Das volle Potenzial des Gehirns ausschöpfen: Strategien und Erkenntnisse

Das Gehirn ist ein faszinierendes und komplexes Organ, das im Mittelpunkt unserer Wahrnehmungen, Gedanken, Erinnerungen und Handlungen steht. Am Tag des Gehirns wird oft der Mythos widerlegt, dass wir nur 10 % unseres Gehirns nutzen. Tatsächlich ist unser Gehirn rund um die Uhr aktiv. Es ist die neuronale Schaltzentrale, die Wahrnehmungen und Empfindungen in Gedanken und Erinnerungen zusammenführt und in konkrete Handlungen und Bewegungen umsetzt. Es ist jedoch wichtig zu verstehen, wie wir dieses außergewöhnliche Organ optimal nutzen können.

Die Wahrheit über die Gehirnaktivität

Oftmals wird behauptet, dass wir nur einen kleinen Teil unseres Gehirns nutzen, während der Rest ungenutzt bleibt. Diese Vorstellung ist jedoch ein Mythos. Tatsächlich ist unser Gehirn immer aktiv, auch in Ruhephasen. Verschiedene Bereiche des Gehirns können je nach Aktivität stärker beansprucht werden, wie beispielsweise der Hippocampus bei der Bildung und Speicherung von Erinnerungen oder der Motorcortex bei der Steuerung und Ausführung willkürlicher Bewegungen. Diese Mehrbeanspruchung lässt sich in bildgebenden Verfahren wie der Magnetresonanztomographie (MRT) erkennen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Hirnareale nie isoliert agieren, sondern immer im komplexen Zusammenschluss mit anderen Teilen des Gehirns. Wir führen ständig kleine körperliche Bewegungen durch und sind unwillkürlich von Gedanken, Erinnerungen oder Emotionen durchströmt.

Gehirnjogging: Training für den Geist

Ähnlich wie Muskeln lässt sich auch das Gehirn trainieren. Zahlreiche digitale Angebote in Form von Apps versprechen, Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Konzentration nachhaltig zu verbessern. Dieses "Gehirnjogging" erfreut sich großer Beliebtheit, doch Kritiker bemängeln, dass es zwar die Gedächtnisleistung und Aufmerksamkeit verbessern kann, das generelle Denkvermögen jedoch unverändert bleibt. Es wird argumentiert, dass Aktivitäten, die sich im Alltag umsetzen lassen, wie ein Tanzkurs oder das Erlernen einer neuen Sprache, wertvoller sind, insbesondere für Senioren. Studien haben jedoch gezeigt, dass die Kombination von Kraft- und Ausdauertraining, gesunder Ernährung und regelmäßigem Gehirntraining die allgemeinen kognitiven Fähigkeiten steigern kann.

Beispiele für Gehirnjogging-Apps

  • NeuroNation: Diese App bietet personalisiertes und intensives Gehirntraining mit 60 kognitiven Übungen, die in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern entwickelt wurden. Studien haben gezeigt, dass NeuroNation die generellen kognitiven Fähigkeiten, insbesondere die Aufmerksamkeit und das Gedächtnis, nachhaltig verbessern kann. Gamification-Elemente sorgen für zusätzliche Motivation.
  • Lumosity: Als Marktführer im Bereich Gedächtnistraining bietet Lumosity personalisierte Workouts, die fünf kognitive Kernkompetenzen herausfordern. Die App basiert auf von Forschern entwickelten Tests zur Messung der kognitiven Fähigkeiten, die in Form von 25 Spielen aufbereitet wurden.

Gehirnforschung und Lernen

Die Gehirnforschung hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht und hilft zu verstehen, wie Kinder und Erwachsene lernen und wie man das Lernen gezielt fördern kann. Das Gehirn ist kein statischer Computer, sondern ein höchst dynamisches Organ, bei dem sich die Verknüpfungen zwischen den Nervenzellen bei jeder neuen Erfahrung verändern. Neurowissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass kindliche Gehirne besonders plastisch und aufnahmefähig sind.

Methoden der Gehirnforschung

  • MRT (Magnetresonanztomografie): Ermöglicht die Messung der Struktur und teilweise auch der Aktivität des Gehirns.
  • PET (Positronen-Emissions-Tomografie): Macht Stoffwechselvorgänge im Gehirn sichtbar.
  • EEG (Elektroenzephalographie): Misst elektrische Hirnströme und ermöglicht die Verfolgung neuronaler Reaktionen in Echtzeit.

Erkenntnisse der Gehirnforschung

  • Beim Erlernen eines Instruments wachsen bestimmte Hirnareale oder werden stärker verknüpft.
  • Das Gehirn speichert Informationen nicht wie eine Festplatte, sondern baut komplexe Netzwerke aus Neuronen auf und verändert ständig deren Verbindungen.
  • Lerninhalte werden verteilt in vielen Gehirnbereichen abgespeichert.

Gedächtnissysteme

  • Ultrakurzzeit- bzw. Kurzzeit-/Arbeitsgedächtnis: Hier werden Informationen einige Minuten lang aktiv verarbeitet.
  • Langzeitgedächtnis: Hier werden Lernstoffe dauerhaft behalten.
  • Prozedurales Gedächtnis: Es speichert Fertigkeiten und Abläufe.
  • Perzeptuelles Gedächtnis: Es erkennt Muster und Objekte wieder.
  • Episodisches Gedächtnis: Es bewahrt persönliche Erlebnisse und Erfahrungen.

Effektives Lernen

  • Störquellen minimieren und sich auf den Lernstoff konzentrieren.
  • Lernstoff in kleinen Portionen über mehrere Tage verteilt wiederholen (spaced learning).
  • Motivation und Belohnung nutzen, da das Gehirn leichter lernt, wenn es einen Grund hat.
  • Bewusstes Anbieten von neuem Wissen, ausreichend Pausen und Schlaf einplanen, Reize strukturieren und positive Anreize setzen.

Das Gehirn im Laufe des Lebens

Kinderhirne sind enorm plastisch und befinden sich noch im Umbau. Das menschliche Gehirn ist erst im jungen Erwachsenenalter voll ausgereift. Erwachsene müssen Neues gezielter üben, um es ins vorhandene Netz einzubetten. Kinderhirne lernen flexibler und schneller in bestimmten Bereichen, aber Erwachsene haben den Vorteil, schon viel Wissen und Erfahrung parat zu haben.

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Tipps für ein gesundes Gehirn

  • Ausreichend Bewegung: Bewegung versorgt das Gehirn mit Sauerstoff und regt Stoffwechselvorgänge an.
  • Genügend Schlaf und Ruhepausen: Schlaf ist essentiell für die Gedächtniskonsolidierung.
  • Gesunde Ernährung: Das Gehirn braucht Energie und Bausteine für Neurotransmitter.
  • Angenehme Lernumgebung: Der Lernort sollte ruhig, aufgeräumt und gut beleuchtet sein.
  • Emotionale Unterstützung: Kinder lernen am besten, wenn sie sich sicher und verstanden fühlen.

Der Mythos der 10-Prozent-Regel

Das Gerücht, dass wir nur 10 Prozent unseres Gehirns nutzen, hält sich hartnäckig. Angeblich soll das schon Einstein gesagt haben. Diese Aussage ist jedoch ein Mythos. Das Gehirn verbraucht 20 Prozent des täglichen Energiebedarfs, obwohl es vom Gewicht her nur ungefähr 2 Prozent des Körpers ausmacht. Es ist tatsächlich rund um die Uhr voll ausgelastet und arbeitet automatisch und oft unbewusst. Die Aussage, dass wir nur 10 % nutzen, soll motivieren und Menschen zum Handeln antreiben, um ihr wahres Potenzial zu erschließen.

Die bewusste Steuerung des Gehirns

Wir können unser Gehirn optimieren und bewusst trainieren. Vor allem funktioniert das, was wir bewusst tun und bewusst verändern, viel optimaler und effektiver. Es ist wie beim Muskeltraining. Wir können durch bewusste Steuerung gezielt mehr und neue Dinge tun. Der bewusste Teil unseres Großhirns, der Präfrontale Kortex, ermöglicht es uns, andere Teile unseres Gehirns bewusst zu steuern, sobald uns Dinge bewusst sind und wir achtsam damit umgehen.

Faktoren, die die Gehirnleistung beeinflussen

Viele verschiedene Faktoren beeinflussen die Art und Weise, wie unser Denkapparat Informationen verarbeitet. Nicht nur die genetische Veranlagung begrenzt die Denkfähigkeit, sondern auch Umwelteinflüsse und der Lebensstil.

Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel

  • Studentenfutter: Versorgt die grauen Zellen mit wertvollen Nährstoffen.
  • Nüsse: Gelten als Nervennahrung und Gehirndoping. Pistazien sollen die Merkfähigkeit und kognitive Wahrnehmung ankurbeln, Walnüsse wirken einer Gefäßverkalkung im Gehirn entgegen.
  • Nahrungsergänzungsmittel: Präparate mit Ginkgo fördern die Durchblutung des Kopfes.

Cholesterin

Ein hoher Cholesterinspiegel steigert einer US-amerikanischen Langzeitstudie nach die mentale Leistungsfähigkeit. Cholesterin erfüllt eine wichtige Funktion hinsichtlich der Nervenzellen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass ein zu hoher Cholesterinspiegel gesundheitsschädlich sein kann.

Konzentrationsstörungen

Konzentrationsschwierigkeiten können verschiedene Ursachen haben, wie Prüfungsangst, Leistungsdruck, Depressionen, Burnout, ADHS, niedriger Blutdruck, Schilddrüsenunterfunktion, Durchblutungsstörungen im Gehirn oder Demenz.

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Weitere Einflussfaktoren

  • Schlafmangel
  • Unruhige Umgebung mit viel Stress, Lärm und Hitze
  • Verbrauchte, sauerstoffarme Luft
  • Schweres Essen
  • Ablenkung
  • Private und berufliche Probleme
  • Versagensängste und Überlastungen
  • Jahres- oder Tageszeit

Pausen und Schlaf: Erholung für das Gehirn

Pausen und ausreichend Schlaf sind essentiell, um das Gehirn vor einer Überlastung zu bewahren und die geistige Leistungsfähigkeit zu steigern.

Pausen

Pausen dienen dazu, zur Ruhe zu kommen und zu entspannen oder Spannendes zu erleben und den Geist zu zerstreuen. Sie ermöglichen es dem Gehirn, die erhaltenen Informationen korrekt zu analysieren und die Produktivität und Kreativität zu steigern.

Schlaf

Im Schlaf verarbeitet das Gehirn das Tagesgeschehen. Auch das Lernen funktioniert mit ausreichend nächtlicher Ruhe sehr viel besser. Menschen nehmen in der Schlafphase Informationen auf und geben diese dann im wachen Zustand wieder.

Tipps für eine höhere Aufnahmefähigkeit

  • Ruhige Umgebung
  • Prioritäten setzen und das Wichtige zuerst erledigen
  • Multitasking vermeiden
  • Regelmäßige Pausen
  • Feste Struktur und regelmäßiger Schlafrhythmus

Lernen als lebenslanger Prozess

Unser Gehirn ist von Geburt an in ständigem Wandel und durch alle Lebensphasen unser Lernbegleiter. Lernen ist ein Prozess, in dem unsere Verhaltensweisen, Fähigkeiten, Emotionen und Motivation dauerhaft und merklich verändert werden.

Lernformen

  • Behavioristisches Lernen: Verarbeiten von Informationen abhängig von Belohnung und Bestrafung.
  • Kognitives Lernen: Lernen durch Einsicht.
  • Kognitivistisches Lernen: Aktives Erarbeiten von Wissen.
  • Konstruktivistisches Lernen: Konstruieren von neuem Verhalten, Wissen und Fähigkeiten auf Grundlage individueller Interpretationen der Welt.

Neurobiologische Aspekte des Lernens

Das menschliche Gehirn besteht aus Milliarden von Nervenzellen (Neuronen), die miteinander vernetzt sind und durch elektrische und chemische Signale kommunizieren. Beim Lernen werden diese Verbindungen zwischen den Neuronen verstärkt oder geschwächt.

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Das Gedächtnis

Das Gedächtnis ist die Fähigkeit des Gehirns, Informationen zu speichern, abzurufen und zu nutzen. Es besteht aus verschiedenen Systemen:

  • Sensorisches Gedächtnis
  • Arbeitsgedächtnis
  • Langzeitgedächtnis
  • Limbisches System

Lernen im Alter

Lernen ist auch im Alter möglich und wichtig. Es gilt der Grundsatz: Benutze es oder es verfällt.

Intelligenz

Intelligenz beschreibt unsere kognitive Leistungsfähigkeit. Sie wird durch eine komplexe Interaktion von genetischen, umweltbedingten und neurobiologischen Faktoren beeinflusst. Es gibt verschiedene Modelle und Ansätze, um Intelligenz zu beschreiben und zu kategorisieren:

  • Kristalline Intelligenz
  • Fluide Intelligenz
  • Mechanische Intelligenz

Die Zusammenarbeit der Hirnregionen

Unser Gehirn ist ein gigantisches Netzwerk, das sich andauernd optimiert. Rund 86 Milliarden Nervenzellen sind über mehr als eine Billion Synapsen miteinander verbunden. Sie sind zu kleinen und größeren Bereichen organisiert, die spezielle Aufgaben übernehmen.

Das Tempo der Hirnregionen

Entscheidend ist nicht das Denktempo per se, sondern wie gut das Gehirn Schnell und Langsam unter einen Hut bringt. Kluge Menschen brauchen ein wenig länger, um anspruchsvolle Probleme zu lösen, da ihr Gehirn sich mehr Zeit lässt, um Informationen zu sammeln und abzuwägen.

Tipps zur Steigerung der Gehirnleistung

  • Regelmäßiger Sport
  • Gesunde Ernährung
  • Genügend Schlaf
  • Nahrungsergänzungsmittel
  • Strukturierter Alltag
  • Medienkonsum einschränken
  • Gehirntraining

Forschung zur Leistungsgrenze des Gehirns

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen intensiv daran, herauszufinden, welches Potenzial das menschliche Gehirn hat und welche neurobiologischen Prinzipien uns daran hindern, die kognitiven Fähigkeiten zu erweitern bzw. voll auszuschöpfen. Sie wollen verschiedene überprüfbare Theorien zur Leistungsgrenze des menschlichen Gehirns entwickelt und Methoden zur Leistungssteigerung beschrieben haben.

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