Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, anfallsartige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Die Schmerzen sind oft von Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet. Eine besondere Form ist die Migräne mit Aura, bei der neurologische Symptome wie Sehstörungen, Kribbeln oder Sprachstörungen dem Kopfschmerz vorausgehen oder ihn begleiten. Die Dauer einer solchen Attacke kann zwischen 4 und 72 Stunden liegen.
Was ist Migräne?
Migräne ist eine weit verbreitete Erkrankung. Für Kopfschmerzen besteht eine Lebenszeitprävalenz von etwa 66 %, für Migräne von 12 bis 16 %. Frauen sind zwei- bis dreimal so häufig betroffen wie Männer. Migräne ist nicht nur eine Ursache für vorübergehende körperliche Einschränkungen, sondern auch mit anderen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen und vaskulären Erkrankungen assoziiert.
Symptome der Migräne mit Aura
Die Migräne mit Aura zeichnet sich durch vorübergehende neurologische Symptome aus, die vor oder während des Kopfschmerzes auftreten. Zu diesen Symptomen gehören:
- Sehstörungen: Lichtblitze, Flimmern, vorübergehender Verlust des Sehvermögens
- Sensibilitätsstörungen: Kribbeln, Taubheitsgefühl
- Sprachstörungen: Schwierigkeiten beim Sprechen
Es ist wichtig zu beachten, dass bei erstmaligem Auftreten von Aura-Symptomen, insbesondere in Verbindung mit Kribbeln oder Taubheitsgefühl auf einer Körperseite oder Schwierigkeiten beim Sprechen, sofort ein Arzt aufgesucht werden sollte.
Akuttherapie der Migräne
Migräneattacken leichter bis mäßiger Intensität können mit verschiedenen Medikamenten behandelt werden. Dazu gehören:
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- Acetylsalicylsäure (ASS): 900 - 1000 mg p.o. oder 1000 mg i.v.
- Ibuprofen: 400 bis 600 mg als Tablette oder Suppositorium
- Metamizol: 1000 mg i.v.
Bei Übelkeit und Erbrechen ist die Zugabe von Metoclopramid zu einem Analgetikum bzw. NSAR sinnvoll. Bei Erbrechen sollten Analgetika vorzugsweise als Suppositorien eingenommen werden.
Paracetamol bei Migräne: Dosierung und Anwendung
Paracetamol ist ein weit verbreitetes Schmerzmittel, das auch bei Migräne eingesetzt werden kann. Paracetamol (z. B. Paracetamol-ratiopharm 500 mg Tabletten, Paracetamol Dexcel 500 mg Tabletten, Paracetamol dura 500 mg Tabletten) zeichnet sich durch gute antipyretische und etwas schwächere analgetische Wirkungen aus. Anders als bei den NSARs sind die antiphlogistischen Eigenschaften schwach ausgeprägt. Das liegt vermutlich daran, dass Paracetamol die Cyclooxygenasen am Entzündungsort nicht ausreichend hemmt. Die analgetische Wirkung soll in erster Linie auf eine zentrale Wirkung zurückgehen. Der genaue Mechanismus ist aber noch nicht aufgeklärt.
Dosierung von Paracetamol bei Migräne
Erwachsene können als Einzeldosis 500 mg bis 1000 mg Paracetamol einnehmen. Die Tageshöchstdosis von 4000 mg darf allerdings nicht überschritten werden.
Paracetamol bei Kindern
Laut der S1-Leitlinie „Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne“ von 2018 ist Paracetamol 15 mg/kg KG das Mittel zweiter Wahl zur Behandlung von Migräneattacken bei Kindern. Die kritische kumulative Dosierung ist zu beachten. So darf pro Tag nicht mehr als 50mg/kg/KG verabreicht werden.
Paracetamol in Schwangerschaft und Stillzeit
Paracetamol ist Mittel der zweiten Wahl zwischen dem ersten und zweiten Trimenon und sollte nur dann gegeben werden, wenn es Kontraindikationen für Acetylsalicylsäure (ASS) gibt. In der Stillzeit gilt Paracetamol allgemein zur Schmerzbehandlung als Mittel der Wahl neben Ibuprofen. Zu beachten ist allerdings, dass laut Studienlage Ibuprofen die überlegenere Wirkung bei Migräne hat.
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Wichtige Hinweise zu Paracetamol
- Paracetamol ist in der Regel gut verträglich, kann aber hepatotoxisch sein. Patienten mit einer schweren Leberinsuffizienz dürfen Paracetamol nicht anwenden.
- Die Wirkung von Paracetamol bei Migräneattacken ist nicht ausreichend belegt, das Analgetikum hat aber dennoch seinen Stellenwert. Nach Haag et al. zählt Paracetamol als Monotherapie zu den wissenschaftlich erprobten Arzneistoffen für die Behandlung von Migräne und wird als Erstlinientherapie empfohlen.
Studienlage zu Paracetamol bei Migräne
- Eine Übersichtsarbeit von Moore et al. (2015) zeigte, dass Ibuprofen Paracetamol in konventionellen Dosierungen bei einer Reihe von Schmerzzuständen, einschließlich Migräne, durchweg überlegen war.
- Ein Cochrane Review von Derry und Moore (2013) ergab, dass Paracetamol 1000 mg allein Placebo bei der Behandlung akuter Migräne statistisch überlegen ist, die Schmerzfreiheit mit anderen häufig verwendeten Analgetika aber schneller erreicht werden kann. Angesichts der niedrigen Kosten und der breiten Verfügbarkeit sei Paracetamol dennoch ein nützliches Medikament der ersten Wahl für akute Migräne bei Patienten mit Kontraindikationen für nicht-steroidale Antirheumatika (NSARs) sein oder wenn ASS nicht vertragen werde. Die Zugabe von 10 mg Metoclopramid entspreche der Wirkung von oralem Sumatriptan 100 mg.
- Eine Studie von Lipton et al. (2000) zeigte, dass orales Paracetamol in der Dosierung von 1000 mg (zwei 500 mg Tabletten) Placebo bei der Behandlung eines einzelnen akuten Migräneanfalls überlegen war.
Triptane bei Migräne mit Aura
Bei schweren Migräneattacken, die nicht auf ein Analgetikum oder NSAR ansprechen, ist eine Behandlung mit einem Triptan sinnvoll. Triptane sind den unspezifischen Analgetika und Ergotaminpräparaten hinsichtlich der Wirksamkeit bei Migräne überlegen. Aktuell sind sieben Triptane verfügbar, die sich hinsichtlich ihrer Wirklatenz, Wirkstärke und Wirkdauer unterscheiden. Im Vergleich zu Sumatriptan sind bei oraler Einnahme Rizatriptan und Eletriptan rascher wirksam, Naratriptan und Frovatriptan sind dagegen eher verzögert wirksam. Die stärker und rascher wirksamen Triptane sind in der Regel auch mit stärkeren Nebenwirkungen behaftet. Häufige Nebenwirkungen der Triptane sind Übelkeit, Schwindel, Parästhesien und Müdigkeit.
Bei Migräne mit Aura wird die Applikation eines Triptans aus Sicherheitsgründen erst nach der Auraphase empfohlen.
Weitere Medikamente bei Migräne
Neben Paracetamol und Triptanen gibt es weitere Medikamente, die bei Migräne eingesetzt werden können:
- Lasmiditan (Rayvow®): Ein Serotonin-HT1F-Rezeptoragonist ohne vasokonstriktive Wirkung, der auch für Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren zugelassen ist.
- Antiemetika: Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen, wie Metoclopramid oder Domperidon.
Nicht-medikamentöse Maßnahmen bei Migräne
Neben Medikamenten können auch nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Linderung von Migränebeschwerden beitragen:
- Reizabschirmung: Rückzug in einen dunklen, ruhigen Raum
- Entspannung: Entspannungsübungen wie Biofeedback und Progressive Muskelentspannung
- Kälteanwendung: Kalte Kompresse auf die Stirn legen
- Pfefferminzöl: Einmassieren auf Stirn und Schläfen
- Kaffee: Eine Tasse Kaffee am Anfang der Migräne-Attacke kann die Schmerzen lindern.
- Regelmäßiger Lebensstil: Regelmäßiger Schlaf, feste Mahlzeiten, ausreichend Flüssigkeit und das Vermeiden von Stress
- Ausdauersport: Treiben Sie Ausdauersport.
- Ernährung: Eine niedrig-glykämische Ernährung, die den Blutzucker eher niedrig-stabil hält, wird auch als effektive Migräneprophylaxe angesehen.
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
- Übergebrauch von Schmerzmitteln: Prinzipiell sollten Wirkstoffe zur Akuttherapie der Migräne durchschnittlich nicht häufiger als an zehn Tagen pro Monat eingenommen werden, um einer Chronifizierung von Kopfschmerzen zu vermeiden. Schmerzmittel oder Triptane können bei zu häufiger Einnahme selbst Kopfschmerzen verursachen (Kopfschmerz durch Medikamenten-Übergebrauch).
- Triptane und kardiovaskuläres Risikoprofil: Triptane sind Agonisten am Serotonin-HT1B/-HT1D-Rezeptor und besitzen vasokonstriktive Eigenschaften vorwiegend im extrazerebralen arteriellen System. Aus theoretischen Gründen besteht daher eine Kontraindikation gegen Triptane bei erhöhtem kardiovaskulärem Risikoprofil (u. a. koronare Herzkrankheit, Zustand nach Schlaganfall, unkontrollierte arterielle Hypertonie).
- Serotoninsyndrom: Theoretisch können Triptane bei gleichzeitiger Anwendung mit anderen serotonergen Arzneimitteln, z. B. selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI), trizyklische Antidepressiva (TCA) oder Monoaminoxidase (MAO)-Hemmer zu einem Serotoninsyndrom führen.
- Schwangerschaft: Schmerzmittel sollten Schwangere grundsätzlich nur nach Absprache mit dem Arzt und in der niedrigstmöglichen Dauer und Dosis einnehmen. Ibuprofen, ASS, Diclofenac und Naproxen sind, so die Experten der DMKG, im zweiten Trimester zulässig, im ersten sollten sie nur gelegentlich genommen werden, falls Paracetamol nicht wirkt. Im dritten Trimester empfiehlt die DMKG, auf NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen und ASS) zu verzichten.
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