UMG Göttingen: Fortschrittliche Neurologieforschung im Fokus

Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) hat sich als ein bedeutendes Zentrum für neurologische Forschung etabliert. Durch interdisziplinäre Zusammenarbeit und innovative Forschungsmethoden trägt die UMG maßgeblich zum besseren Verständnis, zur Diagnose und zur Behandlung neurologischer Erkrankungen bei. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Forschungsaktivitäten der Neurologie an der UMG Göttingen, von der Entwicklung neuer diagnostischer Verfahren bis hin zur Erforschung innovativer Therapieansätze.

Diagnostik von Prionerkrankungen: Neue Methoden der UMG

An der Göttinger Universitätsmedizin wurde ein neues Verfahren zur Diagnose von Prionerkrankungen entwickelt, darunter die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit. Diese Methode ermöglicht eine frühere Erkennung der Krankheit. Inga Zerr und Peter Hermann haben die Studie zur Diagnostik von Creutzfeld-Jakob veröffentlicht. An der Göttinger Universitätsmedizin wird bereits mit der Methode zur Früherkennung von Kreutzfeldt-Jakob gearbeitet.

Spezialambulanz für neurogenetische und neuromuskuläre Erkrankungen

Die neurologische Klinik der UMG bietet eine Spezialambulanz für die Diagnosestellung, Beratung, Behandlung sowie die Verlaufskontrolle der überwiegend chronisch-verlaufenden neurogenetischen neuromuskulären Erkrankungen.

Leistungen der Spezialambulanz

Die Leistungen der neurologischen Klinik umfassen:

  • Ausführliche klinische Untersuchung und Festlegung eines diagnostischen Konzepts bei Erstvorstellung.
  • Laborchemische Analysen.
  • Neurophysiologische Befunderhebung (Elektromyographie, Neurographie, Evozierte Potentiale).
  • Ggf. weiterführende Diagnostik im Rahmen eines kurzen stationären Aufenthaltes in der Klinik für Neurologie.

Für Terminvereinbarungen steht Frau Sigrid Blitz, Patientenlotsin des zertifizierten Neuromuskulären Zentrums, unter der Telefonnummer 0551/39-62520 zur Verfügung. Die Leitstelle der Klinik für Neurologie ist unter neurologie.nmz(at)med.uni-goettingen.de oder telefonisch unter 0551/39-63099 erreichbar. Ambulanztermine finden montags von 8.30 bis 13.30 Uhr statt, nach Vereinbarung auch dienstagvormittags. Der Ort ist die Leitstelle Neurologie, Ebene 2, Aufzug B1 in der Universitätsmedizin Göttingen.

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Ablauf der Behandlung

Nach Anmeldung an der Leitstelle der Neurologie mit Überweisung durch einen niedergelassenen Arzt/Ärztin erfolgt eine ausführliche Erhebung der Vorgeschichte und eine klinisch-neurologische Untersuchung. Patient*innen werden gebeten, zu diesem Termin sämtliche ihnen zugänglichen Befunde aus Voruntersuchungen (z. B. alte Arztbriefe, Laborwerte, kernspintomographische Aufnahmen) mitzubringen. Nach der ersten Vorstellung wird gemeinsam der weitere Ablauf der Diagnostik (ambulant versus stationär, Biopsie etc.) besprochen und ggf. bereits erste Therapiemaßnahmen eingeleitet. Die ambulante Vorstellung dient einer ersten möglichst präzisen Einordnung der Symptomatik und der gezielten Planung des weiteren Procedere. Im Rahmen der Ambulanz sind ggf. auch Familienuntersuchungen nach vorheriger Anmeldung möglich.

Kooperationen

In Zusammenarbeit mit anderen Kliniken des Zentrums Neurologie der Universitätsmedizin Göttingen erfolgen:

  • Entnahme von Muskel- oder Nervengewebe (Biopsie) in Zusammenarbeit mit der Klinik für Neurochirurgie (kurzer stationärer Aufenthalt notwendig).
  • Feingewebliche Untersuchungen des Biopsats in Zusammenarbeit mit der Klinik für Neuropathologie.
  • Augenuntersuchung in Zusammenarbeit mit der Klinik für Augenheilkunde, vorwiegend bei erblichen Erkrankungen.
  • Herzuntersuchungen in Kooperation mit der Kardiologischen Klinik.
  • Molekulargenetische Untersuchung und genetische Beratung in Zusammenarbeit mit der Klinik für Humangenetik.

Forschungsprojekte im Bereich der Charcot-Marie-Tooth-Krankheit (CMT)

Die UMG Göttingen engagiert sich intensiv in der Erforschung der Charcot-Marie-Tooth-Krankheit (CMT), einer der häufigsten vererbten Neuropathien. Im Fokus stehen dabei verschiedene Aspekte der Erkrankung, von der Identifizierung neuer Biomarker bis hin zur Untersuchung spezifischer Symptome wie autonome Störungen und Tremor.

Multi-„Omic“-Ansatz zur Identifizierung neuer Biomarker bei CMT1A

Die Studie "Ein multi-„omic“ Ansatz zur Identifizierung neuer Biomarker bei der frühen Charcot-Marie-Tooth-Krankheit 1A (CMT1A)" unter der Leitung von Prof. Dr. med. M. W. Sereda und Prof. Dr. med. Ekkehard Wilichowski (für pädiatrische Patientinnen) zielt darauf ab, frühe Marker für den Schweregrad der CMT1A-Erkrankung zu finden. Die Rekrutierung erfolgt über CMT-NET an den Standorten Göttingen (deutsche Patienten) und Marseille, Frankreich (französische Patienten). Die Studie richtet sich an junge CMT1A Patientinnen (10-30 Jahre).

Hintergrund und Problemstellung

Die Charcot-Marie-Tooth-Krankheit Typ 1A (CMT1A) ist die häufigste vererbte Neuropathie, die durch eine Verdopplung des PMP22-Gens verursacht wird. Betroffene zeigen typischerweise bereits in der Kindheit Symptome, die unterschiedlich verlaufen und bisher nicht behandelbar sind. Ein frühzeitiges Eingreifen ist entscheidend, um dauerhafte Nervenschäden zu verhindern, aber es fehlt an Biomarkern, die frühe Krankheitsstadien anzeigen können.

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Forschungsansatz und Methoden

In dieser Studie werden Blut- und Nervenproben junger CMT1A-Ratten am MPI-NAT analysiert, um frühe Marker für den Schweregrad der Erkrankung zu entdecken. Parallel dazu werden neuartige klinische Messungen und MRT-Untersuchungen an einer großen Gruppe von CMT1A-Patientinnen im Alter von 10-30 Jahren über 12 Monate hinweg an 2 Standorten (Göttingen, Marseille, Frankreich) durchgeführt. Die Genanalyse der identifizierten Kandidaten in den Rattenproben wird anschließend in Blutproben der Patientinnen überprüft.

Ziele und Erwartungen

Die Studie zielt darauf ab, Biomarker für den Schweregrad der Krankheit zu etablieren und das Fortschreiten der Krankheit vorherzusagen. Dies ist besonders wichtig für klinische Studien bei jungen CMT-Patient*innen, um bessere Behandlungsstrategien zu entwickeln. Die Bemühungen sollen dazu beitragen, frühe Marker für den Schweregrad und Fortschreiten der Krankheit besser vorherzusagen. Langfristig könnten diese Erkenntnisse die Entwicklung neuer Therapieansätze ermöglichen und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern.

Zusammenfassung

Die CMT-MODs Studie untersucht genetische Veränderungen und klinische Messungen, um frühe Marker für die Schwere der CMT1A-Erkrankung zu finden. Ziel ist es, das Fortschreiten der Krankheit vorherzusagen und bessere Behandlungen für junge CMT-Patient*innen zu entwickeln.

Untersuchung autonomer Störungen bei CMT-Patient*innen

Ein weiteres Forschungsprojekt unter der Leitung von Dr. med. M. W. Sereda und PD Dr. med. Christoph van Riesen untersucht das Vorkommen und die Ausprägung autonomer Störungen bei CMT-Patient*innen.

Hintergrund und Problemstellung

Autonome Störungen, die das unbewusste Körperfunktionen wie Herzschlag und Verdauung steuern, können den Alltag und die Lebensqualität von CMT-Patient*innen erheblich beeinträchtigen. Es ist jedoch wenig darüber bekannt, wie häufig diese Störungen bei CMT auftreten und wie stark sie ausgeprägt sind.

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Forschungsansatz und Methoden

In dieser Studie werden CMT-Patient*innen durch Fragebögen und nicht-invasive Tests untersucht, um das Vorkommen und die Schwere der autonomen Störungen zu erfassen. Dabei werden auch die Diagnose, der genetische Hintergrund (Genotyp) und individuelle Krankheitsdaten wie Dauer der Erkrankung und Schwere der neurologischen Einschränkungen sowie zusätzliche Diagnosen aus den Patientenakten berücksichtigt.

Ziele und Erwartungen

Die Studie möchte herausfinden, wie häufig autonome Störungen bei CMT-Patientinnen vorkommen, welche Bereiche des autonomen Nervensystems am meisten betroffen sind, ob es Risikofaktoren für diese Störungen gibt und welche Unterschiede zwischen den verschiedenen CMT-Typen bestehen. Die Forschung soll neue Erkenntnisse über die autonomen Störungen bei CMT-Patientinnen liefern. Langfristig soll dies dazu beitragen, die Versorgung und Behandlung der Betroffenen zu verbessern und ihre Lebensqualität zu erhöhen.

Zusammenfassung

Die Studie untersucht, wie oft und wie stark Probleme des autonomen Nervensystems bei Menschen mit CMT vorkommen.

Detaillierte Analyse von Tremor bei CMT-Patient*innen

Ein Teilprojekt unter der Leitung von Dr. med. M. W. Sereda und Prof. Dr. med. David Liebetanz widmet sich der detaillierten Analyse von Tremor (Zittern) bei CMT-Patient*innen.

Hintergrund und Problemstellung

Tremor ist ein häufiges Symptom bei CMT, aber die genauen Ursachen und Auswirkungen sind noch unklar. Es gibt wenig Forschung darüber, wie sehr der Tremor die täglichen Aktivitäten und das Wohlbefinden der Patient*innen einschränkt.

Forschungsansatz und Methoden

In diesem Teilprojekt wird der Tremor bei CMT-Patient*innen genauer untersucht. Dies geschieht durch die Messung der Muskelaktivität mittels Oberflächen-Elektromyographie und die Analyse von Bewegungen mit einem Accelerometer. Zusätzlich werden individuelle Krankheitsdaten erhoben, um den Tremor besser zu verstehen und seine Ursachen zu ermitteln. Die Studie umfasst die Verwendung von Oberflächen-Elektromyographie und Accelerometer-Analyse zur Messung und Charakterisierung des Tremors. Darüber hinaus werden Fragebögen eingesetzt, um herauszufinden, wie sehr der Tremor die täglichen Aktivitäten der Patientinnen beeinträchtigt. Klinische Untersuchungen werden von erfahrenen Neurologen videobasiert aufgezeichnet, um eine genaue Bewertung des Tremors und seiner Auswirkungen zu ermöglichen. Schließlich werden die Daten mit genetischen Informationen verglichen, um mögliche Zusammenhänge zwischen genetischen Varianten und dem Auftreten des Tremors zu untersuchen. Zur besseren Vergleichbarkeit werden auch CMT-Patientinnen ohne Tremor in die Studie einbezogen.

Ziele und Erwartungen

Diese Studie zielt darauf ab, den Tremor bei CMT-Patient*innen besser zu charakterisieren und zu verstehen, welche Einschränkungen dadurch entstehen. Außerdem soll untersucht werden, ob es genetische Prädispositionen für den Tremor gibt und wie sich der Tremor im Verlauf der Erkrankung entwickelt. Die Forschung soll dazu beitragen, die Ursachen und Auswirkungen des Tremors bei CMT zu klären. Langfristig könnte dies zu besseren Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten führen und somit die Lebensqualität der Betroffenen verbessern.

Zusammenfassung

Diese Studie untersucht das Zittern (Tremor) bei CMT-Patientinnen, um besser zu verstehen, warum es auftritt und wie stark es das Leben der Betroffenen beeinträchtigt.

Bedeutung der Forschung für CMT-Patienten

Die Forschungsprojekte der UMG Göttingen zur CMT-Erkrankung sind von großer Bedeutung, da sie dazu beitragen, die komplexen Mechanismen dieser Krankheit besser zu verstehen. Durch die Identifizierung von Biomarkern, die Untersuchung spezifischer Symptome und die Entwicklung neuer Therapieansätze kann die Lebensqualität von CMT-Patienten nachhaltig verbessert werden.

Heart and Brain Center Göttingen (HBCG): Interdisziplinäre Forschung für Herz- und Hirnerkrankungen

Ein Leuchtturmprojekt der UMG Göttingen ist das Heart and Brain Center Göttingen (HBCG), ein interdisziplinäres Forschungsgebäude, das die Zusammenarbeit von Kardiologie und Neurologie auf ein neues Niveau heben soll. Die „Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK)“ von Bund und Ländern hat beschlossen, dass die Universitätsmedizin Göttingen (UMG), eine Partnereinrichtung des DZHK, das bundesweit einmalige Wissenschaftsvorhaben umsetzen und das geplante Heart and Brain Center Göttingen (HBCG) bauen kann. Die Kosten für das neue Gebäude liegen bei 31 Millionen Euro. Die UMG erhält zum ersten Mal eine solche Förderung.

Zielsetzung und Innovation

Das HBCG schafft eine gemeinsame Forschungsinfrastruktur zur wissenschaftlichen Bearbeitung organübergreifender Ursachen von häufigen Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems und des Nervensystems. In dem Bau werden künftig interdisziplinäre, wissenschaftliche Heart and Brain-Studien durchgeführt. Dabei sollen zwei Forschungsschwerpunkte der UMG, die Herz-Kreislauf-Medizin und die Neurowissenschaften, räumlich zusammengeführt werden. Bislang arbeiten Kardiologie und Neurologie bei der Diagnostik und Behandlung der Krankheitsbilder wie bei der entsprechenden Forschung fachlich und räumlich voneinander getrennt. Ein vergleichbares, direktes experimentelles und translationales Zusammenwirken von kardiovaskulären und neurologischen Forschern, wie sie im HBCG geplant ist, existiert an keinem anderen Forschungsstandort in Deutschland. Auch international gibt es keine direkt vergleichbaren Vorhaben. Bundesweit einzigartig und innovativ ist das Zusammenwirken der kardiologischen und neurowissenschaftlichen Schwerpunkte, um Krankheitsmechanismen zu verstehen. Zudem können Präventions- und Therapieverfahren entwickelt werden. Der Förderantrag der UMG wurde unter Federführung von Prof. Dr. Gerd Hasenfuß, Direktor der Klinik für Kardiologie und Pneumologie, und Prof. Dr. Mathias Bähr, Direktor der Klinik für Neurologie, eingereicht.

Forschungsschwerpunkte und Methoden

Das HBCG verknüpft die am Göttingen Campus ausgewiesene wissenschaftliche, krankheitsorientierte Expertise in der Neurologie, der Skelettmuskelforschung und der Kardiologie mit der Methodenkompetenz u.a. der Biologie und der molekularen Biowissenschaften, der Bildgebung und Informatik, der Physik, der Pharmakologie und Humangenetik. Im HBCG erfolgen somit erstmalig systematische experimentelle, theoretische und klinische Untersuchungen von Faktoren für Erkrankungen der drei Organsysteme. Das neue HBCG wird somit in die Weiterentwicklung der Kooperationsbeziehungen mit den außeruniversitären Einrichtungen am Göttingen Campus eingebettet sein.

Bedeutung für die medizinische Forschung

Das Konzept des HBCG ist hochinnovativ. Es will die exzellente Expertise aus Neurologie und Kardiologie an der UMG, deren methodische Kompetenzen sowie die translationale Ausrichtung der gemeinsamen Forschungsaktivitäten bündeln. Der an der UMG konzipierte Herz-Gehirn-Muskel-Systemansatz macht eine Entwicklung neuer diagnostischer und therapeutischer Verfahren möglich, die bislang durch die herkömmlichen, organspezifischen Forschungsansätze nicht zugänglich sind.

MR-Forschung in den Neurowissenschaften

Die wissenschaftliche Serviceeinrichtung „MR-Forschung in den Neurowissenschaften“ hat das Ziel, moderne Magnetresonanz (MR)-Verfahren aus der neurowissenschaftlichen Grundlagenforschung zeitnah in die klinische Forschung und Praxis zu bringen. Die Serviceeinrichtung verfügt über einen 3 Tesla MR-Tomografen (Siemens Magnetom Prisma fit, DFG-Projektnummer 374011584), der ausschließlich für Forschungsuntersuchungen im Rahmen von Projekten und klinischen Studien zur Verfügung steht.

Methodenspektrum

Das angewendete Methodenspektrum umfasst unter anderem Verfahren zur strukturellen MR-Tomografie, Echtzeit-MRT, quantitativen MR-Spektroskopie, perfusionbasierten MRT, diffusionsbasierten MRT und funktionellen MRT. Zur Überwachung der Vitalfunktionen und zur Interaktion mit den Versuchspersonen stehen verschiedene Peripheriegeräte zur Verfügung.

Verfügbare Magnetresonanz-Verfahren

In der Forschungsgruppe kommen neben der klassischen strukturellen MRT weitere moderne MR-Techniken zum Einsatz. Für spezielle Fragestellungen besteht die Möglichkeit, entsprechende Techniken zu implementieren. Die folgende Liste gibt einen Überblick über die am Häufigsten eingesetzten Verfahren:

  • MR-Tomografie (MRT): Zur strukturellen Charakterisierung des menschlichen Gehirns mit exzellentem Weichgewebekontrast und hoher räumlicher Auflösung. Zur quantitativen Charakterisierung von Gewebeeigenschaften wird die quantitative MRT (qMRT) eingesetzt.
  • Echtzeit MRT (rt-MRT): Erlaubt die Aufnahme von Bildserien mit Messzeiten von nur noch wenigen Millisekunden und ermöglicht beispielsweise die Untersuchung von Strömungen sowie eine verbesserte quantitative Kartierungen von physikalischen und physiologischen Parametern.
  • MR-Spektroskopie (MRS): Zur lokalisierten Quantifizierung der Hirnmetabolitkonzentrationen. Sie erlaubt Rückschlüsse auf die zelluläre Zusammensetzung und den Stoffwechsel des untersuchten Gewebes.
  • Perfusionsbasierte MRT (PWI/ ASL): Zur Charakterisierung der Gewebedurchblutung. Durch den simultanen Einsatz neurophysiologischer Verfahren (z.B.

Forschungsschwerpunkte der UMG im Bereich Neurowissenschaften

Der Schwerpunkt Neurowissenschaften prägt das Forschungsprofil der UMG und Göttingen Campus seit ca. 15 Jahren nachhaltig. Die Forschungs- und Ausbildungsaktivitäten des Schwerpunktes sind vielfältig vernetzt mit universitären und außeruniversitären Einrichtungen am Göttingen Campus.

Entwicklung des Forschungsschwerpunkts

Die Entwicklung des Schwerpunkts wurde seit 2007 maßgeblich geprägt durch die im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder geförderten Vorhaben, zu denen die Göttinger Graduiertenschule für Neurowissenschaften, Biophysik und Molekulare Biowissenschaften (GGNB) und der Exzellenzcluster Nanoscale Microscopy and Molecular Physiology of the Brain (CNMPB) gehörten. In der UMG sind in Kooperationen mit universitären und außeruniversitären Partnern zwei interdisziplinäre Forschungsinstitute mit eigenständigen Gebäuden und Infrastrukturen, nämlich das European Neuroscience Institute (ENI) und das Center of Biostructural Imaging in Neurodegeneration (BIN) entstanden. Ein weiteres interdisziplinäres Forschungsgebäude für das geplante Heart and Brain Center Göttingen (HBCG) befindet sich im Bau.

Nationale und internationale Vernetzung

Mit dem Göttinger Standort des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), der gemeinsam mit dem BIN in einem Hybrid-Gebäude untergebracht ist, besteht über den Campus hinaus eine nationale Vernetzung des Standorts zum Thema Neurodegeneration. Ab 2021 ist Göttingen - neben DZNE und DZHK - Standort eines dritten Deutschen Zentrum der Gesundheitsforschung (DZG) und wird mit seinem Center for Child Brain Health Göttingen (GoBrain) im Rahmen des Deutschen Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit (DZKJ) gefördert.

Klinische Kompetenzzentren

Die klinische Verbindung mit der grundlagenwissenschaftlichen Expertise am Standort wird durch neurologisch-psychiatrische Medizinische Kompetenzzentren, wie dem Klinischen Multiple Sklerose Zentrum, den Zentren für Neurovaskuläre und Neuromuskuläre Erkrankungen, dem Klinischen Demenzzentrum sowie dem Parkinsonzentrum Göttingen-Kassel sichergestellt. In diesen werden die entsprechenden Krankheitsbilder nach internationalen Standards interdisziplinär behandelt und die therapeutischen Optionen im Rahmen klinischer Studien kontinuierlich erweitert. Grundlagenwissenschaften und klinische Versorgung noch effizienter zu verzahnen ist eine zentrale Aufgabe des im Aufbau befindlichen Heart and Brain Zentrums (HBCG) sowie der in 2020 neu eingerichteten Außenstelle des Fraunhofer-Institut für Translationale Medizin und Pharmakologie (ITMP) in Göttingen. In dieser werden neue Therapieansätze für chronisch-progrediente neurologische Erkrankungen erarbeitet.

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