Der 12. September steht jährlich im Zeichen des Europäischen Kopfschmerz- und Migränetags. Dieser Aktionstag soll das Bewusstsein für Migräne schärfen, eine neurologische Erkrankung, die Millionen Menschen betrifft und deren Lebensqualität erheblich beeinträchtigen kann.
Was ist Migräne?
Migräne ist weit mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es handelt sich um eine komplexe neurologische Erkrankung, die durch anfallsartige, meist einseitige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Die Schmerzen werden oft als pulsierend, pochend oder hämmernd beschrieben und können von weiteren Symptomen begleitet sein. Zu diesen Begleiterscheinungen zählen:
- Übelkeit und Erbrechen
- Licht- und Lärmempfindlichkeit
- Sehstörungen (Aura)
Die Anfälle können zwischen vier und 72 Stunden andauern und die Betroffenen in ihrem Alltag stark einschränken.
Migräne vs. Spannungskopfschmerz
Obwohl beide Kopfschmerzarten weit verbreitet sind, gibt es deutliche Unterschiede. Spannungskopfschmerzen werden oft als drückend oder ziehend empfunden und betreffen meist den gesamten Kopf. Sie sind in der Regel weniger intensiv als Migräne und werden nicht von Übelkeit oder Aura begleitet.
Ursachen und Auslöser
Die genauen Ursachen von Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Bestimmte Triggerfaktoren können einen Migräneanfall auslösen. Diese Trigger sind individuell verschieden, zu den häufigsten gehören:
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- Stress
- Schlafstörungen
- Wetterumschwünge
- Hormonelle Veränderungen
- Bestimmte Nahrungsmittel und Getränke (z.B. Alkohol, Käse, Schokolade - wobei der Heißhunger darauf auch ein Symptom sein kann)
Es ist wichtig zu beachten, dass Trigger nicht kausal wirken, sondern lediglich Anfälle auslösen können, wenn eine entsprechende Bereitschaft im Körper vorhanden ist.
Die Rolle der Gene
Die Forschung hat gezeigt, dass bestimmte Risikogene die Anfälligkeit für Migräne erhöhen können. Diese Gene beeinflussen unter anderem das Herz-Kreislauf-System sowie psychische und sensorische Mechanismen. Migränepatienten nehmen Reize oft schneller wahr und reagieren empfindlicher darauf.
Diagnose
Die Diagnose von Migräne basiert in erster Linie auf der Anamnese und der Beschreibung der Symptome durch den Patienten. Ein Kopfschmerztagebuch kann dabei helfen, die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Anfälle zu dokumentieren sowie mögliche Trigger zu identifizieren. In manchen Fällen können weitere Untersuchungen wie eine neurologische Untersuchung oder eine Bildgebung des Gehirns erforderlich sein, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen.
Kopfschmerztagebuch
Das Führen eines Kopfschmerztagebuchs ist ein wertvolles Hilfsmittel bei der Diagnose und Behandlung von Migräne. Es ermöglicht, Muster zu erkennen und die Wirksamkeit von Therapien zu beurteilen. Die Schmerzklinik Kiel bietet beispielsweise eine kostenlose Migräne-App an, mit der sich Kopfschmerztagebücher digital führen lassen.
Behandlung
Migräne ist zwar nicht heilbar, aber die Symptome können in der Regel gut behandelt werden. Die Behandlung umfasst zwei Hauptansätze:
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- Akuttherapie: Ziel ist es, die Schmerzen und Begleitsymptome während eines Anfalls schnell zu lindern.
- Prophylaxe: Ziel ist es, die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Anfälle zu reduzieren.
Akuttherapie
Bei leichten bis mittelschweren Migräneanfällen können rezeptfreie Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Paracetamol helfen. Gegen die Übelkeit können Antiemetika eingenommen werden. Bei stärkeren Anfällen oder wenn rezeptfreie Medikamente nicht ausreichend wirken, können Triptane eingesetzt werden. Triptane sind spezielle Migränemittel, die die Blutgefäße im Gehirn verengen und die Freisetzung von Entzündungsstoffen reduzieren.
Es ist wichtig, die Akutmedikation nicht zu häufig einzunehmen, um einem Medikamenten-Übergebrauchs-Kopfschmerz (MÜK) vorzubeugen.
Prophylaxe
Eine Migräneprophylaxe kommt infrage, wenn die Anfälle häufig auftreten oder die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Es gibt verschiedene Medikamente, die zur Prophylaxe eingesetzt werden können, darunter:
- Betablocker
- Antidepressiva
- Antiepileptika
- CGRP-Antikörper
- Botulinumtoxin (Botox)
Die Wahl des geeigneten Medikaments hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. den Begleiterkrankungen des Patienten und möglichen Nebenwirkungen.
Neben Medikamenten können auch nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Prophylaxe beitragen, wie z.B.:
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- Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus
- Stressmanagement
- Ausdauersport
- Entspannungstechniken (z.B. progressive Muskelentspannung, autogenes Training)
- Akupunktur
- Biofeedback
Alternative Behandlungsmethoden
Obwohl es viele alternative Behandlungsmethoden für Migräne gibt, ist die wissenschaftliche Evidenz für ihre Wirksamkeit oft begrenzt. Einige Patienten berichten jedoch von positiven Erfahrungen mit z.B. Akupunktur.
Leben mit Migräne
Migräne kann das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen. Es ist wichtig, sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen und Strategien zu entwickeln, um mit den Herausforderungen umzugehen. Dazu gehören:
- Akzeptanz: Migräne ist eine chronische Erkrankung, die nicht einfach weggezaubert werden kann. Die Akzeptanz der Erkrankung ist ein wichtiger Schritt, um damit umzugehen.
- Selbstmanagement: Durch das Führen eines Kopfschmerztagebuchs, das Erkennen von Triggern und das Erlernen von Entspannungstechniken können Betroffene aktiv zur Linderung ihrer Beschwerden beitragen.
- Unterstützung: Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen oder Online-Foren kann hilfreich sein. Auch die Unterstützung durch Familie und Freunde ist wichtig.
- Professionelle Hilfe: Ein Arzt, der sich auf Kopfschmerzerkrankungen spezialisiert hat, kann eine genaue Diagnose stellen und einen individuellen Therapieplan erstellen.
Migräne und Beruf
Migräne kann die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen. Es ist wichtig, offen mit dem Arbeitgeber über die Erkrankung zu sprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Mögliche Maßnahmen sind z.B. flexible Arbeitszeiten, die Möglichkeit, sich bei einem Anfall zurückzuziehen, oder die Anpassung des Arbeitsplatzes (z.B. blendfreies Licht).
Anlaufstellen und Informationen
In Deutschland und Österreich gibt es verschiedene Anlaufstellen für Menschen mit Kopfschmerzen und Migräne:
- Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG): Bietet Informationen, Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen.
- Österreichische Kopfschmerzgesellschaft (ÖKSG): Bietet ähnliche Angebote in Österreich.
- Schmerzzentren und -kliniken: Bieten eine umfassende Versorgung von Kopfschmerzpatienten.
- Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel: Spezialisiert auf die Therapie von Migräne und anderen Kopfschmerzen.