Die Erkenntnis, dass viele Schmerzprobleme im Bewegungsapparat vom Muskel- und Bindegewebe ausgehen, setzt sich in der Medizin zunehmend durch. Sogenannte Triggerpunkte (TP) spielen dabei eine zentrale Rolle als Schmerzauslöser. Sogar Missempfindungen, die Nervenirritationen ähneln, können durch diese Punkte ausgelöst werden. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten von myofaszialen Schmerzen, Triggerpunkten und deren potenziellen Auswirkungen auf Nervenschmerzen.
Einführung in Myofasziale Schmerzen
Myofasziale Schmerzen bezeichnen Beschwerden, die von Muskeln ("myo") und den dazugehörigen Faszien (Bindegewebshüllen) ausgehen. In der medizinischen Fachsprache wird dies als "Myofaszialer Schmerz" bezeichnet (ICD-10-Code "M79.1"). Die Muskulatur ist eines der größten Organe des menschlichen Körpers und eine häufige Ursache für Beschwerden des Bewegungsapparates. Das komplexe Zusammenspiel von Muskeln und Faszien ermöglicht vielfältige Bewegungen, doch Störungen in diesem System können zu Schmerzen und Funktionseinschränkungen führen.
Ursachen myofaszialer Schmerzen
Die Ursachen für Beschwerden an Muskeln und Faszien sind vielfältig. Dazu gehören:
- Direkte oder indirekte Verletzungen: Traumata können zu lokalen Entzündungen und Verspannungen führen.
- Überlastung: Ständig wiederkehrende Bewegungen oder ungewohnte Belastungen können Muskeln und Faszien überfordern.
- Fehlbelastungen: Eine ungünstige Körperhaltung oder ungleichmäßige Belastung einzelner Muskelgruppen kann zu chronischen Schmerzen führen.
- Psychische Belastung: Körperliche und/oder psychische Überlastung kann Triggerpunkte anregen.
- Stoffwechselstörungen: Manchmal können auch Stoffwechselstörungen eine Rolle spielen.
Das Myofasziale Schmerzsyndrom (MSS)
Das myofasziale Schmerzsyndrom (MSS) ist eine häufige Form von Muskelschmerzen. Es ist gekennzeichnet durch das Vorhandensein von Triggerpunkten, die durch lokale Druckempfindlichkeit, sichtbare Muskelzuckungen und ausstrahlende Schmerzen identifiziert werden können. Im Gegensatz dazu steht das Fibromyalgie-Syndrom (FMS), eine generalisierte Variante mit chronischen Schmerzen im gesamten Bewegungsapparat, autonomen Funktionsstörungen und psychischen Begleiterkrankungen.
Die Rolle der Faszien
Die Muskel-Faszie, ein Teil des Bindegewebes, vernetzt alle Organe des menschlichen Körpers. Faszien bilden ein den gesamten Körper durchdringendes Netzwerk, das eine umfangreiche Bedeutung im Gewebestoffwechsel hat. Seit dem 1. Faszienkongress 2007 in Boston hat sich eine weiter gefasste Definition etabliert. Damit bilden Faszien ein den gesamten Körper durchdringendes Bindegewebsnetzwerk mit umfangreicher Bedeutung im Gewebestoffwechsel.
Lesen Sie auch: Polyneuropathie und Triggerpunkte behandeln
Was sind Triggerpunkte?
Triggerpunkte sind überlastete Muskelfasergruppierungen innerhalb eines Muskels. Bei der Überlastung eines Muskels können teilweise die Muskelfasern nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Sauerstoff ist essenziell für den Stoffwechsel von Zellen und somit wichtig für Transportprozesse innerhalb der Zelle. Da bei der Überlastung das für die Kontraktion wichtige Mineral Kalzium nicht schnell genug aus der Muskelzelle transportiert werden kann, kommt es in der Folge zu einer dauerhaften Kontraktion der betroffenen Muskelzelle. Diese andauernde Kontraktion der Muskelfasern, die wie oben beschrieben alle auch von Faszien umgeben sind, wird als Schmerz wahrgenommen. Die auslösenden Gründe für eine Dauerbeanspruchung des Muskels können sehr vielseitig sein. Typisch für das myofasziale Schmerzsyndrom sind Schmerzen, die über einen längeren Zeitraum auftreten und häufig lokal begrenzt sind. Die bereits beschriebenen Triggerpunkte reagieren dabei sehr empfindlich auf Druck und teilweise lassen sie sich auch als Verhärtung innerhalb des Muskels ertasten. Wenn man auf den schmerzhaften Punkt drückt, dann strahlt der Schmerz häufig in das umliegende Areal aus. Des Weiteren kann es auch passieren, dass eine leichte Zuckung des Muskels ausgelöst wird, wenn man Druck auf den Triggerpunkt ausübt.
Aktive und Latente Triggerpunkte
Triggerpunkte werden in aktive und latente Punkte unterteilt:
- Aktive Triggerpunkte: Sind starke Unruhestifter und Schmerzverursacher. Sie können vielfältige milde bis heftigste Beschwerden auslösen, welche einen Menschen in der Regel dazu bewegen zum Arzt zu gehen oder nach einer Lösung für das Problem zu suchen. Sie sind fast immer (in Ruhe und während Bewegung) schmerzhaft sowie empfindlich und lösen spontane, wiederkehrende oder auch anhaltende Schmerzen aus. Sie verhindern, dass sich der betroffene Muskel auseinanderziehen bzw. dehnen kann. Das führt zu einer eingeschränkten Beweglichkeit des Gelenks, welches der Muskel beeinflusst. Hierbei kann die Bewegungseinschränkung mild sein und im Alltag gar nicht auffallen. Oder aber sie ist so drastisch, dass alltägliche Bewegungen nicht mehr ausgeführt werden können. Triggerpunkte befinden sich in den Muskeln oft dort, wo Nervenendigungen auf den Muskel treffen. Also dort, wo der Muskeln angesteuert wird. Sie „schwächen“ den Muskel und führen zu einer Pseudomuskelschwäche. Triggerpunkte im Gluteus medius können die Funktion dieses Muskels so stark beeinträchtigen, dass dieser seine Funktion als Hüft-Stabilisator nicht mehr ausführen kann. Neben einem Schwächegefühl in der Hüfte kann es auch zu einem Schwächegefühl im Knie kommen, welches immer wieder nach innen knickt. Somit fehlen die nötigen Reize, die der Muskel benötigt, um „seine Kraft“ zu erhalten. Nach der Deaktivierung der Triggerpunkts sollte der Muskel wieder Schritt für Schritt gekräftigt werden, damit er seine Funktion wieder voll erfüllen kann. Sie lösen unter Druck (Bsp. Massage, enge Socken, schwerer Rucksack etc.) beim Betroffenen einen für ihn bekannten Schmerz aus. Werden aktive Triggerpunkte innerhalb der verträglichen Schmerztoleranz gedrückt wird, können sie motorische und oft auch autonome Phänomene hervorrufen. Ein motorisches Phänomen wäre zum Beispiel die Unfähigkeit, den Muskel anzuspannen, in welchen du hineindrückst. Druck auf den Infraspinatus kann zum Beispiel dazu führen, dass du deine Schulter nicht mehr bewegen kannst. Du fühlst dich krank und dir wird übel, wenn du in einen Triggerpunkt drückst. Angst, Herzrasen, Beklemmungsgefühle. Aktive Triggerpunkte können Druckempfindlichkeit in ihren Schmerzübertragungszonen auslösen. Weiß der Betroffene hierüber nicht Bescheid, kann das schnell zu Angst und Verzweiflung führen. Dies wiederum sind zwei Faktoren, welche die Chronifizierung von Schmerz begünstigen. Ein weiterer Aspekt von aktiven Triggerpunkten ist, dass sie Symptome auslösen können, die denen von „echten“ Erkrankungen gleichen oder zum Verwechseln ähnlich sind.
- Latente Triggerpunkte: Sind schlafende Unruhestifter. Sie sind deutlich häufiger als aktive Triggerpunkte und führen vor allem zu einer erhöhten Muskelspannung, eingeschränkter Beweglichkeit und Steifheit. In der Regel sind sie klinisch unauffällig und der Betroffene bemerkt sie nicht, da er keine auffälligen Beschwerden zeigt. Der Hauptunterschied zu aktiven Punkten liegt also darin, dass keine (spontanen) Schmerzen auftreten - es sei denn, du oder etwas anderes drückt in den Punkt. Zudem lösen aktive Triggerpunkte größere Schmerzübertragungsmuster und stärkere Schmerzen aus als die latenten Punkte. Abschließend möchte ich erwähnen, dass latente Triggerpunkte zur Nozizeption beitragen, ohne dabei die Reizschwelle zu überschreiten, die nötig wäre, um das Neuron 2. Ordnung (Nervenbahn vom Rückenmark zum Gehirn) zu aktivieren. Das heißt, die aufsteigenden Bahnen ins Gehirn werden durch latente Triggerpunkte nicht aktiviert. Allerdings ist es denkbar, dass die Nozizeption (Übermittlung von Warnsignalen) auf Rückenmarksebene eine Art „Stressfaktor“ für das Nervensystem darstellt und so wie auch die aktiven Triggerpunkte die Chronifizierung von Schmerz durch eine zentrale Sensibilisierung begünstigt.
Schmerzmuster von Triggerpunkten
Die Schmerzmuster von Triggerpunkten sind wiederholt reproduzierbar, decken sich jedoch weder mit dem Innervationsgebiet peripherer Nerven noch entsprechen sie segmentalen Innervationszonen. Die Schmerzausstrahlung erfolgt manchmal in weit entfernt liegende Regionen. Die Schmerzqualität wird von den Patienten vielfältig beschrieben: ziehend, stechend, bohrend, brennend, hell oder dumpf, deutlich begrenzt oder diffus, an der Oberfläche oder „tief im Gelenk“ usw. Andrerseits können von mTrP vegetativ-trophische Störungen sowohl im Bereich des mTrP selbst als auch in der Region des „referred pain“ ausgehen: Veränderungen der Hauttemperatur und der Trophik, erhöhte Schweißsekretion, Übelkeit oder Schwindel usw.
Entstehung von Triggerpunkten: Das Energiekrisenmodell
Im Zentrum der Triggerpunktpathologie steht eine lokal ausgeprägte Sauerstoffmangelsituation (Hypoxie) bzw. Energiekrise. Sowohl Hypoxie als auch Ischämie wurden experimentell untersucht und bestätigt. Klinisch relevant ist, dass vielfältige Ursachen bzw. Situationen zu einer lokalen Ischämie, Hypoxie und Energieverknappung (Adenosintriphosphatmangel) im Muskelgewebe und in deren Folge zu persistierenden Rigorkomplexen und Bindegewebsveränderungen führen können.
- Direktes Trauma: Unmittelbare Muskelverletzung durch direkte Gewalteinwirkung, z. B.
- Akute Überdehnung der Muskulatur: Z. B.
- Akute Überlastung: Z. B.
- Postural: Z. B. „Repetitive strain injury“: repetitiv-stereotype Bewegungen in Beruf oder Training, z. B.
- Lang andauernde Kontraktion in angenäherter Position: Stundenlanges Arbeiten am Computer beispielsweise erfordert eine geringe außenrotatorische Aktivität im Humeroskapulargelenk, die über längere Zeit aufrechterhalten werden muss. Die Außenrotatoren, M. infraspinatus und M. teres minor, befinden sich folglich ständig in einer leichten Kontraktion. Die damit einhergehende intramuskuläre Druckzunahme führt zu einer verminderten Durchblutung der Muskulatur, während diese gleichzeitig einen erhöhten Bedarf an Sauerstoff hat und eine Mehrdurchblutung braucht. So öffnet sich eine Schere zwischen erhöhter Nachfrage und vermindertem Angebot.
- Exzentrische Muskelaktivität: Exzentrische Muskelaktivität ist für den Muskel koordinativ am anspruchsvollsten, führt schnell zu Überlastungen und ist damit ein Risikofaktor für die Entstehung von mTrP.
- Triggerpunktaktivität in anderen Muskeln: Myofasziale TrP in einem Muskel haben die Tendenz, in anderen Muskeln die Entstehung/Aktivierung von weiteren mTrP zu begünstigen (Triggerpunktketten mit sekundären TrP in Synergisten/Antagonisten bzw.
Die oben genannten ätiologischen Faktoren führen häufig zunächst zur Entstehung latenter mTrP, die klinisch stumm sind. Latente mTrP können durch das weitere Einwirken von Entstehungsmechanismen, aber auch durch Kofaktoren wie Kälte, Nässe, Durchzug, Stress usw. aktiviert werden.
Lesen Sie auch: Behandlung von Migräne durch Triggerpunkte
Diagnose myofaszialer Schmerzen
Die Diagnose eines myofaszialen Syndroms wird meist als Ausschlussdiagnose gestellt. Das bedeutet, dass zunächst alle anderen organischen Ursachen für die auftretenden Schmerzen durch verschiedene Untersuchungsmethoden ausgeschlossen werden. Erbringen die Untersuchungen keinen Hinweis auf eine systemische Muskelerkrankung (wie z.B. Das Anamnesegespräch, also das Erstgespräch zwischen Arzt oder Ärztin mit der zu behandelnden Person, ist aufgrund der fehlenden diagnostischen Anwendbarkeit von bildgebenden Verfahren besonders wichtig zur Feststellung eines myofaszialen Syndroms. In dem Gespräch werden Dauer, Lokalisation, Art und Ausprägung des Schmerzes genauer erörtert. Um dies möglichst zu objektivieren, kommen sog. Außerdem bringt die körperliche Untersuchung wichtige Hinweise für die richtige Diagnose. So sind eine reflektorische Zuckung sowie ausstrahlende Schmerzen Anzeichen für ein myofasziales Schmerzsyndrom. Um andere Ursachen der Schmerzen herauszufinden oder auszuschließen, können auch bildgebende Verfahren zur Anwendung kommen. Ein zentrales Merkmal des Myofaszialen Schmerzsyndroms sind die sogenannten Triggerpunkte, druckempfindliche Muskelverhärtungen. Entsprechend spielen sie eine entscheidende Rolle für die Diagnose: Die Sie untersuchende Medizinerin oder der Mediziner übt gezielt Druck auf die betroffenen Muskelstellen aus, um festzustellen, ob damit typische Schmerzen oder Ausstrahlungen des Schmerzes in andere Körperbereiche ausgelöst werden. Eine ausführliche Anamnese ist ebenfalls wichtig, um mögliche andere Ursachen der Beschwerden auszuschließen.
Behandlung myofaszialer Schmerzen
Die Behandlung von myofaszialen Schmerzen umfasst eine Vielzahl von Therapiemethoden, die darauf abzielen, die Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu verbessern und die funktionelle Leistungsfähigkeit des Patienten wiederherzustellen. Die Effektivität der einzelnen Behandlungsansätze ist individuell unterschiedlich. Unter anderem ist die Dauer der Therapie abhängig davon, wie lange das myofasziale Syndrom bereits besteht. Ein früher Behandlungsbeginn verkürzt in den meisten Fällen die Behandlungsdauer. In manchen Fällen gelingt es sogar, die Schmerzen bereits bei der ersten Anwendung spürbar zu lindern.
Konservative Behandlungsmethoden
- Medikamentöse Behandlung: Zur Behandlung der myofaszialen Schmerzen dient vor allem im initialen Stadium die Gabe von Schmerzmitteln. Aber auch entzündungshemmende Mittel können bei myofaszialen Schmerzen eingesetzt werden. Häufig verschreiben behandelnde Ärzt:innen nach der erstmaligen Vorstellung zur Linderung der Schmerzen zunächst einzeln oder in Kombination mit weiteren Maßnahmen eine medikamentöse Behandlung: Entzündungshemmende Medikamente, Muskelrelaxantien oder Schmerzmittel können in Betracht gezogen werden.
- Physiotherapie: Spezielle Physiotherapie, Wärme, manchmal auch gezielte Injektionen, Stoßwellentherapie und neuerdings auch die Trigger-Akupunktur. Zur Heilung muss der Muskel reichlich mit Sauerstoff versorgt werden. Die dafür benötigte schonende Beanspruchung kann ideal in Form einer Physiotherapie erreicht werden. Auch Wärmebehandlungen mit warmen Wickeln oder Rotlicht sind dem Heilungsverlauf zuträglich. Hierzu gehören Techniken wie Massage, Triggerpunkttherapie, Faszientechniken und Gelenkmobilisation. Physiotherapeutische Übungen können dazu beitragen, die Muskelkraft, Flexibilität und Ausdauer zu verbessern. Spezielle Übungen und Bewegungsmuster können dabei helfen, die richtigen Bewegungsmuster wiederherzustellen und Dysfunktionen zu korrigieren. Weitere positive Effekte können nachgewiesenermaßen durch manuellen Therapien am Bewegungssystem, wie myofasziale Behandlungstechniken, erreicht werden.
- Manuelle Therapie: Rolfing: ist eine Form der manuellen Behandlung des Bewegungssystems, die auch unter der Bezeichnung „Strukturelle Integration“ bekannt ist.
- Weitere Behandlungsformen: Zu den weiteren Behandlungsformen gehören unter anderem Stoßwellen, Infiltrationen (das Einbringen fester oder flüssiger Substanz ins Gewebe, zum Beispiel eine Cortisonspritze) und kinesiologisches Taping (Funktionstaping).
Selbstbehandlung von Triggerpunkten
Du kannst Triggerpunkte sogar selbst behandeln, und zwar mit einer gezielten Selbstmassage. Die Selbstbehandlung ist leichter als du vielleicht vermutest. Triggerpunkte sind ein umfassendes Thema und die Selbstbehandlung wirft oft viele Fragezeichen auf. Durch die Teilnahme habe ich ebenfalls die Möglichkeit dir die Fülle an Informationen häppchenweise und nochmals leichter verdaulich zu präsentieren. Das Gute ist aber: Du kannst myofasziale Triggerpunkte sehr leicht selbst behandeln, und zwar mit einer Selbstmassage. Ich zeige dir, wie das geht. Der Selbstbehandlung ist eine eigene Seite gewidmet, welche ich am Ende dieser Seite verlinke. Du verlässt die rein passive Rolle, schlüpfst in die aktive Rolle. Das ist der erste Schritt, und einer der wichtigsten. Kraft und Dehnung sind sehr wichtig (vor allem langfristig), aber in der Regel nicht der erste Schritt. Dehnübungen werden kontrovers diskutiert und deren Effektivität bzgl. Ich persönlich habe mit Dehnübungen, vor allem mit Yoga-Asanas sehr gute Erfahrungen gemacht. Vielmehr können sich Schmerzen dann vorübergehend verstärken. Hierunter fallen Dinge wie Autogenes Training, Feldenkrais, Thomas Hanna, usw. Die oben genannten Übungen wirken allerdings allesamt über das Nervensystem. Sie schulen die Konzentration, die feine Koordination und erhöhen den Einfluss des Parasympathikus und fördern dadurch Entspannung. Ich möchte hier verdeutlichen, wie wichtig die Triggerpunktarbeit ist. Keinesfalls möchte ich keine der genannten Methoden abwerten, ganz im Gegenteil. Es sind wunderbare Bausteine und lassen sich sehr gut mit der Triggerpunktarbeit verbinden. Für die Selbstbehandlung benötigst du keine Geräte. In einigen Fällen macht der Einsatz von Massagegeräten dennoch Sinn. Falls du direkt einen Schritt weiter gehen möchtest, dann empfehle ich dir meinen Online-Kursen gegen Schmerzen. Dort findest du einen Körperatlas der Schmerzen, über welchen du direkt zu diversen Schmerzen und Symptomen navigieren kannst. Für alle Übungen findest du exklusive Videos. Häufig befinden sie sich in der Mitte des Muskelbauchs, können allerdings überall im betreffenden Muskel auftreten. Triggerpunkte sind in der Regel schmerzhaft und druckempfindlich. Oft kann man sie sogar als kleine Knötchen oder Verhärtungen spüren. Wichtig: An und für sich sind diese Punkte harmlos. Das heißt, sie lösen Warnsignale aus, sogenannte nozizeptive Reize (Nozizeption = Schmerzsinn). Jeder Mensch kann Triggerpunkte in seinen Muskeln tragen. Allerdings führen sie nicht bei jedem zu Problemen, denn Triggerpunkte können latent bzw. „schlafend“ sein und keine bis wenig Probleme auslösen. Während sich Triggerpunkte nicht entzünden können, können sie „brennen“ bzw. Zudem können sie in entfernten Bereichen Sensibilitätsstörungen auslösen können, somit also auch ein „Brennen“. In meinen Online-Kursen findest du über den Körperatlas natürlich direkt heraus, welche Triggerpunkte eine bestimmte Sensibilitätsstörung auslösen und wie du diese selbst behandeln kannst.
Triggerpunkt-Therapie IMTT®
Eine chronifizierte myofasziale Triggerpunktpathologie ist i.d.R. durch die beiden Faktoren Rigorkomplex und Bindegewebsveränderungen (Adhäsionen, Verkürzungen) charakterisiert, wobei letztere für die Chronifizierung eines myofaszialen Problems maßgeblich verantwortlich sind. Eine Therapie, die nachhaltig wirksam sein soll, hat beide Faktoren gleichzeitig und gleichwertig zu berücksichtigen. Methoden, die ausschließlich reflektorisch arbeiten, z. B. Muskel-Release-Techniken, bzw. ausschließlich auf den Rigorkomplex ausgerichtet sind, wie Dry Needling und Stoßwellentherapie, vermögen diese Veränderungen in vielen Fällen nur ungenügend zu beeinflussen. Notwendig ist die konsequente und gründliche Behandlung sowohl der Kontrakturknoten (mTrP) als auch der faszialen Strukturen mit spezifisch auf das Bindegewebe einwirkenden manuellen Techniken. Es ist ein Alleinstellungsmerkmal der Triggerpunkt-Therapie IMTT, dass sie gleichwertig den Rigorkomplex und die Bindegewebsveränderungen gezielt angeht. Dabei werden vier manuelle Techniken unterschieden (Details in [11, 18]; Tab. 1, Abb. 4). Die Nummerierung der Techniken (Tab. 1) dient didaktischen Zwecken. Im Rahmen der Behandlung richtet sich die Reihenfolge der manuellen Techniken nach der jeweiligen Situation. Bei Patienten mit chronischen Schmerzen ist es häufig angebracht, die Therapie mit Technik III zu beginnen, danach zur Technik I überzugehen und mit dem „wunden Punkt“ Kontakt aufzunehmen, anschließend mit Technik II die Triggerpunktregion gründlich zu behandeln, danach Technik IV durchzuführen und abschließend nochmals Technik III anzuwenden.
Mitarbeit des Patienten
Die Mitarbeit des Patienten ist wichtig. Der Therapeut arbeitet an den Stellen des Körpers, an denen die stärksten Schmerzen provoziert werden. Dies ist unangenehm. Der Patient soll die Behandlung jederzeit mit dem Wort „Stopp“ unterbrechen, wenn der Schmerz zu stark wird. Der Patient entscheidet, wie viel Schmerz er sich zumuten will und kann. Nach der Therapie nehmen die klinischen Schmerzen i.d.R. ab und die Beweglichkeit nimmt zu. Die manuellen Techniken werden ergänzt durch Maßnahmen zur Detonisierung bzw. Dehnung (Technik V) und zur funktionellen Kräftigung der Muskulatur (Technik VI). Heimübungen wie Stretching unterbrechen monotone Arbeitshaltungen und fördern die Elastizität, Verschieblichkeit und Regenerationsfähigkeit der Muskulatur.
Lesen Sie auch: Trigeminusneuralgie: Ein Überblick
Vorbeugung myofaszialer Schmerzen
Glücklicherweise muss es gar nicht erst zur Manifestation eines myofaszialen Schmerzsyndroms kommen, wenn man ein paar wichtige Dinge beachtet. Vor allem wichtig ist dabei, auf den Belastungszustand des jeweiligen gefährdeten Muskelareals zu achten. Wenn man bereits merkt, dass bestimmte Muskelgruppen verstärkt auf Belastung reagieren, oder sich in Stresssituationen besonders schnell melden, dann sollte man mit diesen auch besonders fürsorglich umgehen. Bereits vorbeugend eignen sich physiotherapeutische Kräftigungs- und Dehnungsübungen. Je nach Anfälligkeit können auch Entspannungsübungen und / oder eine Ernährungsberatung effektiv einem myofaszialen Syndrom vorbeugen. Sie können das Myofasziale Schmerzsyndrom (MSS) durch gezielte Maßnahmen im Alltag oft vermeiden oder zumindest in seiner Intensität mindern. Es gilt dabei vor allem, Muskelverspannungen, Fehlhaltungen und den daraus resultierenden chronischen Schmerzen vorzubeugen.
- Bewegung: Bewegung ist das A und O, um gegen MSS vorzugehen. Schon durch leichtes Ausdauertraining wie Schwimmen, Radfahren oder zügiges Spazierengehen fördern Sie die Durchblutung der Muskulatur und beugen Verspannungen vor. Ergänzend dazu können gezielte Kräftigungsübungen helfen, ein stabiles Muskelkorsett aufzubauen. Achten Sie darauf, mindestens 30 Minuten Bewegung pro Tag einzuplanen.
- Dehnübungen: Regelmäßige Dehnübungen sind ein weiterer wichtiger Bestandteil der Prävention. So bleiben die Muskeln und Faszien flexibel. Dehnen Sie insbesondere die Muskelgruppen, die durch Ihre beruflichen oder alltäglichen Tätigkeiten stark beansprucht werden. Wenn Sie beispielsweise viel sitzen, sollten Sie gezielt die Hüftbeuger und den unteren Rücken dehnen.
- Ergonomie: Eine ergonomische Gestaltung Ihres Arbeitsplatzes kann helfen, einseitige Belastungen zu vermeiden. Wenn Sie viel am Schreibtisch sitzen, achten Sie darauf, dass Ihr Stuhl so eingestellt ist, dass Ihre Füße flach auf dem Boden stehen und Ihre Knie einen 90-Grad-Winkel bilden. Der Bildschirm sollte auf Augenhöhe positioniert sein, um Nackenverspannungen zu verhindern. Wenn möglich, nutzen Sie einen höhenverstellbaren Schreibtisch, um mal im Stehen, mal im Sitzen zu arbeiten. Machen Sie jede Stunde eine kurze Pause, um aufzustehen und sich zu bewegen.
- Stressmanagement: Stress ist ein häufiger Auslöser für Muskelverspannungen. Reduzieren Sie ihn aktiv, beziehungsweise lernen Sie, gut mit ihm umzugehen. Entspannungstechniken wie Yoga, progressive Muskelentspannung oder Atemübungen können Ihnen helfen, die Muskulatur zu entspannen.
- Ernährung: Verzichten Sie vollständig auf Alkohol, da dieser die Muskelregeneration beeinträchtigen und Verspannungen fördern kann. Eine entzündungshemmende Ernährung mit viel frischem Obst, Gemüse und Omega-3-Fettsäuren unterstützt die Gesundheit Ihrer Muskeln und Faszien. Einseitige Bewegungsmuster, wie sie durch langes Sitzen oder Stehen entstehen, sind eine häufige Ursache für MSS.
Zusammenhang mit Nervenschmerzen
Triggerpunkte können nicht nur lokale Schmerzen verursachen, sondern auch Missempfindungen auslösen, die Nervenirritationen ähneln. Dies kann durch die Nähe der Triggerpunkte zu Nervenendigungen erklärt werden, die durch die Muskelverspannungen gereizt werden können. In einigen Fällen kann es auch zu einer direkten Kompression von Nerven durch verspannte Muskeln oder Faszien kommen, was zu Nervenschmerzen führen kann.
Ein Beispiel hierfür ist das Einklemmungsphänomen, bei dem ein Nerv unterhalb eines verspannten Muskels verläuft und eingeengt wird.
tags: #triggerpunkte #nervenschmerz #durch #myofasziale