Die Frage, ob Mountainbikerinnen spezielle Frauen-Modelle benötigen, spaltet die Meinungen. Große Bike-Hersteller vertreten unterschiedliche Standpunkte, weshalb eine umfassende Betrachtung des Themas Canyon Neuron WMN unerlässlich ist.
Warum gibt es überhaupt Frauenbikes?
Laut Liv Bicycles, einer Marke von Giant, sind Frauenbikes sinnvoll, da Frauen und Männer anatomische Unterschiede aufweisen. Studien zeigen, dass Frauen eine andere Gewichtsverteilung haben und sich anders auf dem Bike ausbalancieren. Zudem unterscheiden sich die Körperproportionen: Frauen haben häufig einen kürzeren Oberkörper, längere Beine und im Schnitt einen breiteren Sitzknochenabstand. Auch die Körpergröße ist entscheidend, da Frauen oft kleiner sind und kleinere Rahmengrößen benötigen.
Juliana Bicycles, eine Frauenbike-Marke von Santa Cruz, verweist auf die Federelemente von Männerbikes. Bei Standarddämpfern sei die Druckstufe meist zu hart, wodurch Fahrerinnen nicht genügend Federung erhalten. Auch Komponenten wie Sattel und Griffe sind bei Juliana auf die Anforderungen von Frauen abgestimmt. Ansonsten unterscheiden sich Juliana-Bikes in anderen Aspekten nicht von Herrenmodellen. So weisen sie die gleichen Rahmen-Geometrien wie vergleichbare Santa Cruz Modelle auf.
Zusammengefasst liegt der Grund für Frauenbikes also darin, dass sich Männer und Frauen körperlich voneinander unterscheiden.
Unterschiede zwischen Frauen- und Männerbikes
Frauen- und Männerbikes unterscheiden sich hauptsächlich in folgenden Punkten:
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- Geometrie: Kürzerer Reach für kürzere Oberkörper und Arme, niedrigere Überstandshöhe bei kleinen Rahmengrößen.
- Komponenten: Schmalere Lenker/Griffe, Anpassung der Bremshebel auf kleinere Hände, kürzere Kurbelarme, angepasste Federelemente, angepasster Sattel.
Marken, die Frauenbikes anbieten
Viele bekannte Firmen bieten Frauensortimente an, darunter:
- KTM: Die Glory-Serie von KTM umfasst Ladybikes mit speziell auf die weibliche Anatomie angepassten Kontaktpunkten wie Sattel und Griffe. Die Räder sind auch in Rahmengröße XS erhältlich.
- Canyon WMN: Canyon bietet eine breite Palette an WMN-Modellen, darunter Hardtails (Grand Canyon WMN AL SL), All-Mountain-Bikes (Spectral WMN AL), Downhillbikes (Torque WMN AL 5.0) und E-Mountainbikes (Neuron:ON WMN 6.0). Alle Modelle verfügen über eine speziell für Frauen entwickelte Geometrie und Ausstattung.
- Scott Contessa: Die Contessa-Linie von Scott umfasst Hardtails und Fullsuspension-Bikes, die auf die weibliche Geometrie angepasst sein sollen.
- Cube Access WSD und Sting WS: Cube bietet zwei Mountainbike-Frauen-Serien an: Access WS (Hardtails) und Sting WS (Fullys). Alle Bikes der WS-Serie wurden laut Hersteller in Sachen Passform, Funktionalität und Komfort von Profiathletinnen und Feierabend-Bikerinnen getestet und angepasst.
- Cannondale: Cannondale steigt mit den Modellen F-Si Carbon Women’s (Hardtail) und Habit Carbon Women’s (Tourenfully) in den Frauenbike-Markt ein.
- Liv (Giant): Die Untermarke Liv von Giant hat sich darauf spezialisiert, Fahrräder für Frauen zu konzipieren. Liv bietet eine breite Palette an Damen-Racefullys (Pique 29), Trailfullys (Intrigue und Embolden) und Enduro-Modellen (Hail).
- Juliana Bicycles (Santa Cruz): Juliana Bicycles ist die Frauenbike-Marke von Santa Cruz. Die Marke legt bei der Konzeptionierung der Bikes Fokus darauf, dass die Frau sich auf ihrem Bike wohlfühlt. Juliana bietet Fullsuspension-Damenbikes in den Kategorien Cross Country (Joplin), All Mountain/Enduro (Roubion) und Trail (Furtado und Maverick) an.
Das Canyon Neuron WMN im Detail
Das Canyon Neuron ist ein beliebtes All-Mountain-Bike, das auch in einer speziellen Damenversion (WMN) erhältlich ist. Die WMN-Modelle verfügen über eine speziell für Frauen entwickelte Geometrie und Ausstattung.
Geometrie und Rahmengrößen
Die Grand Canyon WMN AL-Bikes von Canyon wurden beispielsweise mit kleineren Rahmengrößen (2XS-M), angepasstem Stack und Reach, passender Kurbellänge und abgestimmten Lenker- und Vorbaudimensionen entwickelt. Auch die Laufradgrößen sind auf die weibliche Geometrie zugeschnitten, indem für die Frauen ausschließlich eine 27,5-Zoll-Variante zur Verfügung steht. Ab der Größe M wächst der Laufraddurchmesser auf das standsgemäße 29er-Maß. Die Rahmengrößen XS & S rollen dagegen auf 27,5 Zoll Reifen.
Ausstattung
Die Federelemente und die Kontaktpunkte zum Körper (Sattel, Lenker, Griffe) wurden beim Neuron 7 WMN auf den weiblichen Körper ausgelegt.
Einige Modelle des Canyon Neuron sind mit folgenden Komponenten ausgestattet:
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- Federgabel: RockShox Judy Silver, 130mm Federweg, 29er Fork, Boost 110 spacing. Bei Rock Shox gibt es beim Grand Canyon das "light tune", da ist die Gabel nicht auf 70kg sondern 50kg abgestimmt. Bei den Neuron WMN Modellen ist aber nur Fox verbaut.
- Dämpfer: RockShox Deluxe Select R, 130 mm Federweg, Maxima Plus damper oil.
- Schaltung: Shimano Deore, 10-speed, 10/11-speed, max cassette size: 46T.
- Dropper Post: Iridium Dropper Post.
Neuron:ON WMN
Auch im E-Bike-Bereich bietet Canyon mit dem Neuron:ON WMN ein speziell auf Frauen zugeschnittenes Modell an. Das Neuron:ON ist ein flottes E-Trailbike mit solider Grundlage für kleine Ausritte auf anspruchsvolleren Strecken.
Neuron Modellvarianten und Preise
Der preisliche Einstieg bei den Neurons liegt bei 1899 €. Ab 3000 € bekommt man bei Canyon bereits einen Carbonrahmen. Die E-Fullys Neuron:ON 7.0 kosten 3.599 €, das Neuron:ON 8.0 ist für 3.999 € erhältlich und die Spitze macht mit 4.499 € das Neuron:ON 9.0.
Fazit zum Canyon Neuron
Das Canyon Neuron ist eine vernünftige Wahl für Singletrail-Liebhaber. Auch wenn es in einer ganzheitlichen Betrachtung stärkere Bikes auf dem Markt gibt, überzeugt das Neuron durch seine Tourentauglichkeit und ist der perfekte Begleiter für Alpenüberquerungen oder ausgedehnte Touren im Mittelgebirge. Die Abgrenzung zum Spectral 125 bleibt damit erhalten.
Alternativen zu Frauenbikes
Einige Hersteller, wie Trek und Specialized, stellen das Konzept, Bikes speziell für Frauen zu entwickeln, in Frage. Sie argumentieren, dass die Unterschiede zwischen Mann und Frau nicht größer sind als die zwischen zwei Männern. Specialized hat beispielsweise herausgefunden, dass zwei männliche Fahrer immensere Unterschiede aufweisen können als Mann und Frau. Daher will Specialized Bikes mit Rahmengeometrien bauen, die allen Fahrern passen sollen - ungeachtet des Geschlechts.
Dennoch bietet auch Specialized Frauenprodukte an, da es durchaus Komponenten gibt, bei denen eine geschlechtsspezifische Anpassung sinnvoll ist, wie beispielsweise der Women’s Power Sattel mit MIMIC Technologie.
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Wie reagieren Frauen auf Ladybikes?
Liv Projektmanagerin Judith Schäfer berichtet, dass viele Frauen zunächst skeptisch gegenüber den Bikes sind, dann aber mit einem breiten Grinsen zurückkommen und begeistert feststellen, dass sie mit einem Liv Bike besser zurechtkommen. Außerdem bekommen sie oft Komplimente für die Optik der Bikes, die für Frauen ja durchaus auch eine Rolle spielt.
Für Juliana Bicycles ist der Unterschied zwischen Männer- und Frauenbikes nicht so groß. Produktmanager Sebastian Tegtmeier sagt, dass Frauen bei ihrer Suche auch nicht direkt bei den "Frauenbikes" landen und auch zu den Männermodellen greifen.
Zudem gibt es auch durchaus Frauen, die ohne Frauenbike gut zurechtkommen. Wenn der Frau die auf den weiblichen Körper angepassten Komponenten nicht fehlen, ist sie daher auch nicht auf ein Ladybike angewiesen.
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