Die Zahngesundheit ist ein wichtiger Aspekt des allgemeinen Wohlbefindens. Zahnfüllungen spielen eine entscheidende Rolle bei der Wiederherstellung beschädigter Zähne und der Vorbeugung weiterer Schäden. Allerdings können Komplikationen wie Nervschädigungen auftreten, insbesondere im Zusammenhang mit tiefen Kariesdefekten, Wurzelbehandlungen oder dem Einsetzen bzw. Entfernen von Füllungen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Nervschädigungen im Zusammenhang mit Zahnfüllungen, die verschiedenen Arten von Füllmaterialien, Behandlungsoptionen und präventiven Maßnahmen.
Nervschädigung nach Weisheitszahnextraktion
Das Ziehen von Weisheitszähnen kann in manchen Fällen zu Nervschädigungen führen. Weisheitszähne, insbesondere die unteren, liegen oft in unmittelbarer Nähe zum Nervus alveolaris inferior, einem Ast des Trigeminusnervs, der für die Sensibilität im Unterkiefer zuständig ist. Bei einer schwierigen Extraktion kann es zu einer Reizung oder Verletzung dieses Nervs kommen, was zu vorübergehenden oder dauerhaften Sensibilitätsstörungen führen kann.
Symptome und Diagnose
Typische Symptome einer Nervschädigung nach Weisheitszahnextraktion sind:
- Kribbeln oder Taubheitsgefühl in Teilen des Zahnfleischs, des Kinns oder der Zunge
- Schmerzen, die stechend oder brennend sein können
- Funktionsverlust im betroffenen Bereich
Vor einer Weisheitszahnextraktion, insbesondere wenn diese als kompliziert eingeschätzt wird, ist eine sorgfältige Diagnostik unerlässlich. Eine 3D-Röntgenaufnahme (DVT) kann die genaue Lage der Zahnwurzeln in Bezug zum Unterkieferkanal darstellen und so das Risiko einer Nervverletzung minimieren.
Behandlung
Die Behandlung von Nervschädigungen nach Weisheitszahnextraktion richtet sich nach dem Schweregrad der Verletzung.
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- Leichter Grad: Abschwellende Medikamente können helfen, die Nerven zu entlasten.
- Mittlerer Grad: Zusätzlich können Medikamente zur Verbesserung der Nervenleitgeschwindigkeit eingesetzt werden.
- Schwerer Grad: In schweren Fällen können elektrische Nervenstimulation oder Akupunktur in Kombination mit den oben genannten Maßnahmen in Betracht gezogen werden. Eine Mitbehandlung durch einen Neurologen ist ratsam.
Die Erholung des Nervs kann je nach Schweregrad der Schädigung Wochen, Monate oder sogar länger dauern. Es ist wichtig, frühzeitig mit der Behandlung zu beginnen, um die Heilung nicht unnötig zu verzögern.
Amalgamfüllungen und ihre Risiken
Amalgam war lange Zeit ein beliebtes Material für Zahnfüllungen, da es haltbar, einfach zu verarbeiten und kostengünstig ist. Allerdings enthält Amalgam Quecksilber, ein giftiges Schwermetall, das in der Vergangenheit immer wieder für Kontroversen gesorgt hat.
Quecksilberbelastung
Obwohl das Quecksilber in Amalgamfüllungen fest gebunden ist, können geringe Mengen freigesetzt werden, insbesondere beim Einsetzen, Entfernen oder durch Abrieb beim Kauen. Diese Quecksilberdämpfe können über die Atemluft oder den Speichel in den Körper gelangen und sich in Organen und im Gehirn ablagern. Eine zu hohe Quecksilberbelastung kann zu verschiedenen Beschwerden führen, darunter Schwindel, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Gedächtnisschwund und Nervenschmerzen.
EU-Verbot von Amalgam
Aufgrund der potenziellen Risiken durch Quecksilber ist die Verwendung von Amalgam in der EU seit dem 1. Januar 2025 weitgehend verboten. Ausgenommen sind lediglich wenige Ausnahmefälle, in denen keine geeigneten Alternativen zur Verfügung stehen. Zuvor war die Verwendung von Amalgam bereits bei Kindern unter 15 Jahren, Schwangeren und Stillenden eingeschränkt.
Alternativen zu Amalgam
Heutzutage stehen verschiedene quecksilberfreie Alternativen zu Amalgam zur Verfügung, die den Anforderungen an Haltbarkeit, Ästhetik und Verträglichkeit gerecht werden. Zu den gängigsten Alternativen gehören:
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- Kompositfüllungen: Diese bestehen aus Kunststoff und feinsten Glasteilchen und sind besonders im Frontzahnbereich beliebt, da sie sich farblich gut an die natürliche Zahnsubstanz anpassen lassen.
- Keramik-Inlays: Keramik-Inlays sind sehr haltbar und ästhetisch ansprechend. Sie werden individuell im Labor gefertigt und anschließend in den Zahn eingesetzt.
- Glasionomerzement: Glasionomerzement ist ein mineralischer Zement, der vor allem als Übergangslösung oder bei Milchzähnen verwendet wird.
- Kompomer: Kompomer ist eine Mischung aus Komposit und Glasionomerzement und eignet sich für kleinere Defekte im Zahnhalsbereich oder auf Milchzähnen.
Entfernung von Amalgamfüllungen
Viele Patienten entscheiden sich aus Angst vor dem Quecksilber für die Entfernung ihrer Amalgamfüllungen. Die Entfernung sollte jedoch nur bei medizinischer Notwendigkeit erfolgen, da dabei Staub und schädliche Dämpfe entstehen können. Um den Patienten und das Ärzteteam zu schützen, wird in der Regel mit einem speziellen Bohrer, niedertourig und mit starker Wasserkühlung gearbeitet. Zudem wird ein Kofferdam verwendet, um den Zahn zu isolieren und die Mundhöhle abzudecken.
Nervschädigung durch Überinstrumentierung oder Überstopfen bei Wurzelbehandlungen
Bei Wurzelbehandlungen kann es durch Überinstrumentierung oder Überstopfen von Wurzelkanalfüllmaterial zu einer Schädigung des Nervus alveolaris inferior kommen. Die Wurzelspitzen der Unterkiefermolaren haben häufig eine enge Lagebeziehung zum Kanal dieses Nervs.
Ursachen und Folgen
- Überinstrumentierung: Eine zu tiefe oder aggressive Aufbereitung des Wurzelkanals kann den Nerv direkt verletzen.
- Überstopfen: Das Austreten von Wurzelfüllmaterial über die Wurzelspitze hinaus in den Unterkieferkanal kann zu einem Kompressionstrauma oder einer neurotoxischen Reaktion führen.
Verletzungen des Nervus alveolaris inferior können zu Sensibilitätsstörungen wie Anästhesie (Gefühllosigkeit), Parästhesie (Missempfindungen wie Kribbeln oder Brennen), Hypästhesie (verminderte Sensibilität) und Hyperästhesie (erhöhte Sensibilität) führen.
Prävention
Um Nervschädigungen bei Wurzelbehandlungen zu vermeiden, sind folgende Maßnahmen wichtig:
- Sorgfältige Planung: Vor der Behandlung sollte eine dreidimensionale Bildgebung (DVT) durchgeführt werden, um den Verlauf des Unterkieferkanals und die Lage der Wurzelspitzen genau zu bestimmen.
- Schonende Instrumentierung: Die Aufbereitung des Wurzelkanals sollte mit großer Sorgfalt und unter Verwendung geeigneter Instrumente erfolgen, um eine Verletzung des Nervs zu vermeiden.
- Vermeidung von Überstopfen: Beim Einbringen des Wurzelfüllmaterials sollte darauf geachtet werden, dass es nicht über die Wurzelspitze hinaus in den Unterkieferkanal gelangt.
Behandlung
Die Behandlung von Nervschädigungen nach Wurzelbehandlungen richtet sich nach dem Schweregrad der Verletzung und den Symptomen des Patienten. In manchen Fällen kann eine operative Entfernung des überstopften Füllmaterials erforderlich sein, um den Nerv zu dekomprimieren.
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Weitere Ursachen für Nervschmerzen nach Zahnfüllungen
Neben den bereits genannten Ursachen können auch andere Faktoren zu Nervschmerzen nach Zahnfüllungen führen:
- Reizung des Zahnnervs: Wenn die Karies sehr tief war, kann der Zahnnerv durch die Behandlung gereizt sein.
- Zu hohe Füllung: Eine Füllung, die minimal zu hoch ist, kann zu Schmerzen beim Kauen führen.
- Undichte Füllungsränder: Wenn die Füllung nicht perfekt abschließt, können Bakterien eindringen und eine Entzündung verursachen.
- Haarrisse im Zahn: Beim Entfernen der Karies kann der Zahn stark belastet werden und Haarrisse entwickeln.
- Allergische Reaktion: In seltenen Fällen kann eine allergische Reaktion auf das Füllmaterial auftreten.
- Zähneknirschen: Zähneknirschen oder Pressen kann die neue Füllung zusätzlich belasten.
Behandlung von Nervschmerzen nach Zahnfüllungen
Die Behandlung von Nervschmerzen nach Zahnfüllungen richtet sich nach der Ursache der Schmerzen. In vielen Fällen können folgende Maßnahmen helfen:
- Anpassung der Füllung: Wenn die Füllung zu hoch ist, kann sie vom Zahnarzt angepasst werden.
- Schmerzmittel: Bei leichten bis mäßigen Schmerzen können rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol helfen.
- Entzündungshemmende Medikamente: Bei einer Entzündung des Zahnnervs oder des Zahnfleischs können entzündungshemmende Medikamente verschrieben werden.
- Wurzelbehandlung: In schweren Fällen, wenn der Zahnnerv stark entzündet oder bereits abgestorben ist, kann eine Wurzelbehandlung erforderlich sein.
Präventive Maßnahmen zur Vermeidung von Nervschädigungen
Um Nervschädigungen im Zusammenhang mit Zahnfüllungen vorzubeugen, sind folgende Maßnahmen wichtig:
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen: Regelmäßige Zahnarztbesuche ermöglichen die Früherkennung von Karies und anderen Zahnerkrankungen.
- Sorgfältige Mundhygiene: Eine gute Mundhygiene hilft, Karies und Entzündungen vorzubeugen.
- Vermeidung von Risikofaktoren: Risikofaktoren wie Rauchen, übermäßiger Zuckerkonsum und Zähneknirschen sollten vermieden werden.
- Qualifizierter Zahnarzt: Die Wahl eines erfahrenen und qualifizierten Zahnarztes ist entscheidend, um Komplikationen zu vermeiden.
- Moderne Diagnostik: Vor größeren Eingriffen sollte moderne Diagnostik wie DVT eingesetzt werden, um die anatomischen Verhältnisse genau zu beurteilen.
Bedeutung der Früherkennung und Behandlung
Die Früherkennung und Behandlung von Nervschädigungen ist entscheidend, um dauerhafte Schäden zu vermeiden. Bei ersten Anzeichen von Sensibilitätsstörungen oder Schmerzen sollte umgehend ein Zahnarzt aufgesucht werden. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung können die Heilungschancen deutlich verbessern und die Lebensqualität des Patienten erhalten.