Aura-Migräne: Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze

Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Sie ist eine neurologische Erkrankung, die durch vielfältige Symptome gekennzeichnet ist und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich einschränken kann. Im Gegensatz zu Spannungskopfschmerzen, bei denen hauptsächlich der Kopf schmerzt, betrifft Migräne den ganzen Körper. Ein besonderes Phänomen ist die Migräne mit Aura, bei der neurologische Störungen der Kopfschmerzphase vorausgehen.

Was ist Migräne?

Migräne ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. In Deutschland sind etwa 28 Prozent der Frauen und 18 Prozent der Männer betroffen. Die Erkrankung manifestiert sich meist in der zweiten und dritten Lebensdekade, kann aber auch schon im Kindesalter auftreten. Typisch sind anfallsartige, starke Kopfschmerzen, die von Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen und Überempfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen begleitet werden.

Hauptsymptome der Migräne

Die typischen Symptome der Migräne sind vielfältig und können von Person zu Person variieren. Zu den häufigsten gehören:

  • Kopfschmerzen: Mittelstarke bis schwere, oft halbseitige Kopfschmerzen im Stirn- und Schläfenbereich. Der Schmerz wird als pulsierend, hämmernd oder pochend empfunden und verstärkt sich bei körperlicher Aktivität.
  • Begleitsymptome: Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Lichtempfindlichkeit (Photophobie), Geräuschempfindlichkeit (Phonophobie) und Geruchsempfindlichkeit (Osmophobie).
  • Hypersensibilität: Viele Betroffene reagieren empfindlich auf Licht, laute Geräusche oder Gerüche und ziehen sich in dunkle, stille Räume zurück.

Migräne mit Aura: Ein besonderes Phänomen

Etwa 10 bis 15 Prozent der Migränepatienten erleben eine sogenannte Aura, die der Kopfschmerzphase vorausgeht. Die Aura ist eine anfallsartige neurologische Störung, die sich vor allem in Sehstörungen äußert, aber auch andere neurologische Symptome umfassen kann.

Die Aura: Ein Vorbote der Migräne

Der Begriff "Aura" leitet sich von Aurora, der römischen Göttin der Morgenröte, ab. Ähnlich wie die Morgenröte den Tag ankündigt, kündigen Wahrnehmungsstörungen die bevorstehende Kopfschmerzphase an. Die Aura ist durch eine Reihe von neurologischen Symptomen gekennzeichnet, die typischerweise zwischen 5 und 60 Minuten andauern.

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Symptome der Migräne-Aura

Die Symptome der Aura können vielfältig sein und unterschiedliche Bereiche des Nervensystems betreffen. Zu den häufigsten gehören:

  • Sehstörungen: Flimmern, verschwommenes Sehen, Lichtblitze, Zickzacklinien, Gesichtsfeldeinschränkungen (Skotome), verzerrte Wahrnehmung von Objekten (Metamorphopsie).
  • Sensible Störungen: Kribbeln oder Taubheit in Armen und Beinen, im Gesicht oder in den Wangen.
  • Sprachstörungen: Schwierigkeiten bei der Aussprache oder der Wortfindung.
  • Weitere Symptome: Schwindel, Schwächegefühl, Hörprobleme, Doppelbilder.

Atypische Formen der Migräne-Aura

Neben der typischen Migräne-Aura gibt es auch atypische Formen, die mit spezifischen Symptomen einhergehen:

  • Migräne mit Hirnstammaura: Betroffene leiden an Hirnstammsymptomen wie Drehschwindel, Tinnitus, Doppelbildern oder Bewusstseinsstörungen.
  • Hemiplegische Migräne: Die Aura geht mit motorischen Störungen wie einer halbseitigen Lähmung einher.
  • Retinale Migräne: Diese seltene Form ist durch vorübergehende, visuelle Phänomene wie plötzliches Flimmern vor dem Auge, Gesichtsfeldausfälle oder Erblindung gekennzeichnet.
  • Alice-im-Wunderland-Syndrom: Hierbei handelt es sich um eine verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers und der Umgebung. Betroffene nehmen beispielsweise ihren Körper als zu klein oder zu groß wahr.

Differenzialdiagnose: Ist es wirklich die Aura?

Bei der Diagnose von Migräne mit Aura ist es wichtig, andere mögliche Ursachen für die Symptome auszuschließen. Insbesondere bei Sehstörungen, Taubheitsgefühlen oder Sprachstörungen muss ein Schlaganfall ausgeschlossen werden. Auch andere Erkrankungen des Auges oder des Gehirns können ähnliche Symptome verursachen.

Phasen einer Migräneattacke mit Aura

Eine Migräneattacke mit Aura verläuft typischerweise in fünf Phasen, wobei nicht alle Phasen bei jedem Patienten auftreten müssen:

  1. Prodromalphase: Stunden oder Tage vor der Attacke treten unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Blässe, Heißhunger, Übelkeit und Konzentrationsstörungen auf.
  2. Auraphase: Kurz vor Beginn der Kopfschmerzen treten die Aura-Symptome auf, die zwischen 5 und 60 Minuten andauern können.
  3. Kopfschmerzphase: Die typischen Migränekopfschmerzen setzen ein und können zwischen 4 und 72 Stunden andauern.
  4. Auflösungsphase: Die Kopfschmerzen lassen nach, und es können Symptome auftreten, die der Anfangsphase entgegengesetzt sind, wie beispielsweise Appetitlosigkeit.
  5. Erholungsphase: Die Symptome sind abgeklungen, aber die Betroffenen benötigen Zeit, um sich von der Erschöpfung der Attacke zu regenerieren.

Ursachen der Migräne mit Aura

Die genauen Ursachen der Migräne mit Aura sind noch nicht vollständig erforscht. Es wird jedoch angenommen, dass eine Kombination aus genetischen, neurologischen und umweltbedingten Faktoren eine Rolle spielt.

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Genetische Faktoren

Studien haben gezeigt, dass das Risiko, an Migräne zu erkranken, bei Personen mit Familienangehörigen, die ebenfalls an Migräne leiden, deutlich erhöht ist. Bestimmte Genvarianten wurden mit einem erhöhten Risiko für Migräne mit Aura in Verbindung gebracht.

Neurologische und biochemische Mechanismen

Es wird vermutet, dass eine komplexe Wechselwirkung zwischen neurochemischen Prozessen im Gehirn, der Dysregulation von Neurotransmittern und einer gesteigerten neuronalen Erregbarkeit eine Rolle spielt. Bei Migränepatienten mit Aura wurde eine verminderte Hirndurchblutung in bestimmten Hirnarealen festgestellt, was zu einem Sauerstoffmangel führen und die Aura-Symptome verursachen könnte.

Triggerfaktoren

Bestimmte Auslöser, sogenannte Trigger, können Migräneattacken mit Aura hervorrufen. Zu den häufigsten Triggern gehören:

  • Stress
  • Hormonelle Veränderungen (z. B. Menstruation, Schwangerschaft, hormonelle Verhütungsmittel)
  • Schlafmangel oder unregelmäßiger Schlaf
  • Bestimmte Lebensmittel und Getränke (z. B. Käse, Rotwein, Schokolade, Koffein)
  • Wetterumschwünge
  • Intensive Gerüche
  • Grelles Licht
  • Starke körperliche Anstrengung
  • Auslassen von Mahlzeiten

Diagnose der Migräne mit Aura

Die Diagnose der Migräne mit Aura basiert in erster Linie auf der Anamnese, also der ausführlichen Befragung des Patienten zu seinen Beschwerden. Der Arzt wird nach der Art, Häufigkeit, Dauer und Intensität der Kopfschmerzen sowie nach den Begleitsymptomen und möglichen Auslösern fragen. Ein Kopfschmerztagebuch kann hilfreich sein, um die Symptome und Trigger zu dokumentieren.

Neben der Anamnese kann eine neurologische Untersuchung durchgeführt werden, um andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen. In einigen Fällen können auch bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns erforderlich sein.

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Behandlung der Migräne mit Aura

Da die Migräne eine chronische Erkrankung ist, ist eine Heilung derzeit nicht möglich. Ziel der Behandlung ist es, die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Attacken zu reduzieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Die Behandlung umfasst sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Maßnahmen.

Akutbehandlung der Migräneattacke

Die Akutbehandlung zielt darauf ab, die Symptome der Migräneattacke so schnell wie möglich zu lindern. Hierzu können folgende Medikamente eingesetzt werden:

  • Schmerzmittel: Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Diclofenac können bei leichten bis mittelschweren Attacken wirksam sein.
  • Triptane: Diese Migräne-spezifischen Medikamente sind bei mittelschweren bis schweren Attacken die Mittel der Wahl. Sie wirken, indem sie Entzündungsvorgänge im Gehirn hemmen, erweiterte Blutgefäße verengen und die Schmerzausbreitung unterdrücken. Triptane sollten möglichst früh in der Kopfschmerzphase eingenommen werden.
  • Antiemetika: Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen können die Begleitsymptome der Migräne lindern.
  • Gepante und Ditane: Diese neueren Medikamente können bei Migräne eingesetzt werden, wenn Schmerzmittel oder Triptane nicht wirksam sind oder nicht vertragen werden.

Vorbeugende Behandlung der Migräne

Die vorbeugende Behandlung (Prophylaxe) zielt darauf ab, die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Migräneattacken zu reduzieren. Eine Prophylaxe ist insbesondere dann sinnvoll, wenn die Attacken häufig auftreten, die Lebensqualität stark beeinträchtigen oder die Akutmedikation nicht ausreichend wirksam ist.

Folgende Medikamente können zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden:

  • Betablocker: Diese Medikamente werden ursprünglich zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt, können aber auch die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
  • Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva, wie Amitriptylin, können ebenfalls zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden.
  • Antiepileptika: Topiramat und Valproinsäure sind Medikamente, die zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt werden, aber auch bei Migräne wirksam sein können.
  • CGRP-Antikörper: Diese relativ neuen Medikamente blockieren den Botenstoff CGRP, der bei der Entstehung von Migräne eine wichtige Rolle spielt. CGRP-Antikörper haben sich als sehr wirksam und gut verträglich erwiesen.
  • Botulinumtoxin: Botulinumtoxin (Botox) kann bei chronischer Migräne zur Vorbeugung von Attacken eingesetzt werden.

Nicht-medikamentöse Maßnahmen

Neben der medikamentösen Behandlung können auch verschiedene nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Linderung von Migräneattacken und zur Vorbeugung eingesetzt werden:

  • Regelmäßiger Lebensstil: Ein regelmäßiger Schlafrhythmus, regelmäßige Mahlzeiten und ausreichend Flüssigkeitszufuhr können helfen, Migräneattacken vorzubeugen.
  • Stressmanagement: Stress ist ein häufiger Trigger für Migräne. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation, progressive Muskelentspannung oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen und Migräneattacken vorzubeugen.
  • Sportliche Aktivität: Regelmäßiger Ausdauersport wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren kann die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
  • Vermeidung von Triggern: Es ist wichtig, die individuellen Triggerfaktoren zu identifizieren und möglichst zu vermeiden. Ein Kopfschmerztagebuch kann dabei helfen.
  • Physiotherapie: Passive Dehnübungen und aktive Übungen können Fehlhaltungen und muskulären Problemen entgegenwirken, die die Kopfschmerzen verstärken.
  • Akupunktur: Die Daten zur Wirksamkeit von Akupunktur bei Migräne sind widersprüchlich.
  • Biofeedback: Diese Technik kann helfen, Körperfunktionen wie Muskelspannung oder Herzfrequenz bewusst zu beeinflussen und so Stress abzubauen.
  • Ernährungsumstellung: Eine ausgewogene Ernährung und der Verzicht auf bestimmte Lebensmittel, die als Trigger in Frage kommen, können helfen, Migräneattacken vorzubeugen.

Alternative Behandlungen

Einige Betroffene berichten von positiven Erfahrungen mit alternativen Behandlungen wie Homöopathie, Akupressur oder Chiropraktik. Die wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit dieser Methoden ist jedoch begrenzt.

Leben mit Migräne

Migräne kann eine erhebliche Belastung für die Betroffenen darstellen und ihren Alltag stark einschränken. Es ist wichtig, sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen, die eigenen Trigger zu identifizieren und Strategien zu entwickeln, um mit den Attacken umzugehen.

Tipps für den Alltag

  • Führen Sie ein Kopfschmerztagebuch, um Ihre Symptome, Trigger und Behandlungserfolge zu dokumentieren.
  • Achten Sie auf einen regelmäßigen Lebensstil mit ausreichend Schlaf, regelmäßigen Mahlzeiten und ausreichend Flüssigkeitszufuhr.
  • Vermeiden Sie Stress und lernen Sie Entspannungstechniken, um Stress abzubauen.
  • Treiben Sie regelmäßig Sport, aber vermeiden Sie Überanstrengung.
  • Vermeiden Sie bekannte Triggerfaktoren wie bestimmte Lebensmittel, Getränke oder Gerüche.
  • Suchen Sie sich Unterstützung bei anderen Betroffenen oder in einer Selbsthilfegruppe.
  • Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt über Ihre Beschwerden und Behandlungsmöglichkeiten.

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