Vitamin-B12-Mangel und seine Auswirkungen auf Parkinson: Ein umfassender Überblick

Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem Bewegungsstörungen verursacht. Jüngste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass ein Vitamin-B12-Mangel den Verlauf der Krankheit beeinflussen kann. Dieser Artikel beleuchtet den Zusammenhang zwischen Vitamin B12-Mangel und Parkinson, die Auswirkungen auf die Symptome und mögliche Behandlungsansätze.

Einführung in Parkinson und Vitamin B12

Die Parkinson-Krankheit, erstmals 1817 von James Parkinson beschrieben, betrifft schätzungsweise 400.000 Menschen in Deutschland, Tendenz steigend. Neben dem bekannten Morbus Parkinson gibt es auch atypische Parkinson-Syndrome, die vielfältige Beschwerden verursachen können. Ein charakteristisches Symptom ist das Zittern (Tremor).

Vitamin B12 spielt eine entscheidende Rolle für die Funktion des Nervensystems, die Blutbildung und die Zellteilung. Ein Mangel an diesem Vitamin kann sich auf verschiedene Körperfunktionen auswirken und bestehende neurologische Probleme verschärfen.

Der Zusammenhang zwischen Vitamin B12-Mangel und Parkinson

Dr. med. Heike Eggert, Neurologie-Oberärztin im Krankenhaus Lindenbrunn, hat auf den Zusammenhang zwischen einem Vitamin B12-Mangel und der Parkinson-Erkrankung hingewiesen. Die langjährige hochdosierte Einnahme von L-Dopa, einem Medikament zur Behandlung von Parkinson, kann zu einem Vitamin B12-Mangel führen, da beim Abbau von Dopamin Vitamin B12 verbraucht wird.

Auswirkungen eines Vitamin B12-Mangels bei Parkinson

Ein Vitamin B12-Mangel kann sich in der Verstärkung von Gedächtnis- oder Gangstörungen äußern und somit die ohnehin häufig auftretenden Beschwerden von Parkinson weiter verschlimmern. Symptome eines Vitamin-B12-Defizits können sein:

Lesen Sie auch: Vitamin D bei Parkinson

  • Missempfindungen in den Füßen
  • Manschettengefühl um die Unterschenkel
  • Unsicherheit auf den Beinen
  • Sturzneigung
  • Verschlechterung von Gedächtnis, Stimmung und Alltagskompetenz
  • Gangataxie
  • Parästhesien (Missempfindungen)
  • Abnahme des Vibrations- und Lagesinns
  • Kraftlosigkeit
  • Kognitive Störungen
  • Antriebsminderung
  • Depression
  • Demenz

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Symptome nicht spezifisch für Parkinson sind, aber im Zusammenhang mit der Erkrankung auftreten können.

Levodopa und der Mangel an Vitamin B12 und Folsäure

Die Einnahme von Levodopa (L-Dopa) kann einen Vitamin B12- und Folsäuremangel begünstigen. Prof. Müller empfiehlt, Patienten mit Parkinson-Syndrom bei Therapie mit Levodopa oder Duodopa ein Vitamin-B-Mischpräparat oder 5 mg Folsäure pro Tag zu geben, um Polyneuropathien aufgrund eines B-Vitamin-Mangels vorzubeugen.

Levodopa kann als Segen und Fluch zugleich betrachtet werden. Es ist zwar ein wichtiges Medikament zur Behandlung von Parkinson-Symptomen, kann aber auch Nebenwirkungen wie Vitamin B12- und Folsäuremangel verursachen.

Vitamin B12 und Folsäure: Eine wichtige Verbindung

Vitamin B12 und Folsäure sind eng miteinander verbunden und spielen wichtige Rollen im Körper. Folsäure unterstützt die Produktion und Reifung roter Blutkörperchen, während Vitamin B12 für die Aufnahme und den Transport von Folsäure im Körper unerlässlich ist. Ein Mangel an einem der beiden Vitamine kann zu ähnlichen Symptomen wie Müdigkeit, Blutarmut und neurologischen Problemen führen.

Halbwertszeiten von Vitamin B12 und Folsäure

Die Halbwertszeit von Vitamin B12 beträgt bis zu 2 Jahre, während die Halbwertszeit von Folsäure etwa 100 Tage beträgt. Der Körper speichert Vitamin B12 in der Leber, wobei der Vorrat bei unterbrochener Zufuhr für etwa 3 Jahre ausreichen würde. Die in der Leber gespeicherte Folsäure reicht bei fehlender Zufuhr für ca. 3 Monate.

Lesen Sie auch: B-Vitamine: Einfluss auf Parkinson

Diagnose eines Vitamin B12-Mangels

Um den Vitamin B12-Status genau zu bestimmen, ist es ratsam, sowohl einen direkten Vitamin B12-Test als auch den Homocystein-Spiegel im Blut zu messen. Ein direkter Vitamin B12-Test misst den Gehalt an Vitamin B12 im Blut direkt, während ein Homocystein-Test indirekt auf einen möglichen Vitamin B12-Mangel hinweisen kann. Normale B12-Spiegel liegen typischerweise zwischen 200 und 900 Pikogramm pro Milliliter (pg/ml) oder zwischen 150 und 660 Pikomol pro Liter (pmol/L).

Kostenübernahme durch Krankenkasse

Wenn eine Erkrankung oder Medikation bekannt ist, die zu einem Vitamin-B12-Mangel führen kann oder ein begründeter Verdacht auf einen Vitamin-B12-Mangel vorliegt, können die Kosten für eine Vitamin-B12-Bestimmung von den Krankenkassen übernommen werden.

Behandlung des Vitamin B12-Mangels bei Parkinson

Die Behandlung der Polyneuropathie, die durch einen Vitamin-B12-Mangel verursacht wird, beinhaltet die Behandlung des Mangels selbst. Dazu gehört in der Regel eine Vitamin-B12-Supplementierung, entweder durch orale Nahrungsergänzungsmittel oder Injektionen. In den meisten Fällen verbessern sich die Symptome mit einer angemessenen Behandlung, obwohl es Zeit dauern kann, bis die Nerven heilen und die Symptome vollständig verschwunden sind.

Vitamin-B12-Supplemente und L-Dopa-bedingte Neuropathie

Es gibt Hinweise darauf, dass Vitamin-B12-Supplemente die L-Dopa-bedingte Neuropathie bei Parkinson-Patienten durch Ausgleich eines Vitamin-B12-Mangels behandeln können. Es bedarf jedoch weiterer aussagekräftiger Ergebnisse, um den potentiellen Nutzen einer Vitamin-B12-Therapie zu bestätigen. Dem Ausgleich eines Vitamin-B12-Mangels unter L-Dopa-Therapie kann jedoch uneingeschränkt zugestimmt werden.

Ernährungsempfehlungen für Parkinson-Patienten

Eine ausgewogene Ernährung ist für Parkinson-Patienten von großer Bedeutung. Die mediterrane Küche, die reich an Gemüse, Obst und pflanzlichen Lebensmitteln ist, bietet eine gute Basis für eine ausgewogene Ernährung.

Lesen Sie auch: Neuer Ansatz bei Parkinson: Vitamin B3

Wichtige Aspekte der Ernährung bei Parkinson

  • Ausgewogene Ernährung: Eine gesunde Balance aus Gemüse, Obst und tierischen Produkten liefert die notwendige Energie und Nährstoffe.
  • Mediterrane Ernährung: Diese Ernährungsweise ist reich an pflanzlichen Lebensmitteln und wird schonend zubereitet, um Geschmack und wertvolle Inhaltsstoffe zu erhalten.
  • Probiotika und Vitamine: In Einzelfällen können Probiotika und Vitamine sinnvoll und erforderlich sein, um die Darmflora zu unterstützen und Mangelzuständen vorzubeugen.
  • Vitamin D: Menschen mit Parkinson haben oft niedrigere Vitamin-D-Spiegel, daher kann ein Ersatz von Vitamin D sinnvoll sein, um Osteoporose und Knochenbrüchen vorzubeugen.
  • Vitamin B12: Ein Vitamin B12-Mangel kann eine Reihe von unspezifischen Symptomen auslösen, daher ist eine ausreichende Zufuhr wichtig.
  • Eiweißarme Kost: Von der über Jahre empfohlenen eiweißarmen Kost sollte Abstand genommen werden, da sie zu Mangelzuständen führen kann.
  • L-Dopa-Einnahme: L-Dopa sollte idealerweise auf nüchternen Magen und mind. 30 Minuten vor der nächsten Mahlzeit eingenommen werden, da Eiweiß die Wirkung beeinträchtigen kann.

Weitere wichtige Aspekte bei Parkinson

Hilfsmittelversorgung

Während des Vortrages "Hilfsmittelversorgung bei Parkinson-Syndromen" wurden hilfreiche Informationen und Tipps für den Alltag mit den Teilnehmern geteilt. Es wurden verschiedene Hilfsmittel vorgestellt, die den Alltag der Parkinson-Patienten erleichtern sollen, wie z. B. der Tremor-Löffel, der das Zittern mithilfe einer bestimmten Technik deutlich reduzieren könne.

Selbsthilfeangebote

Es ist wichtig, Selbsthilfeangebote in Anspruch zu nehmen und offen mit Familie und Freunden über die Erkrankung zu sprechen. Frank Michler, Vorsitzender von "Jung und Parkinson - Die Selbsthilfe e.V." (JuP), bestärkt Betroffene, sich nicht zu verschließen und sich Unterstützung zu suchen.

tags: #vitamin #b12 #bei #parkinson