Es gibt eine optimale Zeit für jede Aktivität. Diese wird jedoch nicht durch unseren Terminkalender, sondern durch unseren Körper bestimmt. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass unsere Leistungsfähigkeit in bestimmten Bereichen zu unterschiedlichen Tageszeiten deutlich variiert.
Der Morgen: Die beste Zeit zum Lernen
Der Morgen, insbesondere die Zeit kurz nach dem Aufwachen, ist ideal, um neue Informationen aufzunehmen und sich wichtige Dinge einzuprägen. Laut Steve Kay, Professor für Molekularbiologie an der University of Southern California, beginnt unsere Körpertemperatur kurz vor dem Aufwachen zu steigen, was zu einer Steigerung von Konzentration, Aufmerksamkeit und kognitiven Fähigkeiten führt. Diese Fähigkeiten erreichen ihren Höhepunkt am Mittag. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass wir morgens auch anfälliger für Krankheiten sind, da die Konzentration der Immunzellen im Blut gegen 9 Uhr am niedrigsten ist. Studien zufolge soll das menschliche Gehirn morgens zwischen 9:00 und 11:00 Uhr am aufnahmefähigsten sein.
Der Mittag: Kreativität und Ablenkung
Die Mittagszeit, insbesondere zwischen 12 und 16 Uhr, ist oft von Ablenkungen geprägt. Nach dem Mittagessen kann die Konzentrationsfähigkeit sinken. Interessanterweise sind wir jedoch am kreativsten, wenn wir uns müde fühlen. Eine Studie aus dem Journal "Thinking & Reasoning" aus dem Jahr 2011 ergab, dass Probanden kreative Aufgaben besser lösten, wenn sie leicht erschöpft waren. Müdigkeit ermöglicht es dem Geist, freier zu wandern und alternative Lösungsansätze zu entwickeln. Eine kombinierte Studie der Monash-Universität in Australien und der Universität von Granada in Spanien ergab, dass die besten Ergebnisse hinsichtlich der Leistung in den um 13:30 Uhr absolvierten Tests erzielt wurden.
Der Nachmittag: Zeit für körperliche Aktivität
Der Nachmittag, insbesondere zwischen 14 und 18 Uhr, ist die beste Zeit für körperliche Aktivitäten. Unsere Muskeln sind in dieser Zeit am leistungsfähigsten, und unsere Lunge arbeitet um 17 Uhr am effektivsten, nämlich fast 20 Prozent effektiver im Vergleich zum Tagestief. Daher ist der Nachmittag ideal für Kraft- und Ausdauersport. In Topform sind die meisten Menschen zwischen 16 und 19 Uhr. Der Grund: Die Körperfunktionen laufen dann auf Hochtouren, der Körper ist voll leistungsfähig. Puls, Blutdruck, Atemfrequenz, Muskelkraft und Geschicklichkeit erreichen das maximale Tageshoch. Perfekter Zeitpunkt für ein intensives Krafttraining, eine anstrengende Ausdauereinheit oder technisch anspruchsvolle Sportarten wie Aerobic, Tennis oder Kampfsport, bei denen Koordination gefragt ist.
Der Abend: Entspannung und Regeneration
Nach 18 Uhr sinkt die Leistungskurve unseres Körpers kontinuierlich ab. Gegen 20 Uhr ist unser Abwehrsystem in Hochform. Es ist ratsam, die schwierigsten Aufgaben bis 18 Uhr zu erledigen und danach langsam die Gänge zurückzuschalten, helles Licht zu vermeiden, das Abendessen vor 18.30 Uhr einzunehmen und keinen Alkohol zu trinken, um einen besseren Schlaf zu fördern. Für alle anderen: Langsam die Gänge zurückschalten, helles Licht vermeiden, Das Abendessen vor 18.30 zu sich nehmen und keinen Alkohol trinken. Du schläfst dann deutlich besser.
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Der Einfluss des Biorhythmus
Unser Biorhythmus, der durch den suprachiasmatischen Nucleus im Zwischenhirn gesteuert wird, beeinflusst unsere Leistungsfähigkeit im Laufe des Tages. Dieser Rhythmus bestimmt, wann wir müde werden oder aufwachen und wann wir besonders leistungsfähig sind. Die individuelle Formkurve ist größtenteils eine Frage der Gene, aber auch der Gewohnheit. Es gibt verschiedene "Chronotypen", wie Lerchen (Frühaufsteher) und Eulen (Nachtaktive), bei denen sich der Zeitpunkt, zu dem sie am leistungsfähigsten sind, unterscheidet. Wer seinen Tag ständig entgegen dem Biorhythmus plant, erhöht das Risiko an Übergewicht, Depression, Diabetes und sogar Demenz zu erkranken.
Lernen und der ideale Zeitpunkt
Studien zufolge soll das menschliche Gehirn morgens zwischen 9:00 und 11:00 Uhr sowie Nachmittags zwischen 16:00 und 18:00 Uhr am aufnahmefähigsten sein. Früh aufzustehen macht dir gar nichts aus und du bist direkt am Morgen schon super produktiv? Das wünschen sich wohl viele von uns. Alles direkt erledigen und dafür früher Feierabend zu haben - klingt verlockend. Doch häufig macht einem da die fehlende Motivation einen Strich durch die Rechnung.
Die Bedeutung von Schlaf
Schlaf spielt eine entscheidende Rolle für die kognitive Leistungsfähigkeit. Eine Studie der Harvard Medical School zeigte, dass sich Teilnehmer, die nach dem Lernen schliefen, Informationen besser merken konnten. Wenn du gerne abends oder sogar nachts lernst, hilft dir der anschließende Schlaf automatisch, die Informationen besser zu verarbeiten. Du lernst gewissermaßen im Schlaf. Erfolgreiche Menschen schwärmen von ihrer Morgenroutine. Egal ob Steve Jobs, Richard Branson, Barack Obama oder Arnold Schwarzenegger: die Liste der beeindruckend leistungsfähigen Promis, die seit Jahren auf eine feste Morgenroutine setzen, ist lang.
Tipps für effektives Lernen
Um das Lernen effektiver zu gestalten, empfiehlt es sich, Aufgaben in die aktivste Zeit zu legen, den Lernprozess in Zwischenschritte zu gliedern, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren, Belohnungen zu setzen und für eine optimale Auslastung des Gehirns zu sorgen. Es ist auch hilfreich, sich den Lernstoff kurz vor dem Schlafengehen noch einmal anzusehen, da das Gehirn dann im Schlaf an Lösungen arbeitet.
Die Rolle der Jahreszeit
Die Jahreszeit kann ebenfalls einen Einfluss auf die Hirnaktivität haben. Eine Studie der Universität von Lüttich ergab, dass die Hirnaktivität je nach jahreszeitlichen Rhythmen variieren könnte. Die Ergebnisse zeigten, dass die maximalen und minimalen Ergebnisse für eine Aufgabe, die erhöhte Aufmerksamkeit erfordert, um die Zeit der Sommer- und Wintersonnenwende lagen.
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Angepasste Schulzeiten
Mittlerweile belegt eine ganze Reihe von Studien, dass der natürliche Schlaf-wach-Rhythmus von Jugendlichen und der frühe Schulbeginn nicht zusammenpassen - und dass dies unweigerlich zu schlechteren Leistungen führt. Besonders betroffen sind Teenager, deren Chronotyp ohnehin eher zur Gruppe der Eulen zählt. »Im Extremfall müssen diese Schüler aufstehen, wenn sie chronobiologisch gesehen gerade ihren Schlafmittelpunkt erreicht haben«, sagt Kantermann. Wenn die innere Uhr Schlafenszeiten zwischen zwei und zehn Uhr vorgibt, liegt der Schulbeginn noch in der chronobiologischen Nacht. Das zieht nicht nur die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit während des Unterrichts in Mitleidenschaft, auch die Lerninhalte werden schlechter im Gedächtnis abgespeichert - denn das passiert weit gehend im Schlaf.
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