Haben Sie jemals ein Taubheitsgefühl oder Kribbeln in Ihren Füßen oder Händen verspürt, als ob diese eingeschlafen wären? Dies könnte ein Anzeichen für Polyneuropathie sein, eine Erkrankung, die die peripheren Nerven betrifft und oft mit unangenehmen Symptomen wie Taubheit, Schmerzen und Kribbeln einhergeht. Dieser Artikel untersucht die Verbindung zwischen Triggerpunkten und Polyneuropathie und beleuchtet, wie verschiedene Behandlungsansätze, einschließlich Massagegeräten, Neuraltherapie und Bewegungstherapie, zur Linderung der Symptome beitragen können.
Was ist Polyneuropathie?
Polyneuropathie ist eine Nervenstörung, die die peripheren Nerven betrifft. Typische Symptome sind Taubheit, Kribbeln, Brennen oder stechende Schmerzen in Händen und Füßen. Einige Betroffene haben Schwierigkeiten beim Gehen oder leiden unter Muskelschwäche. Die Ursachen für Polyneuropathie sind vielfältig, darunter Diabetes, Chemotherapie, Alkoholmissbrauch und andere Systemerkrankungen wie Multiple Sklerose.
Diabetische Polyneuropathie
Die diabetische Polyneuropathie ist eine häufige Komplikation bei Diabetes, von der etwa die Hälfte aller Diabetiker betroffen ist. Sie entsteht durch eine Schädigung der Nerven infolge von erhöhten Blutzuckerwerten. Symptome sind oft Taubheit, Kribbeln und Schmerzen in den Füßen, die sich langsam aufwärts ausbreiten können.
Triggerpunkte als Schmerzursache
Triggerpunkte sind kleine, knotenartige Verhärtungen in der Muskulatur, die lokal oder in entfernten Körperregionen Schmerzen auslösen können. Sie entstehen durch akute oder chronische Überlastungen einzelner Muskelfasern. Obwohl Triggerpunkte harmlos sind, können sie erhebliche Beschwerden verursachen und das Nervensystem stören, indem sie kontinuierlich Warnsignale (nozizeptive Reize) an das Rückenmark senden.
Triggerpunkte und Polyneuropathie
Eine Studie hat gezeigt, dass etwa ein Viertel der Patienten mit schmerzhafter diabetischer Polyneuropathie zusätzlich an myofaszialen Schmerzen leidet, die durch Triggerpunkte verursacht werden. Diese Erkenntnis unterstreicht die Bedeutung, bei der Behandlung von Polyneuropathie auch muskuläre Ursachen in Betracht zu ziehen.
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Aktive und latente Triggerpunkte
Es werden zwei Arten von Triggerpunkten unterschieden:
- Aktive Triggerpunkte: Verursachen spontane, wiederkehrende oder anhaltende Schmerzen, sind druckempfindlich und können die Beweglichkeit einschränken.
- Latente Triggerpunkte: Sind klinisch unauffällig, verursachen keine spontanen Schmerzen, können aber die Muskelspannung erhöhen, die Beweglichkeit einschränken und bei Druck Schmerzen auslösen.
Behandlungsmöglichkeiten bei Polyneuropathie und Triggerpunkten
Es gibt verschiedene Therapieansätze, die sowohl auf die Polyneuropathie als auch auf Triggerpunkte abzielen und somit zur Linderung der Beschwerden beitragen können.
Massagegeräte
Massagegeräte können eine vielversprechende Methode zur Linderung der Symptome von Polyneuropathie darstellen. Sie verbessern die Durchblutung, lösen Muskelverspannungen und stimulieren die Nerven direkt. Besonders geeignet sind Massagesessel, Massagepistolen, Fußmassagegeräte und manuelle Massagegeräte.
- Wirkungsweise: Massagegeräte nutzen verschiedene Techniken wie Kneten, Rollen, Vibration und Kompression, um die Durchblutung anzuregen, Muskelverspannungen zu lösen und die Nervenenden zu stimulieren. Viele Geräte bieten auch eine Wärmefunktion, die die Durchblutung zusätzlich fördert und Muskelverspannungen löst.
- Auswahl des richtigen Geräts: Die Wahl des geeigneten Massagegeräts hängt von den individuellen Bedürfnissen und Symptomen ab. Massagesessel bieten eine umfassende Massage des gesamten Körpers, während Handmassagegeräte gezielte Massagen an bestimmten Körperstellen ermöglichen. Fußmassagegeräte sind speziell für die Behandlung der Füße konzipiert, während Massagerollen und -bälle kostengünstig und flexibel einsetzbar sind.
- Besondere Hinweise für Diabetiker: Diabetiker haben oft empfindliche Haut und eine erhöhte Anfälligkeit für Verletzungen. Daher ist es wichtig, dass Massagegeräte für Diabetiker sanft und sicher sind und Funktionen zur Verbesserung der Blutzirkulation bieten.
Neuraltherapie und Triggerpunkt-Injektionen
Die Neuraltherapie ist eine Behandlungsmethode, bei der ein Lokalanästhetikum (meist Procain) gezielt in Muskeln, Nerven oder Nervengeflechte injiziert wird, um Schmerzen zu lindern und die Nervenfunktion zu regulieren. Bei Triggerpunkten wird das Lokalanästhetikum direkt in die schmerzhaften Knoten der verspannten Muskulatur injiziert.
- Wirkungsweise: Procain wirkt schmerzbetäubend, beruhigend und regulierend auf das vegetative Nervensystem. Es stabilisiert die Nerven und reguliert die elektrische Funktion von Nervenzellen.
- Ablauf: Vor der Injektionsbehandlung erfolgt eine spezielle Befunderhebung mit manueller Schmerzdiagnostik und Untersuchung auf Triggerpunkte. Nach der Injektion sollte der Patient noch mindestens 30 Minuten in der Praxis zur Überwachung bleiben.
- Mögliche Nebenwirkungen: Vorübergehende Nebenwirkungen können ein dumpfes Druckgefühl, ein Hämatom (blauer Fleck), Benommenheit, Schwindel oder Übelkeit sein. Sehr selten sind Komplikationen wie Krampfanfälle, Nervenschäden oder Blutungen möglich.
Bewegungstherapie und Physiotherapie
Bewegungstherapie und Physiotherapie können bei Polyneuropathie helfen, die Beschwerden zu lindern, die Beweglichkeit zu verbessern und das Sturzrisiko zu reduzieren.
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- Wirkungsweise: Durch gezielte Übungen werden die Nerven durch Reize aktiviert, die Muskeln gekräftigt und die Balance verbessert. Regelmäßige Bewegung kurbelt den Stoffwechsel an und verbessert die Herzfunktion.
- Übungen zur Verbesserung der Balance und Gangsicherheit: Mit einem Balance-Pad und einem Bewegungsball können Sie die Balance und die Gangsicherheit verbessern. Barfußgehen auf verschiedenen Oberflächen, Zehenspitzenübungen, Einbeinstand und Ballrollen über Hand und Unterarm sind weitere geeignete Übungen.
- Übungen für einen sicheren Gang: Einen sicheren Gang können Sie trainieren, indem Sie bewusst im Zeitlupentempo gehen, die Knie hochziehen oder auf Zehenspitzen gehen. Übungen an einer Treppe können ebenfalls das Gangbild verbessern.
Selbstbehandlung von Triggerpunkten
Triggerpunkte können auch selbst behandelt werden, und zwar mit einer gezielten Selbstmassage.
- Auffinden von Triggerpunkten: Triggerpunkte sind in der Regel schmerzhaft und druckempfindlich und können als kleine Knötchen oder Verhärtungen im Muskel ertastet werden.
- Selbstmassage: Massieren Sie den Triggerpunkt mit langsamem, aber festem Druck, wobei ein leichter Schmerz spürbar werden sollte (Wohlfühlschmerz). Die Finger sollten dabei auf der Haut haften bleiben und die Haut mitbewegen. Wiederholen Sie diesen Vorgang 10-20 Mal und lassen Sie den Triggerpunkt anschließend einige Zeit lang in Ruhe.
- Dehnübungen: Nach der Massage können Dehnübungen die Entspannung der Muskulatur fördern und die Beweglichkeit verbessern.
Weitere Therapieansätze
Neben den genannten Therapieansätzen gibt es noch weitere Möglichkeiten, die Symptome von Polyneuropathie und Triggerpunkten zu lindern:
- Medikamentöse Therapie: Bei neuropathischen Schmerzen können Antidepressiva, Antiepileptika und Opiate eingesetzt werden. Für die sensible Neuropathie gibt es keine speziellen Medikamente.
- Psychologische Therapie: Psychologische Unterstützung kann in Einzel- oder Gruppentherapie angeboten werden, um den Umgang mit der Erkrankung zu erleichtern.
- Ergotherapie: In der Ergotherapie werden gestalterische und handwerkliche Techniken angewendet, um die Feinmotorik und das Tastvermögen wieder zu stärken.
- Ganzheitliche Schmerztherapie: Im Rahmen der ganzheitlichen Schmerztherapie können B-Vitamine, Alpha-Liponsäure, Akupunktur und Procain-Basen-Infusionen eingesetzt werden, um die Nervenregeneration zu fördern. Auch Capsaicin, ein Wirkstoff aus Chilischoten, kann bei Polyneuropathien helfen.
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