Die Betreuung von Menschen mit Demenz, insbesondere Alzheimer, stellt eine der größten Herausforderungen dar, denen sich Angehörige und professionelle Pflegekräfte stellen müssen. Es ist eine Aufgabe, die oft mit großer Belastung einhergeht. Obwohl es keine Heilung für Demenzerkrankungen gibt, existieren Behandlungsmöglichkeiten, wobei die Betreuung und Begleitung durch Angehörige und Fachkräfte eine der wichtigsten Säulen darstellt.
Die Realität der Demenz: Einblick in die Gefühlswelt
Das Erleben und Fühlen von Betroffenen und Angehörigen rückt in den Fokus. Einblick in die Gefühlswelt der Betroffenen kann den Schmerz der sozialen Einsamkeit bei den Erkrankten, und die Angst der Angehörigen, die Person durch geistigen Zerfall zu verlieren, gelindert werden. Es geht um ein Plädoyer für die Würde von an Demenz erkrankten Menschen und für den achtsamen Umgang der Betreuenden mit sich selbst.
Praktische Ratschläge für den Alltag
Von der Antragsstellung bei der Pflegeversicherung bis zur Organisation des Pflegealltags, Hilfe bei der Beantragung von Pflegezeiten und Hilfsmitteln, Auswahl des Pflegedienstes, Entlastungsangebote für Pflegende, Finanzielle Unterstützung, die Pflegenden zusteht, praktische Tipps für die Pflege im Alltag und ein „Antrags-ABC“ sind wichtige Bestandteile.
Herausforderungen in der Beziehung: Wenn Herr Alzheimer einzieht
Wie damit umgehen, wenn Herr Alzheimer in die Beziehung einzieht und man plötzlich geheimnisvoll zu dritt ist? Ist die Schwiegertochter zuständig, wenn die demente Mutter gepflegt werden muss? Darf man sich scheiden lassen, wenn sich der Partner durch eine schwere Krankheit in eine andere Person verwandelt? Vom ersten bis zum letzten Atemzug ist Leben auf Berührung, Liebe, Hilfe und Zuwendung angewiesen. Jeder von uns ist gewissermaßen lebenslang pflegebedürftig. Wenn jedoch Krankheit, Behinderung, Gebrechlichkeit oder Demenz in den Alltag einziehen, bleiben die Angehörigen meist ungefragt mit einer enormen Belastung zurück - überfordert, übersehen und allein gelassen.
Mundgesundheit und Demenz
Die Erhaltung der Mundgesundheit mit regelmäßiger Prophylaxe soll pflegebedürftige Personen vor weiteren gesundheitlichen Einbußen schützen. Rechtliche Rahmenbedingungen, Organisation und Technik zur Anwendung bei der Unterstützung der Zahnpflege sowie Anwendungspraxis von Hilfsmitteln in der Mundpflege werden aufgezeigt.
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Ursachen für Beziehungsabbrüche
Im Umfeld von Menschen mit Demenz stellen ihre Angehörigen einen Bestandteil der sogenannten Sorgenden Gemeinschaft dar. Mit Blick auf die nichtpflegenden Angehörigen fragt der Autor nach den ursächlichen Faktoren sowie Systematiken für Beziehungsabbrüche. Es geschieht nicht selten, dass im höheren Lebensalter viele Probleme zusammenkommen, die sowohl die unmittelbar betroffenen Seniorinnen und Senioren als auch ihre nächsten Angehörigen vor scheinbar unlösbare Aufgaben stellen.
Antworten auf drängende Fragen
Wie bringe ich meinem Vater bei, dass er wegen seiner Vergesslichkeit nicht mehr Auto fahren sollte? Ist er schon pflegebedürftig, wer kann das klären? Muss eine rechtliche Betreuung beantragt werden, weil er seinen Alltag kaum noch selbst organisieren kann? Worauf ist bei einer Vorsorgevollmacht zu achten? Welche Hilfsmittel und Alltagshilfen gibt es? Ist eine Aufnahme ins Pflegeheim noch zu vermeiden? Könnte eine gezielte Rehabilitation in einer Klinik für Alterskrankheiten helfen? Was ist an ambulanter Hilfe zur Betreuung und Pflege möglich? Kann eine häusliche Pflege unsere Familie finanziell überfordern? In diesem Buch geben Fachleute kompetent Antworten auf alle diese Fragen. Die vielfältigen Ratschläge und Hinweise auf Beratung und Unterstützung helfen Ihnen, das „Älter werden und Älter sein“ lebenswert zu erleben!
Diagnose und Behandlung
Wie eine sichere Diagnose gestellt wird, welche Möglichkeiten die moderne Medizin bietet, wie die Krankheit verläuft. Und wie Sie als Angehörige den Patienten unterstützen können.
Alltag mit Demenz
Wie kann das Zusammenleben mit einem Demenz-Patienten gelingen?
Selbstpflege für Pflegende
Die Pflege eines demenzkranken Angehörigen ist eine Herausforderung - Tag für Tag, Moment für Moment. Immer mehr Menschen kommen in die Situation, ein erkranktes Familienmitglied oder den Lebenspartner pflegen zu müssen oder es selber zu wollen. Die Autorin hat sich entschieden, ihren erkrankten Ehemann selbst zu pflegen. Frei von Betroffenheitspathos hat sie in den 12 Jahren der Pflege ein zupackendes, höchst praktisches Buch geschrieben. Es geht auf alle erdenklichen Situationen im Alltag mit dem dementen Menschen würdevoll und zugleich ungeschönt ein: Wie kann man mit den Symptomen des Demenzkranken wie Aggression, Halluzination und der nachlassenden geistigen Fähigkeit umgehen? Wie reagiert man in Notfällen? Wie lassen sich Schwierigkeiten beim Essen, Trinken, Duschen oder beim Toilettengang lösen? Womit kann sich ein Demenzkranker beschäftigen, um geistig stimuliert zu werden? Und nicht zuletzt: Wie schafft man eine Umgebung, in der sich alle so wohl fühlen wie möglich? Die Ratschläge sind gut umsetzbar und inspirierend, die zahlreichen Fallgeschichten zeigen in ihrem Facettenreichtum auch humorvolle und leichte Aspekte. Einzigartig deckt es den gesamten Krankheitszyklus ab: von den ersten Anzeichen und der Diagnose über sämtliche Momente des Alltags bis hin zur intensiven Pflegebedürftigkeit.
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Krisen und Betreuung
Welche Krisen durchleidet ein Mensch mit Demenz? Welche Form der Betreuung ist die optimale? Auch die emotionale Belastung für Begleiter ist kaum zu unterschätzen, verändert sich mit zunehmendem Krankheitsverlauf auch die Persönlichkeit der vertrauten Person.
Kommunikation und Seelsorge
Wie kann Glaube - trotz Demenz - gelebt werden?
Kreativität und soziale Beziehungen
Wie es möglich ist, der Demenz mit Musik, Kunst und sozialen Beziehungen zu trotzen, zeigt dieses bahnbrechende Werk von John Zeisel. Er erläutert, wie Menschen mit einer Demenz noch funktionierende Teile ihres Gehirns nutzen und sich fähig und kompetent fühlen können. Zeisel leitet dazu an, Reaktionen wie Agitiertheit, Angst, Aggression und Apathie von Menschen mit einer Demenz auf eine nicht bedürfnisgerechte Pflege, Behandlung oder Umgebung, nicht mit der Demenzerkrankung zu verwechseln.
Tabuisierung und Umdenken
Dennoch wird diese Krankheit noch immer tabuisiert, nicht zuletzt deshalb, weil es bislang keine Heilmittel gibt. Sophie Rosentreter hat jahrelang ihre demenzkranke Großmutter gepflegt und noch zahllose glückliche Momente mit ihr erlebt. Sie hat aber auch gemerkt, dass das Thema Demenz hierzulande immer noch ein Tabu ist - trotz 1,3 Millionen Demenzkranken. 2030 werden es wegen der steigenden Lebenserwartung wohl doppelt so viele sein. Dazu kommen zwei bis drei Millionen Menschen, die die schwere Last der Betreuung tragen und damit häufig überfordert sind. Sophie Rosentreter fordert dringend ein Umdenken.
Lebensqualität und Selbstständigkeit
Sie können der Diagnose ihren Schrecken nehmen, indem Sie alles dafür tun, Lebensqualität und Selbständigkeit so weit wie möglich zu erhalten.
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Nonna Anna Konzept
Das NONNA ANNA Konzept überwindet diesen Graben und baut verbale und nonverbale Kommunikationsbrücken. Der an Demenz Erkrankte wird ruhiger und ausgeglichener. Den Hochaltrigen wiederum hilft das Konzept, die vorhandenen Fähigkeiten und Fertigkeiten weitestmöglich zu erhalten. Die Philosophie des NONNA ANNA Konzepts für Menschen mit Demenz ist „LEICHTIGKEIT“. Genau diese Leichtigkeit ist der Motor für dieses Buch. In leichter Form wird das Nonna Anna Konzept sehr praxisnah aus verschiedenen Perspektiven erlebbar und nachvollziehbar gemacht.
Gemeinsamkeiten entwickeln und ausleben
Wirkliche Verbesserungen für die Situation der Menschen mit Demenz können nur passieren, wenn Formen der Gemeinsamkeiten weiter entwickelt und ausgelebt werden. Viele Projekte, wie z.B. auch die Kulturpaten, basieren auf ehrenamtlichem Engagement. Es zeigt sich leider immer wieder, dass sich diese Projekte auflösen, wenn es keine professionelle Begleitung und Koordination gibt. Für diese Aufgaben gibt es nach Ablauf der Projektlaufzeit in der Regel keine Finanzierung, so dass viele mühsam aufgebaute Angebote wieder verschwinden und immer neue Projektideen entstehen müssen. Mehr Mut wünsche ich mir von den Verantwortlichen, um auf das Thema Demenz aufmerksam zu machen.
Autonomie und Lebensträume
Menschen im Frühstadium einer Demenzerkrankung […] benötigen in gewisser Weise eine Begleitung, Ansprechpersonen oder eine betreute Selbsthilfegruppe um sich mit der neuen Lebenssituation auseinander setzen zu können. Dabei muss es sehr stark um den Erhalt der Autonomie gehen, die Erfüllung von Lebensträumen, die Vorsorge für später und die Gestaltung der Freizeit und die Knüpfung neuer Kontakte.
Umgang von Kindern mit Demenzkranken
Am meisten beeindruckt hat mich der unproblematische und offene Umgang von Kindern mit Demenzkranken auch wenn sie keine Vorerfahrungen haben. Beeindruckend am Projekt war die sich fortwährend steigernde Begeisterung der Schüler.
Unterschiedlicher Umgang von Familienangehörigen
Ich habe dafür aber oft Kontakt zu Angehörigen, die sich mit Ihren Fragen zum Thema Demenz an mich wenden. Hier bin ich immer wieder beeindruckt, wie unterschiedlich Familienangehörige mit der neuen Situation umgehen. Das Spektrum reicht von fast selbstzerstörerischer Aufopferung bis zur völligen Ablehnung des an Demenz Erkrankten.
Entwicklung von Betreuungsangeboten
Die Angebote nehmen mittlerweile Abstand vom „Betreuungsgedanken“ und entwickeln sich dahingehend, die Selbstbestimmung der Menschen mit Demenz zu wahren.
Skepsis und Unterstützung
Die Arbeit des "Runden Tisches" hat dazu geführt, dass sich die anfängliche Skepsis der möglichen Kooperationspartner, welche vermutlich aus der Sorge um eigene Nachteile bedingt war, zu einer positiven Unterstützung aller Teilnehmer gewandelt hat. [… Hier wurde deutlich, dass wesentlich mehr Menschen in Familie und nächstem Umfeld vom Thema Demenz betroffen sind, als bisweilen allgemein angenommen wird. Auf Dauer gesehen wäre es meiner Meinung nach für das Projekt am besten, wenn die ehrenamtlichen Mitglieder deutlich überwiegen würden. Wir haben in unserem Projekt erlebt, dass es möglich ist, gemeinsam vor Ort Ideen zu entwickeln und dass eine Zusammenarbeit zwischen von Demenz Betroffenen, bürgerschaftlich Engagierten und professionellen Akteuren fruchtbar sein und jeder auf seine Art einen kleinen Teil zur Lösung beitragen kann.
Begegnung auf Augenhöhe
Die Teilnehmer mit und ohne Demenz begegneten sich auf Augenhöhe. Die Menschen mit Demenz konnten sich als kompetent in der Weitergabe Ihrer Erinnerungen und fachlichen Kenntnisse erleben und die jüngeren Teilnehmer profitierten von den Augenzeugenberichten.
Enttabuisierung und konkrete Beispiele
Durch das Miteinander von Menschen mit und ohne Demenz erleben sie sich als Teil einer kulturinteressierten Gruppe, so dass die krankheitsbedingten Einschränkungen in den Hintergrund treten. Dass sich bei einigen Veranstaltungen Familien, Betroffene geoutet haben und von ihrer Situation erzählt haben. Das war sehr berührend und machte insbesondere die Profis sehr nachdenklich.
Die Welt der Demenzkranken verstehen
Eine Demenz geht weit über den Verlust der geistigen Fähigkeiten hinaus. Sie beeinträchtigt die Wahrnehmungen, das Verhalten und Erleben der Betroffenen - das gesamte Sein des Menschen. In der Welt, in der sie leben, besitzen die Dinge und Ereignisse oft eine völlig andere Bedeutung als in der Welt der Gesunden. Niemand weiß wirklich, wie es in einem Menschen mit Demenz aussieht, denn nur im Anfangsstadium der Demenz können sich die Betroffenen selbst mitteilen. Für die Betreuenden bedeutet das, dass sie sich in die Welt der Betroffenen begeben müssen, um von ihnen verstanden zu werden. Der Schlüssel für etliche Verhaltensweisen von Menschen mit Demenz liegt in ihrer Biografie verborgen. Einschneidende Erlebnisse, persönliche Ängste und Charaktereigenschaften der Betroffenen zu kennen, heißt, sie auch im Verlauf der Demenz besser zu verstehen.
Gedächtnisverlust und seine Folgen
Die Schwierigkeit, sich Dinge zu merken, steht in der Regel am Beginn einer Demenzerkrankung. Den Betroffenen gelingt es nicht mehr, neue Informationen im Langzeitgedächtnis zu speichern - sie vergessen Termine, verlegen Gegenstände oder erinnern sich nicht an die Namen entfernter Bekannter. Von einer Demenz Betroffene bemerken ihre Leistungsverluste meist schneller als alle anderen. Oft geraten sie aufgrund ihrer Gedächtnislücken völlig durcheinander und fühlen sich gedemütigt und beschämt. Mithilfe von Merkzetteln oder durch Zurückhaltung in Gesprächen versuchen sie, ihre Vergesslichkeit zu verbergen. Im weiteren Verlauf der Demenz sind sich die Betroffenen ihrer Gedächtnisprobleme immer weniger bewusst. Das Leiden an den Folgen, wie beispielsweise dem Verlust von Unabhängigkeit, bleibt aber bestehen. Zur schwindenden Merkfähigkeit tritt ein fortschreitender Gedächtnisabbau, zunehmend verblassen auch bereits eingeprägte Inhalte des Langzeitgedächtnisses. In der Folge wird das logische Denken beeinträchtigt, gehen erworbene Fähigkeiten verloren und nimmt das Sprachvermögen ab.
Verhalten und Umgang
In fehlenden Erinnerungen liegt häufig der Grund für das unverständliche Verhalten der Menschen mit Demenz: Wer sich nicht mehr an die Person erinnert, die einem gerade aus den Kleidern helfen möchte, wird sie als Zumutung für seine Intimsphäre empfinden - und sie unter Umständen beschimpfen oder sich weigern, sich auszuziehen. Versetzt man sich in die Welt der betroffenen Person, ist dies also durchaus eine verständliche Verhaltensweise. Entstehen im Gedächtnis immer mehr Lücken, leidet auch das Denkvermögen. Menschen mit Demenz sind dadurch immer weniger in der Lage, mithilfe ihres Verstandes die auf sie einströmenden Informationen und Eindrücke zu ordnen oder zu bewerten. Deshalb fällt es den Betroffenen immer schwerer, Entscheidungen zu treffen oder Probleme durch logische Schlussfolgerungen zu lösen.
Angst und Verlustängste
Das häufige Erleben von Misserfolgen führt bei Menschen mit Demenz zu Angst vor der eigenen Leistungsunfähigkeit. Viele vereinsamen innerlich, da ihnen niemand in ihre eigene Welt zu folgen vermag. Verlustängste prägen ihr Dasein besonders stark, da ihr Leben mehr und mehr als eine Reihe von Verlustsituationen erscheint.
Depressionen bei Demenz
Depressions-Sprüche, Zitate & Texte machen das Leben mit Depressionen fassbarer. Die wenigsten wissen, dass viele Staatsoberhäupter, Schriftsteller, Philosophen, Künstler und Hollywoodstars unter Depressionen litten. Alle Persönlichkeiten von Weltruf beweisen: Depressionen kann Dir niemand ansehen - und auch mit Depression oder anderen psychischen Krankheiten können Menschen großartige Leistungen vollbringen. Hier findest Du außerdem Zitate über Depressionen & Ängste sowie depressive Sprüche, die von weniger bekannten Menschen stammen, jedoch genauso aussagekräftig sind.
Die Rolle der Trauer bei Angehörigen von Demenzkranken
"Weiße Trauer oder unsichtbare Trauer", so wird das genannt, wenn man um jemanden trauert, der lebt, also so noch da ist, aber doch irgendwie nicht, so wie das im Lauf eine Demenzerkrankung oft der Fall ist. Es geht dabei übrigens nicht darum, immerzu zu weinen. Herzlich willkommen zu „Leben. Lieben. Pflegen. Der Desideria-Podcast zu Demenz und Familie“. Mein heutiger Gast ist Anja Schmidt Ott. Anja ist Coach bei Desideria. Sie gibt Seminare für Angehörige von Menschen mit Demenz. Und Anja ist auch Trauerbegleiterin und leitet Trauergruppen.
Das Besondere an weißer Trauer
Weiße Trauer ist ja etwas, oder die Trauer um jemanden, der an Demenz erkrankt ist, ist ja so ein bisschen hin und her springt. Die Person lebt noch. Das heißt, manchmal habe ich vielleicht auch das Gefühl, ich darf gar nicht trauern, dann gibt es natürlich auch schöne Momente, vielleicht Sachen, die wichtig sind und ganz häufig und das ist etwas, was zur Trauer gehört, was aber vielen Trauern denn egal, ob sie um jemanden Trauern, der noch lebt oder um jemanden, der verstorben ist, gar nicht bewusst ist. Das Erste, was wir oder was wir sehr häufig machen bei einer Trauer ist, dass wir sehr stark ins Funktionieren gehen und dieses funktionieren, ist meistens etwas, da bin ich sehr abgespalten von meinen Gefühlen. Trauernde kommen dann zu mir und sagen, ich kann gar nicht richtig weinen. Und wenn ich jemanden als pflegende Angehörige oder überhaupt als Angehörige betreue oder besuche oder mit jemanden zusammen bin, um jemanden traure, dann bin ich ganz häufig auch sehr stark im Funktionieren, weil ich das ja sein muss, weil ich als pflegende Angehörige den Laden am Laufen halte und Laufen halte und in diesem Funktionieren bin ich ganz oft auch gar nicht mit meinen Gefühlen im Kontakt und will das vielleicht auch gar nicht sein, weil ich ja Angst haben muss und dass, wenn ich mal traurig werde oder in die Trauerfalle oder mich der Trauer hingebe, dass vielleicht nicht mehr den Laden am Laufen halten kann oder selber zusammenbreche.
Gefühle im Spektrum der Trauer
Trauer ja auch ganz viele andere Gefühle im Spektrum hat und angefangen von der Wut, von der Schuld, von der Angst, aber vielleicht auch Dankbarkeit, vielleicht auch freudige Erinnerung, vielleicht auch Erleichterung und daran kommt sofort die Schuld wieder, weil ich mich ja eigentlich nicht erleichtert fühlen darf. Ich glaube, das ist auch fehlen, nicht klar. Es wird Trauer sehr oft als traurig sein sehen. Und viele Leute trauen aber gar nicht in dem sie traurig sind, sondern in dem sie sehr wütend sind zum Beispiel. Und das sind ja auch Gefühle, die in der Betreuung von Angehörigen, also die Angehörige von Menschen mit Demenz erleben. Wir setzen Trauer, auch bei Trauer und Verstorben, ganz oft mit Traurigkeit gleich, dass da jemand wirklich intensiv traurig ist. Und das ist ja nur ein Teil davon. In der Regel haben wir ein großes Gefühlsspektrum, wo ganz viel Wut, ganz viel Schuldgefühl, vielleicht auch Scham drin sind, Unsicherheit, Angst, sicherlich auch Freude und Dankbarkeit und so ein ganz großes Mischmasch von sehr, sehr vielen, sehr, sehr intensiven Gefühlen, die gar nicht alle Traurigkeit sind oder die sich auch gar nicht alle so identifizieren lassen. Und das sind ja aber genau Gefühle, die es total schwer sind, zu zeigen. Also wenn wir jetzt von Wut, von Scham, von diesem Gefühl sprechen, also es fällt uns ja sowieso schwer dieses zu zeigen im Zusammenhang mit Pflege oder Demenz ja sowieso?
Umgang mit unterdrückten Gefühlen
Je mehr wir sie unterdrücken, umso mehr preschen sie irgendwann an anderer Stelle wieder nach oben. Einer der Gründe, glaube ich, weshalb es wichtig ist, wieso meinen wir Trauerbegleiter und Trauercoaches jedenfalls, sich der Trauer zu stellen, ist das, wenn man das nicht tut, dann ist das so ein bisschen so wie wenn man eine Badeente unter Wasser drückt oder irgendetwas ein Tischtennisball unter Wasser drücken. Das geht sehr lange sehr gut. Ich drücke ja mit meiner Trauer alle anderen Gefühle gleich mit, denn Trauer und Freude sind ja auch nah beieinander. Und das kann man sehr lange tun und vielleicht mache ich das mit meiner nicht dominanten Hand, mit der linken Hand. In meinem Fall, ich bin Rechtshänderin und ich kann sehr, sehr gut durchs Leben gehen, mit der linken Hand unter Wasser, mit dem Tischtennisball und kann rechts alles machen und irgendwann kommt vielleicht eine Situation, vielleicht verliebe ich mich und möchte hier mal einen Arm nehmen und vergesst das, dass meine linke Hand ja diesen Tischtennisball alle mit allen Gefühlen unter Wasser drückt und ich benutze die linke Hand und dieser Tischtennisball schnell nach oben und da sind alle Gefühle und kein Mensch in meinem Umfeld und ich selber auch nicht bringt das mit meiner Trauer in Verbindung. Das ist zum Beispiel was, was wir bei Kindern und Jugendlichen ganz oft erleben. Oder bei Menschen, die sehr lange funktionieren müssen, weil das Haus abbezahlt werden muss oder weil sie sich um andere kümmern müssen und gar keine Zeit ist, sich der eigenen Trauer zu stellen. Und dann kommt manchmal Jahre später diese Trauer hoch.
Trauer als Labyrinth
In Wirklichkeit ist es mit der Trauer oder überhaupt mit Veränderungsprozessen und das ist ja bei der Demenz auch so. Ich muss mir das so vorstellen wie ein Labyrinth, was in einem Kreis ist. Also wo ich sozusagen im Kreis laufe und hinter diesem Labyrinth oder darunter gelegt sind, wie so Kuchenstücke mit verschiedenen Farben. Und je nachdem, wo ich diesen Weg entlang gehe, komme ich immer wieder in Stellen vorbei, wo ich denke, da war ich doch schon mal oder das fühlt sich so ähnlich an. Und das ist ganz normal, das ist ein ganz normaler Prozess, dass ich eben auch auf bestimmte Gefühlsebenen oder bestimmte Themen, bestimmte Sachen wieder zurückgerufen werde. Übrigens dann vielleicht auch mein Leben lang. Das werden Menschen kennen, wenn sie um jemanden trauern. Und der kann schon Jahre tot sein und sie können schon sich gut mit der Trauer abgefunden haben oder gut mit ihr leben und plötzlich kommt eine Musik oder ein Geruch oder eine Situation und man fühlt sich total zurückgeworfen und es zieht einem so den Boden unter den Füßen weg. Und es können auch Situationen sein, die viel später auftauchen und zu verstehen, dass das dazugehört, dass das ganz normal ist. Das ist glaube ich ganz wichtig und dass es Teil des Prozesses ist. Dass es nicht nicht heißt, ich bin wieder am Anfang, sondern das heißt, ich bin ein Stück weiter auf mein Weg gegangen.
Leben mit der Trauer statt Überwinden
Das ist ja so, als wäre die Trauer etwas, was ganz furchtbar ist und was weg soll. So gehen wir damit ja um. Und gleichzeitig ist ja, das ist ja eigentlich so, also wenn man sich ganz doll über etwas freut, dann sagt ja auch keine, jetzt aber mal gut mit der Freude, dein Kind ist doch schon ein halbes Jahr alt, oder jetzt aber mal gut, dass ihr hier so verliebt tut, ihr habt doch schon vor einem Dreiviertel Jahr geheiratet. Wie kannst du dich immer noch darüber freuen? Der Freude gestehen wir zu, dass sie da ist und dass sie Raum hat und die Trauer soll weg, weil sie unangenehm ist und eigentlich aber ist er die Trauer, wenn man genau darauf hinschaut, ist die Trauer ja nicht per se schlechtes, sondern sie ist ein Ausdruck von Liebe, sie ist ein Ausdruck von Verbundenheit, von guten Gedanken, guten Wünschen, von Sehnsucht vielleicht, aber hinter all dem steht Liebe Liebe. Und indem wir die Trauer nicht zulassen und wegdrücken und sagen, die soll weggehen, weil die macht mir keine gute Laune und die macht mir keine guten Gefühle und dieser Weg drücken wir natürlich auch ein Stück unsere Liebe weg. Und sich dem zu stellen oder da bewusst durchzugehen und das zuzulassen. Und ich sage auch ganz klar, wir müssen diesen Weg auch gehen. Das ist nicht etwas, was einfach so mit einem passiert, das ist dann natürlich schon viel wertvoller. Denn dann bleibe ich ja auch im Idealfall mit mir und mit demjenigen, um den ich traure in einem guten Kontakt. Und das ist eigentlich ja das Ziel. Also das heißt, wir wollen nicht überwinden, sondern wir wollen in einen Zustand kommen, wo wir gut mit der Trauer leben können. Ich würde nie einer Mutter, die ihr Kind verloren hat, sagen: „Da musst du drüber hinwegkommen und nach einem Jahr ist das alles wieder gut.“
Zitate über das Alter und Demenz
- "Du bist verloren, wenn der Kopf nicht mehr mit macht."
- "Um offen zu sein, ich fürchte, ich bin nicht bei vollem Verstand."
Dies sind Aussagen von berühmten Persönlichkeiten, die an Demenz und Alzheimer erkrankten. Mittlerweile weiß man, dass dem nicht so ist. Wohl kann angemessene geistige Förderung im Alter, auch in der Demenz, den Prozess des Alterns verlangsamen.