Bauchkrämpfe und Unterleibsschmerzen sind während der Schwangerschaft ein weit verbreitetes Phänomen. In den meisten Fällen sind sie harmlos und eine Begleiterscheinung der körperlichen Veränderungen. Es ist jedoch wichtig, die Ursachen zu kennen und zu wissen, wann ein Arztbesuch ratsam ist.
Sind Bauchkrämpfe in der Schwangerschaft normal?
Die Antwort lautet: Ja! Krämpfe und andere Schmerzen im Bereich Ihres Bauches sind während der Schwangerschaft in den meisten Fällen normal. Ein Baby im Bauch zu haben, belastet stark Ihre Muskeln, Bänder, Venen und Ihre Organe. Daher ist es nicht überraschend, dass Sie manchmal Unterleibsschmerzen haben oder sich unwohl in der Bauchgegend fühlen.
Mögliche Ursachen für Bauchkrämpfe in der Schwangerschaft
Es gibt verschiedene Gründe, warum Bauchkrämpfe während der Schwangerschaft auftreten können. Hier sind einige der häufigsten Ursachen:
Dehnungsschmerzen der Mutterbänder
Während Ihrer Schwangerschaft dehnen sich die kräftigen, aber flexiblen Bänder, die Ihre Knochen miteinander verbinden. Wenn Sie sich bewegen, kann dies leichte Krämpfe auf beiden Körperseiten auslösen. Vielleicht stellen Sie fest, dass Sie diese Krämpfe häufiger rechts als links spüren. Das liegt daran, dass sich Ihr Uterus leicht zur rechten Seite neigt, wenn Ihr Baby nach und nach größer wird. Ihre Bänder dehnen sich, um Ihren wachsenden Bauch zu stützen.
Übungswehen (Braxton-Hicks-Kontraktionen)
Nicht nur kurz vor der Geburt, sondern schon während des letzten Trimesters der Schwangerschaft zieht sich die Muskulatur deiner Gebärmutter ab und zu zusammen. Manchmal spürst du das stark, manchmal nur leicht. Trotzdem sind viele werdende Mütter unsicher: „Sind das Wehen?“, „Ist mein Baby in Ordnung?“ - In den meisten Fällen kannst du aufatmen. Diese Übungswehen öffnen deinen Muttermund nicht. Viele Frauen bemerken die Übungswehen ab der 29. Schwangerschaftswoche, manche schon früher. Ab diesem Zeitpunkt dauern sie teilweise bis zu eine Minute an und manchmal spürst du sie mehrmals am Tag.
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Senkwehen
Ab der 36. Schwangerschaftswoche beginnen die sogenannten Senkwehen. Dabei rutscht dein Baby tiefer ins Becken, dein Bauch senkt sich ab und der Gebärmutterhals verkürzt sich. Die Geburt rückt näher.
Verdauungsprobleme
Manchmal wird ein harter Bauch und Krämpfe in der Schwangerschaft mit Verdauungsproblemen verwechselt. Es kann passieren, dass du unter Verstopfung und Blähungen leidest, was womöglich ebenfalls zu einem harten und aufgeblähten Bauch führt. In den meisten Fällen ist dies auf die Hormonumstellung zurückzuführen und nicht auf die Kontraktion der Gebärmutter.
Aktives Baby
Wenn dein Baby im Bauch besonders aktiv ist, ist es durchaus möglich, dass du häufiger einen harten Bauch bekommst. Das bedeutet, dass sich deine Gebärmutter zusammenzieht und dein Bauch sich hart anfühlt.
Stress
Wenn du einen stressigen Arbeitstag hast oder dich mit deinem Partner streitest, kann deine Gebärmutter darauf reagieren und sich zusammenziehen.
Sex und Orgasmus
Manchmal können auch Sex und ein Orgasmus Bauchkrämpfe und sogar leichte Rückenschmerzen auslösen. Ein Orgasmus geht wellenartig durch Ihre Vagina und Ihren Uterus, dadurch können diese Schmerzen entstehen. Während der Schwangerschaft können sich diese sonst angenehmen Wellen eher wie eine leichte Art Wehen anfühlen, besonders im dritten Semester.
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Wachstum von Myomen
Myome (gutartige Geschwülste in der Gebärmutter), die Sie vorher nie gespürt haben, könnten sich während der Schwangerschaft unangenehm bemerkbar machen.
Andere medizinische Ursachen
Die Unterleibsschmerzen haben nichts mit Ihrer Schwangerschaft zu tun. Eine Blinddarmentzündung, Nierensteine, eine Blasenentzündung oder Probleme mit der Gallenblase können ebenfalls für unangenehme Bauchschmerzen sorgen.
Was tun bei harmlosen Bauchkrämpfen?
Es gibt einige Möglichkeiten, wie Sie diese an sich harmlosen Bauchkrämpfe lindern können:
- Ruhe: Setzen Sie sich hin, wenn Sie Schmerzen bekommen. Oder legen Sie sich hin, am besten auf die Seite, die weniger schmerzt, und lagern Sie die Füße hoch. Eine kleine Ruhepause ist während eines Krampfes meist die beste Idee.
- Wärme: Auch ein warmes Bad, eine Wärmflasche oder ein angewärmtes Getreidekissen können die Schmerzen lindern.
- Entspannung: Versuchen Sie, sich trotzdem zu entspannen.
- Ruhiger Sex: Sie können diesen unangenehmen Krämpfen vorbeugen, in dem Sie den Sex eher ruhig und langsam angehen. Eine behutsame Rückenmassage nach dem Höhepunkt kann manchmal auch Wunder wirken!
- Gesunde Ernährung: Eine gesunde Ernährung mit ballaststoffreichen Lebensmitteln und vielen Vitaminen und Spurenelementen ist wichtig. Rezepte speziell für Schwangere können hier gute Anregungen bieten.
- Magnesium: Oftmals wird empfohlen, Magnesium einzunehmen, wenn du häufig einen harten Bauch hast. Diese Entscheidung triffst du aber nicht selbst, sondern besprichst du immer mit deinem Arzt oder deiner Ärztin - auch wenn es frei verkäufliche Präparate in Apotheken gibt. Natürlich kannst du aber zu Lebensmittel greifen, die viel Magnesium enthalten, zum Beispiel Bananen, Emmentaler, Himbeeren und Brokkoli.
- Bewegung: Schwangere sollten sich so viel wie möglich bewegen. Bewegung unterstützt nicht nur die Verdauung, sondern hilft außerdem, das körperliche und seelische Wohlbefinden zu stärken.
- Vierfüßlerstand: Du vermutest, dass deine Schmerzen von einer ungünstigen Kindslage herrühren? Versuch mal, in den Vierfüßlerstand zu gehen. Durch die Schwerkraft hat dein Baby im Vierfüßlerstand etwas mehr Platz und wird so vielleicht dazu animiert, seine Position zu verändern.
- Entspannung und mentale Geburtsvorbereitung: Dein Bauch wird hart? Zeit für Entspannung und mentale Geburtsvorbereitung!
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Bauchkrämpfe in der Schwangerschaft sind zwar meist harmlos, es gibt jedoch Situationen, in denen ein Arztbesuch notwendig ist. Sie sollten auf jeden Fall Ihrem Gynäkologen/Ihrer Gynäkologin oder Ihrer Hebamme von den Schmerzen berichten. Arzt und Hebamme können beurteilen, ob Sie nur unter normalen Schwangerschaftsbeschwerden leiden oder ob noch etwas anderes dahinter steckt. Auf jeden Fall sollten Sie um Hilfe bitten, wenn die Krämpfe nach mehreren Minuten der Entspannung nicht nachlassen oder einhergehen mit:
- Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen
- Unnormalem Ausfluss
- Blutungen
- Schmerzen im Unterleib
- Übelkeit
- Fieber
- Schüttelfrost
Auch wenn Sie unsicher sind, ob ein harter Bauch harmlos ist, ist es besser, es abklären zu lassen. Es ist besser, einmal zu viel zu fragen als einmal zu wenig.
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Spezifische Warnzeichen in den Trimestern
Es ist wichtig zu wissen, in welchen Schwangerschaftsphasen bestimmte Symptome besonders ernst zu nehmen sind:
Erstes Trimester
Normalerweise sind Unterleibskrämpfe im ersten Trimester kein Grund zur Besorgnis. Nur manchmal, wenn Sie auch noch andere Symptome haben, sollten Sie sicherheitshalber medizinischen Rat suchen, denn leider können Bauchkrämpfe auch auf echte Probleme hindeuten. Dazu gehören:
- Frühe Fehlgeburt: Unterleibskrämpfe mit Blutungen und Schmerzen im Zentrum des unteren Bauches. Rufen Sie Ihren Arzt oder Ihre Hebamme an. Dann legen oder setzen Sie sich so entspannt wie möglich hin und legen Sie die Füße hoch. Wenn Sie sehr starke Blutungen haben, dann sollten Sie sich in die Notaufnahme des nächsten Krankenhauses fahren.
- Eileiterschwangerschaft: Schmerzhafte Krämpfe mit unangenehmer Bauchdeckenspannung, die normalerweise auf einer Seite beginnen und sich von dort über den ganzen Bauch ausbreiten, zusammen mit Blutungen. Das Blut ist dunkel und flüssig. Rufen Sie sofort Ihren Arzt an. Eine Eileiterschwangerschaft muss sofort behandelt werden.
Zweites Trimester
Auch im zweiten Trimester sind Bauchkrämpfe normalerweise nichts, worüber Sie sich Sorgen machen müssten, sei denn, es sind regelmäßige, rhythmisch wiederkehrende Schmerzen. Ein leichtes Hartwerden des Bauches (sogenannte Übungswehen) unter vier- bis zehnmal pro Tag ist in Ordnung, aber bei regelmäßigen Schmerzen sollten Sie Ihre Hebamme oder Ihren Frauenarzt/Ihre Frauenärztin konsultieren. Es gibt die sehr geringe Gefahr einer späten Fehlgeburt, aber nur, wenn Sie auch Blutungen haben. Bedenken Sie, dass späte Fehlgeburten deutlich seltener vorkommen als frühe. Nur eine von 100 Schwangerschaften endet mit einer späten Fehlgeburt. Hier erfahren Sie mehr über späte Fehlgeburten: Krämpfe mit meistens starken Blutungen. Wenn Sie leichte Blutungen oder Ausfluss haben, dann bitten Sie Ihren Arzt oder Ihre Hebamme um Rat. Wenn Sie starke Blutungen haben, sollten Sie umgehend ins nächste Krankenhaus gehen.
Drittes Trimester
Im dritten Trimester erreichen Sie die Zielgerade. Bauchkrämpfe könnten jetzt bedeuten, dass sich Ihr Körper etwas zu schnell auf die Geburt vorbereitet. Dies könnte ein Zeichen für eine eventuelle Frühgeburt sein. Lassen Sie die Symptome von Ihrer Hebamme oder Ihrem Frauenarzt abklären. Sollten diese tatsächlich auf die Gefahr einer Frühgeburt hindeuten, dann gibt es die Möglichkeit, wehenhemmende Substanzen wie zum Beispiel Magnesium oder Bryophyllum und wehenhemmende Akupunktur einzusetzen. Die Anzeichen für eine drohende Frühgeburt müssen nicht zwangsläufig bedeuten, dass es auch zu einer Frühgeburt kommt. Manchmal - besonders wenn Ihre Fruchtblase noch nicht geplatzt ist - kann es auch ein falscher Alarm sein. Hier erfahren Sie noch mehr über eine Frühgeburt: Schmerzen im Becken oder im unteren Bauchbereich, Rückenschmerzen, leichte Bauchkrämpfe, Durchfall. Vielleicht platzt Ihre Fruchtblase und Sie spüren richtige Wehen oder das Zusammenziehen Ihres Uterus. Rufen Sie Ihren Arzt oder Ihre Hebamme an oder begeben Sie sich sofort ins nächste Krankenhaus. Wenn Sie der Meinung sind, dass Ihre Fruchtblase geplatzt ist, gehen Sie sofort ins Krankenhaus. Wenn Sie über Woche 37 hinaus sind, können Kontraktionen auch bedeuten, dass bei Ihnen die Geburt begonnen hat. In dieser Phase sind die Krämpfe kein Grund zur Sorge, sondern ein normaler Vorgang in Ihrem Körper, um die Geburt voran zu treiben. Sie könnten jetzt auch unter Rückenschmerzen leiden, die durch den Druck auf Ihr Becken und Ihren Rücken ausgelöst werden. Die Kontraktionen während der frühen Geburtsphase sind wesentlich leichter als die, die in der aktiven Geburtsphase folgen. Machen Sie es sich in dieser Zeit auf dem Sofa bequem oder laufen Sie herum - was immer Ihnen gut tut.
Medikamente gegen Bauchschmerzen in der Schwangerschaft
Bauchschmerzen sind immer unangenehm und in der Schwangerschaft sind Schmerzen eine zusätzliche Belastung, die jede werdende Mutter natürlich vermeiden möchte. Ein paar Wirkstoffe nehmen Schwangere aber nach Möglichkeit besser nicht ein. Dazu gehören etwa das bei Krämpfen und Bauchschmerzen helfende Butylscopolamin oder auch Acetylsalicylsäure (ASS, in vielen gängigen Schmerzmitteln enthalten, etwa Aspirin). Wenn es wirklich nicht ohne Tablette geht, kannst du gegen die Schmerzen Medikamente mit dem Wirkstoff Paracetamol verwenden. Bei Ibuprofen gilt: bitte nur im 1. und 2. Trimester. Grundsätzlich: Nimm keine Medikamente ohne Rücksprache mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ein!
Natürliche Wege zur Linderung von Bauchschmerzen
Viele Medikamente dürfen von Schwangeren nicht eingenommen werden, da sie schädliche Auswirkungen auf das Baby haben können. Glücklicherweise lassen sich die meisten Beschwerden durch die Anpassung der Ernährungs- und Lebensgewohnheiten lindern:
- Ausreichend trinken: Achten Sie darauf, reichlich zu trinken, um Ihren Körper mit ausreichend Flüssigkeit zu versorgen und Ihre Verdauungsorgane optimal zu unterstützen. Mindestens 1,5 Liter am Tag werden empfohlen, besser sind bei Verdauungsproblemen etwa 2 bis 3 Liter am Tag. Am besten geeignet sind stilles Wasser oder ungesüßter Tee.
- Schonende Ernährung: Bei einer sensiblen Verdauung ist es ratsam, auf eine schonende Ernährung zu achten und eher leicht verdauliche Lebensmittel zu wählen.
- Magnesiumspiegel: Ein ausgeglichener Magnesiumspiegel kann dazu beitragen, Schmerzen und Krämpfe im Unterleib zu verringern. Bei einem Magnesiummangel hingegen können vermehrt Wadenkrämpfe und unbestimmte Unterleibsschmerzen auftreten, da sich die Muskeln nicht mehr richtig entspannen. Deshalb sollten Sie vermehrt magnesiumreiche Lebensmittel zu sich nehmen oder gegebenenfalls, in Absprache mit Ihrem Frauenarzt, Magnesium als Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. Nüsse und Samen (z.B.
- Ernährungsgewohnheiten anpassen: Nehmen Sie besser mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich, anstatt wenige und große Mahlzeiten.
- Wärmebehandlungen und sanfte Massagen: Wärmebehandlungen und sanfte Massagen können bei Magenschmerzen in der Schwangerschaft wohltuende Linderung verschaffen. Reiben Sie für eine entspannende Massage den Bauch mit etwas Öl (z. B. Zu viel Wärme kann unter Umständen dem Baby schaden und vorzeitige Wehen auslösen.
- Entspannung: Gönnen Sie sich während Ihrer Schwangerschaft ganz bewusst Zeit, um zur Ruhe zu kommen und sich zu entspannen. Entspannungsübungen, Meditation, Spaziergänge im Wald oder leichte Massagen können Ihr Wohlbefinden stärken, helfen Anspannung im Körper zu verringern und können sich auch bei Verkrampfungen und Schmerzen positiv auswirken.