Glioblastom verstehen: Ein umfassender Überblick

Die Diagnose Glioblastom kann zunächst beängstigend wirken und eine Vielzahl von Fragen aufwerfen. Dieser Artikel soll Ihnen helfen, das Glioblastom besser zu verstehen, von seiner Entstehung und Häufigkeit bis hin zu Symptomen, Diagnoseverfahren und Behandlungsmöglichkeiten.

Was ist ein Glioblastom?

Ein Glioblastom ist ein Hirntumor, der aus den Gliazellen des Gehirns entsteht. Diese Gliazellen sind wichtige Stützzellen im Gehirn, die die Nervenfasern umscheiden und für deren Funktion unerlässlich sind. Ein Glioblastom, auch Glioblastoma multiforme genannt, ist ein Tumor, der aus vielen verschiedenen Teilen besteht, die unterschiedliche Merkmale aufweisen. Es ist der häufigste der hirneigenen Tumoren, was bedeutet, dass er im Gehirn entstanden ist und nicht von anderen Körperteilen dorthin gestreut hat. Das Glioblastom ist nicht eine Erkrankung der Nervenzellen im eigentlichen Sinne, sondern entsteht aus den Stützzellen des Gehirns, den Gliazellen.

Häufigkeit und Risikofaktoren

Glioblastome sind zwar die häufigsten der hirneigenen Tumoren, aber im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen wie Lungen-, Brust- oder Prostatakrebs insgesamt eine seltene Erkrankung. Betroffen sind vorwiegend Patient:innen in der sechsten Lebensdekade, also über 60 Jahre alt, wobei das Hauptalter bei etwa 65 Jahren liegt.

Gliome oder Glioblastome entstehen durch unkontrolliertes Wachstum von Gliazellen. Um dieses unkontrollierte Wachstum zu erreichen, schalten die Zellen alle Schutzmechanismen des Körpers, wie zum Beispiel das körpereigene Immunsystem, schrittweise ab und werden in gewisser Weise "unsterblich".

Risikofaktoren für die Entstehung eines Glioblastoms sind weitgehend unbekannt. Es gibt eine sehr seltene genetische Prädisposition, bei der Glioblastome gehäuft in Familien auftreten, aber dies ist eine absolute Rarität.

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Symptome eines Glioblastoms

Die Symptome eines Glioblastoms hängen stark von der Lage des Tumors im Gehirn ab. Die Symptome im Gehirn hängen immer davon ab, welche Funktion an dieser Stelle verortet ist. Wenn ein Tumor beispielsweise nahe der Hauptmotorikregion liegt, ist es wahrscheinlich, dass Lähmungen auftreten, die von Feinmotorikstörungen bis hin zu Lähmungen der gesamten Körperhälfte reichen können. Diese Symptome können schleichend oder plötzlich auftreten.

Weitere häufige Symptome sind:

  • Epileptische Anfälle, die plötzlich und ohne Vorwarnung auftreten können.
  • Sprach- oder Sprechstörungen, wenn der Tumor nahe der Sprachregion liegt.
  • Motorische Ausfälle, also Ausfälle der Beweglichkeit, wenn der Tumor nahe der Bewegungsregion liegt.
  • Kopfschmerzen sind im Allgemeinen eher im Hintergrund.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Symptome sich im Laufe der Zeit verändern können. Häufig ist es so, dass die Symptome anfänglich nach der Operation, nach der Strahlentherapie besser werden, weil viele der Symptome durch die umgebende Schwellung bedingt sind und nicht primär direkt durch den Tumor. Wenn die Schwellung dann nach der Behandlung zurückgeht, dann werden Symptome auch sehr häufig besser, kommen dann aber häufig wieder zurück, wenn der Tumor zum Beispiel nachwächst. Es kann auch sein, dass die Tumoren nach einer längeren Zeit der Erkrankung auch noch sogenannte Satelliten Tumore entwickeln.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Prinzipiell sollte man bei allen Symptomen, die nicht normal sind, einen Arzt aufsuchen. Insbesondere bei Auftreten von motorischen Störungen, Schwierigkeiten beim Schreiben oder wenn einem ständig Dinge aus der Hand fallen, sollte man einen Arzt aufsuchen, um eine Lähmung auszuschließen. Bei schleichenden Symptomen oder Wesensveränderungen, wie dem Verlust von Alltagsgewohnheiten oder dem Auftreten depressiver Symptome aus dem Nichts heraus, sollte man ebenfalls das Gespräch mit einem Arzt suchen, um mögliche Ursachen abzuklären.

Wenn bereits der Verdacht auf einen Hirntumor besteht, sollte man sich an einen Neurologen oder Neurochirurgen wenden. Prinzipiell ist allerdings sicherlich empfehlenswert, sich primär an den Hausarzt oder die Hausärztin zu wenden, um dann auch eine Überweisung zum Spezialisten/zur Spezialistin zu bekommen für die weitere Diagnostik. Häufig werden andere Arten von Hirntumoren zufällig entdeckt, zum Beispiel wegen Kopfschmerzen, wegen Schwindel oder anderen milden Symptomen.

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Diagnoseverfahren

Wenn der Verdacht auf einen Hirntumor besteht, werden verschiedene diagnostische Verfahren angewendet, um die Art des Hirntumors zu bestimmen. Der Weg zur Diagnose eines Glioblastoms beginnt in der Regel mit der Entnahme von Gewebe, entweder durch eine Biopsie oder eine Entfernung des Tumorgewebes. Dieses Gewebe wird dann in die Neuropathologie gebracht, wo es für weitere Diagnostik vorbereitet und aufgearbeitet wird.

Zu den wichtigsten Diagnoseverfahren gehören:

  • Klinisch-neurologische Untersuchung: Eine klinisch-neurologische Untersuchung die Funktionen des Nervensystems überprüft. So eine klinische neurologische Untersuchung dauert, je nach Erfahrung und je nach Fragestellung, so ungefähr 15 Minuten, vielleicht manchmal auch 20 Minuten. Und man kann das erstens zur Beurteilung des momentanen Zustandes gebrauchen, aber auch im Verlauf ist es sehr wichtig, ob hier Beschwerden z.B. Sie überprüfen zum Beispiel, ob Sie einigermaßen orientiert sind.
  • MRT (Magnetresonanztomographie): Das MRT ist für uns ganz wichtig, weil es uns einfach die Form, die Ausdehnung und die Größe dieser Erkrankung zeigt. Der MRT-Befund ist sicher eine ganz, ganz wichtige Säule in der Interpretation im Verlauf der Erkrankung. Also natürlich sagt uns das MRT, wie es um den Tumor, um die Erkrankung steht.
  • PET-Untersuchung (Positronenemissionstomographie): Das ist eine Untersuchung, die nur in ausgewählten Zentren auch zur Verfügung steht. Das ist eine Methode, die weniger die Form und die Größe des Tumors im Auge hat, sondern sich eher auf die Aktivität, die biologische Aktivität der Tumorzellen fokussiert und konzentriert.
  • Neuropathologie: Die Neuropathologie spielt eine ganz, ganz wesentliche Rolle in der Betreuung von Hirntumorpatienten. Wichtig ist einerseits die Histologie, und die Molekularpathologie beschreibt dann die Eigenheiten dieses Glioblastoms, zum Beispiel mit genetischen Veränderungen wie diesem MGMT-Status oder IDH-Status.
  • Blutuntersuchungen: Die Blutuntersuchung, Blutkontrollen können wir Ihnen leider nicht ersparen. Die sind regelmäßig dabei, wie die bildgebenden Kontrollen mit dem MRT und anderen. Das brauchen wir deswegen, weil die Tabletten, die Sie bei dieser Erkrankung bekommen, nicht nur sozusagen einen Effekt auf die Tumorzellen machen, sondern die machen auch einen Effekt auf die blutbildenden Zellen.

Behandlungsmöglichkeiten

Das Glioblastom ist nicht heilbar. Was wir positiv beeinflussen können, ist die Zeit, bis der Tumor wiederkommt. Bis der Tumor wieder wächst. Das können wir durch alle Behandlungen, durch die Operation, durch die Strahlentherapie, auch durch medikamentöse Behandlungen sehr günstig beeinflussen. Die Behandlungsstrategie ist sehr wichtig, denn natürlich werden durch die Behandlung nicht nur die Tumorzellen selbst behandelt, sondern es kommt auch zu Nebenwirkungen.

Zu denStandardbehandlungen gehören:

  • Operation: Zum einen ist die Prognose davon abhängig, wie gut man es behandeln kann. Das bedeutet zum Beispiel aus neurochirurgischer Sicht, wie gut man den Tumor entfernen kann, ob man den komplett entfernen kann.
  • Strahlentherapie: Wenn man jetzt davon ausgeht, dass die Operation gut gegangen ist und danach die Strahlentherapie gemacht wurde dann machen wir in der Regel in unserer neuroonkologischen Ambulanz alle drei Monate MRT Kontrollen, schauen uns die an, machen dann auch noch spezielle Sequenzen dazu, weil man häufig nach einer Strahlentherapie Veränderungen im MRT sieht.
  • Chemotherapie: Das ist die Standardtherapie gemeinsam mit einer Chemotherapie.

Wenn der Tumor zurückkehrt (Rezidiv), stehen verschiedene Optionen zur Verfügung, darunter erneute Operation, Strahlentherapie oder medikamentöse Therapien. Ähnliche Überlegungen hat man, wenn es den Patienten und Patientinnen sehr gut geht, auch beim zweiten Rezidiv. Das heißt, jedes Mal, wenn der Tumor zurückkommt, steht man wieder vor sozusagen denselben Gedanken. Kann man nochmal operativ was machen. Kann man nochmal strahlentherapieren? Was gibt es an medikamentösen Optionen?

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Forschung und neue Therapieansätze

Die Forschung zum Glioblastom ist sehr aktiv, und es werden ständig neue Therapieansätze entwickelt. Forscher untersuchen die genetischen Eigenschaften in der Entwicklung von Glioblastomen, um herauszufinden, welche Veränderungen im Erbgut zum ungehemmten Wachstum der Zellen führen.

Ein vielversprechender Ansatz ist die Entwicklung von Medikamenten, die gezielt auf bestimmte genetische Veränderungen in den Tumorzellen abzielen. Durch Kombination verschiedener Wirkstoffe gegen die jeweils spezifischen Veränderungen können dann wirklich alle Tumorzellen gezielt angegriffen werden.

Ein weiterer Ansatz ist die Beeinflussung der Aktivierungszustände von Glioblastomzellen. Unsere Ergebnisse bestätigen, dass nicht alleinentscheidend ist, aktive Krebszellen zu töten, sondern dass vor allem die Blockade der Übergänge zwischen Aktivität und Ruhezustand für den Ausgang einer Therapie entscheidend ist

Psychoonkologische, palliative und familiäre Unterstützung

Die Diagnose Glioblastom und die damit verbundene Behandlung können eine erhebliche psychische Belastung darstellen. Psychoonkologische, palliative und familiäre Unterstützung kann in dieser schwierigen Zeit eine wertvolle Hilfe sein. Es ist sehr selten, dass Patient:innen mit Glioblastomen weiterhin beim Hausarzt oder bei der Hausärztin oder in kleineren Krankenhäusern betreut werden. Meistens werden die Patient:innen in Österreich an den neuroonkologischen Zentren betreut. Dort haben sie ihre Ansprechpartner:innen, an die sie sich auch wenden sollten, wenn sich die Symptome verschlechtern, neue Symptome auftreten oder auch bei allen anderen Fragen oder Problemen.

Tipps für das Arztgespräch

Um das Arztgespräch optimal zu nutzen, empfiehlt es sich, folgende Tipps zu beachten:

  • Fragen notieren: Überlegen Sie sich vor dem Gespräch, welche Fragen Sie haben und welche Informationen Sie benötigen.
  • Begleitung: Nehmen Sie wenn möglich eine vertraute Person mit zum Gespräch.
  • Befunde: Bringen Sie relevante Vorbefunde mit, insbesondere Arztbriefe über Vorerkrankungen.

Was tun bei Verschlechterung der Symptome?

Wenn sich Symptome verschlechtern oder neue Beschwerden auftreten, sollten Sie immer Kontakt mit Ihren behandelnden Ärzt:innen aufnehmen.

"Was hab’ ich?"

Das Internet-Portal „Was hab’ ich?“ bietet eine kostenlose Übersetzung von medizinischen Befunden in eine leicht verständliche Sprache an.

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