Alternativen zur Lumbalpunktion: Diagnose von Erkrankungen des Nervensystems ohne Nervenwasserentnahme

Die Lumbalpunktion, auch bekannt als Liquorpunktion, ist ein diagnostisches Verfahren, bei dem eine Probe des Liquors (Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit) entnommen wird. Diese Untersuchung kann bei der Diagnose von Entzündungen, Blutungen und Tumorbefall im zentralen Nervensystem aufschlussreich sein. Allerdings ist die Lumbalpunktion für viele Patienten mit Angst und Unbehagen verbunden. Dieser Artikel beleuchtet alternative diagnostische Methoden und Ansätze, um die Notwendigkeit einer Lumbalpunktion zu reduzieren oder zu vermeiden.

Die Bedeutung der Liquoruntersuchung

Das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) wird von einer Flüssigkeit, dem Liquor cerebrospinalis, umspült. Die Menge dieser Flüssigkeit beträgt etwa 125 ml, und sie wird alle 6 Stunden vollständig erneuert. Durch den engen Kontakt zu Hirnhäuten und Gehirn kann sich die Zusammensetzung des Liquors bei verschiedenen Erkrankungen verändern. Die Untersuchung des Liquors ist oft entscheidend für die Diagnose von neurologischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Demenz und Entzündungen des Nervensystems.

Der Ablauf einer Lumbalpunktion

Die Liquorentnahme erfolgt durch Lumbalpunktion am sitzenden oder liegenden Patienten zwischen dem 4. und 5. Lendenwirbel. Der Patient sitzt meist auf der Bettkante und beugt sich weit nach vorne, um die tastbaren Knochenfortsätze an der Wirbelsäule auseinanderweichen zu lassen. Nach mehrfacher Hautdesinfektion sticht der Arzt die Haut im unteren Lendenwirbelsäulenbereich mit einer speziellen Hohlnadel und schiebt die Nadel zwischen zwei Knochenfortsätzen bis zum Wirbelkanal vor. Es dauert dann ein paar Minuten, bis die Probenröhrchen gefüllt sind, da der Liquor nur langsam aus der Nadel tropft.

Mögliche Nebenwirkungen

Die häufigste Nebenwirkung der Lumbalpunktion ist der postpunktionelle Kopfschmerz, der oft erst einen Tag nach der Punktion beginnt und mehrere Tage dauern kann. An seiner Entstehung soll ein winziges Leck in der harten Hirnhaut beteiligt sein. Viele Patienten haben große Angst vor einer Lumbalpunktion, obwohl sie kaum schmerzhafter als eine Blutentnahme ist.

Alternative diagnostische Methoden

Obwohl die Lumbalpunktion ein wertvolles diagnostisches Instrument ist, gibt es Situationen, in denen alternative Methoden bevorzugt oder als ergänzende Maßnahmen eingesetzt werden können.

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Magnetresonanztomographie (MRT)

Die MRT ist ein bildgebendes Verfahren, das detaillierte Aufnahmen des Gehirns und Rückenmarks ermöglicht. Mit einer MRT-Untersuchung lässt sich mit sehr hoher Sicherheit eine Entzündung im Gehirn und Rückenmark nachweisen. Nicht jeder Entzündungsherd macht sich klinisch durch Beschwerden bemerkbar. Bei Verdacht auf MS kann eine MRT-Untersuchung durchgeführt werden, um Entzündungsherde sichtbar zu machen, die auch bei MS zu finden sind.

Blutuntersuchungen

Blutuntersuchungen können in einigen Fällen eine Alternative oder Ergänzung zur Lumbalpunktion darstellen. Ein Beispiel hierfür ist die Bestimmung des Neurofilament light (NFL) im Blutserum. NFL ist ein Eiweiß, das auf Schädigungen von Nervenfasern hinweist. Studien haben gezeigt, dass der Serumspiegel von NFL bei Patienten mit MS erhöht ist und dass die NFL-Konzentration im Blutserum während der Behandlung mit einer krankheitsmodifizierenden Therapie sinkt. Damit könnte für die Untersuchung auf NFL die Blutuntersuchung die Liquoruntersuchung ablösen.

Elektroenzephalographie (EEG)

Bei der Elektroenzephalographie (EEG) werden elektrische Spannungsunterschiede auf der Kopfhaut gemessen und als Hirnstromwellen aufgezeichnet. Auf die Kopfhaut werden Metallplättchen (Elektroden) aufgesetzt, und die elektrischen Spannungsunterschiede zwischen jeweils zwei Elektroden werden in verschiedenen Kombinationen gemessen, verstärkt und als Hirnstromwellen aufgezeichnet. Das EEG kann Hinweise auf Krampfanfälle oder andere neurologische Störungen liefern.

Neurographie (ENG)

Die Elektro-Neurographie (ENG) ist eine Untersuchung der Nervenleitung. Sie wird an peripheren Nerven angewendet, also nicht im Bereich von Gehirn und Rückenmark. So lässt sich die Geschwindigkeit bestimmen, mit der ein Nerv elektrische Signale weiterleitet (Nervenleitgeschwindigkeit). Die ENG kann Nervenschädigungen feststellen und klassifizieren und den Schädigungsort bestimmen.

Evocierte Potentiale

Evocierte Potentiale sind elektrische Antworten des Gehirns auf bestimmte Reize. Jede Störung im Verlauf der Nervenbahnen kann zu veränderten evozierten Potentialen führen (z.B. Tumore, Schlaganfälle, Sehnerventzündung, Multiple Sklerose, Vitaminmangel, Polyneuropathien, Rückenmarkserkrankungen, u.v.m.). Die evozierten Potentiale stellen eine eigenständige Untersuchungseinheit dar, die auch nicht durch bildgebende Verfahren wie z.B. Kernspinntomographie oder Computertomographie ersetzt werden können.

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Doppler-Sonographie

Die Doppler-Sonographie ist eine Ultraschalluntersuchung, die zur Beurteilung der Blutströmung in den Blutgefäßen eingesetzt wird. In der Neurologie ist diese Messung vor allem von Bedeutung, um drohende Durchblutungsstörungen des Gehirns aufgrund von Verengungen der Halsschlagadern zu erkennen. Einengungen der Halsschlagadern können ausgemessen und in Prozentpunkten angegeben werden.

Videoendoskopische Untersuchung des Schluckvorgangs

Die videoendoskopische Untersuchung ermöglicht die genaue Beurteilung des Schluckvorgangs. Störungen des Schluckvorganges sind bei neurologischen Erkrankungen häufig anzutreffen. Das Endoskop ist ein sehr dünner flexibler Schlauch, der durch die Nase eingebracht wird. Es werden farblich gekennzeichnete Speisen verabreicht, die sich gut von der rötlichen Schleimhaut abgrenzen lassen.

Alternative Ansätze zur Durchführung einer Lumbalpunktion

Wenn eine Lumbalpunktion unumgänglich ist, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Punktion möglichst angenehm zu gestalten und die Angst des Patienten zu reduzieren.

Wahl des Arztes

Es schafft ein sicheres Gefühl, wenn die LP von einem Arzt durchgeführt wird, den der Patient schon kennt und der ihm sympathisch ist. Der Patient hat das Recht zu äußern, wen er mit einer Nadel an seinen Rücken lassen möchte und wen nicht.

Vorbereitung und Unterstützung

Die Punktion sollte nie von einem Arzt alleine durchgeführt werden, es sollte immer mindestens eine Schwester als Handlanger und Auffänger dabei sein. Wenn im Sitzen (Bettkante) gestochen wird, sollte der Patient mit den Füßen Bodenkontakt haben. Ein zusätzliches Kissen unter den Oberschenkeln erleichtert das Rundmachen des Rückens und damit das Einstechen. Manchen hilft es, wenn die Schwester oder eine Begleitperson die Hand hält und streichelt.

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Medikamentöse Unterstützung

Sollte die Furcht vor der Punktion und Schmerzen so tief sitzen, besteht die Möglichkeit, mit Medikamenten vorzubeugen. Um die erste Anspannung zu nehmen, kann man nach einem angstlösenden Mittel fragen. Darüber hinaus kann man die Einstichstelle vorher lokal betäuben lassen. Die letzte Instanz wäre eine Sedierung/Halbschlaf, bei der man wirklich nur noch ganz wenig bis gar nichts mehr mitbekommt - allerdings mit entsprechend hohen Risiken wie z.B. Atemstillstand.

Abbruch der Punktion

Wenn die Lumbalpunktion so unangenehm oder schmerzhaft ist, dass der Patient das Gefühl hat, dass es nicht mehr geht, kann der Vorgang unterbrochen werden. Eine Verschnaufpause oder auch ein Verschieben der Punktion auf den nächsten Tag ist möglich.

Fazit

Die Lumbalpunktion ist ein wichtiges diagnostisches Verfahren in der Neurologie, aber sie ist nicht immer die einzige Option. Alternative diagnostische Methoden wie MRT, Blutuntersuchungen, EEG, ENG, evozierte Potentiale, Doppler-Sonographie und videoendoskopische Untersuchung des Schluckvorgangs können in bestimmten Fällen eine wertvolle Ergänzung oder Alternative darstellen. Wenn eine Lumbalpunktion erforderlich ist, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Punktion möglichst angenehm zu gestalten und die Angst des Patienten zu reduzieren. Es ist wichtig, dass Patienten ihre Bedenken und Ängste mit ihrem Arzt besprechen, um gemeinsam die beste diagnostische Strategie zu entwickeln.

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