Demenz ist ein Begriff, der oft im Zusammenhang mit Alzheimer genannt wird, aber was genau ist der Unterschied? Dieser Artikel beleuchtet die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Alzheimer und verschiedenen Demenzformen, um ein besseres Verständnis dieser komplexen Erkrankungen zu ermöglichen.
Was ist Demenz?
Demenz (von lateinisch „Dementia“ - zu Deutsch: Torheit, Wahnsinn) ist ein Sammelbegriff für neurologische und neurophysiologische Erkrankungen, die mit einer Minderung der geistigen Fähigkeiten einhergehen. Eine Demenz führt dazu, dass sich verschiedene geistige Fähigkeiten im Vergleich zum früheren Zustand verschlechtern. Es gibt viele verschiedene Ursachen für Demenz.
Ursachen von Demenz
Ursache von Alzheimer und den meisten anderen Demenzerkrankungen ist das Absterben von Nervenzellen im Gehirn. Da die Schädigung des Gehirns nicht rückgängig gemacht werden kann, sind diese Demenzen nicht heilbar. Es gibt aber auch Demenzformen, bei denen andere Grunderkrankungen die Ursache für die Beschwerden sind. Das können Hirnverletzungen sein, Depressionen, Durchblutungsstörungen, Vitaminmangel oder Alkoholmissbrauch.
Häufigkeit von Demenz
In Deutschland leben nach jüngsten epidemiologischen Schätzungen rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Durchschnittlich treten Tag für Tag etwa 900 Neuerkrankungen auf. Sie summieren sich im Lauf eines Jahres auf mehr als 400.000. Infolge der demografischen Veränderungen kommt es zu weitaus mehr Neuerkrankungen als zu Sterbefällen unter den bereits Erkrankten. Aus diesem Grund nimmt die Zahl der Demenzerkrankten kontinuierlich zu. Sofern kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingt, wird sich nach unterschiedlichen Vorausberechnungen der Bevölkerungsentwicklung die Krankenzahl bis zum Jahr 2050 auf 2,3 bis 2,7 Millionen erhöhen. Dies entspricht einem mittleren Anstieg der Zahl der Erkrankten um 25.000 bis 40.000 pro Jahr oder um 70 bis 110 pro Tag. In der älteren Bevölkerung ohne deutsche Staatsangehörigkeit gibt es etwa 158.000 Menschen mit Demenz.
Alzheimer als häufigste Demenzform
Die Alzheimer-Krankheit ist mit etwa 60% die häufigste Demenzform der weltweit ca. 24 Millionen betroffenen Patient:innen. Die Alzheimer-Krankheit gehört mit ca. 60% zur häufigsten Demenz-Form der weltweit ca. 24 Millionen betroffener Patient:innen.
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Ursachen von Alzheimer
Die genauen Ursachen der Alzheimer-Krankheit sind noch nicht vollständig erforscht. Im Gehirn von Menschen mit Alzheimer lagern sich schädliche Proteine wie Amyloid-beta ab. Die Alzheimer-Krankheit entsteht durch den Verlust von Nervenzellen und Gehirngewebe aufgrund von Tau-Fibrillen und Beta-Amyloid-Plaques.
Symptome von Alzheimer
Alzheimer schleicht sich ins Leben. Zunächst treten leichte Gedächtnisprobleme und Orientierungsschwierigkeiten auf. Vergesslichkeit kann ein Anzeichen für Alzheimer sein, muss es aber nicht. Es gehört zum Älterwerden dazu, öfter etwas zu vergessen oder sich langsamer zu erinnern.
Frühe Symptome für eine Demenz: Eine Demenz beginnt schleichend. Die ersten Warnzeichen für Demenz zeigen sich meist in Gedächtnis- und Orientierungsproblemen. Menschen mit einer beginnenden Demenz haben Schwierigkeiten mit gewohnten Aufgaben oder können dem Gesprächsverlauf in einer Gruppe nicht mehr richtig folgen. Auch auffällige Veränderungen in der Stimmungslage oder dem Verhalten können am Beginn einer Demenzerkrankung stehen.
Weitere Symptome:
- Gedächtnisprobleme / Vergesslichkeit: Eines der Hauptsymptome einer beginnenden Alzheimer-Erkrankung ist eine Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses, die sich auf das tägliche Leben auswirkt. Diese Vergesslichkeit äußert sich beispielsweise darin, dass wichtige Termine vergessen, der Herd nicht ausgeschaltet oder der Alltag nur mit Hilfe von Merkzetteln bewältigt werden kann.
- Schwierigkeiten beim Planen und Problemlösen: Den Betroffenen fällt es schwer, sich über einen längeren Zeitraum zu konzentrieren oder etwas vorausschauend zu planen und umzusetzen. Sie brauchen für vieles mehr Zeit als zuvor. Probleme tauchen beispielsweise beim Kochen oder Backen nach bekannten Rezepten, beim Umgang mit Zahlen oder beim Bezahlen von Rechnungen auf.
- Probleme mit gewohnten Tätigkeiten: Alltägliche Handlungen werden plötzlich als große Herausforderung empfunden.
- Schwierigkeiten, Bilder zu erkennen und räumliche Dimensionen zu erfassen.
- Schwierigkeiten, einem Gespräch zu folgen und sich aktiv daran zu beteiligen. Sie verlieren den Faden, verwenden unpassende Füllwörter oder haben Wortfindungsprobleme.
- Verlieren von Dingen oder Ablegen an ungewöhnlichen Orten. Sie können gedanklich nicht mehr zurückverfolgen, wo sie etwas hingelegt haben.
- Verlust der Eigeninitiative und Rückzug von Hobbys, sozialen oder sportlichen Aktivitäten.
- Starke Stimmungsschwankungen ohne erkennbaren Grund.
Wichtig ist: Alle Symptome können auch andere Ursachen haben. Wenn eines oder mehrere dieser Anzeichen bei Ihnen oder einem Familienmitglied wiederholt auftreten, sollten Sie ärztlichen Rat einholen. So können Sie frühzeitig Hilfe bekommen, wenn es sich um eine beginnende Alzheimer-Krankheit oder eine andere Form der Demenz handelt.
Lebenserwartung bei Alzheimer
Die Lebenserwartung bei Alzheimer variiert individuell: Studien zeigen eine durchschnittliche Lebenserwartung nach Diagnosestellung von 4,8 Jahren für Menschen mit Demenz insgesamt. Dieser Durchschnittswert kann individuell stark abweichen. Demenzerkrankungen wie Alzheimer selbst sind nicht direkt tödlich, führen jedoch zu einem fortschreitenden Abbau körperlicher und geistiger Funktionen, einschließlich der motorischen Fähigkeiten. Im späten Stadium ist der Körper meist stark geschwächt, sodass das Risiko für Infektionen, wie beispielsweise Lungenentzündungen, steigt.
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Vorbeugung von Alzheimer
Studien zeigen: Ein gesunder Lebensstil mit Bewegung, geistiger Aktivität, sozialem Austausch und gesunder Ernährung kann das Risiko senken. Noch gibt es keine Heilung für Alzheimer.
Ansteckung bei Alzheimer
Menschen können sich nicht gegenseitig mit der Alzheimer-Krankheit anstecken. Daher ist kein spezieller Schutz im täglichen Umgang mit Patientinnen und Patienten in der Pflege nötig. In der Grundlagenforschung wird die Fragen nach einer möglichen Ansteckung nicht ausgeklammert.
Andere Demenzformen
Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz, aber nicht die einzige. Zu den Demenz-Krankheiten zählen u. a. die vaskuläre Demenz, die Lewy-Body- oder Lewy-Körperchen-Demenz, die Demenz bei Morbus Parkinson, die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, das Korsakow-Syndrom oder die Chronische Traumatische Enzephalopathie (CTE).
- Vaskuläre Demenz: Sie folgt mit ca. 15% und wird durch Durchblutungsstörungen im Gehirn verursacht. Bei der Demenz-Krankheit wird das Gehirn durch Durchblutungsstörungen geschädigt.
- Lewy-Körperchen-Demenz: Sie ist gekennzeichnet durch Halluzinationen und starke Schwankungen der geistigen Leistungsfähigkeit.
- Frontotemporale Demenz: Sie führt häufig zu auffälligen Persönlichkeits- und Verhaltensänderungen.
- Demenz bei Parkinson: Gedächtnis- oder Denkstörungen im fortgeschrittenen Parkinson-Stadium
Im Umgang mit erkrankten Menschen sind die Unterschiede zwischen den Demenzformen oft nicht eindeutig.
Unterschied zwischen Alzheimer und Demenz mit Lewy-Körperchen
Die Alzheimer-Demenz und die Lewy-Körperchen-Demenz sind sich ebenfalls in vielen Merkmalen ähnlich, weshalb letztere lange Zeit gar nicht als eigenständige Erkrankung galt. Inzwischen ist sie als solche anerkannt, denn es gibt auch Unterschiede zwischen Alzheimer & Demenz mit Lewy-Körperchen.
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Die wichtigsten sind:
- Der Zustand von Alzheimer-Patienten verschlechtert sich langsam und mehr oder weniger stetig. Der Verlauf der Lewy-Körperchen-Demenz ist dagegen oft schwankend, vor allem, was die Aufmerksamkeit betrifft.
- Gedächtnisstörungen zeigen sich bei Alzheimer schon früh, bei Lewy-Body-Demenz oft erst spät.
- Visuelle Halluzinationen, wie sie bei der Lewy-Körperchen-Demenz sehr häufig und früh auftreten, sind bei Alzheimer selten frühe Symptome.
- Die Lewy-Body-Demenz geht oft und früh mit Parkinson-ähnlichen Symptomen (extrapyramidale Bewegungsstörungen) einher, besonders mit Muskelsteifheit (Rigor). Bei Alzheimer treten eher erst später auf. Menschen mit Lewy-Körperchen-Demenz leiden dagegen unter wiederholtem Bewusstseinsverlust und Schlafstörungen (unter anderem mit tatsächlicher Handlung der Trauminhalte).
- Die Überempfindlichkeit gegen Neuroleptika (Mittel gegen Halluzinationen, Wahn, Verwirrung etc.) ist ein weiterer deutlicher Unterschied zwischen Alzheimer und der Demenz mit Lewy-Körperchen: Menschen mit Lewy-Body-Demenz vertragen diese Medikamente schlecht oder gar nicht, da sie schwere motorische Nebenwirkungen wie Rigor, Tremor oder sogar akinetische Krisen auslösen können. Daher sind typische und die meisten atypischen Antipsychotika bei ihnen kontraindiziert.
Allerdings sind Antipsychotika bei älteren Menschen mit Demenz generell mit einem erhöhten Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen wie Schlaganfälle, Herzinfarkte oder Lungenentzündungen verbunden. In der Praxis ist der Unterschied Alzheimer - Demenz vom Lewy-Body-Typ aber nicht immer so klar. Man hat nämlich inzwischen eine Alzheimer-Variante entdeckt, bei der sich im Gehirn nicht nur Alzheimer-Plaques, sondern auch Lewy-Körperchen bilden. Die Symptomatik kann sich dann überlappen.
Diagnose von Demenz
Die Diagnose von Demenzerkrankungen lässt sich bei den meisten Betroffenen mit einfachen Mitteln stellen. Auch die Alzheimer-Krankheit kann mit geringem diagnostischen Aufwand gut erkannt werden. Die Ärztin oder der Arzt muss bei Patientinnen und Patienten mit Störungen des Gedächtnisses, der Orientierung, der Sprache oder des Denk- und Urteilsvermögens eine sorgfältige Untersuchung durchführen, um behebbare Ursachen dieser Leistungsstörungen auszuschließen, einen individuell abgestimmten Behandlungsplan zu entwerfen und die Betroffenen und ihre Familien aufzuklären und zu beraten. Sofern Warnsignale vorliegen, zum Beispiel Vergesslichkeit für wiederkehrende Ereignisse und alltägliche Begebenheiten, Wortfindungsstörungen oder Orientierungseinbußen, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Gerade bei leichten, beginnenden Einbußen ist es empfehlenswert, - nach Absprache mit dem Hausarzt - einen Facharzt (Neurologe bzw. Psychiater) oder eine Gedächtnissprechstunde aufzusuchen.
Behandlung von Demenz
In der Behandlung von Menschen mit einer Demenzerkrankung spielen auch Medikamente eine wichtige Rolle. Sie werden in erster Linie zur Stabilisierung der geistigen Leistungsfähigkeit und der Alltagsbewältigung sowie zur Milderung von psychischen und verhaltensbezogenen Symptomen eingesetzt. Neben der medikamentösen ist die nicht-medikamentöse Behandlung von Menschen mit Demenz von großer Bedeutung. Sie kann die geistige Leistungsfähigkeit und Alltagsfähigkeiten fördern, Verhaltensstörungen abschwächen und das Wohlbefinden verbessern.
Demenz bei Menschen mit Lernschwierigkeiten
Bei Menschen mit Lernschwierigkeiten* (früher "geistige Behinderung") treten alle Formen der Demenz genauso auf wie in der Gesamtbevölkerung. Meist zeigen sie sich aber zu einem früheren Zeitpunkt, und ihre Symptomatik wird aufgrund der schon vorhandenen Einschränkungen erst später wahrgenommen. Da die Lebenserwartung von Menschen mit Lernschwierigkeiten erheblich gestiegen ist und weiter steigt, wird es immer wichtiger, Demenzerkrankungen frühzeitig zu erkennen, um einen angemessenen Umgang und die richtige Behandlung und Pflege zu ermöglichen.
Schmerzen bei Demenz
Bei Menschen mit Demenz kann es schwierig sein, Schmerzen zu erkennen, deren Ursachen zu verstehen, sie zu behandeln bzw. zu lindern. In fortgeschrittenen Stadien können die Betroffenen nur unzureichend oder gar nicht Auskunft geben, ob sie Schmerzen haben, wo diese auftreten und wie intensiv sie sind. Dann sind professionell Pflegende, Ärzte sowie Angehörige gefordert, die Patienten aufmerksam zu beobachten, ob Anzeichen für Schmerz vorliegen, und herauszufinden, welches die Ursachen sein könnten.
Hören und Demenz
Hören hat viele wichtige Funktionen im Kontakt mit der Umwelt: Akustische Signale dienen der Orientierung, der geistigen Anregung und der Verständigung mit Anderen. Wenn das Hören eingeschränkt ist oder wegfällt, hat dies große Auswirkungen auf die soziale Situation eines Menschen. Wenn eine Demenz hinzukommt, ist die Gefahr von sozialer Isolation, Fehldiagnosen und gesundheitlicher Fehlversorgung groß.
Rehabilitation bei Demenz
Medizinische Rehabilitation (Reha) soll die Folgen einer Krankheit mindern und den Erkrankten ein größeres Maß an Teilhabe ermöglichen. Insbesondere im frühen und mittleren Stadium profitieren auch Menschen mit Demenz von Reha-Maßnahmen. Auch für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz kann eine Rehabilitation sinnvoll sein. Sie sind durch ihre Aufgabe oft hohen körperlichen und seelischen Belastungen ausgesetzt. Dadurch sind sie besonders gefährdet, körperlich zu erkranken oder eine Depression zu entwickeln.
Alltag mit Demenz
Wie kann der Alltag mit Menschen mit Demenz gestaltet werden? Welche Beschäftigungen machen Spaß und Freude? Wie können Fähigkeiten gefördert, aber Stress und Leistungsdruck vermieden werden?
Demenz Partner werden
Jeder kann Demenz Partner werden - egal ob jung oder alt, berufstätig oder im Ruhestand, egal ob man einen Menschen mit Demenz persönlich kennt oder nicht. Nehmen Sie an einem der 90-minütigen kostenlosen Kompaktkurse bei Ihnen in der Nähe teil, besuchen Sie ein Online-Seminar oder nutzen Sie unsere E-Learning-Angebote.