Wie man Freunde nerven kann: Tipps und Strategien für den Umgang mit schwierigen Situationen in Freundschaften

Freundschaften sind ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens und tragen maßgeblich zu unserem Wohlbefinden bei. Doch auch in den besten Freundschaften kann es zu Konflikten und schwierigen Situationen kommen. Manchmal nerven uns bestimmte Verhaltensweisen unserer Freunde, oder wir fühlen uns selbst von ihnen genervt. Dieser Artikel bietet Tipps und Strategien, wie man mit solchen Situationen umgehen und Freundschaften pflegen kann, ohne dabei die eigenen Bedürfnisse zu vernachlässigen.

Freundschaften: Mehr als nur Spaß

Oft wird Freundschaft heutzutage auf Spaß und Unkompliziertheit reduziert. Doch wahre Freundschaften zeichnen sich dadurch aus, dass sie auch in schwierigen Zeiten Bestand haben. In Sprüche 17,17 heißt es: "Ein Freund liebt zu jeder Zeit und erweist sich in der Not als treu." Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass Freundschaften Arbeit erfordern und nicht immer einfach sind. Wenn wir zu schnell aufgeben, verpassen wir die tiefreichende Schönheit, die Freundschaften bieten können.

Freundschaften im Wandel der Zeit

Freundschaften können sich im Laufe der Zeit verändern. Äußere Bedingungen wie ein neuer Job, ein Umzug oder die Gründung einer Familie können dazu führen, dass Freundschaften in den Hintergrund treten. Auch persönliche Einstellungen können sich ändern und dazu führen, dass man nicht mehr auf einer Wellenlänge ist. Der Soziologe Janosch Schobin spricht von einem "Winterschlaf" der Freundschaften: Sie bestehen eigentlich noch, rücken aber in eine "Beziehungsreserve", an die man später wieder anknüpfen kann.

Wann Freundschaften "heruntergefahren" werden sollten

Es gibt Situationen, in denen es ratsam ist, eine Freundschaft zu "herunterzufahren". Die Psychologin Muriel Mertens empfiehlt, auf Anzeichen wie fehlende Vorfreude auf Treffen oder Unwohlsein während der Gespräche zu achten. Auch wenn man im Alltag nicht mehr so oft an die Person denkt, kann dies ein Zeichen dafür sein, dass die Freundschaft in einer Phase ist, in der man den Kontakt reduzieren kann. Wichtig ist, dass dies einvernehmlich geschieht und nicht durch Ghosting, also abrupten Kontaktabbruch ohne Erklärung.

Konfliktmanagement in Freundschaften

Auch in den besten Freundschaften kommt es zu Konflikten. Hier sind einige Tipps, wie man damit umgehen kann:

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  • Freundschaft bedeutet, es gut miteinander zu meinen: Rufen Sie sich das gerade in schwierigen Situationen ins Gedächtnis und drücken Sie das auch aus.
  • Ruhe bewahren: Reagieren Sie nicht sofort, sondern erst, wenn Sie sich beruhigt haben.
  • Kritik äußern: Sagen Sie Ihrer Freundin, wie die Kritik bei Ihnen ankommt.
  • Nicht an Wettkämpfen beteiligen: Treten Sie gar nicht erst in die Startlöcher, wenn Ihr Freund ständig seine Überlegenheit betonen muss.
  • Vorsicht bei Ratschlägen: Ermutigen Sie Ihre Freundin, ausführlicher zu erzählen, bevor Sie Ratschläge geben.
  • Wertschätzung zeigen: Beschenken Sie Ihren Freund mit liebevoller Sorgfalt, dann brauchen Sie kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn Ihre Geschenke materiell auf einem niedrigeren Level sind.
  • Nicht über den Partner beklagen: Verzichten Sie darauf, sich bei Ihrem Freund über seine Partnerin zu beklagen.

Die Kunst der sozialen Unterstützung

Freunden in Not will man helfen. Doch nicht jede Unterstützung ist hilfreich. Forscher unterscheiden zwischen drei Arten sozialer Unterstützung:

  • Praktische Unterstützung: Hilfe beim Umzug, Babysitten, Geld leihen.
  • Informationelle Unterstützung: Tipps, Ratschläge, Wissen.
  • Emotionale Unterstützung: Zuhören, Verständnis zeigen, trösten, ermutigen.

Die Psychologie-Professorin Jana Nikitin betont, dass die emotionale Unterstützung die wichtigste Form der Unterstützung ist. Sie reduziert Stress, Ängste und Depressionssymptome.

Zu viel Unterstützung kann schaden

Zu viel Unterstützung kann sich negativ auf den Selbstwert auswirken. Wenn man das Gefühl hat, andere wollen einen unterstützen, obwohl man das gar nicht braucht, denkt man vielleicht, dass die anderen einen für schwächer halten.

Richtiges Zuhören ist entscheidend

Die Psychologin Gertraud Stadler empfiehlt, dem Gegenüber einfach zuzuhören und sich selbst zurückzunehmen. Zwischenfragen sind okay, Ratschläge weniger. Man kann sachte Hilfsangebote machen, nachdem man gut zugehört hat.

Ausgewogene Balance zwischen Geben und Nehmen

In Beziehungen ist es wichtig, auf eine ausgewogene Balance zwischen Helfen und sich helfen lassen zu achten. Jemandem zu helfen, fühlt sich auch für den Helfenden gut an.

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Toxische Freundschaften erkennen und beenden

Nicht alle Freundschaften sind gesund. Toxische Freundschaften können der mentalen und physischen Gesundheit schaden. Anzeichen für eine toxische Freundschaft sind:

  • Machtspiele
  • Kontrollsucht
  • Narzissmus
  • Eifersucht
  • Isolierungsversuche
  • Herablassende Behandlung

Umgang mit toxischen Freundschaften

  1. Fokus verschieben: Anstatt die Schuld nur an den Freund oder die Freundin abzuschieben, fragen Sie sich, welchen Teil Sie zu der schädigenden Dynamik beitragen.
  2. Gespräch suchen und Grenzen setzen: Gehen Sie ohne Vorwürfe in den Austausch und geben Sie beiden die Möglichkeit, ihr Verhalten zu reflektieren.
  3. Toxische Freundschaft beenden: Wenn die guten Zeiten immer seltener werden und Sie sich immer klein und gedemütigt fühlen, sollten Sie die Freundschaft beenden.

Freundschaften pflegen

Freundschaften müssen gepflegt werden, um sie zu erhalten. Hier sind einige Tipps:

  • Gemeinsame Erlebnisse schaffen: Wer viel gemeinsam erlebt, hat eine gemeinsame Geschichte zu erzählen.
  • Zuverlässig sein: Nehmen Sie sich bewusst Zeit für Ihre Freund:innen und zeigen Sie ihnen, dass sie sich auf Sie verlassen können.
  • Dankbar und wertschätzend sein: Zeigen Sie Ihren Freund:innen regelmäßig durch Worte und Gesten, dass sie Ihnen wichtig sind.
  • Loyal sein: Stehen Sie zu Ihren Freund:innen und setzen Sie sich für sie ein.
  • Empathie zeigen und zuhören: Um eine Freundschaft zu pflegen, braucht es zwei.
  • Offen ansprechen, was stört: Sprechen Sie offen an, was dich am Verhalten der anderen Person stört und urteile nicht vorschnell.

Freundschaften auf Distanz pflegen

Dank Smartphone & Co. ist es heute so einfach wie noch nie, auch über weite Entfernungen Freundschaften zu pflegen. Die größte Hürde liegt dabei darin, sich nicht auseinanderzuleben. Lassen Sie die anderen an Ihrem Leben teilhaben, gehen Sie über die Distanz gemeinsamen Interessen nach und telefonieren Sie regelmäßig.

Überzeugen in Freundschaften: Psychologische Tricks

Auch in Freundschaften kommt es vor, dass man jemanden von seiner Sichtweise überzeugen möchte. Hier sind einige psychologische Tricks, die dabei helfen können:

  1. Reziprozität: Bieten Sie Ihre Hilfe an, bevor Sie um einen Gefallen bitten.
  2. Sozialer Beweis: Demonstrieren Sie, dass viele Menschen Ihren Standpunkt teilen.
  3. Autorität: Verweisen Sie auf die Meinungen oder Aussagen einer Autoritätsperson.
  4. Anker-Effekt: Präsentieren Sie Ihre wichtigsten Argumente früh in der Diskussion.
  5. Framing: Präsentieren Sie Ihre Argumente in einer positiven Art und Weise.
  6. Konsistenz: Setzen Sie Ihre Argumente in Bezug auf die bereits vorhandenen Überzeugungen der Person.
  7. Scarcity-Effekt: Präsentieren Sie Ihre Gedanken, Ideen oder Vorschläge als etwas Besonderes und Einzigartiges.
  8. Bestätigungsverzerrung: Verwenden Sie Argumente und Beweise, die die bereits bestehenden Überzeugungen der Person bestätigen.
  9. Fuß-in-die-Tür-Technik: Beginnen Sie mit einer kleinen Bitte, bevor Sie zu Ihrer eigentlichen Anfrage hocharbeiten.
  10. Sympathie: Seien Sie freundlich und sympathisch.

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