Eine Herpes-simplex-Virusinfektion kann vor allem für Neugeborene gefährlich sein, da ihr Immunsystem noch nicht ausreichend entwickelt ist. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Baby Hirnhautentzündung (Meningitis) durch Herpesviren, einschließlich Symptome, Verlaufsformen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten.
Die Gefahr von Herpes für Neugeborene
Während eine Herpes-simplex-Infektion bei Menschen mit einem stabilen Immunsystem oft kaum bemerkt wird, stellt sie für Neugeborene eine erhebliche Gefahr dar. Das liegt daran, dass ihr Immunsystem noch nicht ausreichend entwickelt ist, um die Viren effektiv zu bekämpfen. Folglich können sich die Viren ungehindert in den Organen ausbreiten und diese schädigen. Gegen das Herpes-simplex-Virus (HSV) besteht kein Nestschutz, der von der Mutter auf das Kind übertragen werden kann.
Trägt eine werdende oder erst kürzlich entbundene Mutter Herpes-Viren in sich, ist es möglich, dass sie diese vor, während oder nach der Geburt auf das Kind überträgt. Vor und während der Entbindung besteht die Gefahr vor allem, wenn die Mutter einen aktiven Genitalherpes hat, weswegen das Kind - wenn die Herpes-Erkrankung bekannt ist - möglichst per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht werden sollte. Nach der Geburt kann der Säugling z. B. über Küsse von Angehörigen infiziert werden. Für Neugeborene - besonders innerhalb der ersten zwei Lebenswochen - ist eine Infektion besonders schlimm und wird in der Regel unter strenger Beobachtung auf der Intensivstation therapiert.
Herpes-simplex-Virus (HSV) Typen und Übertragung
Die Herpesinfektion wird durch die Herpes-simplex-Viren Typ 1 und Typ 2 (HSV-1 und HSV-2) hervorgerufen. Der häufige „Lippenherpes“ wird überwiegend durch HSV-1 verursacht, HSV-2 manifestiert sich häufiger im Genitalbereich. Zwischen 80-90 Prozent der Bevölkerung sind mit dem Herpes-simplex-Virus (HSV) infiziert, allerdings zeigt die Infektion nur in ca. 30 Prozent der Fälle Symptome.
Die Primärinfektion mit HSV-1 geschieht über eine Schmierinfektion, z. B. durch engen Körperkontakt mit einer Person, die an den infektiösen Lippenbläschen leidet. Eine Infektion mit HSV-2 erfolgt ebenfalls durch Schmierinfektion meist durch Kontakt zu infizierten Sexualpartnern oder bereits bei der Geburt, wenn die Mutter an einer aktiven genitalen Herpesinfektion leidet. Selten kann eine Infektion über Tröpfchen stattfinden, also eine Übertragung der Krankheitserreger über Tröpfchen in der Luft.
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Stadien einer Herpes-simplex-Infektion bei Säuglingen
Eine Herpes-simplex-Infektion eines Säuglings kann drei schwere Verlaufsformen annehmen, die etwa gleich häufig auftreten können:
- Haut-, Schleimhaut- und Augenbefall: Das erste Stadium betrifft vor allem Haut, Schleimhaut und Augen. Die Sehfähigkeit kann dadurch dauerhaft zu Schaden kommen, bis hin zur Hornhauttrübung oder sogar Erblindung. Hinzu kommt, dass der Säugling Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme möglicherweise verweigert, wenn die Mundschleimhaut durch das Virus schmerzt und geschwollen ist.
- Befall des zentralen Nervensystems: In der zweiten Verlaufsform befallen die Viren das zentrale Nervensystem, was im schlimmsten Fall zu einer Gehirnentzündung (Herpes-Enzephalitis) führen kann. Der Säugling zeigt circa eine Woche nach der Infektion grippeähnliche Symptome wie z. B. Teilnahmslosigkeit, Trinkschwäche, Krampfanfälle oder Fieber. In manchen Fällen treten auch die typischen Herpesbläschen auf der Haut auf. Je nach Zeitpunkt des Therapiebeginns überleben 50 bis 80 Prozent der Säuglinge diesen Krankheitsverlauf nicht.
- Systemischer Befall: Das dritte Stadium der Herpes-simplex-Infektion verläuft systemisch und infiziert Blut sowie Organe, sodass es zu Multiorganversagen mit Todesfolge kommen kann. Zeigt ein Säugling Anzeichen eines Herpes-Ausbruchs beschriebener Art, muss sofort eine medizinische oder sogar intensivmedizinische Betreuung stattfinden.
Symptome einer Herpesinfektion bei Babys und Kleinkindern
Kleinkinder mit Herpes können ähnliche Symptome wie Erwachsene haben. Dies kann jedoch schwerwiegender sein, da sie noch ein unreifes Immunsystem haben. Beim Herpes labialis (Fieberbläschen) entwickeln sich kleine Bläschen oder Wunden um den Mund herum, die schmerzhaft sein können und oft von Fieber begleitet werden. Herpes simplex im Genitalbereich kann bei Kleinkindern auftreten, insbesondere wenn sie während der Geburt mit dem Virus infiziert wurden.
Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen der Infektion mit dem Erreger und dem Auftreten erster Symptome, beträgt bei Kleinstkindern etwa eine Woche. Die ersten Anzeichen sind häufig Teilnahmslosigkeit und die Verweigerung von Nahrung und Flüssigkeiten. Achten Sie jedoch auch auf die Haut Ihres Kindes, denn in den meisten Fällen kommt es relativ bald zu den typischen Herpesbläschen bei Babys - allerdings kann eine Infektion und Erkrankung auch ohne dieses Leitsymptom auftreten, weshalb das bloße Ausbleiben der Bläschenbildung kein Ausschlusskriterium für eine Herpesinfektion darstellt.
Herpes-Enzephalitis: Eine gefährliche Komplikation
Eine gefährliche Komplikation, die durch die Herpes-simplex-Viren Typ 1 und Typ 2 (HSV-1 und HSV-2) ausgelöst werden kann, ist die Hirnhautentzündung oder Meningitis. Eine Enzephalitis durch Herpes-simplex-Viren beginnt in der Regel mit allgemeiner Krankheitssymptomatik, hohem Fieber und Kopfschmerzen. Darauf folgen Bewusstseins- und Wesensveränderungen, psychotische Episoden und fokalneurologische Ausfälle. Diese beruhen auf einer nekrotisierenden hämorrhagischen Entzündung, vorzugsweise im Temporallappen und in den benachbarten Strukturen.
Diagnose von Herpes-Enzephalitis
Die Diagnostik beginnt wie bei jeder Erkrankung mit dem klinischen Bild des Patienten und der Eigen- und Fremdanamnese. Diese sollte neben der Medikamenten- und Krankheitsanamnese (auch Lippenherpes oder Genitalherpes) beispielsweise Fragen nach Reisen (vor allem Aufenthalten in Erreger-Endemiegebieten), besonderen Ausflügen (Fledermausführungen oder Höhlenbesuche), Tierkontakten (Rabies), Insekten- und Zeckenstichen, vorangegangenem Hautausschlag und Kontakten zu Infektionserkrankten beinhalten. Zudem ist der Immun- und Impfstatus zu ermitteln.
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Am aussagekräftigsten sind die Liquoruntersuchung. Die üblichen Routinelaboruntersuchungen zeigen oft keine Auffälligkeiten. Bei einer auf das ZNS begrenzten Entzündung können entsprechende Serumparameter - je nach Erreger - im Normbereich liegen. Beispielsweise ist das CRP bei 75% aller HSV-Enzephalitiden zunächst nicht erhöht.
Neben den Entzündungsmarkern wird nach spezifischen Antikörpern gesucht. Gute Chancen hat man damit bei Verdacht auf FSME-Enzephalitis. Noch vor dem direkten Erregernachweis finden sich serologisch FSME-IgM und -IgG. Bei Verdacht auf andere antikörpervermittelte Enzephalitiden kann sich die Suche auf onkoneuronale Antikörper sowie Antikörper gegen NMDA-Rezeptoren, LGI1 und CASPR2 ausweiten.
Behandlung von Herpesinfektionen bei Babys und Kleinkindern
Die Behandlung richtet sich gezielt darauf aus, die Symptome zu lindern, das Risiko von Langzeitfolgen zu verringern und die Genesung zu beschleunigen.
- Antivirale Medikamente: In schweren Fällen kann der Arzt antivirale Medikamente verschreiben, um die Vermehrung des Herpesvirus zu hemmen und die Dauer und Schwere der Infektion zu reduzieren.
- Lokale Behandlung: Zur Linderung von Schmerzen und Juckreiz können antivirale Cremes oder Salben auf die betroffenen Stellen aufgetragen werden.
- Feuchte Umschläge: Feuchte, kühle Umschläge können dazu beitragen, den Juckreiz zu lindern und wirken abschwellend.
- Schmerzlinderung: Bei Fieber oder Schmerzen kann dir der Kinderarzt geeignete Medikamente verordnen.
- Hygiene: Halte die betroffenen Stellen sauber und trocken, um eine Sekundärinfektion zu vermeiden.
Bei Neugeborenen kann die Infektion sogar zum Tod führen. Normalerweise erfordert die Behandlung bei Neugeborenen eine stationäre Aufnahme und intravenöse antivirale Medikamentengabe. Die Prognose hängt von der Schwere der Infektion und dem Zeitpunkt der Diagnose und Behandlung ab.
Prävention von Herpesinfektionen bei Babys
Prinzipiell ist stets darauf zu achten, dass Neugeborene nicht mit infektiösem Material in Berührung kommen. Eltern oder andere Aufsichtspersonen, die an Herpes labialis leiden, sollten einen Herpes-Ausbruch bei sich selbst sofort behandeln. Menschen, die an einer akuten Herpes-Infektion leiden, sollten einen Kontakt mit dem Neugeborenen meiden. Ist das nicht möglich, muss die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich gehalten werden. Bei Lippenherpes ist das Tragen eines Mundschutzes erforderlich und vor jedem Kontakt mit dem Baby eine Desinfektion der Hände. Zärtlichkeiten wie Küssen müssen unterbleiben.
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Um die Umgebung deines Kindes sicher zu gestalten, achte darauf, dass Besucher und andere Familienmitglieder, die möglicherweise an Herpesinfektionen leiden, über die Risiken informiert sind und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen treffen. Dazu gehört das Vermeiden von direktem Kontakt mit dem Baby und das Einhalten strengerer Hygienepraktiken. Außerdem solltest du sicherstellen, dass alle Gegenstände, die das Baby berührt, regelmäßig gereinigt und gemeinsam genutzte Utensilien vermieden werden.
Stillen: Die Antikörper gegen das Herpesvirus können über die Muttermilch übertragen werden, was dem Baby zusätzlichen Schutz bieten kann.