Krähen sind intelligente und anpassungsfähige Vögel, die in vielen Städten, darunter auch in Nordrhein-Westfalen, zu einer Plage geworden sind. Ihr lautes Gekrächze, insbesondere während der Brutzeit, und die Verschmutzung durch ihren Kot stellen für viele Anwohner eine erhebliche Belästigung dar. Dieser Artikel beleuchtet die Problematik der Krähenplage, die Ursachen, die rechtlichen Rahmenbedingungen und die möglichen Lösungsansätze, um die Belästigung durch die Tiere zu minimieren.
Die Krähenplage: Ein wachsendes Problem
Die Population der Saatkrähen, einer besonders geschützten Art, wächst in vielen Städten stetig. Soest beispielsweise beherbergt etwa zwölf Prozent der gesamten Krähenpopulation in Nordrhein-Westfalen. Die Vögel leben in Kolonien und bauen ihre Nester auf hohen Bäumen, oft in Wohngebieten. Das Problem ist nicht neu: Seit 30 Jahren wächst die Population der Saatkrähen stetig.
Lärmbelästigung und Verschmutzung
Für viele Menschen ist die Krähenplage eine erhebliche Belastung. Insbesondere während der Brutzeit von April bis Juni, wenn die Vögel bereits ab vier Uhr morgens mit lautem Gekrächze ihre Nester bauen, fühlen sich Anwohner gestört. Hinzu kommt die Verschmutzung durch den Kot der Vögel, der Autos, Dächer und Straßen verunreinigt.
Eine Anwohnerin in Dachau, Christine Reiner, klagt über den Lärm und den Dreck, den die Saatkrähen verursachen. Sie wohnt seit 50 Jahren in ihrer Wohnung und hat in den letzten Jahren eine Zunahme der Krähenpopulation in den Bäumen vor ihrem Haus festgestellt. Auch andere Anwohner in Dachau und umliegenden Gemeinden fühlen sich durch die Krähen belästigt.
Schäden in der Landwirtschaft
Früher wurden Krähen von Landwirten gerne gesehen, da sie Insekten auf den Feldern dezimierten. Inzwischen holen sie sich jedoch auch die Saat aus den Böden, was zunehmend zu einem Problem wird. Der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft hat dazu geführt, dass die Krähen in die Städte abwandern, wo sie leichter Nahrung finden.
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Ursachen der Krähenplage
Die Krähenplage ist ein komplexes Problem mit verschiedenen Ursachen:
- Intensive Landwirtschaft: Der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft führt dazu, dass die Krähen auf dem Land nicht mehr ausreichend Nahrung finden und in die Städte abwandern.
- Klimawandel: Die insgesamt zu warmen Temperaturen führen dazu, dass die Brutzeit der Krähen früher beginnt.
- Nahrungsangebot in Städten: In Städten finden die Krähen ein reichhaltiges Nahrungsangebot, da es dort wärmer ist und es viele Abfälle gibt.
- Fehlender Naturschutz: Eine mangelnde Vielfalt in Wäldern und eine umweltunfreundliche Landwirtschaft tragen dazu bei, dass die Krähen nicht in ihren ursprünglichen Lebensraum zurückkehren.
Rechtliche Rahmenbedingungen
Die Saatkrähe gehört zu den besonders geschützten Arten in Deutschland. Sie darf nicht gejagt werden, und auch Vergrämungsmaßnahmen dürfen nur unter strengen Auflagen und mit Genehmigung durchgeführt werden. Die Kommunen müssen also mit den krächzenden Vögeln leben, solange die Rabenvögel nach dem Bundesnaturschutzgesetz als schützenswerte Art gelten.
Ausnahmegenehmigungen zur Vergrämung
Um die Anzahl der Krähen zu reduzieren, können Städte bei der Unteren Naturschutzbehörde eine Sondergenehmigung beantragen. Diese erlaubt es, vor der Brutzeit die Nester aus den Baumwipfeln zu entfernen, solange noch keine Eier darin liegen. Allerdings ist die Umsetzung dieser Maßnahmen oft schwierig, da die Krähen in den letzten Jahren immer früher mit dem Brüten begonnen haben.
Mögliche Lösungsansätze
Es gibt verschiedene Ansätze, um die Belästigung durch Krähen zu minimieren:
- Vergrämungsmaßnahmen: Das Entfernen der Nester vor der Brutzeit kann helfen, die Anzahl der Krähen zu reduzieren. Allerdings ist diese Maßnahme nur unter strengen Auflagen und mit Genehmigung erlaubt. Auch das Aufhängen von CDs oder das Abspielen von Lock- und Warnrufen der Krähen kann versucht werden, um die Vögel zu vertreiben. In Emmerich wurden etwa Uhu-Attrappen und Drohnen eingesetzt.
- Lebensraumgestaltung: Eine intakte Natur mit abwechslungsreichen Wäldern und einer umweltfreundlichen Landwirtschaft kann dazu beitragen, die Krähen wieder in ihren ursprünglichen Lebensraum zu locken.
- Fütterung vermeiden: Das Füttern von Krähen sollte vermieden werden, da dies die Vögel anlockt und die Population weiter anwachsen lässt.
- Schutz von Saatgut: Landwirte können Maßnahmen ergreifen, um ihr Saatgut vor Krähen zu schützen, beispielsweise durch den Einsatz von Vergrämungsmitteln.
- Umsiedlung: Sämtliche Umsiedlungsversuche sind bislang gescheitert.
- Baumschnitt: "Letztlich kriegt man die Krähen nur aus der Stadt raus, wenn man alle großen Bäume fällt", sagt Christian Chwallek.
- Greifvögel: In Schleswig-Holstein versuchen mehrere Kleinstädte, die Krähen mithilfe von Greifvögeln zu vertreiben. Ein Falkner kommt dazu dreimal pro Woche mit einem Amerikanischen Wüstenbussard in die Städte.
- Biologische Beratung: In Bäumenheim soll ein Biologe helfen.
Umgang mit persönlichen Belästigungen
Wenn man sich persönlich durch Krähen belästigt fühlt, gibt es einige Maßnahmen, die man ergreifen kann:
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- Ohrstöpsel: Ohrstöpsel können helfen, die Lärmbelästigung durch das Gekrächze der Krähen zu reduzieren.
- Baumschutz: Wenn die Krähen in einem Baum vor dem eigenen Fenster sitzen, kann man versuchen, die Vögel durch Schütteln des Baumes zu vertreiben.
- Vogelfutter umhängen: Das Vogelfutter sollte an anderen Bäumen und Büschen im Garten aufgehängt werden, um die Krähen von den Bäumen in der Nähe des Hauses abzulenken.
Strategien zur Krähenabwehr auf Containerfeldern
Krähen und Raben können auf Containerfeldern, wo Garten- und Heidepflanzen in Töpfen angebaut werden, erhebliche Schäden verursachen, indem sie Töpfe umwerfen und nach Nahrung suchen. Um diese Probleme zu minimieren, können folgende Maßnahmen ergriffen werden:
- Netze: Das Abdecken der Containerfelder mit Netzen kann verhindern, dass Krähen und Raben zu den Pflanzen gelangen.
- Scheuchen: Das Aufstellen von Vogelscheuchen oder Attrappen von Raubvögeln kann die Vögel abschrecken.
- Akustische Abschreckung: Der Einsatz von Ultraschallgeräten oder das Abspielen von Vogelabwehrgeräuschen kann die Krähen und Raben vertreiben.
- Regelmäßige Reinigung: Das Entfernen von heruntergefallenen Samen und Pflanzenresten kann das Nahrungsangebot für die Vögel reduzieren.
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