Das Zusammenspiel von Traditioneller Chinesischer Medizin und Nervensystem

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist ein umfassendes Medizinsystem, das seit Jahrtausenden in China praktiziert wird. Sie betrachtet den Körper als ein vernetztes System, in dem alle Organe und Funktionen durch Energiebahnen, sogenannte Meridiane, miteinander verbunden sind. Ein zentraler Aspekt der TCM ist das Konzept des Qi, der Lebensenergie, die durch diese Meridiane fließt und alle Körperfunktionen steuert. Im Fokus der TCM steht das Konzept der Lebensenergie „Qi“ mit den Lebenspolen „Yin“ und „Yang“. Krankheiten, Stress und weitere Faktoren können die Lebenspole aus dem Gleichgewicht bringen und zeigen sich in entsprechenden somatischen und psychischen Beschwerden.

Die TCM bietet vielfältige Therapieansätze, um das Gleichgewicht des Qi wiederherzustellen und die Selbstheilungskräfte des Körpers anzuregen. Dazu gehören Akupunktur, Kräutertherapie, Tuina-Massage, Ernährungslehre und Qigong.

Die Rolle des Nervensystems in der TCM

Das Nervensystem spielt eine zentrale Rolle in der TCM, auch wenn es nicht direkt mit diesem Begriff benannt wird. Die TCM betrachtet den Körper als eine untrennbare Einheit von Körper, Geist und Seele, wobei das Nervensystem eine wichtige Schnittstelle zwischen diesen Ebenen darstellt. Bei fast allen Erkrankungen ist die Regulation des vegetativen (den Körper steuernden) Nervensystems beeinträchtigt. Akute und chronische Erkrankungen der inneren Organe sowie Schmerz aktivieren negative Emotionen, führen zu psychischen Symptomen die in der Folge wiederum auf körperlicher Ebene symptomverdeutlichend wirken können.

Das vegetative Nervensystem

Besonders wichtig ist das vegetative Nervensystem, das unbewusste Körperfunktionen wie Atmung, Herzschlag, Verdauung und Stoffwechsel steuert. Die TCM betrachtet Störungen des vegetativen Nervensystems als Ausdruck einer Disharmonie von Leber, Herz und Milz. Häufig liegt eine Leber-Qi-Stagnation oder ein Herz-Blut-Mangel vor. Auch ein erschöpftes Nieren-Yin kann das vegetative Gleichgewicht beeinträchtigen. Ein Ungleichgewicht zwischen Sympathikus (Aktivierung) und Parasympathikus (Regeneration) kann zu einer Vielzahl von Beschwerden führen, wie z.B. wechselnder Blutdruck, Palpitationen, Spannungskopfschmerzen, Zittern, Nervosität, Schweißausbrüche, Reizdarmsyndrom, Magenbeschwerden, Atemstörungen oder Schwindel.

TCM-Therapien und ihre Wirkung auf das Nervensystem

Die TCM bietet verschiedene Therapieansätze, um das Nervensystem zu regulieren und das Gleichgewicht zwischen Körper, Geist und Seele wiederherzustellen.

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Akupunktur

Die Akupunktur ist eine der bekanntesten und am häufigsten angewandten Therapien der TCM. Sie basiert auf der Vorstellung, dass durch das Stechen von feinen Nadeln in bestimmte Akupunkturpunkte entlang der Meridiane der Fluss des Qi beeinflusst und Blockaden gelöst werden können.

Neurophysiologische Grundlagen der Akupunktur

Zahlreiche Studien belegen die positiven Effekte der Akupunktur auf das zentrale und vegetative Nervensystem sowie auf das neuroendokrine System. Die Stimulation bestimmter Akupunkturpunkte führt zur Freisetzung von Endorphinen und anderen körpereigenen Opioiden wie Enkephalinen und Neuropeptiden. Diese Substanzen wirken schmerzlindernd und entzündungshemmend.

Darüber hinaus beeinflusst die Akupunktur das Immunsystem und aktiviert natürliche antiinflammatorische Prozesse über das Gehirn, die Hypophyse und den Hypothalamus. Dabei werden unter anderem Histamin, Bradykinin und Serotonin gehemmt, während die körpereigene Cortisolproduktion angeregt wird. Wissenschaftler wie Wall und Melzack haben gezeigt, dass Akupunktur über schnelle Nervenimpulse und hormonelle Prozesse wirkt - ein Zusammenspiel, das Schmerzen lindern und Heilung fördern kann.

Anwendung der Akupunktur bei neurologischen Erkrankungen

Die Akupunktur wird in der TCM erfolgreich bei einer Vielzahl von neurologischen Erkrankungen eingesetzt, darunter:

  • Polyneuropathie
  • Trigeminusneuralgie
  • Gürtelrose
  • Vegetative Dysbalance
  • Schlafstörungen
  • Psychosomatische Beschwerden
  • Lähmungen
  • Karpaltunnelsyndrom
  • Multiple Sklerose
  • Schwindel
  • Fascialisparesen
  • Migräne
  • Unruhige Beine (Restless Legs Syndrom)
  • Parkinson
  • Phantomschmerzen
  • Folgen des Schlaganfalls

Elektroakupunktur

Eine häufig eingesetzte Modifikation der Akupunktur ist die Elektroakupunktur, bei der die Wirkung der Akupunktur durch leichte elektrische Ströme verstärkt wird. Diese Technik ermöglicht eine präzise, gleichmäßige und intensivere Stimulation der Akupunkturpunkte.

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Kräutertherapie

Die chinesische Kräutertherapie ist ein weiterer wichtiger Bestandteil der TCM. Sie umfasst die Verwendung von individuell zusammengestellten Kräutermischungen, um das Qi zu regulieren, das Yin und Yang auszugleichen und die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren.

Wirkung der Kräuter auf das Nervensystem

Bestimmte Kräuter haben eine spezifische Wirkung auf das Nervensystem. Sie können beruhigend, stimmungsaufhellend, schlaffördernd oder konzentrationsfördernd wirken. Die Auswahl der Kräuter erfolgt individuell nach der Diagnose des TCM-Therapeuten.

Tuina-Massage

Die Tuina-Massage ist eine chinesische Form der medizinischen Massage, die darauf abzielt, den Fluss des Qi in den Meridianen zu harmonisieren und Blockaden zu lösen. Durch Drücken, Pressen, Streichen, Schieben und mit rollenden Grifftechniken werden die Leitbahnen, durch die das Qi fließt, stimuliert und bestehende Blockaden gelöst.

Wirkung der Tuina-Massage auf das Nervensystem

Die Tuina-Massage kann Verspannungen lösen, die Durchblutung fördern und das Nervensystem beruhigen. Sie wird häufig bei Schmerzen, Muskelverspannungen,Stress und Schlafstörungen eingesetzt.

Ernährungslehre

Die Ernährungslehre der TCM basiert auf dem Prinzip, dass Nahrungsmittel eine energetische Wirkung auf den Körper haben. Jedes Nahrungsmittel wird aufgrund seiner energetischen Temperatur, der Geschmacksrichtung und der Zuordnung eines Elementes (Feuer, Wasser, Erde, Metall, Holz) einem Funktionskreis zugeordnet. So können erkrankte Organe durch die Auswahl der Lebensmittel aus dem Funktionskreis, dem sie selber zugeordnet sind, gestärkt werden.

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Ernährungsempfehlungen für ein gesundes Nervensystem

Die TCM empfiehlt eine ausgewogene Ernährung mit frischen, saisonalen und regionalen Lebensmitteln. Besonders wichtig sind warme Mahlzeiten, die leicht verdaulich sind und das Qi stärken. Kalte Speisen und Getränke, sowie ein Übermaß an Rohkost und Milchprodukten sollten vermieden werden, da sie die Verdauung schwächen können.

Qigong

Qigong ist eine chinesische Bewegungskunst, die eine Kombination aus bewusster Atmung, sanft fließenden Bewegungen und achtsamkeitsbasierter Meditation darstellt. Die Bewegungsabläufe sollen das Qi, die Lebensenergie, wieder fließen lassen, um das vegetative Nervensystem zu regulieren und die Selbstheilungskräfte anzuregen.

Wirkung von Qigong auf das Nervensystem

Regelmäßiges Qi Gong schult nicht nur die die eigene Selbstwahrnehmung, sondern verbessert auch die Konzentrationsfähigkeit, fördert den Gleichgewichtssinn und führt zu einem besseren Körpergefühl. Es kann Stress reduzieren, die Entspannung fördern und das Nervensystem stärken.

Die fünf Elemente und ihre Bedeutung für das Nervensystem

Die Fünf-Elemente-Lehre ist eine daoistische Theorie zur Naturbeschreibung, die auch in der TCM eine wichtige Rolle spielt. Die fünf Elemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser sind unmittelbar aus der Natur abgeleitet. Aus ihren Eigenschaften wird auf die Beziehungen zwischen Erde, Mensch und Himmel und innerhalb dieser Sphären geschlossen und die Organsysteme werden einem Element zugeordnet.

Jedes Element ist einem bestimmten Organsystem, einer Emotion, einer Jahreszeit und anderen Aspekten zugeordnet. Die Elemente stehen in einer Wechselbeziehung zueinander und beeinflussen sich gegenseitig. Ein Ungleichgewicht in einem Element kann sich auf andere Elemente und somit auf das gesamte System auswirken.

Die Zuordnung der Elemente zu den Organen

  • Holz: Leber und Gallenblase
  • Feuer: Herz und Dünndarm
  • Erde: Milz und Magen
  • Metall: Lunge und Dickdarm
  • Wasser: Niere und Blase

Die Bedeutung der Elemente für das Nervensystem

Die Elemente und ihre zugeordneten Organe spielen eine wichtige Rolle für das Nervensystem. So wird beispielsweise die Leber dem Element Holz zugeordnet und ist für den freien Fluss des Qi verantwortlich. Eine Leber-Qi-Stagnation kann zu Reizbarkeit,Stress und Schlafstörungen führen. Das Herz wird dem Element Feuer zugeordnet und ist für den Geist (Shen) und die Emotionen verantwortlich. Ein Herz-Blut-Mangel kann zu innerer Unruhe, Angst und Gedächtnisstörungen führen.

TCM in Kombination mit westlicher Medizin

Die TCM kann eine wertvolle Ergänzung zur westlichen Medizin sein. Sie kann helfen, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren, das Nervensystem zu regulieren und das Gleichgewicht zwischen Körper, Geist und Seele wiederherzustellen. In unseren Fachkliniken nutzen wir die Verfahren der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ergänzend zu den leitliniengerechten Therapieverfahren der westlichen Medizin.

Es ist wichtig, dass die TCM-Behandlung von einem erfahrenen Therapeuten durchgeführt wird, der die individuellen Bedürfnisse des Patienten berücksichtigt.

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