Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft sehr starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Diese Kopfschmerzen können von weiteren Symptomen begleitet sein und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Glücklicherweise gibt es verschiedene Behandlungsmethoden, darunter die innovative Botulinumtoxin-Therapie (Botox). Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung von Botox bei Migräne, insbesondere im Hinblick auf Triggerpunkte, den Ablauf der Behandlung, die Wirksamkeit und weitere wichtige Aspekte.
Migräne verstehen
Migräne ist eine eigenständige Erkrankung, die speziell behandelt werden muss. Sie tritt häufig in Schüben auf und kann mehrere Stunden bis Tage andauern. Die Symptome einer Migräne können variieren, beinhalten jedoch typischerweise:
- Pulsierende oder pochende Kopfschmerzen, meist einseitig
- Übelkeit und Erbrechen
- Lichtempfindlichkeit (Photophobie) und Geräuschempfindlichkeit (Phonophobie)
- Sehstörungen, wie z.B. Lichtblitze oder Zickzacklinien (Aura)
Unbehandelte Migräne kann zu Komplikationen wie chronischer Migräne, Beeinträchtigung der Lebensqualität und Migräne-assoziierten Erkrankungen (z.B. Depressionen, Angststörungen) führen.
Behandlungsmethoden bei Migräne
Die Behandlung von Migräne kann verschiedene Ansätze umfassen:
- Akute Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen, Paracetamol)
- Triptane, die speziell zur Behandlung von Migräne entwickelt wurden
- Prophylaktische Medikamente, die regelmäßig eingenommen werden, um die Häufigkeit der Attacken zu reduzieren
- Lebensstiländerungen, wie Stressbewältigung und Ernährung
Migräne-Therapie mit Botulinumtoxin
Die Botulinumtoxin-Therapie ist eine innovative Methode zur Behandlung von chronischer Migräne. Dabei wird Botulinumtoxin in bestimmte Muskelgruppen im Kopf- und Nackenbereich injiziert, um die Spannungs- und Schmerzentstehung zu reduzieren und die Häufigkeit der Migräneattacken zu reduzieren. Studien haben gezeigt, dass Botulinumtoxin die Häufigkeit und Schwere der Migräneattacken signifikant verringern kann. Häufig wird eine komplette Schmerzfreiheit erreicht. Die Wirkung setzt in der Regel nach einigen Wochen ein und kann mehrere Monate anhalten.
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Fakten zur Migräne Botox-Therapie:
- Die Therapie ist für Patienten mit chronischer Migräne geeignet.
- Studien haben gezeigt, dass Botulinumtoxin die Häufigkeit und Schwere der Migräneattacken signifikant verringern kann. Häufig wird eine komplette Schmerzfreiheit erreicht.
- Die Wirkung setzt in der Regel nach einigen Wochen ein und kann mehrere Monate anhalten.
Ablauf der Botulinumtoxin-Therapie bei Migräne
Der Ablauf der Botulinumtoxin-Therapie bei Migräne umfasst in der Regel:
- Ein ausführliches Beratungsgespräch
- Eine körperliche Untersuchung und möglicherweise das Führen eines Kopfschmerztagebuchs.
- Erstellung eines Injektionsplans.
- Die Injektion des Botulinumtoxins in spezifische Punkte im Kopf- und Nackenbereich.
- Nachsorge und eventuell ein Follow-up-Termin zur Überprüfung der Ergebnisse.
Risiken und Nebenwirkungen
Bis auf leichte Schmerzen während der Injektion ist die Botulinumtoxin-Therapie exzellent verträglich. Weitere Nebenwirkungen sind eine seltene Ausnahme. Beschriebene unerwünschte Effekte sind:
- Vorübergehende Muskelschwäche im behandelten Bereich
- Kopfschmerzen nach der Behandlung
- allergische Reaktionen
Kosten einer Migräne Botox-Therapie
Die Kosten für eine Botulinumtoxin-Therapie zur Behandlung von Migräne können variieren, liegen jedoch in der Regel zwischen 500 und 1000 Euro pro Behandlung. Die genauen Kosten hängen von der Anzahl der Injektionen und dem individuellen Befund des Patienten ab. In manchen Fällen kann eine Kostenerstattung durch die Krankenkasse erfolgen. Damit eine Botox®-Behandlung gegen Schmerzen von Deiner Krankenkasse übernommen wird, müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein. Wir empfehlen, Dich dahingehend vor der Behandlung von Deiner Krankenkasse beraten zu lassen.
Triggerpunkte und Botox
Bei Migräne spielen Triggerpunkte eine wichtige Rolle. Professor Hartmut Göbel, Leiter der Schmerzklinik Kiel, untersucht die Kopfschmerzempfindlichkeit und identifiziert ausgeprägte Triggerpunkte, die entstehen, wenn man sehr häufig Kopfschmerzen hat und der Muskel sich reflektorisch zusammenzieht. Die angespannten Muskeln führen wiederum zu Kopfschmerzen. Und jeder Schmerz steigert die Empfindlichkeit des Nervensystems. Das Botulinumtoxin kann diesen Kreis unterbrechen: Es blockiert die Freisetzung von bestimmten Botenstoffen an den Nerven. Durch Injektion kleinster Mengen Botulinum-Toxin in die schmerzhaften Muskelverhärtungen (die sogenannten Triggerpunkte) kommt es zur Durchbrechung des Teufelskreises von Muskelverspannung und Schmerzen. Folge: Die Muskeln entspannen durch vorübergehende Ausschaltung von Triggerpunkten und spannungsbedingte Kopf-, Nacken- oder Rückenschmerzen verschwinden.
Präoperative Botox-Injektionen zur Vorhersage des OP-Erfolgs
Präoperative Botox-Injektionen sind laut einer neuen Studie ein geeigneter Test, um vorherzusagen, wie gut Patienten mit chronischer Migräne auf eine chirurgische Nervendekompression ansprechen werden. Injektionen mit Botulinumtoxin (Botox) können bei einer anstehenden Dekompression peripherer Nerven als präoperativer Test durchgeführt werden, um die Beteiligung der Triggerstellen zu bestätigen. Wenn die Botox-Injektionen Migräneanfälle verhindern oder verringern, spricht dies dafür, dass der betreffende Auslöser für die Kopfschmerzen des Patienten verantwortlich ist.
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Jeffrey E. Janis vom Ohio State University Wexner Medical Center, USA, sagt: „Unsere Studie untermauert den Wert präoperativer Botox-Injektionen als zuverlässiges Diagnoseinstrument zur Identifizierung von Patienten, die auf eine Migräne-Operation ansprechen werden, mit einem positiven Vorhersagewert von fast 90 Prozent.“
Janis und Kollegen untersuchten die Erfahrungen ihrer Abteilung mit 40 Patienten, die sich einer Kopfschmerzoperation unterzogen. Alle Patienten erhielten gezielte diagnostische Botox-Injektionen auf der Grundlage ihrer Kopfschmerzcharakteristika und der zuvor identifizierten Triggerstellen.
Drei Monate nach der Operation war bei allen Patienten eine Verbesserung des Standard-Migräne-Scores (Migräne-Kopfschmerz-Index, MHI) zu verzeichnen, wobei eine Kombination aus Dauer, Intensität und/oder Häufigkeit der Migräneattacken abnahm. Patienten mit erfolgreichen Botox-Injektionen wiesen bei den meisten Messgrößen für die Reaktion auf eine Kopfschmerzoperation bessere Ergebnisse auf. Die durchschnittliche Verbesserung des MHI-Scores lag nach positiven Botox-Tests bei etwa 90 Prozent, verglichen mit 49 Prozent bei Patienten mit negativen Ergebnissen. Bei Patienten, die positiv auf Botox reagierten, ging die Intensität der Migräne stärker zurück (57 % gegenüber 26 %) und die Migränehäufigkeit (78 % gegenüber 47 %).
Insgesamt wurde die Operation bei 17 von 19 Patienten mit positiven Ergebnissen der Botox-Injektion als erfolgreich eingestuft (Verringerung des MHI um mindestens 50 %), verglichen mit 13 von 21 Patienten mit negativen Botox-Ergebnissen. Ein erfolgreicher Botox-Test hatte einen positiven prädiktiven Wert von 89,5 Prozent.
Andererseits hatte die präoperative Botox-Injektion einen negativen Vorhersagewert von 38 Prozent: Das „bedeutet, dass mehr als die Hälfte der Patienten, die eine erfolglose Botox-Injektion hatten, sich nach der Operation immer noch verbessern“, erklären Janis und Kollegen. Sie betonen, dass Patienten, bei denen die Botox-Injektion nicht erfolgreich war, von weiteren Tests zur Beurteilung der Triggerpunkt-Beteiligung profitieren könnten.
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Botox gegen Kopfschmerzen: Wo wird es gespritzt?
Botox® gegen Kopfschmerzen wird in der Regel in bestimmte Muskelgruppen im Kopf-, Nacken- und Schulterbereich injiziert. Die häufigsten Injektionsstellen befinden sich an der Stirn, an den Schläfen, im Nacken, hinter den Ohren und im oberen Rückenbereich. Diese Bereiche sind besonders relevant bei der Behandlung von Migräne und Spannungskopfschmerzen, da Verspannungen in diesen Bereichen häufig zur entsprechenden Symptomatik führen.
Besonders wichtig ist, dass Deine individuelle Schmerzproblematik und Anatomie bei der Wahl der Injektionspunkte und der Dosierung berücksichtigt werden.
Ablauf einer Botox®-Behandlung bei Migräne
- Beratung: Zunächst erfolgt eine ausführliche Beratung, in der die medizinische Vorgeschichte erfragt wird, insbesondere im Hinblick auf die Kopfschmerzen und Trigger, und die Anatomie und Muskulatur angeschaut wird. Auf der Grundlage wird gemeinsam ein auf Dich zugeschnittenen Behandlungs- und Kostenplan erstellt.
- Behandlung: Die Behandlung selbst dauert je nach behandelten Arealen etwa 10-30 Minuten und ist in aller Regel sehr gut verträglich. Das Botox® wird in gezielten Injektionen in die entsprechende Muskulatur eingebracht. An den Injektionspunkten können je nach Areal kleine Schwellungen oder Quaddeln sichtbar sein, die jedoch rasch innerhalb von etwa einer Stunde wieder abklingen. Auch kleine Hämatome an den Injektionsstellen können vorkommen.
- Nachsorge: Je nach Behandlungsareal wirst Du gebeten, Deinen Kopf für die folgenden vier Stunden möglichst aufrecht zu halten. Die behandelten Areale solltest Du möglichst in Ruhe lassen und keinen Druck ausüben. Manchmal kann es vorkommen, dass durch die Injektionen selbst in den Triggerbereichen vorübergehend Kopfschmerzen ausgelöst werden. Nach wenigen Tagen setzt die Botox®-Wirkung ein und Du wirst merken, dass die Spannung in der entsprechenden Muskulatur sinkt und die Schmerzen zurückgehen. Bis sich die Wirkung vollständig ausgebildet hat, können 7-14 Tage vergehen.
Vorteile einer Botox®-Behandlung bei Kopfschmerzen
- Schmerzlinderung und Lebensqualität: Botox® kann in vielen Fällen sowohl die Häufigkeit als auch die Intensität von Migräne oder Spannungskopfschmerzen deutlich verringern. Viele Patient:innen berichten von einer deutlich gesteigerten Lebensqualität.
- Weniger Medikamente: Bei entsprechender Wirksamkeit kann auch die Einnahme von Medikamenten häufig deutlich reduziert werden.
- Gute Verträglichkeit: Eine Botox®-Behandlung ist in aller Regel sehr gut verträglich und verursacht meist nur geringe Nebenwirkungen, wie vorübergehende Schwellungen oder kleine Hämatome.
Botox auch bei Spannungskopfschmerzen
Botox® kann auch Spannungskopfschmerzen lindernSpannungskopfschmerzen stellen die häufigste Form von Kopfschmerzen dar und äußern sich meist in einem dumpfen, drückenden Schmerz, der nicht einseitig begrenzt ist. Sie entstehen meist durch Muskelverspannungen im Nacken- und Kopfbereich, häufig bedingt durch Stress oder schlechte Körperhaltung, weshalb eine gezielte Entspannung dieser Muskulatur Spannungskopfschmerzen verbessern kann. Im Gegensatz zur Migräne, die häufig starke, pulsierende Schmerzen mit begleitenden Symptomen wie Übelkeit und Lichtempfindlichkeit verursacht, sind Spannungskopfschmerzen oft weniger intensiv und gehen nicht mit zusätzlichen Symptomen wie Aura oder Lichtempfindlichkeit einher. Symptome wie Übelkeit und Unwohlsein können jedoch auch hier auftreten.
Wichtige Aspekte
- Individuelle Behandlung: Der Ablauf einer Botox-Therapie variiert je nach Indikation und wird individuell angepasst. Vor jeder Behandlung findet ein individuelles Beratungsgespräch statt, um die Therapie optimal auf Ihre Bedürfnisse abzustimmen.
- Spezialisierte Behandlung: Zur Behandlung der chronischen Migräne hat das Präparat Botox® inzwischen eine Zulassung; hier muss die Behandlung bei einem hierauf spezialisierten Neurologen nach einem festen Schema erfolgen (gemäß PREEMPT-Studie).
- Kein Allheilmittel: Botox ist kein Allheilmittel - im Durchschnitt kann es zwei Krankheitstage im Monat verhindern. Es gibt Patienten, die brauchen zwei, dreimal diesen Behandlungszyklus und dann stabilisiert sich das so gut, dass es dann gut bleibt. Und bei einigen wirkt es auch gar nicht. Denn Migräne ist eine komplexe Erkrankung.
- Alternative Therapien: Betroffene sollten Stresssituationen vermeiden, Entspannungsübungen in den Alltag einbauen und regelmäßig Sport treiben.
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