Trigeminusneuralgie: Erfahrungen, Behandlungen und Perspektiven

Die Trigeminusneuralgie ist eine äußerst schmerzhafte Erkrankung, die durch blitzartige, einschießende Schmerzen im Gesicht gekennzeichnet ist. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen von Betroffenen, verschiedene Behandlungsmöglichkeiten und gibt einen Überblick über die vielfältigen Aspekte dieser Erkrankung.

Was ist Trigeminusneuralgie?

Die Trigeminusneuralgie betrifft den Nervus trigeminus, einen Hirnnerv, der für die Weiterleitung von Schmerz-, Berührungs- und Temperaturreizen vom Gesicht und großen Teilen des Kopfes zum Gehirn verantwortlich ist. Die Schmerzattacken können durch harmlose Berührungen, wie Rasieren, Kauen, Schminken oder sogar einen leichten Luftzug, ausgelöst werden. Oftmals ist nur eine Gesichtshälfte betroffen. Die Schmerzattacken können unterschiedlich lange andauern: von weniger als einer Sekunde bis zu zwei Minuten.

Symptome

Die typischen Symptome einer Trigeminusneuralgie sind:

  • Plötzlich einschießende, blitzartige Schmerzen im Gesicht
  • Stechende, manchmal pulsierende Schmerzen
  • Schmerzattacken, die durch bestimmte Trigger ausgelöst werden (z.B. Kauen, Schlucken, Rasieren, Sprechen, Berührungen)
  • Unvermittelter Schmerzbeginn, auch im Schlaf möglich
  • Schmerzattacken, die kurz (bis zu 30 Sekunden) andauern können

Ursachen

Die Ursache der klassischen Trigeminusneuralgie ist oft der Kontakt eines Blutgefäßes mit dem Trigeminusnerv an der Stelle, wo dieser in den Hirnstamm eintritt. Dieser Kontakt stört die normale Erregung der Nervenfasern, wodurch Reize, die normalerweise keine Schmerzen verursachen, als schmerzhaft wahrgenommen werden. In einigen Fällen kann die Trigeminusneuralgie auch durch andere Faktoren verursacht werden, wie z.B. Multiple Sklerose (MS), Tumore oder Verletzungen im Bereich des Trigeminusnervs.

Trigeminusneuralgie und Multiple Sklerose (MS)

Bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) kann eine Trigeminusneuralgie als Folge eines entzündlichen Herdbefunds im Wurzelgebiet des Nervus trigeminus im Hirnstamm (Pons) auftreten. Es ist wichtig zu differenzieren, ob es sich um eine symptomatische TN im Zusammenhang mit MS handelt oder um eine klassische TN, die auch bei Menschen ohne MS auftreten kann.

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Erfahrungen von Betroffenen

Viele Betroffene berichten von einer erheblichen Einschränkung ihrer Lebensqualität durch die Trigeminusneuralgie. Die unvorhersehbaren Schmerzattacken können zu sozialer Isolation, Depressionen und sogar zu Selbstmordgedanken führen. Im englischen Sprachraum wird die Trigeminusneuralgie deshalb auch als „Suicide disease“ bezeichnet.

Fallbeispiele

  • Eine Patientin, Heidemarie K., kämpfte jahrelang mit blitzartigen Schmerzattacken. Zahnärzte entfernten ihr mehrere Zähne in der Annahme, diese seien die Ursache. Erst in einer Uniklinik wurde eine Radiochirurgie durchgeführt, die jedoch erfolglos blieb. Schließlich wurde sie im Sana Klinikum Hof operiert und konnte die Klinik schmerzfrei verlassen.
  • Ein anderer Patient berichtet, dass Medikamente im Laufe der Zeit ihre Wirkung verloren. Durch ein MS-Forum wurde er auf die Thermokoagulation aufmerksam, bei der der Nerv unter Narkose verödet wird. Seit dem Eingriff ist er schmerzfrei, hat aber einen tauben Mundwinkel.
  • Ein junger Abiturient litt unter so heftigen Schmerzen, dass er kaum noch essen konnte. Nach einer Dekompressions-Operation in der Hamburger Endo-Klinik ist er seine Schmerzen los.

Diagnose

Die Diagnose der Trigeminusneuralgie basiert in erster Linie auf der Beschreibung der Symptome durch den Patienten. Eine neurologische Untersuchung kann durchgeführt werden, um andere Ursachen für die Gesichtsschmerzen auszuschließen. In einigen Fällen kann eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns durchgeführt werden, um den Trigeminusnerv darzustellen und mögliche Ursachen der Neuralgie zu identifizieren.

Differentialdiagnosen

Es ist wichtig, die Trigeminusneuralgie von anderen Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen abzugrenzen, wie z.B.:

  • Periphere Trigeminusneuralgie (z.B. Postzosterneuralgie)
  • Kollagenosen (z.B. Sjögren Syndrom)
  • Traumatische Schädigungen oder Tumore im Bereich des Nervus trigeminus
  • Anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz (früher atypischer Gesichtsschmerz)
  • SUNCT/SUNA (seltene trigeminoautonome Kopfschmerzerkrankungen)

Behandlungsmöglichkeiten

Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten für die Trigeminusneuralgie, die je nach Schweregrad der Erkrankung und den individuellen Bedürfnissen des Patienten eingesetzt werden.

Medikamentöse Behandlung

Die medikamentöse Behandlung ist oft die erste Wahl bei Trigeminusneuralgie. Zum Einsatz kommen anfallssupprimierende Medikamente, früher Antikonvulsiva genannt.

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  • Basistherapie: Carbamazepin, Oxcarbazepin
  • Bei fortgeschrittenen Verläufen: Pregabalin, Gabapentin, Baclofen, Lamotrigin, Phenytoin, Misoprostol, Botulinumtoxin

Chirurgische Behandlung

Wenn die medikamentöse Behandlung nicht ausreichend wirksam ist oder zu starken Nebenwirkungen führt, können verschiedene chirurgische Verfahren in Betracht gezogen werden.

  • Mikrovaskuläre Dekompression (Jannetta-OP): Bei dieser Operation wird der Trigeminusnerv von dem Blutgefäß befreit, das auf ihn drückt. Ein kleines Kunststoffstückchen wird zwischen Nerv und Gefäß platziert, um zu verhindern, dass diese wieder in Kontakt geraten. Die Erfolgsrate dieser Operation liegt bei gut 80 Prozent.
  • Thermokoagulation: Bei diesem Verfahren wird der Nerv unter Narkose verödet, so dass er keine Schmerzsignale mehr weiterleitet.
  • Radiochirurgie: Bei dieser Methode wird der Nerv kurz vor dem Eintritt ins Gehirn millimetergenau bestrahlt. Die Narbenbildung im Nerv soll zu einer Schmerzlinderung bis -freiheit führen.
  • Perkutane Ballonkompression: Hierbei wird ein Ballonkatheter in den Bereich des Ganglion Gasseri eingeführt und aufgeblasen, um den Nerv zu komprimieren.

Alternative Behandlungsmethoden

Einige Patienten berichten von positiven Erfahrungen mit alternativen Behandlungsmethoden wie Akupunktur, Physiotherapie oder Entspannungstechniken. Diese Methoden können jedoch in der Regel nicht die Schmerzen vollständig beseitigen, sondern lediglich lindern.

Leben mit Trigeminusneuralgie

Die Trigeminusneuralgie kann das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen. Es ist wichtig, sich nicht zu isolieren und Unterstützung bei anderen Betroffenen oder in Selbsthilfegruppen zu suchen. Auch psychologische Unterstützung kann hilfreich sein, um mit den Schmerzen und den damit verbundenen emotionalen Belastungen umzugehen.

Tipps für den Alltag

  • Vermeiden Sie Trigger, die Schmerzattacken auslösen können.
  • Achten Sie auf eine regelmäßige Medikamenteneinnahme.
  • Suchen Sie Unterstützung bei anderen Betroffenen oder in Selbsthilfegruppen.
  • Nehmen Sie psychologische Hilfe in Anspruch, wenn Sie unter Depressionen oder Angstzuständen leiden.
  • Informieren Sie sich umfassend über die Erkrankung und die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten.

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