Brennende Füße und Multiple Sklerose: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die Gehirn und Rückenmark betrifft. Sie ist nicht ansteckend, nicht zwangsläufig tödlich, kein Muskelschwund und keine psychische Erkrankung. Falsch ist auch das häufig verbreitete Vorurteil, dass MS in jedem Fall zu einem Leben im Rollstuhl führt. Die MS-Krankheit ist keine klassische Erbkrankheit, da nicht die Krankheit selbst vererbt wird, sondern nur eine genetische „Neigung", an MS zu erkranken. Beeinträchtigt die MS-Krankheit die Teilhabe oder Funktionen der betroffenen Person, so kann sie beim Versorgungsamt einen Grad der Behinderung (GdB) beantragen.

Einführung

Eines der vielfältigen Symptome, die bei Multipler Sklerose auftreten können, ist das Burning-Feet-Syndrom, auch bekannt als Syndrom der brennenden Füße. Dieses Syndrom beschreibt verschiedene Beschwerden an den Füßen, wie Kribbeln, Stechen, Brennen, Taubheitsgefühle, Hitzegefühle oder elektrisierende Schmerzen. Schmerzen sind mitunter das häufigste Symptom bei Multipler Sklerose und treten bei etwa 86 % der Patientinnen und Patienten auf. Es ist wichtig zu verstehen, dass Schmerz nicht gleich Schmerz ist, und dass die Therapie sich danach richtet, welche Form vorliegt.

Ursachen des Burning-Feet-Syndroms bei MS

Das Burning-Feet-Syndrom kann verschiedene Ursachen haben, wobei in den meisten Fällen eine Schädigung der Nerven, die den Fuß versorgen, die eigentliche Ursache ist. Bei MS schädigen Entzündungen die Myelinscheiden, die die Nervenfasern umgeben. Diese Schädigung kann zu neuropathischen Schmerzen führen, die als brennende, kribbelnde oder stechende Empfindungen wahrgenommen werden. Die MS gehört zu den Erkrankungen aus der Neurologie, deren Diagnose eine sogenannte „Ausschlussdiagnose“ ist: Typische MS-Symptome müssen zusammenkommen und eine andere Ursache als eine MS muss ausgeschlossen werden. Nur zwei Beispiele: Diabetes kann die Nerven so schädigen, dass sich Empfindungsstörungen vor allem an den Beinen und Füßen zeigen. Schäden an der Wirbelsäule können Nerven reizen oder abklemmen, was auch zu Lähmungserscheinungen oder Störung der Empfindung führen kann.

Häufige Ursachen

  • Polyneuropathie: Erkrankungen mit einer Schädigung der Nerven, die den Körper außerhalb von Rückenmark und Gehirn versorgen. Die Beschwerden entstehen durch eine Schädigung sensorischer Nerven, d. h. die Nervenfasern, die für die Wahrnehmung von Schmerz, Berührung, Druck, Temperatur etc. zuständig sind.
  • Diabetes mellitus: Durch einen dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel kann es zu Schäden am peripheren Nervensystem kommen.
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK): Die durch Arteriosklerose verursachte Durchblutungsstörung in den Armen und Beinen wird durch verengte Arterien ausgelöst.
  • Vitaminmangel: Insbesondere ein Vitamin-B5-Mangel (Pantothensäure) verstärkt die Symptome der Krankheit.

Seltenere Ursachen

  • Tarsaltunnelsyndrom: Der Schienbeinnerv wird an einer Engstelle im Bereich des Sprunggelenks, dem Tarsaltunnel, eingeengt und gereizt.
  • Komplexes regionales Schmerzsyndrom: Schmerzsyndrom, zu dem es bei bis zu 5 % der Betroffenen nach einer Verletzung der Beine oder Arme kommt.
  • Erythromelalgie: Seltene Erkrankung, die durch eine Störung der Nerven- und Gefäßfunktion gekennzeichnet ist.
  • Weitere Ursachen: Zu enge Schuhe, Überlastung des Fußes oder Verletzungen, Kontaktallergie, diabetische Fußgeschwüre, Restless-Legs-Syndrom, Schilddrüsenunterfunktion, HIV-Infektion, Charcot-Marie-Tooth-Syndrom, Sinus-Tarsi-Syndrom und Medikamentennebenwirkungen.

Symptome des Burning-Feet-Syndroms

Unter dem Begriff Burning-Feet-Syndrom werden unterschiedliche Beschwerden an den Füßen zusammengefasst, wie z. B.:

  • Kribbeln
  • Brennen
  • Stechen
  • Taubheitsgefühl
  • „Ameisenlaufen“
  • Hitzegefühle
  • Elektrisierende Schmerzen
  • Schmerzen

Die Beschwerden treten meist symmetrisch an den Füßen auf und können sich nachts verstärken. Sie können als Dauerschmerzen oder als Schmerzattacken auftreten.

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Neuropathische Schmerzen bei MS

Eine Studie mit rund 1.250 MS-Betroffenen hat gezeigt, dass etwa ein Drittel der Teilnehmer an neuropathischen Schmerzen leidet. Insbesondere bei schweren Krankheitsverläufen steigt das Risiko für neuropathische Schmerzen.

  • Dauerschmerzen: Betroffene schildern konstant auftretende brennende, kribbelnde Empfindungen.
  • Schmerzattacken: Es treten plötzlich einschießende, stechende Schmerzen auf. Typisch für MS ist zum Beispiel die Trigeminusneuralgie. Auslöser dafür können zum Beispiel Berührungen wie einen Windzug oder Kauen sein. Auch das Lhermitte-Zeichen fällt in diese Kategorie.

Diagnose des Burning-Feet-Syndroms bei MS

Eine verlässliche MS-Diagnose kann nur ein Arzt stellen. Für die Diagnostik einer Multiplen Sklerose kommen verschiedene Methoden zum Einsatz.

Ärztliche Untersuchung

In der Praxis werden Sie zunächst genau zu Ihren Beschwerden befragt. Auch Vorerkrankungen, frühere Verletzungen und Medikamente sind wichtig. Ihre Füße werden auf Hautveränderungen, Schwellungen, Fehlstellungen oder Verletzungen untersucht. Die Pulse an den Füßen werden getastet und Nervenfunktionen untersucht. Auch das Gangbild wird beurteilt. Ergänzend können Blutwerte bestimmt werden.

Liquoruntersuchung

Eine kleine Menge des sogenannten Nervenwassers (Liquor) wird mithilfe einer Nadel aus dem Wirbelkanal entnommen (Lumbalpunktion). Oligoklonale Banden sind sogenannte Immunglobuline, das heißt: Antikörper. Sie liefern Hinweise auf entzündliche Prozesse im Körper. Bei rund 95 Prozent aller MS-Patienten liegen sie vor. Weil sie aufgrund ihrer Größe die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden können, befinden sie sich nur in der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor) und nicht im Blut. Dies spricht für eine Entzündung, die ihren Ausgangspunkt im Gehirn hat. Allerdings liegen die oligoklonalen Banden erst im späteren Verlauf einer MS-Erkrankung vor, selten schon zu Anfang. Die Untersuchungen sind nicht nur technisch aufwändig, sie dauern auch lange. Da es keine Einzel-Diagnose gibt, mit der sich Multiple Sklerose sicher feststellen lässt, haben Experten eine Reihe von Kriterien festgelegt, deren Auftreten die Diagnose MS zumindest nahelegen. MS-Diagnose bei Kindern Bei der MS-Diagnostik im Kindesalter orientieren sich Ärzte an denselben Kriterien wie bei erwachsenen Patienten.

Überweisung zu Spezialist*innen

In bestimmten Fällen (z. B. bei unklarer Ursache oder zur weiteren Therapie) ist eine Überweisung zu Spezialist*innen für Neurologie erforderlich, die bei Bedarf weitergehende Untersuchungen durchführen. Wenn die Schmerzen trotz Schmerzmitteleinnahme über 12 Wochen weiter bestehen, kann eine Überweisung an eine Praxis für Schmerzmedizin erforderlich sein.

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Behandlungsmöglichkeiten des Burning-Feet-Syndroms bei MS

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache des Burning-Feet-Syndroms.

Medikamentöse Therapie

Herkömmliche Schmerzmittel wie Paracetamol können bei neuropathischen Schmerzen keine Linderung verschaffen. Dennoch gibt es verschiedene Möglichkeiten, diese zu behandeln. Zum Beispiel kann Dir Dein Arzt Medikamente mit Wirkstoffen wie Gabapentin oder Pregabalin verschreiben. Dabei handelt es sich um Antiepileptika.

Nicht-medikamentöse Therapie

  • Physiotherapie oder physikalische Therapien: Wärme, Kälte oder Druck können zum Einsatz kommen.
  • Akupunktur, Massage und Sport: Können Schmerzen ebenfalls lindern.
  • Hausmittel: Kühlung der Füße im Wasser, Hochlagerung der Füße, lokale Anwendung von Capsaicin-Salbe zur Linderung von Schmerzen und Juckreiz.
  • Orthopädische Einlagen: Ggf. verordnete orthopädische Einlagen nach Anleitung tragen.
  • Akupressur: Durch die Akupressur von Druckpunkten werden Krämpfe gelöst und das angespannte Gewebe gelockert.
  • Dehnung der Fußsohle: Umfasse die Zehen mit den Händen und ziehe sie zum Körper. Auf diese Weise dehnst du die Muskeln, die Sehne an der Fußsohle und die Faszien an der gesamten Fußsohle.
  • Fußreflexzonen-Massage: Bewegen Sie nun den Ball unter der Fußsohle hin und her, am besten barfuß. Die Dauer dieser angenehmen Massage der Fußreflexzonen sollte ca.

Selbsthilfegruppen

Wer unter chronischen Schmerzen leidet, der kann vom Besuch einer Selbsthilfegruppe profitieren. Dort erfährst Du, wie andere mit der Situation umgehen.

Weitere Aspekte der MS-Behandlung

Neben der Behandlung des Burning-Feet-Syndroms ist es wichtig, die MS als Grunderkrankung zu behandeln und den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.

Krankheitsmodifizierende Therapien

Gerade zu Beginn der Erkrankung heilen die meisten Entzündungen wieder ab, sodass sich auch die Symptome zurückbilden. Eine verlässliche MS-Diagnose kann nur ein Arzt stellen. Für die Diagnostik einer Multiplen Sklerose kommen verschiedene Methoden kommt zum Einsatz.

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Umgang mit Fatigue

Fatigue (ausgesprochen: fatieg) - das Phänomen der Erschöpfung - haben viele Menschen mit Multipler Sklerose. Betroffene fühlen sich matt. Schon die kleinsten Anstrengungen fallen ihnen schwer. Ausruhen oder Schlaf wirken nicht erholsam. elevida ist eine anerkannte digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) für Menschen mit MS und Fatigue. Das Online-Programm besteht aus verschiedenen Modulen, wie zum Beispiel Schlafmanagement oder Stressbewältigung. Ziel des Programms ist, Ihre Fatigue-Symptome zu lindern und Ihnen den Umgang mit ihnen zu erleichtern. Die Kosten übernimmt Ihre Krankenkasse. Voraussetzung hierfür ist ein Rezept, das Sie von Ihrem Arzt bekommen.

Umgang mit psychischen Beschwerden

Eine Wesensveränderung ist bei MS durchaus möglich. Gerade bei langjährigen Verläufen treten psychiatrische Symptome häufig auf. Wobei sich die Medizin jedoch einig ist: Die psychischen Beschwerden müssen bei jedem MS-Patienten professionell erfasst und ganzheitlich beleuchtet werden.

Patientenverfügung

Eine Patientenverfügung stellt sicher, dass Ihre medizinischen Wünsche auch in unerwarteten Situationen respektiert werden und bewahrt so Ihre Selbstbestimmung. Sie greift in Situationen, in denen Sie aufgrund von Krankheit oder Verletzung nicht in der Lage sind, sie selbst auszudrücken. Dieses Dokument entlastet zudem Ihre Angehörigen von schwierigen Entscheidungen, vermeidet Missverständnisse und schützt vor unerwünschter Über- oder Unterbehandlung.

Verlaufsformen der Multiplen Sklerose

  • Schubförmig remittierende MS (RRMS): Die häufigste Verlaufsform, gekennzeichnet durch Schübe, in denen neue Symptome auftreten oder bestehende sich verschlimmern. Anschließend folgt meist eine Remission, in der die Symptome wieder nachlassen oder ganz verschwinden.
  • Sekundär progrediente MS (SPMS): Eine Übergangsphase, die oft Jahre nach der Diagnose der RRMS beginnt. Es treten keine typischen Schübe mehr auf, stattdessen verschlechtern sich die Symptome langsam und kontinuierlich.
  • Primär progrediente MS (PPMS): Eine seltenere Verlaufsform, die sich durch einen schleichenden und progressiven Verlauf auszeichnet. Die Symptome nehmen von Beginn an stetig zu, ohne dass Schübe oder ausgeprägte Remissionen auftreten.
  • Progressive rezidivierende MS (PRMS): Eine seltene und besonders herausfordernde Form. Dieser Verlaufstyp zeichnet sich durch eine kontinuierliche Verschlechterung der Symptome von Beginn an aus, wobei jedoch gelegentliche Schubphasen auftreten können.

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