5-HTP und seine Wechselwirkungen bei der Parkinson-Krankheit

Die Parkinson-Krankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung, die hauptsächlich durch den Verlust von Dopamin produzierenden Neuronen im Gehirn gekennzeichnet ist. Die Behandlung zielt darauf ab, den Dopaminmangel auszugleichen, was oft mit L-Dopa in Kombination mit einem Decarboxylase-Hemmer erreicht wird. Allerdings kann diese Therapie zu Nebenwirkungen führen, die das Interesse an alternativen oder ergänzenden Behandlungen wecken. Hier kommt 5-HTP ins Spiel, eine Aminosäure, die als Vorstufe von Serotonin und Melatonin dient und potenziell eine Rolle bei der Linderung bestimmter Parkinson-Symptome und der Reduzierung von L-Dopa-induzierten Nebenwirkungen spielen könnte.

Die Rolle von Dopamin und Serotonin bei Parkinson

Bei der Behandlung der Parkinson-Krankheit wird häufig L-Dopa zusammen mit einem Decarboxylase-Hemmer wie Carbidopa oder Benserazid eingesetzt. Diese Kombination soll den Dopaminmangel im Gehirn ausgleichen und die Beweglichkeit verbessern. Durch die Erhöhung des Dopaminspiegels kann jedoch ein relativer Serotoninmangel entstehen, da Dopamin und Serotonin in Wechselwirkung stehen. Dieser Serotoninmangel kann sich in Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, innerer Unruhe oder Ängstlichkeit äußern. Eine langjährige L-Dopa-Therapie kann zudem zu Dyskinesien (Überbewegungen) führen.

Der potenzielle Nutzen von 5-HTP

Der Einsatz von 5-HTP wird in Betracht gezogen, um die Serotoninbalance zu stabilisieren, ohne die Wirkung von L-Dopa zu beeinträchtigen und gleichzeitig die Überbewegungen zu reduzieren. Eine Tierstudie aus dem Jahr 2023 zeigte, dass 5-HTP L-Dopa-induzierte Dyskinesien deutlich reduzieren kann, ohne die gewünschte Wirkung von L-Dopa zu verringern. Zudem wurden positive Effekte auf bestimmte zentrale Signalwege im Gehirn beobachtet, die mit der Entstehung von Nebenwirkungen zusammenhängen. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass 5-HTP die Wirkung von L-Dopa nicht beeinträchtigt.

Was ist 5-HTP?

5-Hydroxytryptophan (5-HTP), auch als Oxitriptan bezeichnet, ist eine Aminosäure, die keine eigene Funktion im menschlichen Körper hat. Sie entsteht aus Tryptophan und wird dann weiter zu Serotonin verstoffwechselt. Serotonin reguliert unter anderem die Stimmung und dient als Ausgangsstoff für die Produktion von Melatonin. 5-HTP stellt den limitierenden Schritt in der Serotonin- und Melatonin-Biosynthese dar.

Natürliche Quellen und Nahrungsergänzungsmittel

Eine natürliche Quelle für 5-HTP sind verschiedene Bananensorten, die neben Tryptophan und Serotonin auch 5-HTP enthalten. Eine besonders reichhaltige Quelle ist die afrikanische Schwarzbohne (Griffonia simplicifolia). Ihre Samen werden verwendet, um daraus für die kommerzielle Produktion 5-HTP zu gewinnen. Dieses kann dann in Form von Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) angeboten werden.

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Rechtliche Aspekte

Produkte, die die isolierte Einzelsubstanz 5-HTP als Zutat enthalten, sind in Deutschland und der Europäischen Union derzeit allerdings nicht verkehrsfähig. Sie werden als neuartige Lebensmittel oder Lebensmittelzutaten eingestuft, die vor dem 15. Mai 1997 in der EU nicht in nennenswertem Umfang als Lebensmittel konsumiert wurden. Sie dürfen erst nach einer Sicherheitsprüfung mit anschließender Zulassung auf den EU-Markt gebracht werden. Dennoch tauchen immer wieder 5-HTP-haltige Produkte auf. Das europäische Schnellwarnsystem für Lebensmittel, Lebensmittelbedarfsgegenstände und Futtermittel (Rapid Alert System for Food and Feed, RASFF) hat allein 2023 neun entsprechende Warnungen angezeigt. Laut dem EU-Novel-Food-Katalog zählen Griffonia-Samen nicht zu den neuartigen Lebensmitteln, allerdings nur für den Einsatz in NEM. In anderen Lebensmitteln könnte Griffonia-Extrakt als neuartig angesehen und müsste dann erst zugelassen werden.

Wirkungsweise von 5-HTP

Die Funktionsweise von 5-HTP ist eng mit seiner Rolle in der Serotoninproduktion verbunden. Wenn die Substanz oral eingenommen wird, wird sie über das Verdauungssystem aufgenommen und erreicht die Blutbahn, von wo aus sie das Gehirn erreicht. Der Körper wandelt Tryptophan, eine Aminosäure, die in proteinreichen Lebensmitteln vorkommt, in 5-HTP um. Durch die Einnahme von 5-HTP erhöht sich der Serotoninspiegel im Gehirn. Durch die Ergänzung mit 5-HTP umgeht man den ersten Stoffwechselschritt in der Tryptophan-Serotonin-Konvertierung und schafft eine effizientere Umwandlungsrate. 5-HTP kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden und gelangt direkt ins zentrale Nervensystem, wo es enzymatisch zu Serotonin umgebaut wird.

Mögliche Anwendungsgebiete von 5-HTP

Die vermeintlichen Wirkungen der Präparate werden von den Funktionen abgeleitet, die Serotonin im Körper hat. Entsprechend soll der Extrakt aus G. simplicifolia bei Beschwerden helfen, die durch einen Serotoninmangel bedingt sind, wie Schlaf- und Angststörungen oder Depressionen, soll aber zum Beispiel auch der Reisekrankheit vorbeugen können.

Appetit und Gewichtsverlust

Studien haben gezeigt, dass 5-HTP den Appetit verringern und die Nahrungsaufnahme verlangsamen kann. In einer Studie mit übergewichtigen Frauen führte die Einnahme von 5-HTP in Verbindung mit einer kalorienreduzierten Diät zu einem gesteigerten Sättigungsgefühl und einem Rückgang des BMI.

Depressionen

In älteren Studien konnten gewisse Erfolge mit Tryptophan und 5-HTP als Antidepressivum gezeigt werden. Bis 1992 war das rezeptpflichtige Arzneimittel »Levothym« in Deutschland erhältlich, das 100 mg 5-HTP enthielt und zur Behandlung von Depressionen eingesetzt wurde.

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Reisekrankheit

Im Jahr 2015 wurde die Wirkung von 5-HTP bei Kindern zur Vorbeugung der Reisekrankheit untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass die Teilnehmer, die einen Griffonia/Magnesium-Komplex erhielten, eine deutlich geringere Prävalenz der Reisekrankheit aufwiesen als die Kontrollgruppe.

Weitere potenzielle Anwendungen

Weitere Studiendaten weisen auf gewisse Effekte bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson hin. Die Substanz wurde auch zur Prophylaxe von Migräne und Kopfschmerzen untersucht und könnte möglicherweise bei Schlafstörungen helfen.

Risiken und Nebenwirkungen

5-HTP ist kein harmloser Stoff, sondern eine isolierte Substanz mit merklicher Wirkung. Auch wenn die Ergebnisse ermutigend sind, sollte 5-HTP nicht leichtfertig im Selbstversuch eingesetzt werden, denn Studien am Menschen fehlen. Auch ist die exakte Dosierung entscheidend und der Zeitpunkt der Einnahme sollte nicht mit L-Dopa kollidieren. Auch sind individuelle Reaktionen möglich, da das Gehirn sehr sensibel reagieren kann.

Mögliche Nebenwirkungen

Als Nebenwirkungen wurden bisher Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und Herzrasen berichtet.

Serotonin-Syndrom

Ein Serotonin-Syndrom kann resultieren, wenn Patienten 5-HTP in sehr hohen Dosen konsumieren oder es zusammen mit Präparaten eingenommen wird, die ebenfalls auf den Serotoninspiegel wirken, wie Antidepressiva (trizyklische Antidepressiva, selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) oder Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI)). Das Serotonin-Syndrom geht mit psychischen Veränderungen sowie autonomer und neuromuskulärer Hyperaktivität einher und ist potenziell lebensbedrohlich.

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Wechselwirkungen mit Medikamenten

Die Kombination von 5-HTP mit dem Parkinson-Medikament Carbidopa führt zu einer verringerten peripheren Decarboxylierung von 5-HTP zu Serotonin und erhöht damit die Bioverfügbarkeit für die Hirnpenetration. Übelkeit und Erbrechen als unerwünschte Wirkungen können sich verstärken. 5-HTP darf nicht zusammen mit Präparaten eingenommen werden, die ebenfalls auf den Serotoninspiegel wirken.

Weitere Warnhinweise

Meist unterbleibt auch die Angabe, dass sich 5-HTP weder für Schwangere noch für Stillende oder Kinder eignet.

Dosierung und Anwendung

Wenn 5-HTP in Absprache mit einem Arzt ausprobiert werden soll, sollte dies nur geschehen, wenn keine MAO-Hemmer oder Antidepressiva eingenommen werden. Man könnte z. B. mit 25 mg 5-HTP abends beginnen, idealerweise 2-4 Stunden nach der letzten L-Dopa-Dosis. Wichtig wäre auch eine gute Vitamin-B6- und Magnesium-Versorgung, da beide Mikronährstoffe für die Umwandlung von 5-HTP zu Serotonin nötig sind (z. B. 5-10 mg Vitamin B6 in aktiver Form P-5-P) und z. B. 100-200 mg Magnesium als Magnesiumglycinat). Beobachten Sie über 5-7 Tage, wie sich das Befinden verändert/verbessert oder ob unerwünschte Symptome auftreten (Unruhe, Benommenheit o. ä.) und geben Sie Ihrem Arzt Rückmeldung. Wenn alles gut verträglich ist, kann man - wenn der Arzt zustimmt - langsam bis max.

Allgemeine Dosierungsempfehlungen

Typischerweise werden 50-300 mg pro Tag eingenommen. Der Einnahmezeitpunkt ist flexibel, wobei manche Anwender auf morgens und andere auf abends schwören. Es ist wichtig, vor der Einnahme Rücksprache mit einem Arzt zu halten, insbesondere bei der Einnahme von Medikamenten, vor allem Antidepressiva.

Wichtige Hinweise für die Beratung

Wenn nach dem NEM gezielt bei Depressionen, Angst- und Schlafstörungen oder als Abnehmhilfe bei Adipositas gefragt wird, kann das Apothekenteam hellhörig werden. Es handelt sich dabei um anerkannte und teilweise ernste Krankheiten, die einer fachärztlichen Diagnose, Ursachensuche und adäquaten Behandlung bedürfen. NEM zählen zu den Lebensmitteln und dienen lediglich der Ergänzung von Versorgungslücken in der Ernährung, nicht aber zur Therapie von Krankheiten. Eine Bewerbung als Heilmittel ist nicht erlaubt.

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