Ablauf der Strahlentherapie bei Hirntumoren: Ein umfassender Leitfaden

Die Strahlentherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Hirntumoren, sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über den Ablauf einer Strahlentherapie bei Hirntumoren, von der Vorbereitung bis zur Nachsorge, und berücksichtigt dabei verschiedene Aspekte wie die Art des Tumors, die eingesetzten Techniken und mögliche Nebenwirkungen.

Einführung

Hirntumore stellen eine besondere Herausforderung dar, da sie oft nicht vollständig chirurgisch entfernt werden können, ohne dabei wichtige Hirnareale zu schädigen. Die Strahlentherapie spielt daher eine entscheidende Rolle bei der Behandlung von primären und sekundären Hirn- und Rückenmarkstumoren. Aufgrund der hochsensiblen Struktur des Gehirns liegt der Fokus bei der Behandlung von Hirntumoren besonders auf der Vermeidung kritischer Nebenwirkungen. In enger Zusammenarbeit mit Experten aus den Bereichen Neurochirurgie, Neuropathologie und bildgebende Verfahren werden individuell zugeschnittene Therapien angeboten.

Indikation und Planung der Strahlentherapie

Wann ist eine Strahlentherapie notwendig?

Die Bestrahlung eines Hirntumors ist in der Regel der zweite therapeutische Schritt. Zuvor entfernen Neurochirurgen den Tumor so umfassend wie möglich. Das entnommene Gewebe wird von einem spezialisierten Pathologen untersucht, um die genaue Krebsart und -form zu bestimmen. Dieses Ergebnis ist die Grundlage für die weiteren Therapien. Insbesondere beim aggressiv wachsenden Gliom sollte die Folgetherapie so schnell wie möglich beginnen.

Die Strahlentherapie kommt zum Einsatz, wenn der Tumor nicht mit ausreichendem Sicherheitsabstand entfernt werden kann oder aufgrund seiner Lage inoperabel ist. Sie ist auch eine wichtige Behandlungsmaßnahme bei Tumoren des Zentralnervensystems nach der Operation.

Das Referenzzentrum für Gliome bei Kindern und Jugendlichen

Seit Anfang 2019 hat die Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden die fachliche Beratung bei der strahlentherapeutischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Gliomen übernommen. Das Expertenteam gibt Empfehlungen über Art und Ablauf der Strahlentherapie, die sich in der Regel an eine Operation anschließt. In bestimmten Fällen ist auch die Protonentherapie eine Option, die in Deutschland nur an drei universitären Zentren angeboten wird, darunter das Dresdner Uniklinikum. Das Referenzzentrum erarbeitet innerhalb von ein bis zwei Tagen eine Empfehlung zur Art der Strahlentherapie, deren Intensität und des zu bestrahlenden Areals.

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Neben der Beratung aller deutschen Kliniken erforscht das Referenzzentrum offene Fragen zur Bestrahlung von Gliomen bei Kindern und Jugendlichen und initiiert Begleitstudien und Analysen. Im Fokus stehen auch die klinikübergreifende Qualitätssicherung und die Netzwerkarbeit auf nationaler und internationaler Ebene.

Die Rolle der molekularen Neuropathologie

Aktuell kommt der molekularen Neuropathologie eine außerordentliche Bedeutung zu, da nur die Kenntnis genetischer Marker eine spezifische Therapieauswahl ermöglicht.

Planungsschritte

  1. Erster Kontakt: Kennenlernen, ausführliche Besprechung der Krankengeschichte und des Behandlungsplans.
  2. Planungs-CT/MRT: Anfertigung einer CT-Aufnahme (Computertomographie) zur Planung der Strahlentherapie. Dabei wird der Patient mit speziellen Kissen und Lagerungshilfen exakt so gelagert, wie es später auch bei der Bestrahlung notwendig ist.
  3. Erstellung des Bestrahlungsplans: Die Erstellung des Bestrahlungsplans ist zeitaufwendig und erfolgt in der Regel etwa fünf Werktage vor der ersten Bestrahlung.
  4. Ersteinstellung: Übertragung des Bestrahlungsplans auf den Körper und Einzeichnung der Bestrahlungsfelder. Diese Sitzung wird immer von einem Arzt zusammen mit einer MTRA (Medizinisch-technische Radiologieassistentin) und ggf. einem Medizinphysikexperten durchgeführt.

Ablauf der Strahlentherapie

Bestrahlungstechniken

Moderne Bestrahlungsgeräte (Linearbeschleuniger) ermöglichen es, auch in der Tiefe des Körpers gelegene Tumoren zu bestrahlen und dabei Nachbarorgane und die Hautoberfläche weitgehend zu schonen. Die Einführung computergestützter Bestrahlungsplanungssysteme ist eine unabdingbare Voraussetzung für die Durchführung einer optimierten Strahlentherapie. Dabei wird der Patient in ein virtuelles dreidimensionales Koordinatensystem gebracht, und die Strahlen fokussieren den Tumorbereich aus verschiedenen Raumrichtungen. Moderne bildgebende Verfahren ermöglichen eine exakte Abgrenzung des Tumors vom Normalgewebe.

Zu den eingesetzten Bestrahlungstechniken gehören:

  • Konventionelle Strahlentherapie: Die Behandlung konzentriert sich auf das Tumorbett einschließlich eines Sicherheitssaums mit möglichem Befall. Zur Optimierung der Bestrahlung werden individuell computergestützte Bestrahlungspläne angefertigt, um möglichst viel umgebendes Gewebe zu schonen.
  • Stereotaktische Konformationsbestrahlung: Eine tumorkonforme Bestrahlung, d.h. individuelle Anpassung an irregulär geformte Tumoren, wird durch die dreidimensionale Konformationsbestrahlung erreicht.
  • Stereotaktische Einzeitbestrahlung / Radiochirurgie (Linearbeschleuniger-gestützte Systeme oder Gamma Knife): Ziel ist es, eine klinisch ausreichende Dosis innerhalb des Tumors zu applizieren und eine Mitbestrahlung normalen, umgebenden Hirngewebes auszuschließen bzw. zu minimieren. Die stereotaktische Einzeitbestrahlung kommt typischerweise bei einzelnen Hirnmetastasen, Gefäßmissbildungen und gutartigen Tumoren, die vom Hörnerven ausgehen (Akustikusneurinome), zum Einsatz.
  • Ganzhirnbestrahlung: Die Bestrahlung erfolgt über zwei seitliche Felder, die um 180 Grad aufeinander stehen. Das Zielgebiet umfasst bei Metastasen die Hirnstrukturen, bei Leukämien aber auch die äußeren Hirnwasserräume, die sich entlang der äußeren Hirnhäute (Meningen) erstrecken.
  • Strahlenbehandlung der Neuroachse: Das Gehirn und der Spinalkanal werden bei Tumoren mit spinaler Aussaat bestrahlt (Medulloblastom, Keimzelltumoren, Lymphome).

Ablauf einer Bestrahlungssitzung

Die Bestrahlung selbst dauert nur wenige Minuten, ist schmerzfrei, umfasst regulär 30 Sitzungen und erfolgt meist ambulant über einen Zeitraum von sechs Wochen jeweils werktags. Bei älteren Patienten kann ggf. von diesem Schema abgewichen werden und über einen Zeitraum von drei Wochen bestrahlt werden. Unter Umständen kann bei älteren Personen auch diskutiert werden, ob entweder nur eine alleinige Strahlen- oder Chemotherapie oder doch die Kombination aus beiden eingesetzt wird.

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Sie liegen in einem großen, hellen Raum auf dem Behandlungstisch. Die Strahlenquelle befindet sich in einem Abstand von einem Meter von Ihnen und fährt in diesem Abstand um Sie herum. Es besteht zu jeder Zeit Sicht- und gegenseitiger Sprechkontakt über Monitore und Mikrophone, wenn die eigentliche Bestrahlung abläuft.

In der Regel wird von Montag bis Freitag 5 x in der Woche bestrahlt.

Dosis und Fraktionierung

Die für eine Tumorvernichtung notwendige Dosis richtet sich nach der Strahlenempfindlichkeit des entsprechenden Tumors. Hochmaligne Gliome benötigen eine Dosis bis 60 Gy, niedrig maligne Gliome zwischen 45 und 54 Gy. Bei Hirnmetastasen wird üblicherweise das gesamte Gehirn bis 30 Gy bestrahlt. Die Dosisverschreibungen können aber je nach klinischen Umständen und ursprünglicher Tumorart individuell angepasst variieren.

Vor Beginn der Radiotherapie wird die Höhe der Einzeldosis, die Enddosis und die Anzahl der einzelnen Gaben (=Fraktionen) vom Radioonkologen festgelegt. Die Bestrahlung erfolgt fraktioniert, d.h. in kleinen täglichen Portionen (Fraktionen) über 4 - 6 Wochen. Hierdurch wird die Verträglichkeit gesteigert, und gesunde Zellen können sich erholen.

Protonentherapie

Die Protonenbestrahlung ist ein modernes und besonders schonendes Verfahren zur Strahlentherapie von Hirntumoren. Dadurch, dass Gehirn-, Rückenmark-, Hör- und Sehstrukturen wenig oder sogar keine Strahlung abbekommen, werden potentielle Nebenwirkungen reduziert.

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Mögliche Nebenwirkungen

Die Behandlung des Glioblastoms mit Strahlentherapie erfolgt lokal, d. h. Wirkung und Nebenwirkungen beschränken sich im Wesentlichen auf die bestrahlte Region. Typische Nebenwirkungen bei einer Bestrahlung des Gehirns umfassen:

  • Haarausfall an Stellen mit hoher Dosis
  • Ödembildung (vorübergehende Schwellung durch absterbende Tumorzellen), wodurch Kopfschmerzen auftreten oder neurologische Beschwerden sich vorübergehend verschlechtern können
  • Müdigkeit und verminderte Belastbarkeit
  • Konzentrationsstörungen

Während der Bestrahlungsserie können Kopfschmerzen und leichte Übelkeit auftreten. Prophylaktisch wird häufig eine kurzfristige Kortisontherapie eingesetzt.

Verhaltensregeln während der Strahlentherapie

  • Fahren Sie während der Behandlungsserie und einige Monate danach nicht selbst mit dem Auto und bedienen Sie keine Maschinen.
  • Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und genügend Flüssigkeitszufuhr.
  • Vermeiden Sie den Genuss von Alkohol und Nikotin.
  • Vermeiden Sie auch Schwimmen, Sauna, Vollbäder sowie den Besuch im Solarium.
  • Setzen Sie Ihren Kopf nicht direkter Sonneneinstrahlung aus.
  • Sprechen Sie Nahrungsergänzungsmittel (Vitamine, Spurenelemente) mit Ihrem Arzt ab.

Ärztliche Betreuung und Nachsorge

In regelmäßigen Abständen, mindestens 1 x pro Woche, werden Sie von ärztlichen Kolleginnen und Kollegen auf mögliche Nebenwirkungen untersucht, ggf. Blutbild- und Laborkontrollen durchgeführt und bei Bedarf weitere Untersuchungen veranlasst. Beim Abschluss der Behandlung wird im Arztgespräch geklärt, ob zusätzliche Nachsorgeuntersuchungen bzw. Rehabilitationsmaßnahmen sinnvoll sind.

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