Vollnarkose: Risiken und Zusammenhang mit Polyneuropathie

Eine Vollnarkose ist ein medizinischer Eingriff, der mit verschiedenen Risiken verbunden sein kann. Obwohl schwerwiegende Komplikationen selten sind, ist es wichtig, sich der potenziellen Gefahren bewusst zu sein. Dieser Artikel beleuchtet die Risiken einer Vollnarkose und geht insbesondere auf den möglichen Zusammenhang mit Polyneuropathie ein.

Einführung

Eine Vollnarkose ist ein Zustand kontrollierter Bewusstlosigkeit, der es ermöglicht, schmerzhafte Eingriffe ohne Leiden durchzuführen. Sie wird durch die Verabreichung von Medikamenten, sogenannten Anästhetika, erreicht. Obwohl Narkosen heute sicherer sind als je zuvor, sind sie nicht risikofrei.

Allgemeine Risiken einer Vollnarkose

Während einer Narkose können verschiedene Zwischenfälle auftreten. Wenn diese in direktem Zusammenhang mit der Anästhesie stehen, spricht man von Narkosezwischenfällen oder -komplikationen. Diese Zwischenfälle gelten als die wichtigste Ursache für Todesfälle im Zusammenhang mit der Anästhesie. In Deutschland kommt es in etwa 0,4 von 100.000 Fällen zu Todesfällen im Zusammenhang mit der Narkose.

Von Narkosezwischenfällen abzugrenzen sind kritische Narkoseereignisse, die durch menschliches Versagen oder Geräteausfall entstehen. Solche Ereignisse treten in etwa 1 von 83 Fällen auf, bleiben aber meist folgenlos, da sie während der Narkose behoben werden können. Narkosezwischenfälle treten unabhängig von Alter, Zustand des Patienten oder spezifischen Operationsrisiken auf.

Arten von Narkosezwischenfällen

Zu den häufigsten Zwischenfällen bei Narkosen gehören:

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  • Fehlfunktionen des Monitorings: Dies betrifft beispielsweise Fehlfunktionen der Beatmungssysteme oder Narkosemittelverdampfer. Verbesserungen in der Technologie haben das Risiko technischer Versagen jedoch minimiert.
  • Komplikationen in Zusammenhang mit den Atemwegen (respiratorische Zwischenfälle): Dazu gehören unterlassene Beatmung, Diskonnektion (Trennen der Gasverbindung zum Patienten, was zu Hypoxie führt), fehlerhafte Intubationen in die Speiseröhre und das Eindringen von Magensaft in die Atemwege (pulmonale Aspiration). Bei Vollnarkosen liegt das Risiko einer Aspiration bei etwa 1:3.000, wobei Schwangere stärker gefährdet sind (1:1.000).
  • Unangepasste Verabreichung von Medikamenten: Dies umfasst Fehldosierungen durch mangelndes Wissen oder unzureichende Kennzeichnung, was zu Wachheit während der Operation (Awareness) führen kann. Das Awareness-Risiko liegt zwischen 0,1 und 0,15 Prozent und kann chronische psychische Störungen verursachen.
  • Kardiovaskuläre Komplikationen: Diese umfassen Herzstillstand oder schwere Schäden am Gehirn (zerebrale Funktionsstörung).

Ursachen von Narkosezwischenfällen

Die Ursachen für Narkosezwischenfälle liegen oft in Fehlern des Anästhesisten oder Funktionsstörungen des Anästhesiezubehörs, die nicht rechtzeitig erkannt oder behoben werden. Etwa 10 Prozent der Zwischenfälle haben eine technische Ursache, während 60-82 Prozent auf menschliches Versagen zurückzuführen sind.

Morbidität im Zusammenhang mit Narkose

Morbidität bezieht sich auf ungeplante und unerwünschte Wirkungen der Narkose. Es gibt verschiedene Schweregrade:

  • Geringfügige Morbidität: Leichte Verlaufsform ohne Folgeschäden oder Verlängerung des Krankenhausaufenthalts.
  • Mittelgradige Morbidität: Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens und Verlängerung des Krankenhausaufenthalts, aber keine Folgeschäden.
  • Hochgradige Morbidität: Schwere Verlaufsform mit permanenten Folgeschäden, beispielsweise Herzstillstand oder schwere Schäden am Gehirn.

Patienten im Kindesalter oder über 65 Jahren haben ein erhöhtes Risiko für Anästhesiemorbidität.

Postoperative Neuropathien: Ein seltenes, aber mögliches Risiko

Postoperative Neuropathien sind Nervenschädigungen, die nach einer Operation auftreten können. Sie sind meist mild und vorübergehend, können aber in Einzelfällen zu anhaltenden Beeinträchtigungen führen.

Risikofaktoren für postoperative Neuropathien

Menschen mit vorbestehenden Erkrankungen der peripheren Nerven oder Erkrankungen, die Nervenschädigungen begünstigen, haben ein erhöhtes Risiko für postoperative Neuropathien. Zu diesen Risikofaktoren zählen:

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  • Sehr niedriger oder sehr hoher Body-Mass-Index
  • Diabetes mellitus
  • Periphere Gefäßerkrankungen
  • Alkoholabhängigkeit
  • Tabakkonsum
  • Arthritis

Ursachen postoperativer Neuropathien

Die Ursachen für postoperative Neuropathien sind vielfältig:

  • Traumen während des Eingriffs: Überdehnungen, Kompressionen oder andere Schäden durch die Lagerung des Patienten.
  • Entzündliche Prozesse: Entzündungen nach der Operation können periphere Nerven schädigen.
  • Mechanische Ursachen: Seltenere mechanische Ursachen, die durch das Operationsteam vermieden werden sollten.

Symptome postoperativer Neuropathien

Kennzeichnend für postoperative neuropathische Schmerzen ist eine veränderte Hautsensibilität. Betroffene können unter- oder überempfindlich auf Reize wie Kälte, Wärme, Berührung oder Druck reagieren. Weitere Symptome sind:

  • Taubheitsgefühle
  • Schmerzattacken (kribbelnd, brennend, stechend, einschießend oder elektrisierend)
  • Muskelatrophie durch Vermeidung von Bewegungen des schmerzenden Körperteils

Therapie postoperativer Neuropathien

Die Therapie postoperativer neuropathischer Schmerzen kann wie folgt aussehen:

  • Medikamentöse Therapie: Antikonvulsiva, trizyklische Antidepressiva, selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer oder Opioide. Lokale Therapie mit Lidocain-Pflastern. Oft ist eine Kombination mehrerer Medikamente sinnvoll.
  • Nicht-medikamentöse Therapie: Warme Fußbäder, transkutane elektrische Nervenstimulation, Akupunktur, milde Infrarotstrahlung, Kälteanwendung, Physio- und Ergotherapie, Psychotherapie (Verbesserung der Schmerzakzeptanz).
  • Invasive Therapie: Selektive Nervenblockaden, Ganglionblockaden oder Neuromodulationsverfahren.

Die optimale Behandlung erfordert ein multimodales Therapiemanagement, bestehend aus medizinischer und medikamentöser Behandlung, psychologisch-therapeutischen Maßnahmen sowie Bewegungstherapie.

Polyneuropathie und Anästhesie: Ein komplexer Zusammenhang

Polyneuropathie ist eine Erkrankung, bei der mehrere periphere Nerven gleichzeitig geschädigt sind. Sie kann verschiedene Ursachen haben, darunter Diabetes mellitus (diabetische Polyneuropathie) und übermäßiger Alkoholkonsum.

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Besondere Risiken bei Polyneuropathie-Patienten unter Narkose

Patienten mit Polyneuropathie können unter Narkose besonderen Risiken ausgesetzt sein:

  • Erhöhte Sensitivität auf bestimmte Medikamente: Bei Muskelrelaxanzien kann eine extreme Überempfindlichkeit bestehen. Es ist zu beachten, dass verschiedene Medikamente (z. B. β-Blocker) die kardiovaskuläre Instabilität verstärken können. Auf die Dosierung der Anästhetika muss daher besonders geachtet werden.
  • Respiratorische Probleme: Die fortschreitende Muskelschwäche kann sich in erster Linie durch respiratorische Probleme bemerkbar machen und bis hin zu respiratorischer Insuffizienz führen.
  • Kardiovaskuläre Instabilität: Polyneuropathie kann die kardiovaskuläre Instabilität noch verstärken. In einigen Fällen kann der Einsatz eines Schrittmachers erforderlich sein.
  • Erhöhtes Aspirationsrisiko: Die Prädisposition für Aspiration ist aufgrund der fortschreitenden Muskelschwäche erhöht.

Anästhesiologische Besonderheiten bei neuromuskulären Erkrankungen

Bei Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen sind spezielle Aspekte bei der Auswahl des Narkoseverfahrens und der Medikamente zu beachten. Das depolarisierende Muskelrelaxans Succinylcholin wird vermieden.

Prävention und Management von Komplikationen

Um Komplikationen bei Polyneuropathie-Patienten unter Narkose zu vermeiden, sind folgende Maßnahmen wichtig:

  • Sorgfältige präoperative Beurteilung: Eine umfassende Anamnese und körperliche Untersuchung sind unerlässlich, um Risikofaktoren zu identifizieren.
  • Individuelle Anpassung der Anästhesie: Die Auswahl der Anästhetika und Muskelrelaxanzien muss sorgfältig auf den Patienten abgestimmt werden.
  • Engmaschiges Monitoring: Während der Narkose ist eine kontinuierliche Überwachung der Vitalfunktionen erforderlich.
  • Postoperative Überwachung: Nach der Operation ist eine engmaschige Überwachung auf Komplikationen erforderlich.

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