Dengue-Fieber: Neurologische Komplikationen, Verbreitung und aktuelle Erkenntnisse

Dengue-Fieber, eine von Stechmücken übertragene Viruserkrankung, hat sich zu einer globalen Pandemie entwickelt und betrifft jährlich schätzungsweise 390 Millionen Menschen weltweit. Während die Infektion meist selbstlimitierend verläuft, können in schweren Fällen hämorrhagische Manifestationen und neurologische Komplikationen auftreten. Dieser Artikel beleuchtet die neurologischen Komplikationen im Zusammenhang mit Dengue-Fieber, die geografische Verbreitung, die Ätiologie und die aktuellen Impfstoffentwicklungen.

Einführung

Das Dengue-Fieber, auch bekannt als Knochenbrecherfieber, ist eine akute Infektionskrankheit, die durch das Dengue-Virus verursacht wird. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Dengue als eine der zehn größten globalen Gesundheitsbedrohungen ein. Die Erkrankung ist in über 128 Ländern endemisch, insbesondere in den Tropen und Subtropen. In den letzten Jahrzehnten hat sich das Dengue-Fieber stark verbreitet, wobei die Zahl der Infizierten sich in den letzten 50 Jahren verdreißigfacht hat.

Ätiologie und Pathophysiologie

Das Dengue-Virus ist ein RNA-Virus aus der Familie der Flaviviren. Es existieren vier verschiedene Serotypen (DENV-1 bis DENV-4), die nur eine geringe Sequenzhomologie aufweisen. Nach einer Infektion besteht nur eine kurze Kreuzprotektion gegen alle Serotypen, während die Antikörper über Jahre gegen eine erneute Infektion mit demselben Serotyp schützen.

Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch Stechmücken der Gattung Aedes, insbesondere Aedes aegypti und Aedes albopictus. Diese Mücken sind tagaktiv und leben oft im urbanen Umfeld. Nach dem Mückenstich gelangen die Viren in die Blutbahn und infizieren weiße Blutkörperchen. Infizierte Zellen wandern zu lymphatischen Geweben, vermehren sich und führen zur Zerstörung der Zellen und systemischen Entzündungsreaktionen. In schweren Fällen kann es zu einer Erhöhung der Gefäßpermeabilität und Blutungen kommen.

Neurologische Komplikationen des Dengue-Fiebers

Neurologische Komplikationen bei Dengue-Fieber sind vielfältig und können sowohl das zentrale Nervensystem (ZNS) als auch das periphere Nervensystem betreffen. Eine Studie aus Indien (Neurology 2014; 83: 1601-1609) zeigte, dass von 48 Patienten mit neurologischen Komplikationen 28 eine ZNS-Beteiligung und 17 eine Beteiligung des peripheren Nervensystems aufwiesen. Die Inzidenz neurologischer Komplikationen lag in dieser Studie bei 9,26 Prozent.

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Mögliche Mechanismen neurologischer Komplikationen

Es ist noch nicht vollständig geklärt, wie das Virus in das Nervensystem gelangt. Diskutiert werden folgende Mechanismen:

  • Direkte Invasion: Das Flavivirus dringt direkt in das Nervensystem ein.

  • Passiver Transport: Das Virus gelangt passiv über die Blut-Hirn-Schranke ins ZNS.

  • Systemische Sekundärreaktionen: Neurologische Komplikationen beruhen auf systemischen Reaktionen wie mikrokapillären Blutungen, Freisetzung toxischer Substanzen sowie Leber- und Niereninsuffizienz.

Guillain-Barré-Syndrom (GBS)

Ein Zusammenhang zwischen dem Zika-Virus und dem Guillain-Barré-Syndrom (GBS) ist bekannt, wobei das GBS auch als Folge des Dengue-Fiebers auftreten kann. Das GBS ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, bei der es zu Lähmungserscheinungen und Gefühlsstörungen kommt. Ursache ist eine fehlgeleitete Immunreaktion, bei der körpereigene Abwehrmechanismen die Hülle der Nerven oder die Membran der Nervenaxone angreifen und schädigen.

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In einem Fallbericht aus Nepal wurde ein junger Mann mit GBS nach einer Dengue-Infektion vorgestellt. Die neurologische Untersuchung zeigte eine Schwäche in allen vier Extremitäten, die sich im Verlauf verschlimmerte. Eine Lumbalpunktion ergab eine zytoalbuminäre Dissoziation, ein charakteristisches Merkmal des GBS.

Enzephalitis

Eine Infektion mit JE-V verläuft anfangs charakteristisch, erst wenige Tage nach der Infektion zeichnet sich eine Enzephalitis ab.

Andere neurologische Manifestationen

Neben GBS und Enzephalitis können Dengue-Infektionen auch andere neurologische Symptome verursachen, darunter:

  • Kopfschmerzen
  • Meningitis
  • Myelitis
  • Akute schlaffe Lähmung
  • Krampfanfälle
  • Bewusstseinsstörungen

Diagnostik neurologischer Komplikationen

Die Diagnose neurologischer Komplikationen bei Dengue-Fieber erfordert eine sorgfältige Anamnese, klinische Untersuchung und spezifische Labortests. Bei Verdacht auf GBS ist eine Lumbalpunktion zur Analyse des Liquors erforderlich. Bildgebende Verfahren wie MRT können andere Ursachen für neurologische Symptome ausschließen.

Therapie neurologischer Komplikationen

Die Behandlung neurologischer Komplikationen bei Dengue-Fieber ist in erster Linie supportiv. Bei GBS können intravenöse Immunglobuline oder Plasmapherese eingesetzt werden, um die Immunreaktion zu modulieren.

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Verbreitung und Risikogebiete

Dengue-Fieber ist in den Tropen und Subtropen weit verbreitet. Besonders betroffen sind Südostasien, Lateinamerika und Teile Afrikas. Durch die globale Erwärmung breiten sich die übertragenden Mücken jedoch auch in Europa aus, was zu lokalen Ausbrüchen geführt hat. In Deutschland ist die Aedes-Mücke bisher nicht heimisch, aber durch zunehmenden Reiseverkehr werden immer wieder Dengue-Fälle eingeschleppt.

Prävention

Die Prävention von Dengue-Fieber umfasst:

  • Mückenschutz: Repellents, lange Kleidung, Moskitonetze
  • Impfung: Es gibt zwei zugelassene Impfstoffe, CYD-TDV (Dengvaxia) und TAK-003 (Qdenga). TAK-003 ist seit Februar 2023 in Deutschland verfügbar und für alle Altersgruppen ab dem vollendeten 4. Lebensjahr zugelassen.

Impfstoffe gegen Dengue-Fieber

Die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Dengue-Fieber stellt eine Herausforderung dar, da eine protektive Immunreaktion gegen alle vier Serotypen erreicht werden muss. Seit einigen Jahren ist CYD-TDV (Dengvaxia) zugelassen, ein rekombinanter tetravalenter Dengue-Lebendimpfstoff. Dieser Impfstoff ist jedoch nur für Personen zwischen 9 und 45 Jahren zugelassen, die in Endemiegebieten leben und bei denen eine durchgemachte Dengue-Virusinfektion dokumentiert ist.

Seit Ende 2022 ist TAK-003 (Qdenga) zugelassen, ebenfalls ein tetravalenter Lebendimpfstoff, der jedoch auf einem attenuierten DEN2-Virus basiert. Dieser Impfstoff ist seit Februar 2023 in Deutschland verfügbar und für alle Altersgruppen ab dem vollendeten 4. Lebensjahr zugelassen. In den Zulassungsstudien wurde eine protektive Effektivität von 80,2% gegen Dengue-Fieber und von 90,4% gegen Hospitalisierung nachgewiesen.

Aktuelle Situation in Europa

Dengue-Fieber ist in Europa selten, jedoch treten vereinzelt lokale Ausbrüche auf, insbesondere in Südeuropa. Fälle wurden in Ländern wie Spanien, Frankreich und Italien gemeldet, oft nach Einschleppung durch Reisende aus Endemiegebieten. Ein nennenswertes Risiko für größere Ausbrüche wird für Europa nicht vorausgesagt. Jedoch ist vor allem im Südwesten Deutschlands die Übertragung von Dengue auf lokale Mückenpopulationen durch virämische Reiserückkehrer im Sommer realistisch.

Dengue-Fieber in der Schwangerschaft

Es gibt vereinzelt Berichte über Schwangere, die das Virus an ihr ungeborenes Kind über das Blut weitergegeben haben. Diesen Übertragungsweg bezeichnet man in der Medizin als „vertikale Transmission“. Studien kommen allerdings zu dem Schluss, dass eine erhöhte Sterblichkeit der Mutter, des Föten oder später des Neugeborenen mit einer Dengue-Infektion in Verbindung gebracht werden können. Eine Infektion während der Schwangerschaft ist also gefährlich.

Fallbeispiel

Ein 57-jähriger Patient stellt sich mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen in der Praxis seines Hausarztes vor. Er berichtet, dass er beruflich für 3 Wochen in Südamerika gewesen und gestern zurückgekommen sei. Bei V. a. Dengue-Fieber werden die Blutproben speziell auf das Virus oder Antikörper gegen das Virus untersucht. Der Patient wird eingehend über das Krankheitsbild und den Erreger aufgeklärt. Er bekommt ein fiebersenkendes Analgetikum verordnet und wird über weitere Maßnahmen zur Fiebersenkung instruiert.

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