Hormonsystem vs. Nervensystem: Warum Hormone langsamer wirken

Hormone und das Nervensystem sind die beiden Hauptkommunikationssysteme des Körpers. Während das Nervensystem blitzschnell Informationen weiterleitet, arbeiten Hormone eher langsamer. Doch warum ist das so? Dieser Artikel beleuchtet die Gründe für die unterschiedlichen Reaktionsgeschwindigkeiten und erklärt, wie beide Systeme zusammenarbeiten, um lebenswichtige Körperfunktionen zu steuern.

Einführung in die Welt der Hormone

Hast du dich schon einmal gefragt, warum du Hunger hast? Das Hungergefühl wird von Hormonen gesteuert. Und wie sieht es mit Stimmungsschwankungen aus? Auch diese werden durch Hormonschwankungen verursacht. Einfach erklärt sind Hormone lebenswichtige chemische Wirkstoffe. Durch ihre spezifische Struktur sind sie Träger von Informationen. Weil Hormone Informationen im Körper transportieren, werden sie auch als Botenstoffe bezeichnet.

Die Hormonproduktion und -verteilung

Die Hormonproduktion findet in speziellen Strukturen - den sogenannten Hormondrüsen - statt. Drüsen, die Hormone direkt in die Blutbahn abgeben, werden als endokrine Drüsen bezeichnet. Die Hormondrüsen liegen in verschiedenen Körperregionen, wie zum Beispiel dem Gehirn (Hypophyse) und den Geschlechtsorganen (Hoden, Eierstöcke), vor. Von dort aus werden die Hormone in die Blutbahn abgegeben und an die Organe im Körper verteilt.

Das Schlüssel-Schloss-Prinzip der Hormonwirkung

Du hast gelernt, dass die Hormone über das Blut in unserem Körper verteilt werden. Trotzdem kann ein bestimmtes Hormon nicht überall wirken. Die Hormone haben eine einzigartige und spezifische chemische Struktur. Nur an Zellen, die passende Stellen für das Hormon haben, kann sich das Hormon anlagern. Die Wirkung von Hormonen ist einfach erklärt: Das Hormon kann nur an solche Zellen andocken, die einen passenden Rezeptor besitzen. Das Hormon lagert sich am Rezeptor der Zielzelle an und überträgt die Information des Hormons an diese. Dadurch wird eine Reaktion in der Zelle ausgelöst. Dieses Prinzip wird auch Schlüssel-Schloss-Prinzip genannt. Nur mit dem richtigen Schlüssel ist es möglich, das Schloss zu öffnen. Aufgrund dieses Prinzips werden Hormone auch als wirkungsspezifisch bezeichnet. Die Wirkungsspezifität von Hormonen bedeutet, dass ein Hormon eine spezifische Reaktion in ganz bestimmten Zelltypen auslösen kann. Welche Reaktion ausgelöst wird, hängt von dem Hormon und der Zielzelle mit der spezifischen Bindungsstelle ab. Das Schlafhormon Melatonin löst zum Beispiel mehrere Reaktionen in unterschiedlichen Zielzellen aus.

Die Rolle des Nervensystems

Unser Körper ist darauf eingerichtet, uns so gut wie möglich vor Gefahren zu schützen. Das Gehirn spielt dabei eine maßgebliche Rolle. In den frühen evolutionären Zeiten, aus denen die Stressreaktion stammt, ging es oft um Gefahren für Leib und Leben. Heute stehen in vielen Gesellschaften andere Gefahren im Vordergrund. Menschen erleben beispielsweise Stress, wenn ihr Selbstwert bedroht ist, wenn sie Angst haben, zu versagen oder von wichtigen anderen Menschen getrennt zu sein. Oder manchmal ganz einfach, wenn etwas nicht so läuft, wie sie es gerne möchten. Doch egal was die Ursache ist, die Stressreaktion läuft immer noch nach dem gleichen alten Muster ab - selbst wenn man sich die stressige Situation nur vorstellt. Dann werden verschiedene Regionen unseres Gehirns aktiv. Wie bei einem guten Team arbeiten diese Regionen zusammen, um uns für Kampf oder Flucht fit zu machen. Manche Teile des Gehirns sind eher für die emotionale Verarbeitung "zuständig", andere fürs Planen und Denken. Wieder andere sorgen dafür, dass die Vorgänge in Gang gesetzt werden, die notwendig sind, damit die Stresshormone ausgeschüttet werden.

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Die Amygdala: Die "Angstzentrale" unseres Gehirns

Eine sehr wichtige Hirnregion für unsere Erleben von Stress und Angst ist die Amygdala, ein kleiner, mandelförmiger Komplex von Nervenzellen im unteren Bereich des Gehirninneren. Sie ist Teil des sogenannten Limbischen Systems. Das ist ein Verbund verschiedener Hirnstrukturen im Innern des Gehirns, der eine große Rolle bei der Verarbeitung von Emotionen spielt. Die Amygdala steuert - zusammen mit anderen Hirnregionen - unsere psychischen und körperlichen Reaktionen auf stress- und angstauslösende Situationen. Treffen bei ihr Signale ein, die höhere Aufmerksamkeit erfordern, zum Beispiel, wenn etwas neu oder gefährlich ist, dann feuern ihre Nervenzellen. Wir werden wacher und aufmerksamer. Dies geschieht bereits, bevor wir die Gefahr bewusst erkennen. Ab einer bestimmten Schwelle der Nervenaktivität setzt die Amygdala die Stressreaktion in Gang und aktiviert so die Kampf- und Flucht-Reaktion.

Zwei Wege der Stressreaktion

Um die Kampf- und Fluchtreaktion auszulösen, nutzt die Amygdala zwei Wege. Der schnellere Weg läuft über das sogenannte sympathische Nervensystem, das den Körper auf Aktivität einstimmt. Etwas langsamer ist der Weg über den Hypothalamus. Der Hypothalamus ist ein komplexes Gebilde im Zwischenhirn, das grundlegende Funktionen unseres Körpers steuert. Für die Stressreaktion setzt er eine ganze Kaskade von Hormonen in Gang.

Der schnelle Weg: Das sympathische Nervensystem

Über die Nervenstränge des sympathische Nervensystem im Rückenmark gelangt die Information "Gefahr" zum Mark der Nebenniere. Dort werden Adrenalin und - in geringerem Maß - Noradrenalin ausgeschüttet. Diese Hormone nennt man auch Katecholamine. Sie treiben zum Beispiel den Herzschlag und den Blutdruck in die Höhe, sorgen für eine größere Spannung der Muskeln und bewirken, dass mehr Blutzucker freigesetzt wird, so dass die Muskelzellen besser versorgt werden können.

Der "langsame" Weg über den Hypothalamus

Parallel informiert die Amygdala den Hypothalamus, dass Gefahr im Verzug ist. Der Hypothalamus schüttet hormonelle Botenstoffe aus, unter anderem das Corticotropin-releasing-Hormon. Dieses Hormon wirkt auf die Hirnanhangdrüse im Gehirn - auch Hypophyse genannt. Es sorgt dafür, dass sie ein weiteres Hormon freisetzt, das Adrenocorticotropin, kurz ACTH. Es gelangt mit dem Blut zur Rinde der Nebenniere und veranlasst diese, das Stresshormon Kortisol auszuschütten. Kortisol ist ein lebenswichtiges Glukokortikoid, das auch viele andere Funktionen im Körper hat. Ist es im Übermaß vorhanden, kann es den Körper aber auch schädigen. Zusammen sorgen die Hormone und das sympathische Nervensystem dafür, dass unser Körper mehr Sauerstoff und Energie bekommt, um schnell zu handeln.

Was die Hormone bewirken

  • Der Atem beschleunigt sich
  • Puls und Blutdruck steigen an
  • Die Leber produziert mehr Blutzucker
  • Die Milz schwemmt mehr rote Blutkörperchen aus, die den Sauerstoff zu den Muskeln transportieren
  • Die Adern in den Muskeln weiten sich. Dadurch werden die Muskeln besser durchblutet
  • Der Muskeltonus steigt. Das führt oft zu Verspannungen. Auch Zittern, Fußwippen und Zähneknirschen hängt damit zusammen
  • Das Blut gerinnt schneller. Damit schützt sich der Körper vor Blutverlust
  • Die Zellen produzieren Botenstoffe, die für die Immunabwehr wichtig sind
  • Verdauung und Sexualfunktionen gehen zurück. Das spart Energie

Stress und Gedächtnis

Die Amygdala setzt nicht nur die Stressreaktion in Gang. Sie veranlasst auch eine bedeutende Gedächtnisregion im Gehirn, den ganz in der Nähe gelegenen Hippocampus, sich die stressauslösende Situation gut zu merken. Auf diese Weise lernen wir, uns vor dem Stressor in Acht zu nehmen. Kommen wir erneut in eine derartige Situation, läuft die Stressreaktion noch schneller ab. Forschungen haben gezeigt, dass chronischer Stress die Zellfortsätze im Hippocampus schädigen kann. Sie sind Teil der Nervenzelle und wichtig für die Aufnahme von Information. Schrumpfen sie, wirkt sich das negativ auf das Gedächtnis aus.

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Denken und Stress

Auch mit dem "denkenden" Teil des Gehirns ist die Amygdala eng verbunden, vor allem mit einem stammesgeschichtlich jüngeren Teil unseres Hirns, dem Stirnlappen. Er ist wichtig für die Kontrolle der Emotionen. Wie der Name sagt, sitzt er hinter der Stirn. Er wird auch präfrontaler Cortex genannt. Mit seiner Hilfe können wir durch logische Analyse und Denken unsere Emotionen beeinflussen. Er spielt eine große Rolle bei der Bewertung, ob wir einen Stressor für bewältigbar halten oder nicht, und für unser Verhalten in der stressigen Situation. Chronischer Stress allerdings kann den präfrontalen Cortex verändern, so dass es schwieriger wird, sinnvolle Entscheidungen zu treffen.

Eingebaute Stressbremse

Zum Glück regen wir uns meistens nach Stress auch wieder ab. Dabei hilft eine eingebaute Stressbremse. Ist nämlich das Stresshormon Kortisol in ausreichendem Maß im Blut vorhanden, merken das bestimmte Rezeptoren im Drüsensystem und im Gehirn, die Glucocorticoidrezeptoren. Daraufhin stoppt die Nebennierenrinde die Produktion von weiterem Kortisol. Das parasympathische Nervensystem - der Teil des Nervensystems, der unseren Körper zur Ruhe kommen lässt - wird aktiv. Wir werden wieder ruhiger und entspannen uns.

Wenn die Hormone aus dem Ruder laufen

Anders sieht es aus, wenn das Zusammenspiel der Hormone nicht optimal funktioniert. Zum Beispiel, wenn nicht genug Rezeptoren vorhanden sind, die merken könnten, dass genug Kortisol vorhanden ist. Oder wenn die vorhandenen Rezeptoren nicht richtig arbeiten. Dann wird die Achse aus Hypothalamus, Hirnanhangdrüse und Nebenniere zu aktiv. Sie produziert zu viel Kortisol. So etwas kann in schlimmen Fällen zu Denkstörungen, zu Gewebeschwund im Hirn und zu Störungen des Immunsystems führen. Auch die Entstehung von Depressionen wird auf diesen Einfluss zurückgeführt, ebenso Stoffwechselstörungen, die Diabetes fördern.

Frühe traumatische Erfahrungen beeinflussen die Stressreaktion

Intensiver Stress in der frühen Kindheit kann die Arbeitsweise von Genen, die an der Stressreaktion beteiligt sind, so beeinflussen, dass Stresshormone schneller und intensiver ausgeschüttet werden. Das wiesen Neurowissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München an Tieren nach. Dieser Effekt bleibt lebenslang bestehen. Ähnliche Ergebnisse scheint es unter bestimmten genetischen Bedingungen auch bei Menschen zu geben, die ein Trauma erlebt haben, etwa durch eine Naturkatastrophe, durch Missbrauch oder durch Gewalt.

Warum Hormone langsamer sind als Nervenimpulse

Hormone sind chemische Botenstoffe, die im Körper wichtige Informationen übertragen. Sie spielen eine entscheidende Rolle für die Abstimmung der Funktionen von Organen, Geweben und Zellen, besonders in Organismen mit vielen Zellen. Im Laufe der Evolution haben sich drei zentrale Systeme entwickelt, um diese Abstimmung zu ermöglichen: das Nervensystem, das Immunsystem und das Hormonsystem. Während das Nervensystem blitzschnell Informationen weiterleitet und innerhalb von Sekunden reagiert, arbeiten Hormone eher langsam. Ihre Botschaften gelangen in Minuten, Stunden oder sogar Tagen zu den Zielorten im Körper.

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Die Hauptursache für die langsamere Wirkung von Hormonen liegt in der Art und Weise, wie sie transportiert und empfangen werden:

  • Transportweg: Hormone werden über die Blutbahn transportiert. Dieser Transport ist im Vergleich zur direkten, elektrischen Signalübertragung im Nervensystem relativ langsam.
  • Rezeptorbindung: Hormone müssen an spezifische Rezeptoren auf den Zielzellen binden, um ihre Wirkung zu entfalten. Dieser Bindungsprozess benötigt Zeit.
  • Intrazelluläre Prozesse: Nach der Bindung an den Rezeptor werden intrazelluläre Prozesse ausgelöst, die ebenfalls Zeit in Anspruch nehmen.

Die Bedeutung der Hormondrüsen

Hormone werden in spezialisierten Organen und Drüsen im Körper gebildet, die als Hormondrüsen oder endokrine Drüsen bezeichnet werden. Diese Drüsen sind auf die Produktion und Abgabe bestimmter Hormone spezialisiert, die wichtige Signale und Informationen an andere Organe und Zellen im Körper weitergeben.

  • Hypothalamus: Der Hypothalamus, eine Region im Gehirn, steuert die Hypophyse und produziert sogenannte Steuerungshormone.
  • Hypophyse (Hirnanhangsdrüse): Diese winzige Drüse sitzt im Gehirn und wird oft als „Masterdrüse“ bezeichnet, da sie die Produktion vieler anderer Hormone im Körper steuert. Sie reguliert unter anderem die Schilddrüse, Nebennieren, Eierstöcke und Hoden.
  • Schilddrüse: Diese Drüse befindet sich am Hals und produziert Hormone wie Thyroxin, die den Stoffwechsel, die Herzfrequenz und die Körpertemperatur regulieren.
  • Nebennieren: Die Nebennieren sitzen auf den Nieren und produzieren Hormone wie Adrenalin und Kortisol. Adrenalin ist für die „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion verantwortlich und hilft dem Körper, schnell auf Stress zu reagieren.
  • Eierstöcke und Hoden: Diese Drüsen produzieren die Geschlechtshormone. Bei Frauen sind das vor allem Östrogen und Progesteron, die den Menstruationszyklus und die Schwangerschaft beeinflussen.
  • Bauchspeicheldrüse: Die Bauchspeicheldrüse produziert das Hormon Insulin, das den Blutzuckerspiegel reguliert. Insulin ist entscheidend für die Aufnahme von Glukose in die Körperzellen und spielt somit eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel.

Die Vielfalt der Hormone und ihre Funktionen

Es gibt eine Vielzahl an Hormonen im menschlichen Körper, die unterschiedliche Funktionen und Wirkungen haben.

  • Östrogen: Bei Frauen ist Östrogen hauptsächlich für die Regulierung des Menstruationszyklus und die Entwicklung der weiblichen Geschlechtsmerkmale verantwortlich.
  • Testosteron: Das wichtigste männliche Sexualhormon, das für die Entwicklung der männlichen Geschlechtsmerkmale, die Spermienproduktion und den Muskelaufbau verantwortlich ist.
  • Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3): Diese Hormone regulieren den Stoffwechsel, die Körpertemperatur und die Herzfrequenz.
  • Adrenalin und Noradrenalin: Diese Hormone werden in den Nebennieren produziert und sind Teil der „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion.
  • Cortisol: Ebenfalls in den Nebennieren gebildet, wird Cortisol als „Stresshormon“ bezeichnet und hilft dem Körper, mit langanhaltendem Stress umzugehen.
  • Insulin: Dieses Hormon wird in der Bauchspeicheldrüse gebildet und reguliert den Blutzuckerspiegel, indem es die Aufnahme von Glukose in die Zellen fördert.
  • Prolaktin: Auch in der Hypophyse gebildet, ist Prolaktin besonders wichtig für die Milchproduktion nach der Geburt und spielt bei Frauen eine Rolle bei der Regulation des Menstruationszyklus.

Hormonstörungen: Ursachen und Auswirkungen

Hormonstörungen entstehen, wenn das empfindliche Gleichgewicht der Hormone im Körper gestört wird.

  • Stress: Dauerhafter Stress erhöht die Produktion von Stresshormonen wie Kortisol und Adrenalin. Diese Hormone sind kurzfristig hilfreich, doch langfristig können sie das Gleichgewicht anderer Hormone wie Östrogen, Progesteron und Testosteron beeinträchtigen.
  • Ernährung: Eine unausgewogene Ernährung mit zu viel Zucker und verarbeiteten Lebensmitteln oder ein Mangel an wichtigen Nährstoffen wie Vitamin D, Magnesium oder Omega-3-Fettsäuren kann den Hormonhaushalt negativ beeinflussen.
  • Umweltgifte: Einige Chemikalien, die in Plastik, Kosmetik oder Pestiziden enthalten sind, haben eine hormonähnliche Wirkung im Körper.
  • Schlafmangel: Zu wenig oder schlechter Schlaf kann die Ausschüttung von Hormonen wie Melatonin und Kortisol durcheinanderbringen.
  • Lebensphasen und Alter: Hormonelle Veränderungen treten oft in bestimmten Lebensphasen auf, wie während der Pubertät, Schwangerschaft oder Menopause.
  • Krankheiten und genetische Faktoren: Störungen in den Hormondrüsen, wie Schilddrüsenunter- oder -überfunktion, sowie genetische Veranlagungen können ebenfalls zu Hormonstörungen führen.

Diese Faktoren können einzeln oder kombiniert auftreten und das komplexe Zusammenspiel der Hormone durcheinanderbringen.

Was ist ein hormonelles Ungleichgewicht?

Ein hormonelles Ungleichgewicht tritt auf, wenn der Körper entweder zu viel oder zu wenig von einem oder mehreren Hormonen produziert, was zu gesundheitlichen Beschwerden und Funktionsstörungen führen kann. Hormone wirken bereits in sehr geringen Mengen, und selbst kleine Abweichungen können daher weitreichende Auswirkungen auf Körper und Geist haben. Da Hormone viele wichtige Funktionen steuern - vom Stoffwechsel über den Schlaf bis hin zur Fortpflanzung - beeinflusst ein Ungleichgewicht oft mehrere Systeme im Körper gleichzeitig.

Diagnose und Regulation des Hormonhaushalts

Ein hormonelles Ungleichgewicht kann verschiedene Symptome hervorrufen, die uns im Alltag beeinträchtigen können. Daher ist es wichtig, die Ursachen zu erkennen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen.

Wie kann man den Hormonhaushalt testen?

  • Bluttest: Der Bluttest ist die am häufigsten verwendete Methode, um den Hormonspiegel zu messen. Ein Arzt entnimmt eine Blutprobe, die anschließend im Labor analysiert wird. Ein Bluttest bietet meist schnelle und zuverlässige Ergebnisse.
  • Speicheltest: Eine weitere Methode ist der Speicheltest, der vor allem bei der Messung von Steroidhormonen wie Cortisol, Progesteron und Testosteron beliebt ist. Ein Vorteil des Speicheltests ist, dass er mehrmals täglich wiederholt werden kann, um den Hormonspiegel im Tagesverlauf zu erfassen. Besonders beim Cortisol ist dies wertvoll, da dieses Hormon typischerweise einem natürlichen Tagesrhythmus folgt.
  • 24-Stunden-Urintest: Der 24-Stunden-Urintest ist eine spezielle Methode zur Messung von Hormonen und ihren Abbauprodukten. Hierbei wird der Urin über 24 Stunden gesammelt und anschließend im Labor analysiert. Ein Vorteil des Urintests ist, dass er auch bestimmte Metaboliten (Abbauprodukte) nachweist, die Rückschlüsse auf den gesamten Hormonstoffwechsel ermöglichen.
  • Bildgebende Verfahren: In manchen Fällen kann es notwendig sein, die Drüsen, die die Hormone produzieren, genauer zu untersuchen. Hier kommen bildgebende Verfahren wie Ultraschall, MRT (Magnetresonanztomographie) oder CT (Computertomographie) zum Einsatz.
  • Funktionstests: Bei sogenannten Funktionstests wird geprüft, wie gut die Drüsen auf bestimmte Stimuli reagieren. Ein Beispiel ist der ACTH-Stimulationstest, der die Funktionsfähigkeit der Nebennieren bewertet.

Wie kann man den Hormonhaushalt regulieren und Hormone wieder ins Gleichgewicht bringen?

Den Hormonhaushalt zu regulieren, kann eine positive Wirkung auf das allgemeine Wohlbefinden haben, besonders wenn Symptome eines Ungleichgewichts wie Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen oder Hautprobleme auftreten.

  • Hormon-Yoga: Hormon-Yoga ist eine spezielle Form des Yoga, die gezielte Atem- und Körperübungen kombiniert, um die hormonproduzierenden Drüsen wie Schilddrüse, Eierstöcke und Nebennieren zu stimulieren.
  • Ernährung: Eine ausgewogene, hormongesunde Ernährung kann helfen, die nötigen Bausteine für eine optimale Hormonproduktion bereitzustellen und den Stoffwechsel zu unterstützen.
    • Gesunde Fette: Hormone benötigen Fette als Bausteine, insbesondere Omega-3-Fettsäuren und einfach ungesättigte Fette.
    • Ausreichend Eiweiß: Proteine sind essenziell für die Hormonproduktion, vor allem Insulin und Wachstumsfaktoren.
    • Lebensmittel mit Phytoöstrogenen: Phytoöstrogene sind pflanzliche Stoffe, die ähnlich wie Östrogen wirken.
    • Vermeidung von Zucker und stark verarbeiteten Lebensmitteln: Diese Lebensmittel können Insulin- und Cortisolspiegel destabilisieren und damit die Hormonbalance stören.
  • Lifestyle: Ein ausgewogener Lebensstil kann ebenfalls maßgeblich dazu beitragen, den Hormonhaushalt zu regulieren. Viele hormonelle Probleme stehen im Zusammenhang mit chronischem Stress und ungesunden Gewohnheiten.
    • Stressmanagement: Techniken wie Meditation, Atemübungen und Achtsamkeitspraktiken helfen, Stress abzubauen und das Nervensystem zu beruhigen.
    • Schlafoptimierung: Guter Schlaf ist essenziell für die Hormonregulation. Melatonin, unser Schlafhormon, wird nachts produziert und spielt eine wichtige Rolle für die Erholung und den Hormonhaushalt.
    • Toxine vermeiden: Viele chemische Substanzen in Kosmetik, Plastik und Haushaltsprodukten können als hormonähnliche Stoffe (sogenannte Endokrine Disruptoren) wirken.

Die Regulierung des Hormonhaushalts erfordert oft eine Kombination aus Bewegung, Ernährung und Lebensstiländerungen. Hormon-Yoga, eine auf Hormone abgestimmte Ernährung und ein gesunder Lebensstil sind drei effektive Ansätze, um Körper und Geist in Einklang zu bringen. Es kann hilfreich sein, diesen Weg mit der Unterstützung eines Arztes oder Experten zu gehen, um individuelle Bedürfnisse besser zu verstehen und maßgeschneiderte Maßnahmen zu entwickeln.

Das Zusammenspiel von Hormon- und Nervensystem

Hormon- und Nervensystem wirken bei der Regulation von Lebensprozessen zusammen. Im Hormonsystem hat die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) eine übergeordnete Rolle. Sie hat ungefähr die Größe eines Kirschkerns, wiegt etwa 0,5 g, ist bohnenförmig, liegt unter dem Großhirn und ist über einen Stiel mit einem Bereich des Zwischenhirns - dem Hypothalamus - verbunden. Über den Hypothalamus besteht die Verbindung des Hormonsystems mit dem Nervensystem. Die Hirnanhangsdrüse produziert nur wenige mg Hormone pro Tag. Diese geringe Menge genügt, um sowohl direkt Prozesse im Körper auszulösen (z. B. durch das Hormon Somatropin das Wachstum) als auch andere Hormondrüsen zur Tätigkeit anzuregen, z. B. Nebennieren, Schilddrüse oder Keimdrüsen. Das ist notwendig, weil es für die Gesundheit und Funktionsfähigkeit unseres Körpers enorm wichtig ist, dass die Konzentration vieler Stoffe nur in ganz engen Grenzen schwankt. Die Hormone der Hirnanhangsdrüse bewirken die Abgabe derjenigen Hormone ins Blut, die der Konzentrationsänderung entgegenwirken, z. B. einer zuckerreichen Nahrungszufuhr die Ausschüttung von Insulin zur Blutzuckersenkung. Zwischen den Hormondrüsen und der Hirnanhangsdrüse besteht außerdem eine negative Rückkopplung, d. h., wenn die erforderliche Konzentration wieder eingestellt wurde, wird die Hormonproduktion der Hirnanhangsdrüse zur Anregung der Hormondrüsen wieder reduziert. Durch diese Regelkreise ist es möglich, Stoffgleichgewichte im Blut zu realisieren und die Anpassung des Körpers an die jeweiligen aktuellen Bedingungen zu erreichen. Die Hypophyse aber steht wiederum unter Kontrolle des Hypothalamus. Dieser beeinflusst die Tätigkeit der Hirnanhangsdrüse. In Abhängigkeit von den durch die Erregungen in den Nerven übermittelten Informationen werden im Hypothalamus Hormone ausgeschüttet, die die Tätigkeit der Hirnanhangsdrüse hemmen oder in Gang setzen. Die vom Zwischenhirn (Hypothalamus) ausgeschütteten Hormone wirken also auf die Hirnanhangsdrüse. Die Hormone der Hirnanhangsdrüse wiederum regulieren die Hormonausschüttung des Zwischenhirns.

Beispiel: Regulation des Schilddrüsenhormonspiegels

Sinkt der Thyroxinspiegel im Blut unter den Normalwert ab, so nehmen Sinneszellen in den Blutgefäßen diese Veränderungen wahr (1), über Nerven gelangen die Erregungen ins Zwischenhirn (Hypothalamus, 2). Dort werden Hormone freigesetzt, die die Hirnanhangsdrüse zur Produktion von Hormonen anregen (3), die wiederum die Schilddrüse anregen, Thyroxin zu produzieren (4) und es ins Blut abzugeben. Dadurch steigt der Thyroxinspiegel wieder an (5). Die Zellen des Zwischenhirns (Hypothalamus) registrieren über Nerven diesen Anstieg und stellen die Produktion von Freisetzungshormonen zur Anregung der Hirnanhangsdrüse ein (6). Steigt der Thyroxinspiegel im Blut sehr hoch (5), werden vom Hypothalamus (2) Hemmungshormone gebildet (7), die die Hirnanhangsdrüse zur Produktion solcher Hormone anregen (8), die der Schilddrüse „befehlen“, die Thyroxinausschüttung zu reduzieren (9). Dadurch sinkt der Thyroxinspiegel im Blut (10) wieder.

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