Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, die durch anfallartige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Diese Kopfschmerzen werden oft von anderen Symptomen begleitet und können bis zu 72 Stunden andauern. Bei manchen Betroffenen geht dem Anfall eine Aura voraus, die sich meist in Form von visuellen oder anderen sensorischen Wahrnehmungsstörungen äußert. Die Auslöser (Trigger) einer Migräneattacke sind individuell verschieden. Migräne ist eine der häufigsten Kopfschmerzerkrankungen und gehört zu den primären Kopfschmerzen. Im Gegensatz zu sekundären Kopfschmerzen, die durch andere Erkrankungen verursacht werden, treten die Attacken am häufigsten und schwersten bei Erwachsenen im Alter von 20 bis 50 Jahren auf, wobei die Migräne oft schon im Jugendalter beginnt.
Formen der Migräne
Man unterscheidet zwischen episodischer und chronischer Migräne. Bei der episodischen Form treten die Attacken unregelmäßig auf, während bei der chronischen Migräne Betroffene über mindestens drei Monate an mehr als der Hälfte der Tage unter Kopfschmerzen leiden. Die genaue Bestimmung der Kopfschmerzform sollte bei einem spezialisierten Arzt persönlich besprochen werden.
Migräne ohne Aura
Am häufigsten sind Migräneanfälle ohne vorherige Aura. Es handelt sich dabei um wiederkehrende Kopfschmerzen, die in der Regel 4-72 Stunden anhalten. Meist ist nur eine Kopfseite betroffen, die Seite kann jedoch während einer Attacke und von Anfall zu Anfall wechseln.
Migräne mit Aura
Vor einer Schmerzattacke kommt es bei einigen Betroffenen zu einer Aura. Von einer Migräne mit Aura wird gesprochen, wenn es sich um wiederkehrende, minutenlange Attacken mit einseitigen, vollständig reversiblen Aura-Symptomen handelt. Diese entwickeln sich in der Regel allmählich. Die Aura-Symptome können nacheinander auftreten und jeweils bis zu 1 Stunde anhalten. Die Aura kann auch erst nach Beginn der Kopfschmerzphase einsetzen oder sich bis in die Kopfschmerzphase hinein fortsetzen. Beispiele für Aura-Symptome sind Sehstörungen und Sensibilitätsstörungen.
Chronische Migräne
Treten die Migräneattacken mindestens 3 Monate lang an mindestens 15 Tagen im Monat auf, davon an mindestens 8 Tagen mit den typischen Merkmalen des Migränekopfschmerzes, so handelt es sich in der Regel um eine chronische Migräne.
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Ursachen der episodischen Migräne
Die Ursachen für die Funktionsstörungen im Gehirn, welche die Migräne auslösen, sind immer noch nicht ausreichend erforscht. Nur bei sogenannter familiärer Migräne wurde eine genetische Mutation als eindeutige Ursache ausfindig gemacht. Ansonsten sind aber bereits eine ganze Reihe genetischer Risikofaktoren für das Auftreten von Migräne bekannt.
Triggerfaktoren
Es gibt viele Studien zu den Triggern, die bei Menschen mit einer entsprechenden Anfälligkeit Migräneattacken auslösen können. Dabei bleibt häufig unklar, ob es sich um echte oder nur um gefühlte Trigger handelt. Manchmal ist auch nicht klar, ob es sich um eine Ursache der Migräne oder um eine Begleiterscheinung handelt. Es ist zum Beispiel nicht eindeutig geklärt, ob Wetterumschwünge Migräneattacken auslösen oder ob die ersten Anzeichen einer Migräne die Wetterfühligkeit verstärken.
Häufige Triggerfaktoren:
- Wechselnder Schlaf-Wach-Rhythmus
- Unterzuckerung/Hungerzustand
- Bestimmte Substanzen
- Äußere Reize
- Medikamente
Symptome der episodischen Migräne
Die Symptome der episodischen Migräne sind vielfältig und können von Person zu Person variieren. Typische Symptome sind:
- Mittelschwere bis schwere, oft halbseitige Kopfschmerzen
- Pochender oder pulsierender Schmerz
- Übelkeit und/oder Erbrechen
- Licht- und Lärmempfindlichkeit
- Appetitlosigkeit oder Heißhunger
- Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und Konzentrieren
- Müdigkeit und vermehrtes Gähnen
Aura-Symptome
Bei Migräne mit Aura treten zusätzlich neurologische Symptome auf, die den Kopfschmerzen vorausgehen oder sie begleiten können. Diese Symptome können visuell, sensorisch oder motorisch sein.
Visuelle Symptome:
- Flimmern
- Zickzacklinien
- Skotome (Gesichtsfeldausfälle)
- Blendende Kreise oder Vierecke
Sensorische Symptome:
- Kribbeln oder Taubheitsgefühl in Armen, Beinen oder im Gesicht
Sprachliche (aphasische) Störungen:
- Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden
- Verwaschene Sprache
Diagnose der episodischen Migräne
Die Diagnose der episodischen Migräne basiert in erster Linie auf der Anamnese und der Beschreibung der Symptome durch den Patienten. Es ist wichtig, die Häufigkeit, Dauer und Art der Kopfschmerzen sowie Begleitsymptome zu dokumentieren. Ein Kopfschmerztagebuch kann dabei hilfreich sein. In einigen Fällen können neurologische Untersuchungen oder bildgebende Verfahren erforderlich sein, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen. Ob die diagnostischen Kriterien einer Migräne bei den jeweiligen Betroffenen erfüllt werden, können Ärzt:innen oder Neurolog:innen mithilfe eines Kopfschmerztagebuchs herausfinden. Daher ist es wichtig, dass Betroffene eins führen und zu ihrem Arztbesuch mitbringen.
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Differentialdiagnose
Bei der Diagnose von Migräne mit Aura müssen Ärzte andere mögliche Ursachen ausschließen. Das ist wichtig, weil eine Sehstörung zum Beispiel auch ein Indiz für eine Durchblutungsstörung oder Augenerkrankung sein kann. Besonders problematisch ist die Abgrenzung zum Schlaganfall, da Symptome wie Taubheitsgefühl oder Sprachstörungen auch für einen Schlaganfall sprechen können.
Behandlung der episodischen Migräne
Die Behandlung der episodischen Migräne zielt darauf ab, die Symptome während einer akuten Attacke zu lindern und die Häufigkeit und Intensität zukünftiger Anfälle zu reduzieren. Die Behandlung kann medikamentöse und nicht-medikamentöse Ansätze umfassen.
Akutbehandlung
Die Akutbehandlung der Migräneattacke erfolgt mit Schmerzmitteln, vorzugsweise kombiniert mit einer Substanz gegen Übelkeit und Erbrechen. Behandelt man einerseits früh bei den ersten Anzeichen, aber zugleich nicht zu häufig mit diesen Substanzen, kann bei der großen Mehrheit der Betroffenen eine gute Symptomkontrolle erreicht werden.
Medikamentöse Akuttherapie:
- Schmerzmittel: Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol
- Triptane: Spezifische Migränemittel, die die Freisetzung von Nervenbotenstoffen blockieren und die Blutgefäße verengen.
- Antiemetika: Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen
Nicht-medikamentöse Akuttherapie:
- Ruhe und Entspannung in einem abgedunkelten Raum
- Kühle Umschläge auf Stirn oder Nacken
- Entspannungsübungen
Migräneprophylaxe
Treten Attacken dennoch mehr als 3-mal pro Monat auf, wird vorübergehend mit vorbeugend wirksamen Medikamenten behandelt. Diese müssen vom Arzt verordnet und ihre Wirkung muss kontrolliert werden.
Medikamentöse Prophylaxe:
- Betablocker: Propranolol, Metoprolol, Bisoprolol
- Antidepressiva: Amitriptylin
- Antiepileptika: Topiramat
- Monoklonale Antikörper: Erenumab, Fremanezumab, Galcanezumab, Eptinezumab
Nicht-medikamentöse Prophylaxe:
- Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus
- Stressmanagement
- Vermeidung von Triggerfaktoren
- Ausdauersport
- Biofeedback
- Verhaltenstherapie
- Akupunktur
Triggermanagement
Beobachten Sie Ihre Kopfschmerzen und individuellen Triggerfaktoren, um Migräneattacken vorzubeugen. Statt strenger Vermeidung erkannter Trigger wird heute bisweilen ein Triggermanagement empfohlen, bei dem sich Betroffene den Triggern in geringem Umfang aussetzen. Zur Dokumentation von Symptomen und Auslösern und zum Triggermanagement werden verschiedene Apps (kostenfrei und kostenpflichtig) angeboten. Die Krankenkassen übernehmen auf Rezept die Kosten einer solchen App, wenn das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sie in das Verzeichnis für digitale Gesundheitsanwendungen aufgenommen hat.
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Leben mit episodischer Migräne
Leider gibt es bislang keine Möglichkeit, Migräne zu heilen. Jeder Betroffene muss lernen, mit dieser Erkrankung zu leben. Dazu gehört, modifizierbare Auslöser für Attacken nach Möglichkeit zu reduzieren und sich auf der anderen Seite einzugestehen, dass schwere Attacken zu einer reellen Minderung der Leistungsfähigkeit führen. Migräne ist entgegen einer oft geäußerten Meinung keine psychische Erkrankung und sollte auch nicht mit einem banalen Spannungskopfschmerz, der viel besser mit Schmerzmitteln kontrolliert werden kann, verwechselt werden. Viele Betroffene spüren jedoch bis heute das Stigma, Migräne sei keine echte Erkrankung, sondern nur eine gelegentlich sogar willkommene Ausrede, die es erlaubt, unangenehme Aufgaben zu vermeiden.
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