeminusnerv unterbrochen, um den Druck auf den Nerv zu reduzieren.
- Neuroablation: Bei der Neuroablation werden Nervenfasern durch Wärme, Druck oder Alkohol zerstört, um die Schmerzweiterleitung zu unterbrechen.
- Gamma Knife Bestrahlung: Hierbei wird der Trigeminusnerv mit radioaktiven Strahlen behandelt, um die Schmerzweiterleitung zu reduzieren.
Alternative Therapien
Einige Patienten berichten von positiven Erfahrungen mit alternativen Therapien wie Akupunktur, traditioneller chinesischer Medizin (TCM) oder Homöopathie. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Wirksamkeit dieser Therapien wissenschaftlich nicht ausreichend belegt ist.
Hausmittel
Einige Hausmittel können unterstützend zur Behandlung eingesetzt werden:
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- Kalte Kompressen mit Lavendel: Lavendel kann beruhigend wirken und die Schmerzen lindern.
- Kohlblätter: Kohlblätter können auf die betroffene Gesichtshälfte aufgelegt werden, um eine kühlende und beruhigende Wirkung zu erzielen.
- Öle: Einige Patienten berichten von einer Schmerzlinderung durch die Anwendung von Nelkenöl, Eukalyptusöl oder Basilikumöl.
Prävention
Da die genauen Ursachen der Trigeminusneuralgie oft unbekannt sind, gibt es keine spezifischen Maßnahmen zur Vorbeugung. Es ist jedoch ratsam, Risikofaktoren wie Entzündungen der Nasennebenhöhlen zu vermeiden und auf eine gesunde Lebensweise zu achten, um das Immunsystem zu stärken.
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